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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · p. Seite 225

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
Seite 225 (sequence 1)
Language
German
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«nrrot Serttn, 23. /tpril 192H V. Jahrgang * Nr. 17 Einzelnummer 10 Sol-pfennig MStttr für-eiüfcdtumM unSluvrntum vryan des LalrÄVerems üeotscker StmttsvüryeriüSiscsten Aavdrrrs'Är m,n«is»b»Eme^«^Goldpsemika Allgemein© Zeitung des Judentums Derkag u. SchrifLleitung: Berlin 8^V 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 80472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel* stube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen'Cxpedition Rudolf Moffe, Berlin 8W IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90<72*# für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf MosseL Rorumlzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglreder d. Cenrralvereins 0,43 JIM, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 M JU Auf falschem Wege? Anmögliche „Lösungen" der Iudenfrage — Eine Kritik an der E. V.-Kuudgebung — Der „Kationakift Ludwig Haas" — Theorie und Praxis — Auch die Völkischen suchen inneren Frieden. Es ist für eine kämpfende Bewegung notwendig, den Blick von Zeit zn Zeit ans die Wirkung und Beurteilung ihrer Kaufhandlungen im gegnerischen Lager zu richten, zumal wenn der Kampf — wie'eben der nnsrige — nicht darauf ausgeht, den Gegner geistig oder moralisch niederzuknüppeln, sondern zu überzeugen und womöglich zu gewinnen. Wir deutschen Juden haben in dem erbitterten Ringen, in dem wir seit Jahr und Tag stehen, leider nicht allzu oft Gelegenheit gehabt, ritterliche Kämpfe mit ernsten und vornehmen Gegnern auszufechten. Meistens waren es Säubcrungsaktionen, denen wir uns widerwillig unterziehen mußten,'um unsere jüdische Ehre zu schützen. Ergab sich aber einmal die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung mit einem Gegner von Format und mit den Waffen des Geistes über Ideen und Ideale, dann haben wir diesen Kamps mit den Gefühlen eines Menschen ausgenommen, dem nach harter Arbeit in Staub und Schmutz ein Bad in klarer Flut winkt. So können wir auch heute einmal die Klingen mit einem Gegner kreuzen, der uns zwar nicht nett behandelt hat, aber doch klar zu erkennen gibt, daß er den Kampf zwischen Dölkischen und Juden in seinem Wesen ersaßt hat und dementsprechend in seinen Methoden geistig höher zu heben bestrebt ist. Herr Erich Günther, Schriftsteller in Jena, beschäftigt sich in einem Aussatz „Unmögliche .Lösungen' der Judenfräge" in Nr. 65 der „Jenaischen Zeitung", der sich gleichermaßen gegen Völkische wie gegen den „Centralverein" richtet, mit den Kampfmethoden beider Bewegungen. Anlaß zur Kritik des E. V. gibt ihm unsere Hauptversammlung, und ztvar besonders die Ausführungen des Herrn Dr. Haas über das Rassenproblem gelegentlich der Kundgebung im Reichswirtschaftsrat: „Wenn man sieht, wie diese Leute de» Antisemitismus bekämpfen zn können glauben, so glaubt man sich in die Zeit des flachsten Rationalismus zurückversetzt. Was z. B. Herr Dr. Ludwig Haas, M. d. R-, nach dem Bericht des genannten Blattes („Berliner , Tageblatt") vorbrachte, ist als geradezu kläglich, in gewisser Weise auch, als empörend zu bezeichnen. An der völkischen Bewegung scheint er — wie man aus jenem Bericht schließen darf — kein gutes Haar gelassen zu haben. Meint man denn in jenen Kreisen, auf die vielen deutschen Gebildeten, die sich ernsthaft mit der Rasscn- Hiologie beschäftigt haben, ans diese Weise noch irgendwie Eindruck M machen?" Wir wollen nicht die Beleidigten spielen, sondern kurz und bündig dort einhaken, wo Herr Günther ganz richtig den Angelpunkt des Problems anbeutet, beim „Rationalismus". Günther will sagen: Die völkische Bewegung —lies: der Antisemitismus — ist eine irrationale Erscheinung, und die Juden' bilden sich ein, sie mit den Waffen und Methoden des Rationalismus bekämpfen zu können. — Es ist durchaus richtig, daß der Antisemitismus seinem innersten Wesen und letzten Ursprung nach irrationalen Charakters ist, und daß seine nur rationalistische Bekämpfung darum erfolglos bleiben muß. Aber Günther schätzt die bst B.-Juden falsch ein, wenn er glaubt, daß sie im Gegensatz zn den „ernsten, vernünftigen und anständigen Juden", denen er so oft und gern seine Hochachtung bezeugt, diese Tatsachen nicht längst begriffen hätten. Nicht >o i r sind eS, die den logischen Schnitzer machen. Irrationales und Rationales durcheinanderzuwerfen, sondern die Antisemiten selbst, die uns als Angreifer daS Gesetz des Handelns in der Abwehr und Verteidigung vorschreiben. Solange der Antisemit sagt: Ich empfinde das Judentum als eine fremde Rasse, Art, ein fremdes Volkstum, und damit basta — solange bleibt er innerhalb der Sphäre des Irrationalen. Sobald er aber Erklärungen und Begründungen sucht und beibringt, ist er im Rationalismus schon mitten drin. Es ist das große Verdienst Wilhelm Diltheys, daß er diese Grenze %m Oetst Inhalt: Auf falschem Wege? Von H. Stern. Die Abnahme der jüdischen Vevölkerung in Süddeutschkand. Von Dr. Zuliuö Nothholz. Seite 22T. Herr Regierungsrat 9adt, der Steigerprozeß und anderes. Von Dr. Paul Nathan. Seite 22s. politische Vücher. Seite 23t. - - - .

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