Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- Seite 218 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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t 218 Antisemitismus und Inseratengeschäft. Erbauliches aus Stuttgart. Am 12. März bringt der „Völkische Herold", ein in Lorch und München erscheinendes Hetzblatt schlimmster Sorte, einen Aufsatz über das Volksbegehren Zur Fürstenenteignung, worin das Volksbegehren als „Judenbegehren" bezeichnet und damit begründet wird, daß die Juden durch den Talmud verpflichtet seien, ihre christlichen Mitbürger Zu schädigen. _ Am gleichen Tage veröffentlicht Herr Rechtsanwalt Dr. 'L> ch o t t, ein Führer der württcmbergischen Bürgerpartei, in der „Süddeutschen Zeitung", dem offiziellen Organ der Deutschnationalen, einen Aufsatz „Rechtsstaat oder Raubstaat?" mit folgender netter Bemerkung : „Man sieht auch wirklich nicht ein, warum nicht auch die Familien Levi und Wolfs, warum nicht die Villa des Herrn Keil, die doch aus konzentriertem Arbeiterschweitz gebaut ist (ein merkwürdiges Baumaterial!), enteignet werden sollen. Ueberatt heißt-es denn auch — auf dem Lande anfangend — ehe man den Fürsten ihr' Sach' nimmt, nimmt man's den Juden, denn dort steckts auch." Die Aeußerungen des Herrn Schott sind schon wesentlich schwerer zu nehmen, als die des Demagogen Rohm im „Völkischen Herold". Herr Dr. Schott ist ein gebildeter Mann; er nimmt volkswirtschaftliches Verständnis für sich in Anspruch und würde sich nach Kräften wehren, wenn inan etwa behaupten wollte, er sei etwas anderes als eine vornehme Kampfesweise gewöhnt. Die „süddeutsche Zeitung", deren Akquisiteure bei den Juden beständig um Bestellung und Anzeigen werben, läßt bei der Gelegenheit immer wieder versichern, sie sei ganz und gar nicht antisemitisch, hat aber seit Einbringung des Volksbegehrens jetzt schon dreimal ihre Leser darüber aufgeklärt, daß die Fürstenenteignung natürlich auch die Juden enteign ung zu r Folge habe n m ü s s e. In den früheren Artikeln hieß es immer „Ostjuden"; in dem oben genannten Aussatz hat man aber diese Einschränkung fallen gelassen. Am 16. März veröffentlicht die „Süddeutsche Zeitung" eine humorlose Humoreske „Der Abfindungskarle", in der erzählt wird, in welche Hände^der abgefundene Besitz der Fürsten kam: „Ae Schloß, "Moritzche, ü schloß. Ae richtiges altes schloß mußte mer kaufen. Dann kannst de dich als Forscht fühlen." Natürlich meint die „Süddeutsche Zeitung" mit dem Leitartikel des Herrn Dr. Schott, genau so wie mit der Humoreske nur die b ö s e n Juden — die guten sind die, die bei ihr annoncieren — aber die dummen Leser verstehen den Unterschied nicht. Am Morgen nach dem Erscheinen des Schottschen Leitartikels forderte ein kleiner Puppenhändler aus der Schulstraße in einer öffentlichen Friseurstube unter lautem Geschrei schon zu einem regelrechten Pogrom auf. Herr Dr. Schott wird natürlich sagen, das sei nicht er gewesen, und das sei auch nicht seine Absicht gewesen. Die „Süddeutsche Zeitung" wird auch sagen, das sei nicht ihre Absicht gewesen. 'Aber was ist denn Ihre Absicht, meine Herren? Und wozu veröffentlichen Sie Ihre Hetzartikel? Förderer des jüdischen Religionsunterrichts. Aus den Erinnerungen eines Lehrers. Unser verehrtes Hauptvorstandsmitglied und treuer Mitarbeiter Professor Dr. Julius Schneider sendet uns zu dem Aufsatz: „M. A. Klaußner, der Erkämpfer des . obligatorischen Religionsunterrichts" in Nr. 14 der „C. V.- Zoitung" die folgenden Erinnerungen, die wir in Würdigung seiner großen Verdienste gern unseren Lesern zur Kenntnis geben. . Die Schvistleilung. Als ich im Januar 1884 in das Falk-Realgymnasium in Berlin eintrah dem ich. über 42 Jahre dienen durfte, stand es um den jüdischen Religionsunkterricht an den. öffentlichen Schulen Berlins sehr schlimm. An vielen Anstalten gab es solchen überhaupt nicht, an anderen wurde über mangelhafte Beteiligung und andere Mißstände geklagt. Dank dom verständnisvollen Entgegenkommen' meines Direktors Bach (der, nebenbei bemerkt, zu den Begründern des „Vereins! Zur Abwehr des AntisemitisUrus" gehörte) konnte ich 'schon Ostern 1884 Religionsunterricht für die jüdischen Schüler der Anstalt, zunächst für die Sextaner und Quintaner, einfü'hren, und ihn stufenweise von- Jahr zu Jahr weiter aufbauen; zuletzt kamen die Jüngsten, die Vorschüler an die Reihe. Einige Jahre später wurde mir dieselbe Ausgabe an zwei anderen städtischen Schulen, einem Realgymnasium und einem Gymnasium, übertragen«. Der Direktor des Realigymnasmms, ein kirchlichfrommer Mann, der, NaturwissenschaMer von Fach, mit den evangelischen Primanern Bibelstunden hielt, trat mir bei weinen ersten Besuchen mit einem glatten Nein entgegen; an seiner Anstalt wolle er keinen jüdischen Rdrgionsuntetricht. Rur sehr allmählich konnte ich ihn von dieser Stellungnahme bekehren', so daß er den Unterricht nicht nur „duldete", sondern sogar persönlich anhörte und sich zufrieden erklärte. Bei dem Direktor des benachbarten Gymnasiums hatte ich solchen Widerstand nicht zu bekämpfen', aber andere, vermeintliche, Schwierigkeiten, wie die Unterbringung in den Klassenräumen, die Festsetzung der Unterrichtszeiten u. a., wurden mir entgegengehalten. Doch es gelang, auch diese zu überwunden, und ich konnte .an beiden Schulen die Einrichtung meinem Nachfolger als gefestigt und gesichert übergeben. Die Erfahrungen und Lehren dieser Jahre (auch an der Viktoriafchule in der Prinzenstraße unterrichtete ich mehrere Semester) habe ich in unserer Vereinszeitschrift „Im Deutschen Reich" in einem HAG Seit langem bin ich außerordentlich empfindlich gegen Coffein und Kaffee. Ihr Kaffee Hag aber ist mir außerordentlich gut bekommen. Dr. med. Leibold, Cleve Alleinige An zeigen-Ann alime Rudolf Mosse, Anzeigen- Annahme für sämfl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands ' Berlin 8>V w, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz /Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. j Halle(Saale) / Hamburg / Hannover / Karlsruhe / Kölna. Rh. Leipzig / Magdeburg I Mannheim / München / Nürnberg l Stettin / Stuttgart / Amsterdam | Barcelona / Bafel / Budapest j Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. Dr.Wigger’s Kurheim PARTEN KIRCHEN (Bayerisches Hochgebirge) Sanatorium für innere, Stoffwechsel-, Nervenkranke und Erholungsbedürftige Vollkommenste Einrichtungen. Alle Bequemlichkeiten Eigenes grosses Kurmittelhaus Aussichtsreichste und geschützteste Sonnenlage Eigene diätetische Abteilung / 4 Aerzte Oberleitung: Der Besitzer Dr- Florenz Wigger, Geh. Hofrat. Dr. Wigger’s Kurheim wieder unter Vorkriegsleitung bei Vorkriegspreisen! Die ausgezeich neben, seit mefir äfe 35 Jaftren gepflegten {Beziehungen unserer