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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-09 · 15 (9.4.1926) · p. Seite 207

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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207 WeltgeMchte öer neuesten Zeit. Wenn in vergangenen Epochen eine Katastrophe über ein Volk oder die Völker hereingebrochen war, so suchten sich die Betroffenen schlecht und recht — je nach dem Map der verbliebenen materiellen und seelischen Kräfte — mit den Folgen übzufinden. Anders heute. Die ungeheuere Wucht der Geschehnisse unserer Zeit mit den vielfältigen Leiden für jeden einzelnen hat die natürliche Neugier nach dem Wie und Warum der Ereignisse nicht nur nicht erstickt, sondern umgekehrt einen brennenden Durst nach Aufklärung in allen Schichten der Bevölkerung erzeugt. Wir kennen zur Genüge die zum Teil recht üblen Gebraus, die man dem Volke als Aufkläricht zur Verfügung stellte, und auf die es sich in Ermanglung genügender Einsicht und auch besserer Mittel stürzte. War doch der Hauptteil unserer Ausklärungsarbeit in den letzten Jahren notwendig, um die Verlogenheit und' Sinnlosigkeit jener Erzeugnisse von Auch- Historikern, die mehr der eigenen Verblendung und den Instinkten der Masse als der Wahrheit zu dienen fähig und gewillt waren, aufzudecken und unwirksam zu machen. Unterdessen ist auch die berufene Geschichtschreibung am Werke gewesen, dem Zeitgenossen ein anschauliches Bild vom Werden und Verlauf der letzten Menschheitstragödie zu verschaffen. Das hat gewiß auch seine Bedenken. Mit Recht fordert man vom Geschichtschreiber eine gewisse Distanz zu den Dingen, denen er „objektiv" geDenüberstehen soll und muß. Geschehnisse, die noch nicht der Leidenschaft der Tages- und Parteikämpfe entzogen sind, sagt inan, können wohl Gegenstand politischer, aber nicht geschichtlicher Betrachtung sein. Das ist im allgemeinen gewiß richtig. Aber unser Fall erhält durch zwei Momente ein besonderes Gepräge: einmal bedeutet der Umsturz von 1918 einen Bruch in der Entwicklung, so dast mit ihm das Ende der vorhergehenden und der Anfang der jetzigen Epoche deutlich gekennzeichnet ist. Zunr zweiten ist der Geschichtschreibung seitdem eine solche Fülle von Material zur Verfügung gestellt worden, daß die Sichtung und Auswertung desselben sehr wohl eine objektive Erkenntnis ermöglicht. Haben darum schon zünftige Historiker es mit ihrem wissenschaftlichen Gewissen vereinbaren können, die letzte Periode der Weltgeschichte zu bearbeiten, dann hat auch die volkstümliche Geschichtschreibung das Recht dazu, ohne sich dem Vorwurf der Sensationslust auszusetzen. So ist neuerdings im Ullstein-Verlag, und Zwar als Fortsetzung der sechsbändigen Weltgeschichte, eine zweibändige „W eltgeschichte der neuesten Zeit" erschienen, die die Zeit von 1890 bis zur unmittelbaren Gegenwart behandelt. Das vornehm und mit reichern, auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht wertvollem, Bildermaterial ausgestattete Wert ist von dem Direktor im Reichsarchiv Paul H e r r e herausgegeben und irr feinen einzelnen Darstellungen von bekannten, zum Teil hervorragenden Fachleuten wie R a cl/s a h l, H o e tz s ch, S p a h n und Bonn verfaßt worden, deren Name schon für den Ernst und die strenge Sachlichkeit des Unternehmens bürgt. Mit Genugtuung kann der kritische Leser darinn seststellen, daß es dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern tatsächlich gelungen ist, beut Werke alles Tendenziöse sernzuhalten und es trotz seines Charakters als „Bilderbuch" auf wissenschaftlichem Niveau zu halten. Wenn ein Bedenken zu äußern wäre, dann in bezug auf die Begrenzung der dargestellten Periode. Ihr deutliches Ende ist, wie schon gesagt, der Umsturz; was nach if)m kommt, ist der Auftakt für die Zukunft. Der Beginn fallt in das Jahr 1878; denn die große Zäsur in der neueren Zeit ist ntcf)t so sehr das Jahr 189b/der Beginn des Imperialismus und des wirtschaftlichen Umschwungs (für Deutschland), als vielmehr der Berliner Kongreß/ der unmittelbar zur Umgruppierung der europäischen Großmächte und zur verhängnisvollen Bündnispolitik geführt hat. Doch das ist ja nur ein Aeußerliches. Wer ein Interesse daran hat, daß den S ü n d e n b o ck - T h e o r e t i k e r n endlich das Handwerk gelegt wird nnb weitesten Kreisen des deutschen Volkes die Möglichkeit zu wirklicher Erkenntnis seiner politischen Lage und deren geschichtlichen Entwicklung gegeben wird, muß das Werk begrüßen und ihm weiteste Wirkung wünschen. H. Stern. Dr. Caro (Berlin) legt gegenüber der Protokollierung („C. V.-Ztg." Nr. 13 vom 26. März 1926): „Caro (Berlin) lenkt die Diskussion aus die Kampsesweise Naumanns und seines Blattes" Wert auf die Feststellung, daß er das Verhalten des C. V. gegenüber denr Verband nationaldeutscher Inden zum Gegenstand seiner Kritik gemacht habe. rraTl KATARRHE USU* ASTHMA GRIPPEFOLGEN nhertminnen Union* ihreßdchereiwachs]-der Schrank wachs! mit. [Kataloff 343pos/frei\ Hemridi Zeiss I Uraonidss) Frankfurt Kakrsk38 Berlin NW 7, Unter den Linden 56 Keine zweite jüdische Wochenschrift hat eine derartig umfassende Verbreitung wie die „E.v.-Zeitung", das Organ des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die hohessuflage von ca.7dd00 Exemplaren gelangt in die Hände der besten jüdifchenAreife ganz Deutschlands. ■■■ Eismann: Eis gefällig? Köchin: Wir brauchen kein Eis mehr, denn wir haben einen selbsttäügen Mannesmann-Kühlschrank mih eigener Eiserzeugung Eismann : Wo gibt es denn diese Neuerung? Köchin: Bei Mannesmann,Friedrichstr. 223, schon von ©50 Mark an.

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