Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 15 (9.4.1926)
- Date
- 1926-04-09
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Geschwindigkeit ihren Weg durch sämtliche Kulturkreise nehmen. Wir leben in einer Zeit, in der die Technik einerseits den aus Vervollkommnung sinnenden Menschengeist in überwältigender Weise an sich fesselt und .in der ihre eigene Macht auch zugleich reiche Mittel für die Ausbreitung neuer Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Ueberlegen wir ferner die dynamische Gewalt, mit der der immer knapper werdende Nahruugsspielraurn auf Intensivierung der Wirr schuft drängt, so sind uns alle Komponenten gegeben, die heute interkulturelle Beeiuslussung hervor'bringen. Es ist der Zwang der Zweckmäßigkeit, der uns Lichtreklame und Turmhäuser beschert — er läßt uns keine Wahl. Gerade diese Gegenüberstellung aber beleuchtet die Bedeutung der oben angeführten Tatsachen in dem für uns wertvollen Sinne. Tie in ihnen aus gegeigte oft- und westliche Symbiose war andersartig, war wcrtbestimmt lind damit kulturell bedeutsam. Sie lag lveit stärker auf künstlerischem und ge ist igein, als aus wirtschaftlicheun, Zivilisatorischem Gebiete. Und bei aller Würdigung der Schwierigkeiten, die einer Wertung historischer Tatbestände entgegenstehen, sind wir doch noch u na ngekränk-elt st a r k g e n u g i n u n s e r m d e u t s ch e n u n d j ü d i s ch e n K it 11 it x b c \v lt ß t f e t n , um die Tatsache einer so innigen geistigen Verwandtschaft zwischen Morgenland und Abendland, wie sie uns Sitlmmm und Jacob aufs neue erwiesen haben, als wertvolle Rechtfertigung unserer Kulturideale anznschen. Dr. Eva Jurrgmarin. Sn Schulbuchs Das Buch: „Süddeutsches Germanentum und Leibeszucht der Jugend", von Prof. Dr. Ignaz Kaup, wurde in Bayern als Lchutlesebuch empfohlen! Ter größere Teil des Buches „Süddeutsches Germanentum und Leibeszucht der Jngelid'Z befaßt sich mit dem Thema: Leibesübungen und Volksentartlrng. Seite 1 bis 11 und Seite 54 bis 116. Dazwischen liegt ein Kapitel: Rasseuhygiene und Nassentheorien in Deutschland. Seite 12 bis 53. Nur mit diesem haben wir es hier zu tun. Die Ausführungen sind im wesentlichen eine Polemik gegen H. Günthers Rassenkunde des deutschen Volkes, die schon in mehreren Auslagen in I. F. Lehmanns Verlag in München erschienen ist.' Es ist nicht verwunderlich, daß die Behauptung Günthers, der in den Spuren von Gobineau, Chamberlain, Witter nsw. wandelt, von der körperlichen und geistigen Ueberlegenheit oer „Nordrasse" über die „Ostrasse", „Westrasse" und „Dinarier", bei den nach G ü n t h e r zumeist „ostrassigen" oder „dinarischen" Bayern auf Widerspruch stoßen mußte. Schließlich läßt man sich doch nicht gern dem Stempel der Minderwertigkeit aufdrücken! Eigentlich betrifft dies nur die 50 Prozent nichtnordischen Bestandteile, die Bayern nach G ü n t h e r aufweist. Aber die Bayern fühlen sich nun einmal als ein einheitliches Volk und wollen sich nicht nach der Kopfform und dem Teint spalten lassen. Doch wäre dem Verfasser die Spaltung des süddeutschen Volkstums nach körperlichem Merkmalen an sich ziemlich gleichgültig, wenn Günther die Rassen nicht mit befiinuntcu seelischen Eigenschaften in Verbindung gebracht hätte. *) Verlag der „Gesundheitsrvacht", München 1925. 116 Seiten und 64 Tafeln. „Der nordische Rasseubestandteil des deutschen Volkes ist der Hauptträger seiner geistigen Kraft," und „innerhalb des deutschen Volks- Linus muß das nordische Blut das „erwünschte" sein, das nichtnordische Blut das „mindererwünschte". Jln Gegensatz zu Günthers Forderung der „Vcrnordnnug" des deutschen Volks erblickt Kaup das Heil, wie uns scheint mit mehr Recht, in der körperlichen Ertüchtigung aller seiner Rassenbestandteile. In der Polemik gegen Günther wird ferner darauf hingewiesen, daß Süddeutschland viel früher von germanischen Stämmen besetzt wurde als das Land östlich der Elbe, wo die Germanisiernng erst im späten Mittelalter entsetzte und bis hellte noch nicht überall gelungen ist (Wenden im Spreewald). K a n p zeigt ferner, daß die Körpergröße n i ch t d u r ch - weg e i n e Eige n a r t b e st i m m t e r R affen, sondern ein Produkt guter L e b e n s v e r h ä l t n i s s e sei. Allch die Kopfform sei kein Dauermerkmal einer Rasse, sondern eher einer Gegend. Der Prozentsatz der rein germanisch-nordischen Bevölkerung in Süddeutschland einschließlich der Schweiz und Oesterreich sei überhaupt nur sehr klein: 2 Prozent. Es seien also 98 Prozent „Unerwünschte", nach Günther, vorhanden. Für die Züchtung des nordischen Menschen sei daher das Material in Deutschland sehr ungünstig verteilt. Aber auch in Norddeutschland sind nur 8 bis' 10 Prozent Bewohner, die alle Merkmale des nordischen Typus vereinten. Also mit der Wiedervernordnung des deutschen Volkes hapere es hier doch sehr! Ueberhaupt gehöre (nach Spengler) Nasse und Landschaft zusammen; eine Nasse wandert nicht. Alle nordischen Menschenrassen mit Heller Komplexion sind nach ihrer Abwanderung nach mitteleuropäischen Gebieten einer allmählichen Anpassung unter-, warfen, ein Prozeß, der noch nicht abgeschlossen ist. Nun« zur nordischen Seele im deutschen Volk! Aber gerade in Süddeutschland habe deutsche Staatenbildung, deutscher Sang und deutsche Kunst ihre früheste und höchste Blüte erlebt. Sind im Weltkriege nicht alle deutschen Stämme gleich tapfer gewesen? Germanisches Wesen lebt in Nord und Süd, 'Ost und West des deutschen Siedlungsgebietes in gleicher Weise fort. Merkwürdigerweise stimmt K a u p bei aller Polemik gegen G ü n t h e r mit diesem in der Bewertung der Juden überein. Der Anhang über diese in G ü n t h e r s Buch sei besonders wertvoll! Die Facies germanica (das deutsche Gesicht) sei wesentlich verschieden von der Facies judaica. Während also bei der Schilderung der. psychologischen Konstitution der alpinen Rasse (des Hauptbestandteils der Bayern) tendenziöse Entstellung angenommen wird, ist die gleichartige Beurteilung der Juden ganz richtig! Man sieht immer wieder, es kommt nur aus die Brille an, mit der man ein Forschungsgebiet ansieht, und Kaup setzt Lei seinen Bayern eine andere aus als bei den Juden. Damit ist auch seine im übrigen verdienstliche Arbeit gerichtet. Ohne völlige Objektivität gibt es keine Wissenschaft Dr. S. Feist. * Bad Nauheim;j PARK-HOTELI I Haus afiierersfeti Ranges MWWWWWW^ Alleinige Anzeigen-Annahme Ecdolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen BentscMands und des Auslands Berlin 81V 19, Jerusalemer Straße 46-49 / BreZlau / Chemnitz /Dresden /Düsseldorf f Erfurt ( Frankfurt a.M. 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