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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-09 · 15 (9.4.1926) · p. Seite 202

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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202 und gemctnfame Aufgaben herausgearbeitet werden. Von den Führern her müßte dann jene geistige Beeinflussung der Gefolgschaften eintreten, die allmählich die seelischen Wurzeln teuer „Verwirrungs- und Störungsversuche" zum Absterben bringt. Hat sich in der Jugendbewegung in den letzten Jahren vorwiegend ein Disferenzierungsprozeß vollzogen, so muß unter Bejahung der dadurch geschaffenen engeren Gemeinschaften nun aufs neue eine Synthese dieser Gruppen auf höherer Stufe angestrebt werden. In Differenzierung und Integrierung, in Antithese und Synthese bewegt sich ja überhaupt das geistig-seelische Leben eines Volkes, wenn dieses Leben innerlich reich und gesund bleiben soll. Und darum darf auch all die Zerklüftung, Feindschaft und Gehässigkeit, die heute vor allem in die Augen fallen, uns nicht irre machen an dem sachlichen Recht eines ehrlichen und zähen Strebend nach Volksgemeinschaft. In diesem Sinne begleite ich Ihre Bestrebungen mit aufrichtigen Wünschen. Ingen-pfarrer Suöeesw ($eeMn)> Vorsitzender des Rcichsausschrrsses der deutschen Jugendverbände. Deutschlands kümmerlicher Bestand und seine Zukunft ist gebunden an die Beherzigung der ihm immer wieder von den Besten unseres Volkes vorgehaltenen Mahnung — „wenn ihr einig seid und treu". Doch wie iucit ist unser Volk davon entfernt, daß man von ihm rühmen kann, einig und treu zu sein! Wenn aber je das Wort wahr gewesen ist, daß in der Jugend die Zukunft und Hoffnung liegt, dann ist dies Wort heute im Blick aus Deutschlands Jugend wahr. Zwar schlagen sich auch in der deutschen Jugend gewisse Kampfgruppen heute noch die Köpfe gegenseitig blutig und meinen, damit vielleicht für eine bessere Zukunft unseres Volkes zu sorgen; aber was will dieser kleine Teil der deutschen Jugend, von dem in der Oessentlichkeit viel zu viel Aufsehens gemacht wird, gegenüber dem großen und entscheidenden Teil der deutschen Jugend bedeuten, der sich in den Bünden der Jugendpflege und -bewegung zusammengeschlossen hat und der ganz anders als jene Kampfgruppen eingestellt ist! Es sind über 80 Reichsjugendverbünde mit über S!4 Millionen jugendlichen Mitgliedern, die sich aus eigener Entschließung in dem Reichsausschuß der deutschen Jugendverbünde zusammengesunden und dort gleichsam ihr eigenes Parlament geschaffen haben. Dieses Parlament der Jugend, das noch viel zu wenig bekannt und in seiner Bedeutung nicht gebührend geschützt ist, ist für eine deutsche Volksgemeinschaft ein glückbedentendes Morgenrot, ^o verschieden die deutschen Jugendverbände in ihren Grundsätzen und ihrer Zielstellung sind, so haben sie doch den ernsten Willen, sich zu verstehen und den fruchtbaren Willen zu gemeinsamer Arbeit. Trotzdem ein Beschluß im Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände nur bei Einstimmigkeit gefaßt werden kann, sind wiederholt wichtige Beschlüsse gefaßt worden, und zwar Beschlüsse nicht nur problematischer Art, sondern solche, die einen einstimmigen Willen zu gemeinsamer Tat bekunden. Dadurch, daß in dem Reichsausschuß die Führer der deutschen Jugend einander verstehen gelernt haben, haben sie, obwohl ihnen damit der Wert ihrer eigenen Anschauung und. Arbeit keineswegs geringer geworden ist, zu vergleichen und begreifen gelernt und haben vor allem auch erkannt, daß auch die Anschauung und Arbeit der anderen von einem Verantwortungsbewußtsein getragen wird, das zu verkennen ein Verstoß gegen eins der höchsten Gebote der deutschen Jugend wäre, gegen die innere Wahrhaftigkeit. — Je länger ttfj die Ehre habe, im Neichsausschuh der deutschen Jugendverbände tätig zu sein und die Führer der deutschen Jugend aus den verschiedenen Verbünden kennenzulernen, um so größeres Vertrauen setze ich auf die deutsche Jugend und aus die deutsche Zukunft. Mag mancher Idealismus, der jetzt in der deutschen Jugend herrscht, verwelken, aber einer Zerrissenheit, wie sie jetzt die Alten zerfleischt, wird wenigstens in solchem Ausmaße die deutsche Jugend sicherlich nimmermehr zur Beute werden. _ Auch die deutsch-jüdische Jugendbewegung, sofern in ihr die Sehnsucht nach einer deutschen Volksgemeinschaft lebt und soweit sie mit den übrigen deutschen Jugendverbänden zusammenarbeitet, wird für die Ueberwindung der deutschen Zerrissenheit und die Herstellung einer inneren deutschen Einheit erfolgreich tätig sein können. Die gemeinsame Arbeit mit der übrigen deutschen Jugend wird auch das beste Mittel sein, Verwirrungs- und Störungsversuchen wirksam entgegenzutreten. Solange Menschen im Verkehr untereinander innerlich fremd und durch Arbeit unberührt sich gegenüberstehen, werden sie von meist unbewußten Sympathien und Antipathien beherrscht. Wenn sie aber in gemeinsamer Arbeit sich kennenlernen, daun wird ihnen der innere Wert des Menschen, soweit er vorhanden ist, klar, dann erwacht die gegenseitige Achtung und das Bewußtsein innerer Verbundenheit. Was von den Menschen gilt, das gilt auch von dem, was man im Leben der deutschen Jugend die Jugendbewegung nennt. Verwirrungs- und Störungsversuche können nur bei solchen Gruppen der Jugendbewegung, die innerlich wertlos oder unbekannt sind, Erfolg haben. Gemeinsame Arbeit, wie sie für die deutschen Jugendverbände in ihrem Reichsausschuß gegeben ist, wird die deutschen Seelen binden und alle Verwirrungs- und Störungsversnche lahmlegen. Erwin Niffka (Serttn), Mitglied des Rcichsvorsiandes der deutsche» Windthorst-Biinde. Wir geben Ihnen gern eine kurze Antwort auf die gestellten Fragen, obwohl wir uns dessen bewußt sind, daß Jugendwollen und die Ziele der Jugendbewegung schwer in fest umrissene Sätze zu bringen sind. 1. Diese Frage ist schon oft gestellt und beantwortet worden. Sehr verschieden waren die Antworten. Die Jugendbewegung, die es ernst mit sich und ihrem Wollen meint, strebt nach Wahrhaftigkeit. In dieser letzten Zielsetzung sind wir uns alle einig. Die Kräfte dieses Wollens kommen aus verschiedenen Quellen, sie sind an die Weltanschauung gebunden. Die katholische Jugendb e w e g u n g steht in ihrem S t r e b e n nach innerer W <t h t - Hastigkeit und zu den Dingen des Weltgeschehens in der Verantwortung vor Gott. So gesehen, gibt es keinen Kompromiß zwischen Innenleben und Welt, ein Grund für das starke Verlangen nach eigener Gemeinschastlichteit, nach dem eigenen Bunde. Dieses Streben ist immer gut, wenn es nicht d i e E h r f u r ch t vor der Seele der anderen verliert. Die Gemeinschaft mit den anderen zu finden ist der Schritt, den viele nicht gewagt haben. Sie finb in sich und au der Welt zersplittert. Wenn sie noch leben, daun in stärkster Negation, ohne Bezug auf das llm-uns. Aus dieser Scheu sei die gestellte Frage beantwortet, die die Möglichkeiten einer wahren deutschen Volksgemeinschaft sucht. Das Problem ist: die Einordnung des eigenen, des ganzen, lebendigen u n -d wesenhasten M e n s ch e n in das höhere G a n Z e. Dabei sind viele gescheitert, und in dieser Zielsetzung werden wir vielfach von den Alten des eigenen Lagers nicht verstanden. Beide Schwierigkeiten müssen wir sehen. Das deutsche Volk, inmitten Europas geworden, kann seine Geschichte und stammliche Verschiedenheit nicht leugnen. Von diesen Voraussetzungen gehen wir aus. Sind diese Teile nicht gesund und nicht einig im Willen zum Dienen und gemeinsamen Schassen, so wird Deutschland zerfallen. Folgerung für uns: Jede I u g e n d g e m e i ns ch a f t sei ganz wahr in sich und aus sich, g anz b e r ei t zum Dienen an der Gemeinschaft. Die deutsche Jugendbewegung mutz Deutschland sehen, und die eigene Kraft einzusetzen gewillt sein für eine deutsche Volksgemeinschaft. Tie Schwierigkeiten sind groß. Stark muß also die Kraft sein, die aus unserer Seele kommt. 2. Wenn Sie uns nach der Stellung der deutsch-jüdischen Jugend bewe g u n g im Rahmen der deutschen Volksgemeinschaft fragen, müssen wir unsere Unkenntnis über Ihr Wollen zngeben. Das wissen und glauben wir, daß Sie deutsch im deutschen Vaterlande sein wollen. Die innere Berechtigung ihres Wollens erkennen wir an, ohne die Stärke des einheitlichen Blutes fallen zu lasten. Wir glauben, daß darin eine Tragik liegt. Hinzu kommt, daß das deutsche I u d e n t u m mit dem deutschen Katholizismus eines gemeinsam: hat: beide werden vorn Preußen-Protestantismus nicht verstanden. Sie werden kämpfen müssen wie wir, nicht im Haß gegen die Lüge — das wäre unjugendlich und niedrig —, sondern mit zähem Ernst und in der Schau aus das Ganze. Froh sein an Deutschland und glauben an Deutschlands Zukunft in einer friedlichen Menschheit. 3. Die praktischen Möglichkeiten ergeben sich aus dem vorher Gesagten. Wir in der Jugend werden die Unwahrheit nur überwinden durch die Wahrhaftigkeit unseres eigenen Lebens, und dabei ziehe ich das Dulden dem Schlag auf lose Münder vor. Nicht aus Schwäche; denn zum Leben-gestalten-Wollen gehört Kraft, sondern aus der Ueberzeugung, daß die Liebe den Haß überwindet. Leben in De u t s ch I a n b , schaffe n an seiner Gestalt n n g. Hans Werner Hpsttng, Reichsbund Deutscher Demokratischer Jugend. Ich möchte Ihre Umfrage wie folgt beantworten: Ob die Jugendbewegung die Möglichkeit bietet, eine wahre deutsche Volksgemeinschaft zu schaffen, erscheint mir und meinen politischen Freunden als eine schiefe Frage. Zunächst einmal müßte zu ihrer Beantwortung Klarheit bestehen darüber, was heute denn eigentlich „Jugendbewegung" ist und was man sich anderseits konkret unter „Volksgemeinschaft" vorstellt. Nach der zersetzenden Entwicklung der Jugendbewegung in den vergangenen Jahren kann man nur sagen, daß die Jugendbewegung eine irgendwie schöpferische Kraft i m deutschen Kulturleben heute keinesfalls mehr repräsentiert, ja, vielleicht auch nie repräsentiert hat. Im Sinne einer Einheitlichkeit gibt es zwar heute unzählige Jugendbewegungen, aber keine Jugendbewegung mehr.

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