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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-01 · 14 (1.4.1926) · p. Seite 192

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
14 (1.4.1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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192 unterschieden, durch ihren Monotheismus allein wäre es ihnen nicht möglich gewesen, sich zu erhalten. Die Großen unserer Geschichte waren nicht Feldherrn und Könige, sondern Männer der Schrift, des Geistes und der N e d e. Und ist es nicht in der Tat ein Ruhm, daß auch heute noch unser Durchschnitt immer nocl) für sich in Anspruch nehmen darf, zu wissen, was dem Geiste gebührt? Der Name Walther Nathenau mag das zur Genüge bezeugen. Und so.kann inan wohl unbestritten als den Grundzug jüdischen Menschentums die vertiefte geistige Prägung seststellen, deren Idealismus den Glauben an das Gute aus der Welt und an das Gute im Menschen, den Optimismus, mit sich bringt. Nur diese Grundeinstellung des Judentums beflügelt unb bekräftigt die Arbeit des C. V., die sonst vor der Uebermacht der Gegner zusammenbrechen müßte. Wie könnten taHte, eine verschwindende Minderheit in der deutschen Welt, heute daran denken, uns erfolgreich zur Wehr zu setzen, wenn nicht die Neberzeugnng unveränderlich in uns wäre, datz das Recht auf Erden sich durchsetz e n m u tz, und wie könnte man von einer Verschmelzung der deutschen Jndeneinheit mit ihren Volksnnd Staatsgenofsen träumen, wenn nicht letzten Endes das Messias-Ideal über uns Leuchtete? Hier ist die Brücke, die vom jüdischer) zu dem Jdealtypus des deutsche» Menschen hinüberleitet. Wenn wir uns den deutschen Menschen vorstellen, so lassen wir uns oft durch das Gespenst irreführen, das aus der einen Leite die Nationalflwischen und ans der anderen Seite die Deutschvölkischen Umrissen haben. Wesenhaft für den Jdealtyp ist doch nicht so sehr Friedrich der Große und Bismarck, wenngleich beide etwas für deutsches Wesen Typenhaftes an sich tragen, man muß vielmehr stärker an den G e i st von Weimar und Königsberg, an Goethe und Kant, denken. Hiervon muß man ausgehen. Begreift man den jüdischen Menschen so, wie er der C. B. - Arbeit Zugrunde liegt, so ist es keine Phantasie, zu glauben, daß die Arbeit des C. V., kämpfend und aufbauend zu gleicher Zeit, sich durchsetzen wird zu jüdischer Wohlfahrt und deutschem Heile." Ein Initiativantrag, die Rede solle gedruckt und für Werbezwecke verwendet werden, wird durch Akklamation einstimmig angenommen." Zum gleichen Thema führt Rechtsanwalt vr. Ilexanüer (Kcefeld) aus: „Wir müssen nicht nur feststellen, wie der jüdische Mensch beschaf.fen sein soll, also gedanklich ergründen, was das Positive m der Arbeit des Tentralvereins ist, sondern wir müssen diesen jüdischen Menschen auch erleben. Auf einem Gebiete sei nun gezeigt, welche praktische, positive Arbeit nach dieser Richtung hin m geschehen hat. Wir müssen als deutsche Juden Mitarbeit im Dienste des Staates und der Gemeinde, der wir anaehören, leisten. Es ist ein bedauerlicher Mangel an WirkÜchkeitsgefühl, wenn sich die deutschen Juden in ben letzten Jahren immer mehr von dieser Mitarbeit zurückgezogen haben. Zwar haben dies auch unsere nichtjüdischen Mitbürger infolge der Auswüchse des politischen Lebens in großem Umfange getan, aber wir Juden hätten die besondere Verpflichtung gehabt, das Beispiel nicht nachzuahmen. Denn wenn wir immer wieder betonen, daß unsere Stellung zur Volksgemeinschaft nicht abhängig sein darf und nicht abhängig ist von der Behandlung, die man uns angedeihen läßt, so dürfen wir auch die Pflicht, dem Staate zu dienen, nicht vernachlässigen. Sodann aber können wir nirgends besser den jüdischen Menschen zur Geltung bringen als im politischen Leben. Hrer wird die Frage, welche Stellung der Jude einzunehmen hat, am schärfsten diskutiert — wir aber stehen ängstlich abseits, wie der Angeklagte, der fein Urteil erwartet. Bei unserer Betätigung im politischen Leben muß davon ausgegangen werden, daß wir Juden nicht selbst eine einheitliche, geschlossene politische Partei bilden — ein Glaube, der selbst in uns wohlwollenden Kreisen stark verbreitet ist — und daß deshalb jeder einzelne von uns derjenigen Partei sich anschließt, zu der ihn seine eigene politische Gesinnung hinzieht, sofern es sich nicht um staatsvernichtende oder judenfeindliche Parteien handelt. Mit der Theorie allein ist es aber nicht getan. Gute persönliche Bekanntschaften zu einzelnen Mitgliedern einer Partei genügen nicht. Es ist auch leicht, in einer Partei sich zu betätigen, von der man weiß, daß sie judensreundlich ist und kraft ihres Programmes den Judenhaß ablehnt. Der Gesamtheit gedient wird erst d a n n, w e n n der einzelne I u d e nach seiner politischen U e b e r z e u g u n g die Partei a u f Z u s u ch e n ben lut hat, die z w a r nicht ausgesprochen juden.feindlich ist, auf deren Jude r I ä s s i g k e i t man aber auch nicht unbedingt bauen kann. Hier kann ein einziges jüdisches Mitglied ganze Gruppen von Menschen, ja ganze örtliche Organisationen zu einer anderen Auffassung von jüdischen Dingen bekehren, wenn er sich bei wder Gelegenheit der Ausgabe unterzieht, zu Zeigen, was der jüdische Mensch in Wahrheit ist. ' J Die praktische Arbeit im politischen Leben wird geleistet durch die Betätigung in den politischen Organisationen der Gemeinden und im Staate. Während es früher fast eine Selbstverständlichkeit war, daß in den mittleren und großen Städten auch Juden rm Gemeindekollegium vertreten waren, hat sich heute das Bild völlig verschoben. Zum Teil mögen die Gründe darin liegen, daß man uns den Eintritt in diese Gremien erschwert hat, aber in vielen Fällen ist es die Schuld unserer Glaubensgenossen, die gebotene Möglichkeiten bewußt ungenützt ließen, weil es ihnen bequemer ist, dem Kamps aus dem Wege zu gehen, als für das Judentum eine Lanze zu brechen, lieber den Vorwurf, daß wir uns vordrängen, sind wir erhaben, denn es bandelt sich auch hier um eine Pflicht, die wir als Deutsche und Juden erfüllen müf)cn, wo sich die Möglichkeit bietet. Die Arbeit des Juden, der in einen: Stadtverordnetenkollegium tätig ist, wird verfolgt wie die keines anderen, das liegt in der Natur der Lache. Durch den Hinweis auf das, was er leistet, kann die antisemitische Propaganda ineiner Unzahl von Fällen zunichte gemacht werden. Wenn wir in den Parlamenten des Reiches und der Länder, also als Mitarbeiter im Staate, noch geringer vertreten sind als in den Gemeinden, so ist das daraus zurückzuführen, daß wir unsere Betätigung in den politischen Parreien zu sehr vernachlässigt haben, die allein den Ausschlag bei der Ausstellung der Kandidaten geben. Zur praktischen Betätigung unserer positiven Ausgaben gehört auch die Mitarbeit in allen Organisationen, die als mehr oder minder politisch in unserem Vaterlande eine Nolle spielen. Der einleitend aufgestellte Grundsatz, daß wir nicht nur in den Organisationen arbeiten, die die Bekämpfung des Judenhasses in ihr Programm mit ausgenommen haben, sondern daß wir da, wo es möglich ist, auch Mitglieder der Verbände werden, deren Stellung zur Judensrage ungeklärt ist, gilt auch hier. Selbstverständlich dürfen wir auch bei der Vertretung wirtschaftlicher Fragen nicht zurückstehen. Aus diesem Gebiete liegen die Verhältnisse besser. Auch hier können wir durch Verfolgung einer gesunden und vernünftigen Wirtschaftspolitik den Vorwurf, daß wir auf der einen Seite das Großkapital unterstützen, auf der anderen Seite mit dem Kommunismus und Bolschewismus liebäugeln, entkräften. Zur positiven Arbeit im Sinne unserer Idee gehört schließlich auch unsere Betätigung im jüdisch-politischen Leben innerhalb der jüdischen Gemeindevertretungen. Wenn unsere Freunde hier ihren Platz nicht behaupten, wird das deutsche Judentum ein Lpielball in den Händen derer, die für unsere Interessen kein Verständnis haben und nur danach trachten, sie zu vernichten. Besondere Ausgaben erwarten uns auf g e s e l l s ch a f t l i ch e m Gebiete, wo sich der Abschluß zwischen Juden und Nichtjuden in den letzten Jahren immer schärfer herausgehoben hat. Unser Verhalten muß sich hier nach dem Grundsatz richten: Nicht vordringlich und unbescheiden, aber auch nicht tatenlos. Wir wollen uns nicht vordrängen, dürfen aber auch nicht übertrieben empfindlich sein und da Schranken sehen, wo sie gar nicht aufgebaut sind. Die Persönliche gesellschaftliche Verbindung zwischen Juden und Nichtjuoeu ist vielleicht das beste Mittel zur Bekämpfung des Judenhasses, weil wir hier nicht auf die Masse zu wirken brauchen, sondern als Men s ch dem Di e n scheu gegenüberstehen. So wollen wir versuchen, nicht durch eine Flucht in die Welt der Gedanken, sondern durch die T a t die Wirklichkeit zu meistern." In der anschließenden Aussprache geht Stuöienüirektor Dr. driesen (Frankfurt a. itt.) von der Feststellung aus, daß überall in unserer Arbeit eine Vertiefung erkannt werden müsse. „Wir bewegen uns vom Staatsbürger zum deutschen V o l k s b ü r g e x und streben nach einer Gemeinschaft des Geistes, die zu erkennen nicht leicht ist, da unsere eigene seelische Struktur nicht einfach ist. Drei Momente umfaßt sie. Die Juden sind seit Jahrhunderten die Vorposten und Verkünder der deutschen Sprache und der deutschen Kultur in der Welt gewesen. Der deutsche Jude empfindet Sehnsucht nach der deutschen Heimat, Heimweh, wenn er sie verlassen hat. Das Wort „Jahr zeit" läßt sich in keine Sprache übersetzen und zeigt besser als alles andere die Verbundenheit des deutschen Juden mit dem deutschen Vaterland; sie ist ein Teil unseres Wesens, das wir uns nicht nehmen lassen können. (Beifall.) Zu dieser Heimatliebe gesellt sich das Bewußtsein, daß die Geschichte des gesamten Judentums in den letzten hundert Jahren ein Zeitalter d e u t j ch e r K u l t u r gewesen ist. Wir müssen uns bemühen, das Seelenleben der Henu-a-t in u-us zu verliefen, und dürfen nicht jeden als minderwertig hinstellen, der nicht gerade judeufreuudlich sich gebärdet, sondern müssen -uns fragen, wie der Turchschnittsderüsche eingestellt ist. In ferner Zerrissenheit und Verzweiflung nach Versailles ist das deutsche Volk Irrlehren zugänglich; wir müssen daher mit unserer A u sklürung ein sehen und können L ch r r t L für Sch r i 11 z u r A b. w e h r Vorgehen, ohne daß wir dadurch ein Iota unseres Selbstbewußtseins und unseres Rechts auszngeben brauchen. Wir müssen aber auch mehr Verständnis für unsere eigenen r e l i g r ö s e n Richtungen aufbringen, den Gemeinschaftsgeist pflegen und nach innen alles vermeiden, was nach persönlicher Zänkerei aussieht. Wir müssen uns vor Augen halten, daß lvir M enschhei-tsanfg nbenzu erfüllen haben, und auch im täglichen Leben danach handeln. Wir müssen ferner der Landflucht der Juden entgegen treten, weil gerade aus dem Land das Heimatgefühl sich am stärksten entwickelt. Auch die Frage 5es geistigen Niveaus des Landes ist von größter Bedeutung. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden muh daher beschleu-

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