Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 14 (1.4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das 4-o-Mve in der C D - Älrdeit. Aus dem Protokoll der Hauptversammlung: — Vorträge von Rabbiner Dr. Lewin (Königsberg), Dr. Kurt Alexander (Krefeld), Zustizrat Dr. Göttinger (Nürnberg), Or. Bruno Weil (Berlin), Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig). Zweiter Gihmigstag. Leitung: I u st i z r a t Gatlinger (Nürnberg). Die Referate werden fortgesetzt.*) Es spricht zunächst über Das positive in -er <5. V.-firbeit Rabbiner Dr. Lewin (Königsberg). „Die jüdischen Gegner des C. V. behaupten, daß nur bei ihnen Positives vorhanden sei, während der C. V. nichts Positives im Programm habe. Sogar in unseren eigenen Reihen glaubt man, daß der C. B. nur zur Abwehr da sei, da er bisher stets davon abgesehen bat, ihnen das Bejahende seines Zieles zuzurusen. Das Praktische der C. V. - Arbeit kann sedoch nicht durchgesührt werden, wenn nicht fortan stärker ans das Ideelle und Positive hingewiesen wird. In den Schriften Gabriel Rießers, die von einer tiefen, heiligen Empfindung durchdrungen sind, merkt man, daß dieser Mann nicht das Bewußtsein hatte, nur abzuwehren und zu verteidigen, sondern daß er hiermit einer gebieterischen Pflicht seiner jüdischen Seele genügen wollte; wenn unsere Führer späterhin davon absahen, diesen Positivismus in den Mittelpunkt ihres Programms zu stellen, so unterblieb dies nur, weil es ihnen zu felbstverständllch erschien. Später verhinderte dann die Kleinarbeit die Männer, die tn den Zeiten des schweren Antisemitismus am Ruder standen, darüber nachzudenken und auszusprechen, welchen Zielen sie uns zuführen wollten. Auf die Dauer können wir aber vor den Schädigungen, die hieraus entspringen, unsere Augen nicht verschließen. Man muß den Elan bewundern, mit dem die Zionisten ihre Sache verfechten. Sie haben Erfolge, weil dort immer wieder den Leuten gepredigt wird: Es ist etwas Positives, der Ausbau der Zukunft, der euch anvertraut ist. Es ist kein Zweifel darüber, daß der Zionist materieller Opfer im Durchschnitt weit mehr fähig ist, als man es im allgemeinen unseren Anhängern nachsagen kann. Will der C. V. seine Geldmittel steigern, so muß er daran gehen, die jüdischen Menschen in Deutschland seelisch zn erobern. Denn wichtiger und unentbehrlicher als Geld sind die Soldaten, die Menschen, die darauf warten, in Reih und Glied eingruppiert zu werden. Man weiß ja vom Weltkrieg, den Deutschland leider verloren hat, daß es sich letzten Endes nicht um die silbernen Kugeln handelte, von denen Lloyd George sprach, sondern daß wir nicht mehr imstande gewesen sind, unsere Nervenkrast bis zum letzten Augenblick aufrechtzuerhalten. Auch das deutsche I it ö e n t u m rn u ß seine N e r v e n - und S e e l e n k r a f t zu sammenn eh me n unb 3unäcf)ft einmal versuchen, die Menschen im ganzen zu gewinnen, vor allen: die Seelen unserer Jugend. Die Jugend will etwas haben, was ihre Phantasie befruchtet, was ihr irgendein Bild der Zukunft, ein kräftiges, starkes, wirksames Ideal vor die Seele bannt, und hieraus muß die C. B. - Arbeit, so sehr sie auch alles andere weiter im Auge behalten muß, ihre Aufmerksamkeit lenken. Die Frage, was sich an Positivem unmittelbar aus unserer Arbeit ergibt, läßt sich zunächst sehr leicht beantworten durch den Hinweis auf die positive Stellung, die der C. V. zu allem Deutschen einnimmt nach der ideellen und praktischen Seite: auf seine Stellung Zur deutschen Kultur, zur deutschen Volks- und Staatsgemeinschast, zu deutscher Gegenwart und deutscher Zukunft, alles höchst positive Aufgaben. Nun kann der Einwand erhoben werden, daß, wenn Juden sich zusammenschließen, sie auch ein jüdisches Programm haben müßten. Daraus ist zu sagen: Hat der C. V. die deutschen Juden aufgerufen, sich selbst ihrer Rechte a n z u n e h m e n u n d sich selbst rn die Bresche zu stellen, so hat er damit schon etwas im jüdischen Sinne unbedingt Positives angestrebt und vollbracht. Was er damit erreicht hat, kann man ermessen, wenn man versucht, den Juden früherer Zeiten mit dem heutigen zu vergleichen. Der C. V. ist es gewesen, der bewirkte, daß nicht mehr das Dichterwort gilt, daß Dulden und Leiden das Merkmal der Juden ist. Der E. V. hat makkabäischen Gei st in die Herzen der Juden getragen und sie gelehrt, sich nicht nur innner als Amboß zu betrachten, sondern auch einmal den Hammer zu ergreifen und sich zur Wehr zu setzen. Wenn man dies schlagwortartig erfassen will, so braucht man nur die beiden Begriffe „Schutzjude — Trutzjude" zu nennen, um 311 erkennen, was m dieser Hinsicht geleistet wurde. Hieraus folgt ein anderes. Da man angegriffen wurde, war man genötigt, sich lernend, forschend, studierend mit alledem zu beschäftigen, was plötzlich von der anderen aus finsterer Vergangenheit herausgeholt und ans Licht des Tages gezerrt wurde. Die Antisemiten haben dadurch eine gewisie Erziehungsarbeit an jim§ vollbracht. Namen, die unseren Vätern vorkamen, als hätten sie sie nie gehört, Talmud, Schulchan Aruch usw., sind heute Begriffe geworden, die überall austauchen. Man sucht sie nicht nur oberflächlich zu erfassen, sondern dringt in die Dinge ein, beschäftigt sich mit jüdischem Wesen, erforscht und studiert den jüdischen Menschen und die jüdische Geschichte. Dies geschah bald um der Dinge selbst willen, die, je mehr man sie wieder kennenlernte, um so lieber gewonnen, um so höher geschützt wurden. Diese beiden positiven Leistungen: die Schaffung des neuen jüdischen Typus in unserem deutschen Heimatlande und die V e r m e h r u n g und Befruchtung des jüdischer: Wissens wird mau den: C. V. niemals bestreiten können. Darüber hinaus wird man aber die Forderung erheben müssen, daß doch noch etwas anderes in das Zentrrrm unserer jüdischen Wirksamkeit im positiven Sinne hinein« zustellen sei. Während noch aus der Schrift Rafael Löwenfets' hervorgeht, daß uns nur die Religion von den anderen Deutschen unterscheide, und daß für einen deutschen Juden ein Jude jenseits der Grenze nichts anderes darstelle, als was einem deutschen Katholiken ein Katholik im Ausland sei, ist inan heute in der Beweisführung des C. V. zu dem neuen Begriff der „Schicksalsgemeinschaft" übergegangen, die uns mit Juden, wo sie auch wohnen, sos-ern sie als Inden handeln oder leiden, zusammenbindet. Uebeb diese Schicksalsgemeinschast ist man dann in der Arbeit des C. V. zum Begriff des „jüdischen Menschen" gekommen. Man hat erkannt, daß Angriffe von der anderen Seite nicht diesem oder jenem von uns gelten, sondern einen Generalangriff gegen uns in unserer Totalität darstellen. Um dem zu' begegnen, muß man dem Generalangriff eine Generalposition, also der Befehdung des jüdischen Menschentums schlechthin eben dies jüdische M e n s ch e n t n m entgegen stellen. Will man dies jüdische Menschentum finden, so kann man aus der Vergangenheit entwickeln, daß von den Anfangsgründen der Geschichte an bis heute der Grundzug des jüdischen Menschen sein ausgeprägter Idealismus und seine ausgeprägte Geistigkeit sind. Hätten unsere Väter, die in Kanaan einzogen, durch ihren Gottesbegriff nicht etwas G e i st i g e s an .sich gehabt, worin sie sich von d e n Umwohnern Frauenbildnis von Isidor Kaufmann. (Aus der Mappe des Manz-Verlages. Vgl, den Aufsatz Sette 195 dieser Nummer,) *) Vergleiche Nr. 13 vom 26. März.