Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 12 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277622-2277634--02810-2283259- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1Ö7 r i" * >*'» ru >■ Jüdischen, das er wohl wie keiner festgehalien und mit großer Liebe gebannt hat. Dem eben Fünfzigjährigen einen herzlichen Glückwunsch! Auch die Dichterin Lasker-^chüler wurde unlängst fünfzig Jahre alt. Und es ist bezeichnend, daß die Feier, die ihre Freunde ihr bereiteten, nachts im Theater stattfinden mußte, weil am Abend die Vorstellung nicht ausfallen durste. Aber die gekommen waren, konnten ein Erlebnis nach Hause tragen, denn „Der Prinz von Theben" las seine Gedichte, diese jauchzend-demütigen, diese von Gefühl überquellenden Verse mit einer Hingabe, die fromm und heilig das Herz bewegte. So war der Beifall mehr als Dank, so muß er als Bekenntnis zu dieser einzigartigen Dichterin gewertet werden, deren Schaffen, farbig und bunt, traumverloren und rein, herzlich und innig, weit über die Literatur ragt, nach Urzeiten zurückweist und das Bleibende in sich trägt. ' Stroh. „Ein undankbarer Mensch" (Die drei ersten Ausfahrten des Karl Bornhagen), Schauspiel von Ernst Bittlinger. Mit einer gewissen Genugtuung berichten wir über die freundliche Beurteilung, die Ernst Bittlingers Schauspiel „Ein undankbarer Mensch" anläßlich feiner Uraufführung im Berliner Intimen Theater bei Publikum und Presse gesunden hat; mit Genugtuung deshalb, weil wir es hier nicht nur mit einem Schaustück, sondern zugleich mit einem Lehr st ü ck zu tun haben. Jeder der drei Akte zeigt lins den jungen Karl Bornhagen von einem anderen „Ideal" bezaubert: im ersten Akt ist es eine bezaubernde Frau, im Zweiten ein wundertätiger (also zaubernder) Priester, im dritten der Zauber der studentischen Romantik — und am Ende eines jeden Aktes zeigt sich: es war fauler Zauber. — Die richtige, also i d e a l i st i s ch e I u g e n d i m K a m p f m i t falschen Idealen ist das Thema dieses wohlgelungenen Gesellschaftsdramas; besonders der dritte Akt, indem; die rohe Bosheit und der Hochmut „arischer" Phrasenhelden schonungslos vorgeführt werden, macht Bittlingers Schauspiel zu einem höchst aktuellen Lehrstück. Der Verfasser, der als protestantischer Pfarrer in Berlin und auch als Schriftsteller sich wiederholt für die V e r s öhnun g der Gegensätze eingesetzt hat, und damit ein echter Diener der Religion und der Kunst ist, hat sein Stück der deutschen Jugend gewidmet. Möchte die deutsche Jugend es annehmen! Gtz. Staatssekretär z. D. Professor Dr. Julius Hirsch wurde zum ordentlichen Honorarprofessor an der Universität Berlin ernannt. Professor Dr. Julius Hirsch, der seine akademische Laufbahn als Dozent der Handelshochschule zu Köln begonnen und sodann ein Ordinariat an der Kölner Universität bekleidet hatte, gehörte nach seiner Rückkehr aus dem Felde PA Jahre dem Kriegsernährungsamte, hieraus etwa dieselbe Zeitdauer, während der kritischsten Jahre der deutschen Politik, unter den Negierungen Bauer, Hermann Müller und Wirth, dem Reichswirtschastsministerium als Staatssekretär an. Seit seinem Ausscheiden aus dem Reichsdienst nahm er eine Lehrtätigkeit an der Berliner Handelshochschule aus. Professor Hirsch, dessen Ruf als Kenner der Weltwirtschastssragen weit über Europa hinaus feststeht, ist, wie unsere Freunde wohl wissen, stets als eifriger Mitkämpfer in den Reihen des deutschen Judentums hervorgetreten. Außer zahlreichen Vorträgen und Artikeln in der „E. V.-Zeitung" und seinen beiden letzten viel gelesenen Schriften („Ter Handel", 2. Auslage, und „Das amerikanische Wirtschaftswunder", bei S. Fischer, Berlin, erschienen) dürste auch seine kleine Schrift „Die jüdische Finanz- und Wirtschaftsdiktatur", die als Sonderdruck in der Schlaglichterreihe der „E. V.-Zeituug" erschienen ist, unseren Freunden bekannt sein. Zum Gedenken. Rabbiner Dr. Kaelter (Danzig) sel. Angedenkens. Unsere Vorfahren bezeichneten Menschen besonders vornehmen und edlen Charakters als „seidene Menschen". Mit seinem Verständnis wurde gerade diese Bezeichnung gewählt. Ein solch „seidener Mensch" war Rabbiner Dr. Robert Kaelter, der Vertreter des Centralvereins Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens im Hauptvvrstand unseres Centralvereins. Was ihn verfönlich sehr auszeichnete, war seine wahre, innere H e r z e n s g ü t e, feine treue F r e u n d s ch a s t, seine große Aufrichtigkeit und seine st e t e T a t b e r e i t s ch a f t. Ich traf ihn vor vielen Jahren einmal ans einer Reise, die er aus seine Kosten ausschließlich in Ausübung seines ^eelsorgeramtes unternahm; nur Mühe, Umstände und Aergernis konnte ihm jene Fahrt bereiten, aber er sagte mir, daß er als Priester, als Jude und als Mensch auch eine weite Reise nicht scheuen dürfe, wenn es sich darum handle, seelisch Vereinsamte im Eottesbewußtsein zu stärken. "Als später, während des Krieges und nach dem Kriege, Danzig zu einem Hauptvrt der verarmten und vertriebenen Juden aus dem Osten wurde, hat er in geradezu b e i s p i e l l o f e r Hingabe, unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit, ein großes Hilsswerk organisiert und sich jedes einzelnen von den Tausenden, die sich an ihn wandten, mit Freudigkeit angenommen. F r e u d i g k e i t und Aktivität sind wohl seine markantesten Eigenschaften gewesen. In jener schicksalsschweren Zeit, in der der Stadt Danzig eine besondere, geschichtliche Rolle zugewiesen war, stand er, der richtige Mann, am richtigen Platz. Das zeigte sich auch bei den Angriffen auf den denks ch e n Charakter seiner Ltadt und seiner Gemeinde. Wie er den Juden aus dem Osten hilfreich zur Seite stand, so stand er anderseits u n - b c u g s ö m i m V e r t e i d i g u n g s k a mp s auch für Deutschtum u n d Judentum dort aus V o r p o st e n. Wir werden leider eine solchen Mann und einen solchen Freund nicht wiederbekommen. Mit Frohen und Glücklichen war er in seiner humorvotlen, sprühenden Art heiter und fröhlich und wußte diese wahre Fröhlichkeit aus andere zu übertragen. Wir betrachten es als ein Glück, diesen Mann des Lebens unter uns gehabt zu haben. Sein Andenken gereicht uns zürn Segen. L. H. o r 999999999994