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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 164

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 größere A n z a h l v o n W a f s e n, in Säcke nverpackt, gesunden. Trotzdem ist Zech noch der Vernehmung sofort sreigelassen worden.. Der Wiking-Bund ist nach dem Verbot der Organisation Consul in Thüringen gegründet worden und ist in elf Abteilungsbezirke eingeteilt, deren Bezirksleitung in Erfurt ihren Sitz hat. AuS den Aussagen beteiligter Personen geht hervor, daß in der Organisation auch eine Feme besteht. Sie bat die Ausgabe, den Geheimcharakter der.Organisation wnb ihrer Unternehmungen mit den schärfsten Mitteln aufrechtzuerhalten. Mr Juden, die nur ständigen Verallgemeinerungen ausgesetzt find, wollen in den völkischen Fehler der Verallgemeinerung nicht Versalien. Wie ist es aber möglich, daß ein Bund, der sich der besonderen Gunst eines Fürsten, des ehemaligen Herzogs v o n K o b u r g - G o t h a, erfreut, b e st r a s t e Verbrecher nicht nur in seinen Reihen duldet, sondern ihnen sogar die höchsten Ehren zumeist, die ein Verein zu vergeben hat. Bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten sind diese Verbrecher die Bannerträger und Fahneubegleiter des Wiking-Bundes. Sie haben dadurch den Wiking- Bund zu dem gestempelt, was er heute ist, zu einem Unterschlupf von Verbrechern. Wir erwarten, daß die verantwortlichen Stellen nun endlich dem Treiben dieser gemeingefährlichen Gesellen das Handwerk legen und diese Schandtaten mit verdienter schärfster Justiz ahnden werden. Denn die bisherige allzu milde Justiz hat die völkischen Helden in ihrem Tun immer weiter angespornt. K. K. Unter dem frischen Eindruck von der Meldung dieses grauenvollen Buben st ückes sendet uns Lenka v. Koerber folgenden Aufruf: Deutsche Frauen, wendet euch gegen die antisemitische Verhetzung. Ein Politischer Robeitsakt furchtbarster Art hat sich in Erfurt ereignet und uns wieder einmal mit krafser Deutlichkeit gezeigt. wohin die antisemitische Hetze führt und welche Gefahr sie u n s e rer Jugend bringt. Die Unterscheidungsfähigkeit für Recht und Unrecht, Mut und Feigheit wird durch die völkische Propaganda verhängnisvoll verdunkelt, denn wir lesen in der Tagespresse, daß die beiden Halunken bereits vor zwei Jahren einen Einbruch im Erfurter Polizeipräsidium verübten, um politische Akten zu stehlen, und ihre Tat so milde beurteilt wurde, daß sie nicht nur die geringe Freiheitsstrafe von drei Monaten, sondern sogar noch Strafaufschub und Bewährungsfrist bekamen. Man kann sich wohl denken, wie diese Helden von ihrem Witing-Bund dann für ihre mutige Tat gefeiert wurden und nun weiter ihre heldenhafte Gesinnung bezeugen wollten. Die kommenden Tage werden noch eine Reihe von Enthüllungen bringen, denn es nimmt ja wunder, wie wenig die Nachbarn von der grauenhaften Verwüstung gehört haben wollen. Rücksichtslose Aufdeckung mÄsserr wir unbedingt fordern, um endlich solch schandbaren Auswirkungen antisemitischer Hetze die Spitze abzubrechen. In den letzten Monaten schien es überall ruhiger zu werden und die Vernunft ein wenig die Oberhand zu gewinnen. Die furchtbare K u l t u r s ch a n d e, d i e der A n t i s e m i t i s m u s m i 1 der Zer st ö r u n g des alten israelitischen Friedhofes in Erfurt anf ze i g t, sollte die deutschen Mütter a u f r ü t t e l n , u m gemein s a m gegen die antisemitische Verhetzung Vorzug eh en. Denn hier zeigen sich ja erbarmungslos deutlich die Früchte des aus niedrigsten Regungen erwachsenen Judenhasses. Die bodenlose Unwissenheit, auf der die völkische Verseuchung gedeiht, muh durch Aufklärung in den Schulen, durch vorurteilsloses Aufzeigen der sittlichen Kraft jüdischer Kultur entgegengetreten werden. Heute sind positive Maßnahmen notwendig, damit sich nicht das antisemitische Gift in alle Turnvereine und Sportgruppen einschleicht, so daß wir unsere eigenen Kinder nicht mehr ausreichend schützen können. Die furchtbare Tat von Erfurt muß uns alle, Juden und Christen, aufrütteln, um Deutschland wieder von diesem Makel zu befreien. Ein Mensch. Wochenbetrachtrmg. Unsere fortgeschrittene Zeit hat das schone Wort „Hnmcmitätsduselei" erfunden. Sie dünkt sich damit hocherhaben über ein Zeitalter, welches noch von Menschheitsidealen und Menschenverbrüderuug träumte. Die harten Tatsachen einer rauhen Wirklichkeit hätten mit solchen phantastischen Träumen gründlich aufgeräumt. Vielleicht erklärt sich daraus auch zum Teil die Feindschaft gegen das Judentum, welches in seiner Hartnäckigkeit von dem Glaubenssatz der durch den gottgesandten Messias zu einenden Menschheit nicht lassen will. N a t i 0 n a l i s m u § ist also Trumpf. Man will möglichst auch völkische Religion, speziell völkische Götter. Unglücklicherweise können die armen Juden es ihren Kritikern niemals recht machen. Nun wird es ihnen gerade als Zeichen der Inferiorität ihrer Retegion angerechnet, daß sie nur einen Staunnes- oder Volksgott haben. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie vom Universalismus der prophetischen Religion zum Partikularismus der engeu und verknöcherten pharisäischen Gesetzesreligion herabgestiegen seien. Dieser Abstieg habe sich besonders klar vollzogen in dem nach der Kritik spätesten Teile des Pentateuch, dem sogenannten Priesterkodex, und der diesem folgenden kleinlichen Schristcmslegung der Mischna- und Talmud-Lehrer. Wir antworten auf alle diese Vorwürfe nur mit dem einen Worte, das ist Adam, ein Men s ch. Wie merkwürdig, daß gerade der als engherzig verschriene Priesterkodex mit einer Schöpfungsgeschichte beginnt, die da gipfelt in der Erschaffung nicht etwa eines Israeliten als des vollkommensten Meuscheuthpus, sondern des Adam, eines Menschen schlechthin. Und noch seltsamer. Das dritte Buch Moses, welches die von dem modernen Menschen so gering geschätzten Opfergesetze enthält, beginnt wieder mit einem Adam, einem Menschen schlechthin: der erste, dessen freiwillig aus tiefstem Herzensbedürfnis gebrachtem Opfer sich der jüdische Tempel öffnet, ist dieser Adam, unter dem, lute die Schriftgelehrteu noch ausdrücklich betonen, der Heide verstanden ist. Ja, diese Schriftgelehrten müssen wirklich von dieser schrecklichen Krankheit der Humanitütsduselei in ganz ungewöhnlichem Maße ergriffen gewesen sein, wenn sie betonten, das Wort Adam sei ein Ausdruck der Liebe, der Brüderlichkeit, der innigen Freundschaft. Ist wirklich ein solcher Untechchied Zwischen der prophetischen Verkündigung, die von dem künftigen Tempel als dem Vethanse aller Völker spricht, und dieser von dechSchristgelehrren bekundeten so hohen und außerordentlichen Wertschätzung der 'Menschenpersönlichkeit? Und dieses Buch Levitiens war in jenen Zeiten das jüdische Schulbuch. Das erste, was man die Kinder lehrte, war: das Heiligtum steht jedem Menschen offen. Jeder Mensch sei dir e i n ' G e g e n st a n d der Liebe, der Brüderlichkeit und Freundschaft. Nein, wir Juden sind wirklich nicht modern. Wir glauben noch an den alten Adam. Man lacht uns aus. Aber schon der Psalmist sang: Warum toben die Volker und denken sich die Nationen Eitles ans? Es geht gegen Gott und seinen Gesalbten. Der im Himmel thront, lacht ihrer, der Herr spottet ihrer. Ihr habt den alten Adam verscharrt. Aber wir wahren ihm die Treue. Es kommt der Tag, wo unser Mund sich mit Lachen füllt und unsere Zunge mit Jubel. ' Das tft der Tag, wo der Totgesagte wieder auferstehen wird und es eine Ehre und ein Ruhm sein wird zu heißen: A dam, ei u M e n s ch. Hoffmamr.

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