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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 162

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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-— 162 wollen. Heute ist die Besiedlung von Palästina in erster Linie das Ziel der nationaljüdifchen Politik. Viele von uns sind überzeugt, daß das einmal anders werden wird, und dann wird auch unsere Stellungnahme zu der ganzen Frage eine andere werden. Es bedeutet eine erhebliche Unklarheit, wenn immer und immer wieder versucht wird, die sogenannte Neutralität des Koran Hajessod zu beweisen. Wie einer unjerer Freunde, der in dieser Frage einen anderen Standpunkt als die überwältigende Mehrheit der Hauptversammlung eingenommen hat, Staatsrat C o h u (Dessau), auch seinerseits ohne weiteres anerkannt hat, ist der Ausbau Palästinas, wie ihn der Keren Hajes so cl betreibt, rein n a t i o n a l j ü d i s ch, und das kann auch nicht anders sein. Die G e l d s a m m l it n g ist neutral. An der Illusion, daß dies unter den gegenwärtigen Verhältnissen durch irgendwelche Organisation des Koren Hajessocl anders gestaltet lverden könnte, kranken die Erörterungen im jüdischen Leben Deutschlands. Die H a u p t v e r s a m m l u n g hat mit allen g e g e n nur 18 S t i m tu e n d e n bereits von der vorigen H a u P t v e r s a m m l u n g gebilligter: S t a n d p u n i t umKerenHajessod ex neutcingenom m e n. Wir edauern jede Abweichung von der durch unsere Beschlüsse gegebenen., Richtlinie und hoffen, daß die erneute Stellungnahme der Haüptversanunlung denen zu denken geben wird, die in dieser Frage — unseres Erachtens unter Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse — von uns abweichen. Aber die Hauptversammlung zeigt auch deutlich die Billigung des Standpunktes der Vereinsleitung, daß nicht jede Abweichung von diesem Standpunkte, die in würdiger Form geschieht, uns zwängt, den Abweichenden als jemanden zu brandmarken, der nicht in den Centralverein gehört. Diese Frage tritt dadurch in vollen Gegensatz zu der Frage, ob wir deutsch oder nationaljüdisch sind. In dieser Frage sind und bleiben jegliche Konzessionen gänzlich ausgeschlossen. Sicherlich hat auch diese Hauptversammlung einem umsichgreifenden Mvthus über die Stellung unseres verstorbenen Eugen Fuchs zu den grundsätzlichen Fragen des Zionismus und zur Frage des Keren Hajessocl ein Ende gemacht. Dr. Franz Eugen Fuchs, der Sohn und Mitarbeiter des Heimgegangenen Freundes, hat mit scharfen, aber kernigen Worten die Stellung seines Vaters zu den in Frage kommenden Problemen dargelegt und es sich verbeten, daß man den Namen seines Vaters heute gegen den Centralverein ausspielt. # Auch mit dem anderen Gegner des Centralvereins, dem Verband nationaldeutscher Juden, mußten wir uns beschäftigen. Wenn im Tätigkeitsbericht gesagt wurde, der Verband nationaldeutschev Juden -verhalte sich dem Centralverein gegenüber wie der Fromme zu dem Pietisten, oder wie der Gläubige zum Fanatiker, so hat diese Feststellung den fast einmütigen Beifall der Versammlung gefunden. Wir haben das um so mehr aussprechen dürfen, als die Verfolgung unseres Freundes Marx (Karlsruhe) wegen seiner Broschüre „Das deutsche Judentum und seine jüdischen Gegner" dazu geführt hat, daß ihm von Sanitätsrat P e y s e r der Vorwurf der Fälschung gemacht wurde. Die vom Vorstand einbevuf-ene Gutachterkommission, die aus Rabbiner Dr. Baeck, Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas und Justizrat Hugo Sonnenfeld bestand, hat bekanntlich diesen Vorwrrrf als gänzlich unbegründet bezeichnet. Mit schwerstem Bedauern nahm die Hauptversammlung davon Kenntnis, daß es auch hier dem Fanatismus gelungen ist, einen so bewährten und prächtigen Mitarbeiter unserer Bestrebungen, wie Dr. Marx, ohne jeden Grund in der Oeffentlichkeit zu schmähen rmd der Welt das Schauspiel des Unfriedens zu ge-bem Wie sehr Dr. Marx unser aller Vertrauen genießt, hat ihm der Vorsitzende, Justizrat Brodnitz, durch seine vom Beifall der gesamten Hauptversammlung getragenen Worte des Vertrauens bewiesen. Mit großer Erbitterung wurde die Tatsache ausgenommen, daß - :v Vorstand des Verbandes nationaldeutscher Juden gewagt hat, eine Entschließung zu fassen, in der es heißt: „Weiterhin trst.bt sich ans -dieser Klarstellung, wie dringend notu e u b i g es ist, daß neben d e m C e n t r a l v e r e i n eine L r g a n i s a t i o u b c st eht, d i e von -der u n beirrten Pflege d e u t s ch e r G e s i n n u n g n i, ch t nur spricht, sondern' a u ch in der P r ax i s m i t ihr Ernst macht." Für die unserem Verein zugefügte Verdächtigung gab es nur ein Wort: „niedriger hängen". * Dem Hauptvorstand wurde auf einen Antrag eines derjenigen Mitglieder, die für den Keren Hajessod eintreten, das Vertrauen mit allen gegen drei Stimmen, die ans dem Lager der Freunde Naumanns stammten, ausgesprochen. Die Einigkeit der Versammlung machte auf alle, die sehen wollten, einen erquickenden Eindruck. Sie wird uns erhalten bleiben, weil wir alle bestrebt sind, in Treue unseren Prinzipiell zu dienen und unsere entscheidenden Aufgaben zu erfüllen: die Anerkennung der jüdischen Deutschen imb ihrer Wertigkeit zu erreichen. # Im besonderen Maße hatte sich die Hauptversammlung mit den großen Fragen unserer Arbeit zu befaffeit und hat infolgedessen neben der T e ch ll i k der Mitgliederw e r b u ll g u n d - e r h a l t n n g in einem Ge samt rahmen die jetzt bevorstehenden großen Aufgaben Umrissen. Ein wichtiger Vortrag des Gemeinderabbiners Dr. Lewin aus Königsberg „Das Positive in der Centralvcreinsarbeit" eröffnete diese Erörterungen. Cenn hier ausgesprochen wird, daß seine Ausführungen bei den Hörern unvergeßlich bleiben werden, und nu'im weiter angekündigt wird, daß sie allen unseren Freunden im Wortlaut bekanntgegeben werden sollen, mag das für heute genügen. Hatte Rabbiner Dr. Lewin das Positive der Centralvereinsarbeit insbesondere in innerjüdischer Beziehung berührt, so hatte sich Dr. Alexander (Krefeld), dessen Ausführungell praktisch von großer Bedeutung für die Zukunft sind, bemüht, unsere positiven A u s g a b e n in der dellt s ch e n Politik und insbesondere unsere Beziehungen zu den politischen Parteien zu beleuchten. Ihm kam es daraus an, Zll zeigen, wie sehr wir durch Mitarbeit an den großen politischen, deutschen Ausgaben ohne Rücksicht auf allzu ängstliche Gemüter im Sinne unserer Ausgaben 31t wirken vermögen. Der überaus schwierigen Fragen der wirtschaftlichen Stellung der jüdischen Deutschen und ihrer Hebung, ferner der Probleme des Boykotts, endlich der großen politischen Frage, wie wir uns zu den vaterländischen Verbänden zll stellen haben, wurde in eingehender: Referaten gedacht, deren Inhalt in den nächsten Nummern wiedergegeben werden wird. Die Gesamtleistung des Vereins muß sich in erster Reihe auf Aufklärung in jeder Breite und Tiefe erstrecken. Darüber ist man sich klar gewesen. Wie aber diese Aufklärung beschaffen sein muß, um wirksam zu sein, das hat Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig), einer unserer erfahrensten Vorkämpfer, ben Ortsgruppen vor Augen gestellt. * Das Gewissen unserer Freunde im Lande wurde durch den Vorsitzenden der Verwaltungskonunission,^ Oskar Heimcinn, besonders geweckt. Wenn Herr Heimann daraus hinwies, daß er die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Lage genau kenne und trotzdern größere Opferwilligkeit für den Centralverein fordern müsse, so wird diese Mahnung sicherlich auf fruchtbaren Boden fallen, wenn die Mitglieder wünschen, daß der Centralverein die großen, wichtigen und schwierigen Aufgaben, die ihm gesetzt sind, erfüllen soll. Würden sie versagen, so müßte unsere Arbeit aus ein Minimum eingeschränkt werden. Ueber die einzelnen Beschlüsse, die sich mit der Organisation des Vereins, mit den Satzungen und künftigen Vorstandswahlen befassen, wird in der Niederschrift über die wesentlichen Ergebnisse der Hauptversammlung^ die in beit nächsten Nummern unserer Zeitung gebracht wird, berichtet werden. Es ist anzunehmen, daß wir in der nächsten Hauptversammlung eine Satzung erhalten werden, welche den großen organisatorischen Veränderungen gerecht wird, die die wachsende'Zahl der Ortsgruppen und Mitglieder in unserer Bewegung notwendig gemacht hat. Die positiven Erfolge unserer Bewegung werden sich nach Möglichkeit erweitern lassen, wenn die L a n d e s v e r b ü n d e stärker zur Mitarbeit an den Ausgaben der Zentrale herangezogen werden. Dadurch wird auch der Wille zum Handeln vergrößert werden, und die einzelnen Mitglieder werden viel mehr als es bisher möglich gewesen ist für die persönlichen Ausgaben, die sie innerhalb der Bewegung zu erfüllen haben, gewonnen werden. Größte Rührigkeit hat der Landesverband Groß- Berlin bewiesen, als er am Abend des zweiten Tages der Hauptversammlung nicht weniger als sechs große Versammlungen einberusen hat. Fünf dieser Versammlungen

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