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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 155

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 Kulturarbeit sammeln. Diese ne ue de u t s che Jugend, die die wertvollsten Kräfte der jungen Generation in sich vereinigt, und unter ihnen die deutschjüdische Jugend, w i ll vor al lem dem Worte „national" (Bravo!) zu n euer Ehre verhelfe n. Sie bekennt sich zu dem schönen Worte HellPachs: „Es ist Gegenteil alles Völkischen, ganze Teile seines Volkes zu deklassieren, weil ihre Beschaffenheit in den Politischen Kram, dem man sich verschrieben hat, nicht Hineinpassen null. Wahrhaft völkisch fühlt, wer sein ganzes Volk, mit! seinem Licht und seinem Schatten, mit seinen Tugenden und seinen Schwächen in Liebe und Hingabe umfängt, weil er sich als Glied dieses Volkes weiß und will." Dieser Geist der Versöhnung hat in den letzten Jahren schon 31t mancher Praktischen Arbeit der Jugendorganisationen geführt. In den Jugendämtern arbeiten Jugendvertreter aller Richtungen an den großen sozialen Ausgaben innerhalb der Jugend. Jur Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände haben sich die Jugendbewegungen ein Parlament geschaffen, das an der praktischen Bewältigung aller Jugendfragen des öffentlichen Lebens arbeitet. Im Reichsausschuß für Leibesübungen wird an der körperlichen Ertüchtigung der Jugend gearbeitet. Der Sportsgeist des ehrlichen Wettkampfes, der hier gepflegt wird, wird einmal für den Geist des politischen Kampfes von großer Bedeutung sein. Ueberall gehört die deutschjüdische Jugeud zu den freudigsten Mitarbeitern an diesem gemeinsamen Knlturwerk. Von diesen Stellen, all denen sich die Jugend aller Richtungen kennen und achten lernt, geht ein neuer Geist der Verständigung aus. So ist zu hoffen, daß der Tag nicht fern ist, all dein sich d i e deutsche I u g e n d aller K 0 u f c \ f i 0 u cn u u d Weltanschauungen zur a m m enfi u den w i r d in de m B c - kennt 11 is z u r alle einenden deutschen V 0 lksgemein - schast. Dr. Ludwig Holländer, Direktor des Leniralvereins: „Wer überzeugt ist, daß der Mangel an innerem Frieden., die Tatsache unnützer Reibungen, au überflüssigen Spannungen in unserem Vaterland der Gesamtentwicklnng des Volkes hinderlich ist, wer, unc die jüdischen Deutschen, erfahren hat, welches Unglück die Frage der Abneigung, ja, sogar des Hasses nach innen und außen erzeugt, Wird mit dem Streben des Centralvereins, von seiner Seite ans alle Reibungen und Spannungen ansznlösen, einverstanden sein müssen. Wir wollen, wie Goethe es gesagt hat, mit Ernst und Liebe das tun, das bekämpfen, was ebenfalls Goethe mit dem Worte bezeichnet hat: „Sich voneinander abzusondern, ist die Eigen schast der Deutschen." Wir können zunächst, nur s P reche n, aber wir werden die Tat folgen lassen. Und S i c s 011 c n u n s n elfen, d i e Tat zu vollenden, denn wir glauben, lver Worte airsspricht und wirklich von ihrer Wahrheit überzeugt ist, der bekommt zuletzt auch das Dmg. Der Unterschied zwischen Denken u n d H a n d e l n im Kreise der modernen Menschen fällt in die Angen. Wenn wir all das Geschimpfe, das absichtliche und nnabstchtliche Nichtverstehen der einzelnen Bevölkernngsklassen, die Ungerechtigkeit, die im Volksleben vielfach herrscht, überdenken, so verzweifeln wir; wenn wir handeln sollen, um das abzustellen-, was wir nach dem Denken als schlecht einpfinden, so sind wie trüge und müßig. Wir empfinden uns selbst als Anachronismus, wenn wir unsere geistige Richtung so sehen, une wir sie sehen sollten. Wollen wir handeln, so ist erforderlich die E r k e n n t n i s der Solid a r i t ä t aller Kult u r. Alles Zukünftige, Freiheitsbodürftige, Produktive, kurz, alles Positive, sei es geistig, sei es materiell, gehört Zusammen. Wir wollen dieses wahrheits- und friedensfördernde Element in dem Ausdruck einer Kulturpolitik zusammenfassen-, die Deutschland im Innern von unnötigen Hemmungen befreien soll. „Wir verstehe n unter K n l t u r die A u g l e i ch u n g der ä u ß e r e n an die innere Welt." Das gedanklich Erreichte soll Wirklichkeit werden. Wir arbeiten zu unserem Teil im Centralverein daran, daß Wahrheit, Recht und Friede Zunächst in der d e ü t s ch e n I u d e n f r a g e d u r ch d r i n g t. Wir wissen aber, daß es sich nur um eine Te'cksrage handelt, und wir wollen unsere deutschen Volksgenossen ausfordern, eine Stelle zu schaffen, bei dev die Knltrrr als Wesenheit empfunden wird, einen organischen Verband aller tnLtnrellen Kräfte, der wir in bezug auf unsere jüdischen Fragen zu sein glauben. Zunächst aber müssen wir uns darüber klar werden, was bisher die Tat praktisch beeinträchtigt hat, nämlich der Umstand, daß man bisher zu sehr „deduktive" Politik getrieben hat. Unsere übliche Politik, die ich nicht schmähen will und die ich als unbedingt notwendig anerkenne — ich will sie als sogenannte „Vnlgärpolrtik" bezeichnen — ist eine Politik der fertigen Systeme auf Grund von Programmen. Wie wird bleiben und muß bleiben. Wir brauchen aber auch eine „induktive" Politik, das heißt die Erkenntnis der Wahrheiten im Volksleben. Erkennen wir z. B., daß die Vorwürfe, die die beiden christlichen Religionen sich gegenseitig machen, zu einem großen Teile übertrieben und unwahr sind, so wird die Gemeinschaft, welche wir zu schaffen haben, vom Standpunkt der Wahrheit dre Masse a u f k l ä r e n müssen. Und schreiten wir zur Tat, nämlich zur Entgiftung unseres Volkes drrvch induktive Politik, indem wir eine Stelle schaffen, die der Wahrheit dient, fo fragen wir weiter: „Was haben wir Juden im Von der Kundgebung des C.V. im Reicbswiriscbaitsrat Von links nach rechts: Dr. Ludwig Haas, M.d.R., Direktor Dr. Ludwig Holländer, Justizrat Dr. Brodnitz, Geheimrat Dr. 'Falkenheim (Königsberg). Für die „C.V.-Zeitung“ gezeichnet von Gustav Epstein, Kampfe um die Wahrheit bisher für Erfahrungen gemacht?" Was haben wir dazu zu sagen, wenn neuerdings einer der bekanntesten Schriftsteller, B ö r r i e 8 Freiherr v. M ü n ch h a u s e n, schreibt: „Nur wer jedes Instinktes bar ist, kann glauben, daß etwa Jacob Wassermanns Meisterhand deutsche Menschen schaffen könnte?" Deutsch soll doch hier offenbar völkisch und -eine auf „völkische Wahrheit" gegründete deutsche Politik bedeuten. Ferner: „Wer will aber den Bazillen das Recht auf Existenz nbsprechen, das allem Geschaffenen zu steht, — und wer will es vollends den Inden bestreiten, die völlig gleichberechtigt unter uns leben!" Sehen nur das, so haben wir zu beklagen den Nt ißb rauch der Sprache. Was versteht Herr Baron v. Münchhausen unter „deutschen Menschen"? Darüber Werden zehn Gelehrte cif verschiedener Auffassungen sein. Hier wird die Mehrdeutigkeit und die Unbestimmtheit der Worte nusgenntzt, die Falschmünzerei der Worte getrieben. Von der falschen Verallgemeinerung, von dem Unfug, der mit Zitaten getrieben wird, ist schon oft genug gesprochen worden. Muß daran wieder erinnert werden? Es wird auch die Frage geprüft werden müssen: Kann der eine vom anderen absolute Toleranz und Gerechtigkeit verlangen? Gibt es eine solche? Haben die Judenfeinde recht, wenn sie sagen: „Einem jeden das Seine" bedeute bei weitem nicht „Allcn^dasselbe". Wir 10erden sagen müssen, daß in dem Begriffe „das Seine" die Schwierigkeit liegt, und daß es selbstverständlich Fälle geben muß, in denen eine ungleiche Zuteilung des Vorhandenen stattjindet. Man muß sich aber darüber ganz klar sein, wann ungleich zugeteilt werden darf und muß, nämlich: wenn die Masse nnverblendeter Bürger eine Notwendigkeit erkannt hat. Wenn wir endlich an die Tatsachenfälschnng denken, wie z. B. die, die zu Rechtssprüchen in der letzten Zeit Anlaß gegeben hat: „Der Jude braucht die Wahrheit nicht zu sagen, wenn er in einem Prozeß, den ein Nichtjude mit einem Juden führt, als Zeuge vernommen wird", so sehen wir, wo einzusehen ist. Hier ist eine f n r ch t b a r e L ü g e a l s sichere W a h r h e i -tj vorausgesetzt, und die Folgen sind unabsehbar. A u f f l ä x u n g des B e g r i f s e s d c r Toter a n z w i r d e r folge n nt ü s ] en. Wir werden anerkennen, daß Selbsterhaltung und Notwehr für jede Staatsform notwendig sind, und daß damit eine gewisse Intoleranz unvermeidlich verbunden ist. Wir werden, aber im übrigen eine vollkommene Freiheit und D u l d lt u g durchzusetzen haben. Wenn der Staat heute noch vielfach dem Grundsatz huldigt: „Der getaufte Jude ist beliebter als der Jude selbst", so ist das" der Sieg der Intoleranz zng u n st e n d e r H e u ch e l e i. Jetzt wissen wir, wo eine „induktive Kulturpolitik" einzusetzen hat. Jetzt wissen wir, wie die einzelnen Zellen gebildet werden müssen, nur dem Volk den inneren Frieden zu verschaffen. Männer und Frauen jeder politischen Richtung, die mit dem steten Willen, nur nach der Wahrheit zu streben, begabt sind, müssen die einzelnen Gebiete unseres öffentlichen Lebens untersuchen und durchsprechen, und müssen die Resultate seststellen, welche sie in bezeig auf die großen Fragen des Volkes gewonnen haben. Wir werden jederzeit gern bereit sein, mit würdigen Judengegner n zu sprechen und mit ihnen einmal seststellen, wieviel Schutt, wieviel Unwahrheit und wieviel Leidenschaft die Debatte bisher verdorben haben. Niemals werden wir uns mit ihnen in allen Punkten einigen, aber in einer großen Reihe von Gesichtspunkten läßt sich eine Entgiftung erreichen. HSSSg™ Bad HauBteim \ PARK-HOTEL! HH—b—bhi Haus allerersten Ranges hbbhBF

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