Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 135 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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135 das wäre ja das nackteste Milieu —, sie,wollten das bauende Gefühl retten und sagten „Mutter", die Landschaft „Mutter" dieser Seele. Und darum der Norden dem „Norden", und der Süden dem „Mittelländer" und Vorderasien dem Juden. Sie sagen nicht bösartig „Juden raus!" Sie sagen mit Gefühl: jedes Ding an seinen Platz. (Praktisch kommt es aus dasselbe hinaus, was Sie wissen.") — Aber es ist ja ein Irrtum! Sie fallen ja. Sie fallen zurück, Sie werden ja morgen Reizschlvellenversuche machen! Unsere Seele, unsere gewaltige produzierende, sormgebende Seele, welchen Ort hat sie? Und welcher Ort wagt es ihr Form zu geben, — und gibt s i e nicht Form und prägt sie sich nicht aus in dieser Weise, an diesem Ort, und in dieser Weise, au diesem Ort? Nehmen Sie nur die Hände nicht weg: Sie wissen das so genau wie ich, und Sie fürchten nun, daß ich für Fremde alle Fehler äbleiten werde, die sich aus dem gräßlichen Fehler, ihrer einmaligen Unsicherheit ergeben: nein, mir sind Ihre Fehler' lieber als die Richtigkeiten der anderen, an die ich Sie verraten soll. Welchen Ort hat die Seele, welche geographische Landschaft hat sie von H au s aus, von U r b e gi n n an: das ist der zentrale Unsinn. Dann ist aber wieder ein Sinn darin, nämlich ein peripherer, weil die Dinge Vordergründe, Hintergründe und Seitengrüude haben. Es gibt also Pflanzen, — Sempervivum, Agave, Aloe, Euphorbien, Asklepindaceen, die werden unter gewissen Bedingungen, in dürren Gegenden, Wasferspeicherer, Sukkulenten. Und der Botaniker stellt mit Verblüffung fest, daß ganz entfernt stehende Pflanzen unter der ähnlichen Lebensweise — fast übereinstimmende Gestalt bekommen! Ihr „Stil" derselbe. Sie „bewegen" sich alle als Kakteen! Haben ein Tropenkleid entwickelt, mit Stacheln, harter Haut, Wasserspeicher, über die dürre Landschaft gesiegt. Das aber, um es ganz bestimmt zu sagen, ist „nordische, mittelländische, ostische" Seele. (Aeltere würden sagen „spezielle Anpasfungss'orm".) Es sind Vordergründe. Es wäre schwache Botanik, sie „Kakteen" zu nennen: gegen diese große, harte Natur konnten sie sich diesmal mir im Kakteenpanzer durchsetzen. Die Landschaft schafft den seelischen Vordergrund. Uebrigens: das ist noch ein viel zu großartiger Vergleich für die Hinfälligkeit der menschlichen „Rassen"; noch viel., viel vordergründlicher sind die „Rassen", noch viel episodischer. Ein Narr, so sage ich. wer auf sie schwört, auf sie hineinfällt. Ich setze mich auf die Eisenbahn und drei Generationen nach mir haben eine andere „Seele" (im Sinne von Clauß). Da könnte ich ebensogut aus eine Staatssorm oder einen Sparverein schwören. (Die geographische Landschaft und die „Zugehörige" Seele haben es mir doch angetan. Ich muß Clauß ganz leise auf einen Weg führen. Nämlich mit dem Milieu ist es nichts. Aber die Landschaft, die Geographie, ich kann es doch nicht bestreiten, „wirkt". Das, was ich jetzt sage, ist für Nichtmystiker nichts, und sie sollen drüber weglesen. Also die Landschaft schickt immer — ihre Seelen dem zu, der in ihr wohnt, — Wasser, Bäume, Berge, Ebene, Wolken, ihre Seelen. Und darum wollen sich alle ansiedeln oder in einer Landschaft behaupten, — und sie soll ihre Landschaft sein, und sie wird ihre Landschaft, wenigstens für eine Weile, — weil sich die Menschenseele einüben muß und sich ausprägen nur an einem konstanten Stoff kann, und weil sie der vielen Hilfsseelen einer konstanten Landschaft überhaupt 511111 Leben bedarf. Die Menschen, besonders Menschenmassen, wollen sich zugleich befestigen, konsolidieren, erstarren, alles Lebendige null erstarren. Daruin die konstante Landschaft. Wachstum, Ausprägung und Tod gehen sehr zusammen. Aber ich setze dies vorsorglich in Klammern.) * Es kann aber einmal alles anders werden, zeigt Clans; selbst zwischendurch mit Rechts ein „Oste" kann ans M ittelmeer verschlagen werden unb südliche „Seele" bekommen, ein Jude kann „ostische" Seelenzüge bcfommen. Es sind also alle irgendwie mutt geboren. Einmal gab es, denke ich, sogar eine Eiszeit, da wohnten die „Norden" im Süden und hatten — südliche Seele. Ein anderes Mal gab es gar kein Eis: in Grönland, Skandinavien! nun* Tropenklima; der „Norde" benahm sich im Stil allere in Nigger. „Nassen" sind, welche Neuheit, vergängliche Dinge; die Seelen bemächtigen sich des Orts, der Mensch hat Beine. Die Rassentheoretiter vergehen alle, daß der Mensch Beine hat. Oh, was habe ich da entdeckt! Welche Entdeckungen sind noch in der Rasselehre möglich! — Wenn ich sehe, wie sich gewisse Menschen besonders in Deutschland nach „Nassen" zusammentun, Arier sowohl nue Juden, so freue ich mich, daß der Gruppentrieb, der Gesellschaftstrieb so nrlebendig ist, immer neue Blüten und Blätter trägt — wenn diese Menschen sich auch nur nach der Form ihrer Hemdenzipfel gruppieren. — Ich will ein Paar hübsche Sachen nennen, die Clauß vorbringt. Was den „Norden" anlangt, so hat Clauß den Baldurfimmel: der „Norde" ist eben Gent und „Edeling" von Kopf bis zu den Füßen. Indisch dagegen bedeutet „nicht eine Rasse, nicht einenreinen Stil, sondern eine typischen Weise der Verflechtung mehrerer Stile". Man soll .das nicht so schlankweg sagen. Gedruckt ist es ja leicht. Aber es ist auch ganz gut für den Stilforscher, mal eine Reise zu machen, etwa nach Rußland oder Polen, und sich einen oder den anderen Juden anzusehen. Es kann auch nicht schaden, sich mal einen oder den anderen „Norden" anzusehen. Die Gelegenheit ist überall günstig. — Einmal wird erzählt von der „rationierten Güte der nordischen Seele": es läßt also eine ältere nordische Dame einmal in. einem Eisenbahnkupee einen Kriegsbeschädigten auf dem Platz ihres Sohnes nur sitzen „eine Zeitlang". Das läßt sich hören. Aber wie vereint sich damit der spätere Ausruf: „Welcher Schwung des Schaue ns- und Glaubens hätte durch den Norden brausen müssen", wäre Christus ein Norde und nicht bei den Minderbegabten Juden erschienen. Ja, das müßte inan sich in der Tat überlegen. Die ältere nordische Dame läßt jedenfalls allerhand erwarten. # Es wimmelt zwischendrin von wirklich famosen Beinerkungen und es geht einem wie bei anderen Autoren: man muß den Kuchen stehen lassen und die Rosinen herausessen. Er trifft rechts und links Richtiges beim Nachzeichnen des „Stils" der Seelen: die nordische mit ihren: Drang auf Abstand, mit der Neigung, auszugreisen in die Welt, mit ihrer kalten Begeisterung; der „Oste" in seiner „dumpfen Kugel"; der nordischen „Leistung" entspricht die südliche „Anmut iw Spiel". Und die instruktiven Bilderchen. Das Büchlein hat in summa einen großen Vorzug: daß es von dem langweiligen Rassenmäßigen mit Elan wegsührt ans typische Seelen, typische Seelenhaltungen und Stile. „Eine Rasse ist eine Idee im platonischen Sinn, eine in sich geschlossene Einheit des Stils, die ihre Wertordnung in sich selbst Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen DeutscMands und des Auslands Berlin 8>V 19, Jerusalemer Straße 46-49 /'Breslau / Chemnitz /Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. I Halle (Saale) / Hamburg / Hannover / Karlsruhe / Köln a. Rh. Leipzig I Magdeburg / Manu hei in j München / Nürnberg / Stettin f Stuttgart / Amsterdam / Barcelona / Bafel / Budapest / Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. MUß WoinüicMeit kann im Raum lieute mir mit echt neuzeitlichen Möbeln erzielt werden. Sie schaden aber auch gleichzeitig echte Vorn ehmlie ir.—YV o h n un gen de rar t zeigt die Ausstellung Tauentzienstrasse 10. Besuch erbeten. Drucksachen davon gern kostenfrei, ebenso die Schrift „Vom Rhythmus im Wohnraum“. - Die Schrift „Neue Schönheit11 M. 2,—. Alle Erleichterungen bei Kauf und Zahlung. Pj eis Würdigkeit. Besuch auch Berlin C, Molkenmarkt 6, erbeten. V. littsir, MielfaM Original-paWmaweine rcc bv Äatra, Rrschon» Esra> 2aphet, Sichron, Pevle Baton usrv., echt und naturrein, liefert Import-Gesellschaft Palästina AMSEL u)ohlSchmockßmdb, nahrhaft, t Gegründet 1896 - Meinkelierei - Gegründet 1896 Berlin SW 19, Kurstr. 39. Fernspr.:Merkur 1197.