Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 128 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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128 selbst vor und nach dem Waffenstillstand der deutschen Jude steht, der den Bundesstaaten fremd gegenüber steht, aber der nur Bürger des Reiches sein null, der Jude, der die deutsche Einheit aufrechterhalten hat, für deren Schaffung er der Bundesgenosse Bismarcks gewesen ist." Ohne sich der Unlogik und der Ironie -bewußt zu werden, die ihre These in . sich trägt, rufen die vereint g L e n u n g a r i s ch e n ch r i st l i ch -nationalen Verbände in Budapest zur Gründung eines „Bundes rassenbewußter Kreise verschiedenster Völker" auf, und sie wollen, daß ein „Schutz- und Trutzbündnis entstehen solle als Antwort auf die bisherigen Internationalen, ein Bündnis, so mächtig, so einig, so hehr, wie es die Weltgejschichte noch nicht gesehen". An den Aufruf zur Gründung der antijüdischen Allianz, der von der Gemeinschaft deutschvölkischer Verbände ausging, und dessen Widerhall in den ehemals feindlichen Ländern die völkischen Zeitungen mit seltsamer Genugtuung schilderten, schloß sich zunächst eine Z w i s ch e n t a g u n g i n S t u t t - gart an. Eine „allvölkische Tagung der Judengegner aller Länder" wurde in Aussicht genommen. „Unter welcher Sonne, mit welchen Ländern und Inseln ihr auch lebt, Männer und Frauen eines nichtjüdischen Blutes, das nun endlich in allen fünf Erdteilen gegen die Anmaßung und Ausbeutung der Hebräer auswallt — hört den Nus aus Deutschland, das/wie kein anderes Volk, von den Alljnden betrogen, verleumdet und kraut gemacht wurde —und bildet mit uns, die mit euch wieder gesunden wollen, den großen, *mcnschheitserfixllenden Nichtjudenbllnd: die „Alliance universelle!" Inzwischen wurden BorbesPr echun g en für eine „Germanenragung" auf Rügen im Jahre 1924 gepflogen. Im August 1925 hieß es dann in völkischen Blättern: „Eine frohe Botschaft wird uns aus Amerika gemeldet. Henry Ford . . . trifft großzügige Vorbereitungen zur Gründung einer mächtigen, alle Völker und Länder umfassenden antisemitischen Internationale unter der Devise: Antisemiten aller Länder vereinigt euch!" Im Oktober 1925 ist es dann endlich zu dem arrtisemitischen Kongreß in Budapest gekommen. Die Verhandlungen dort sind in diesen Blättern am 11. Dezember 1925 geschildert worden. Der Weltkongreß verkündete, daß die Zeit nicht mehr fern sei, „wo der internationale Antisemitismus sich zur Tat aufraffe und die Juden abschütteln werde". In völkischen Zeitungen wurde bald bescheiden und einschränkend kundgetan, es habe sich um keinen Kongreß, nur um private Besprechungen gehandelt. Nach den beiden Kriegen also sehen wir die antisemitische Bewegung bestrebt, zu einem internationalen Zusammenschluß zu kommen. Daß beide Male die „Alliance antijuive universelle" nur verhältnismäßig geringe Erfolge zu erzielen vermochte, daß sich die Zahl ihrer Anhänger im wesentlichen doch immer wieder ans Deutschland, Ungarn, Rumänien und Rußland rekrutiert, bleibt für die Erörterung der Frage ihrer Ziele unerheblich. Nach den hier aktenmäßig zusammengestellten parallelen Vorgängen sollte man annehmen dürfen, daß von völkisch-antisemitischer Seite der Borwurf einer „jüdischen Internationale" nicht mehr erhoben werden kann. Man sollte es annehmen können, sofern Vernunft und Logik der Dinge auch die völkische Bewegung regierten. Da aber in diesen Kreisen das erste Element der Bewegung der Haß ist, und ihm alle gedanklichen Erwägungen untergeordnet werden, so ist die Hoffnung gering, daß selbst dieses ausgezeichnete Beweismaterial Unbelehrbare und solche, die nicht belehrt werden wollen, überzeugen wird. DM entweihte .Hakenkreuz. Seit sieben Jahren erscheint in unserem, durch Haß und Zwietracht zerrissenen Deutschland eine Zeitschrift, die stets und standhaft für edelste Toleranz eintritt: die „Zeitschrift des Bundes für buddhistisches Leben". Der Mißbrauch, den die völkischen Parteien mit dem Hakenkreuz treiben, veranlaßte diese Zeitschrist, wie uns Herr Willi Baruch (Herford) mitteilt, bereits tm September 1920, eine Erklärung abzugeben, die wohl wert ist, an dieser Stelle heute noch veröffentlicht zu werden: „Das altehrwürdige Hakenkreuz, das im alten Indien Jahrtausende läng Symbol der Brüderlichkeit und Liebe war, ist vonunserer alles umstürzenden Zeit auch nicht verschont geblieben und als Feldzeichen politischer Parteien in gehässige Bruderkämpfe verwickelt worden. Da man uns in letzter Zeit, dieses gemeinsamen Abzeichens willen, von verschiedenen Seiten als Gesinnungsgenossen und Mitkämpfer in der politischen Arena begrüßte, in völliger Verkennung unserer Ziele, die nur der Ausbreitung'von Buddhas milder Lehre gelten, fern jedem politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Streite, und nachdem sich die Stimmen ans unserem Freundeskreise mehren, die auf Klärung und Abwehr drängen, sehen wir uns heute Zn unserem schmerzlichen Bedauern zu der Erklärung veranlaßt, daß mir, solange das Hakenkreuz von. politischen Parteien als Kampfeszeichen geführt wird, ans die weitere Benutzung desselben zu verzichten gezwungen find. Unsere Druckfchriftenvorräte mit dem aufgedruckten Swastikakreuz werden selbstverständlich nnfgebraucht, weitere Auflagen werden ohne dasselbe hergestellt. Bund für buddhistisches Leben und Verlag der „Zeitschrift Buddhismus". Von Richard May (Berlin). Ueberlegene Staatsmannskunst unterscheidet scharf und eindeutig zwischen parteipolitischen Richtlinien, die nur im eigenen Hause gelten, und jenen übergeordneten G r n n d - sähen nationaler S e l b st e r h a l t u n g , von denen ausschließlich die Beziehungen zu fremden Machten bestimmt werden. Die Abhängigkeit der Außenpolitik von der inneren hat noch nie als Beweis besonderen Verständnisses und verfeinerter Einfühlungs- Möglichkeit gegolten. Bezeichnend ist darin das Verhalten Bism a r ck s, der ja auf lange hinaus als Muster staatsmännischer Befähigung angesehen werden darf, und dessen Thesen auch heute noch nicht überholt worden sind. Sein Konflikt mit dem damaligen deutschen Botschafter in Paris, dem Grasen H a r r h A r n i m , entstand, weil Arnim selbständig die monarchischen Bestrebungen unterstützte, während der Kanzler in der französischen Republik eine Friedensbürgschaft sah. Daheim war Bismarck ausgesprochener Monarchist, ohne diese Anschauungen irgendwie aus fein Verhältnis zum westlichen Nachbarn zu übertragen. Nicht einmal in der Außenpolitik blieb er aus einer Richtlinie stehen, denn er schloß zu gleicher Zeit das Dreikaiserbündnis, nachdem er wenige Jahre zuvor ungarische Selbständigkeitsgelüste gegen Oesterreich wohlwollend unter-- stützt hatte. Außenpolitik ist noch mehr als innere die Kunst des Möglichen und damit im letzten Grunde nur Ausnützung gegebener Umstände. Festlegung ist dabei immer vom Nebel. ~ In Deutsch l a n d haben die Parteien fast insgesamt immer den Fehler begangen, sich von Sympathien und Antipathien leiten zu lassen, und ihre Haltung fremden Staaten gegenüber nahezu unbedingt von dem eigenen inneren Programm bestimmen zu lassen. Während man im allgemeinen bei uns heute über diese veraltete Methode hinausgekommen ist, bleiben die Völkis ch e n an sie gebunden. Ihre Außenpolitik, soweit man überhaupt von ihr reden kann, ist Anwendung innerpolitischer Grundsätze nach außen. Selbst wenn man zugibt, daß sie innerhalb der Reichsgrenzen so etwas wie ein einheitliches Programm haben, ist das eine Unmöglichkeit. Daher die Widersprüche, in die sie sich verwickeln. Daheim sind sie negativ eingestellt. Haß gegen die Juden, die Freimaurer, die Sozialisten und vor allem gegen das Kapital. Damit kann man Anhänger werben, zumal in Zeiten wirtschaftlicher Notlage, in der die Millionen nach Schuldigen suchen und zufriedengestellt sind, wenn sie ihre Erbitterung in irgendeiner Richtung entladen können. Zu praktischer Arbeit reicht es nicht aus, aber die Völkischen kommen ja auch nicht in die Lage, jemals die Probe ans das Exempel zu machen. Sobald sie zu irgendeiner Frage positiv" Stellung nehmen sollen, werden sie schwankend. In ihren eigenen Reihen herrscht nicht die mindeste Uebereinstimmung über die Frage Republik oder Monarchie. Entgegengesetzte Aeußernngen lassen sich in größter Zahl vorweisen. Ueberträgt man nun dieses Programm auf die Außenpolitik, dann gelangt man zujenen Unwahrscheinlichkeiten, an denen die völkische Politik überreich ist. Hier muß mau Positives sagen, wozu sie nicht imstande sind. Ursprünglich hatten sie eine Idee, die vielleicht in sich geschlossen war. Es war der Gedanke des Re -- vanchekr reges gegen Frankreich und der W i e d e r a u f r i ch - t n n g de s D e u t s ch en Reiches in der ursprünglichen Form, wobei sie übrigens für ein einiges und einheitliches Reich eintraten. Ihre Erfolge in Bayern gingen zum Teil darauf zurück, daß sie den Partikularismus bekämpften. Während des Ruhrabenteuers und der dadurch bedingten nationalen Abwehrstimmung erschienen sie vielen als Retter, ^ie standen damals nahezu aus derselben Linie wie die Regierung selbst und unterschieden sich dadurch von den meisten Parteien, daß sie den Versailler Vertrag niemals als gegeben angesehen hatten. In dem Augenblick jedoch, wo das Dawes- Gu lachten zu einer neuen Epoche der deutsch-französischen Beziehungen überleitete, gerieten sie in Bedrängnis. Mit den Verträgen von Locarno wissen sie nichts anzufangeu. Sie stehen daher in schärfster Opposition zu der ganzen Richtung, die heute eingeschlagen wird. Die Hoffnung auf eine kriegerische Bereinigung dieser Frage er» fordert aber, daß Deutschland Bundesgenossen findet: Das ist für sie überhaupt der Ausgangspunkt. England und Amerika scheiden dabei aus. Lchou aus innerpolitischen Gründen. Sie sind kapitalistisch, und mau kann nicht mit ausgesprochen kapitalistischen Mächten Zusammengehen, wenn man daheim die entgegengesetzte Auffassung auf die Fahne geschrieben hat. Eine große Rolle spielen übrigens die angelsächsischen Mächte in den Erörterungen ihrer Presse nicht. Das ist auch klar, denn auf einen Wasfengang zur See rechnen selbst die Völkischen nicht. Der gegebene Freund war