Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 127 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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127 wie der imfrigcn, unentbehrlich sind, daß sie Zur Wiederaufnahme unserer daniedergebrocheuen Volkswirtschaft nicht gemißt werden können, daß die Wiederherstellung des deutschen Namens in einer noch vor zehn Jahren insgesamt feindlichen Welt an die Anknüpfung von tausend internationalen Beziehungen gebunden ist. Ängesichts der gerade von völkischer Seite ausgehenden Hetze gegen die „jüdische Internationale" muß es doppelt verwunderlich erscheinen, daß diese feigen Kreise, die in diesem Wort etwas besonders Schändliches und Verwerfliches an den Pranger stellen wollen, ihrerseits die S ch a f f u n g einer a n t i s e m i t i s ch e n Internationale sich fortgesetzt angelegen sein lassen, ja sich ihrer Bestrebungen nach dieser Richtung sogar rühmen. Es ist schwer, dieses Phänomen des heimlichen Weintrinkens und der öffentlichen Predigt vom Wasser zu erklären; man wird ihm am ehesten nahe kommen, wenn lmm an die starke geistige Verwirrung, die in völkischen Kreisen herrscht, und an die schwach entwickelte Logik, mit der dort geistige Kämpfe ausgetragen Zu werden pflegen, erinnert. Ohne daß zugegebenermaßen mit diesen Momenten allein die Bestrebungen zur Bildung einer antisemitischen Internationale geklärt werden können. Eine außerordentlich interessante Parallele in den Vorgängen nach dem Kriege von 1870 und nach dem letzten Kriege sott hier erstmalig aufgezeigt werden. Die antisemitische Bewegung nach dem Deutsch-Französischen Kriege setzte besonders um das Jahr 1880 ein. Sie fand ihren Höhepunkt in der bekannten Petition an die Reichsregierung, die, mit 250 000 Unterschriften versehen, im April 1881 beim Reichskanzler niedergelegt wurde, und in der die staatsrechtliche Entrecht u h g der deutschen Juden verlangt wurde. Einen praktischen Erfolg hat die Petition nicht gehabt. Aber am 11. September 1882 versammelten sich unter der Führung Stöckers in Dresden dreihundert Vertreter antisemitischer Richtungen und stellten eine Reihe von Thesen auf, in deren erster es hieß: „Eine i n t -e r n -a t i o u a I e V e r e i n i g it n g zu dem Zweck, die Uebermacht des Judentums zu brechen, ist eine unabweisbare Kullurausgabe der christlichen Welt geworden." Dieser erste internationale a n t i s e m i t i s ch e Kongreß richtete ein Manifest an die Regierungen und Völker der „durch das Judentum gefährdeten christlichen Staaten" und setzte ein Komitee ein, dem man die Ausgabe Zuwies, eine internationale Zentralleitung der antijüdischen Bewegung zu organisieren. An diese Dinge erinnert mit Stolz am 25. September 1925 der völkische Schriftsteller Alfred Rosenberg in seiner Zeitschrift „Der Weltkampf" und mahnt daran, daß sich „am 12. September das dreiundvierzigste Jahr vollendete, da das erste antisemitische Manifest an alle Völker beschlossen wurde". Am 5. Februar 1883 fand in Chemnitz die Gründung einer „Allgemeinen Vereinigung zur Bekämpfung des Judentums" mit dem französischen Untertitel „Alliance antijuive universelle" statt. Von dieser Vereinigung aus wurde dann für den 27. und 28. April 1883 wiederum nach Chemnitz der zweite internationale antisemitische Kongreß einberufen, der vom Vorsitzenden Otto G lag au mit den Worten eröffnet wurde: „Ich begrüße die Herren, welche aus Oesterreich-Ungarn, Rußland, Rumänien, Serbien und Frankreich erschienen sind, deren Anwesenheit -uns zu besonderer Genugtuung und Freude gereicht." Der Redner fuhr daun fort: „Wenn heute die Völker und Rationalitäten sich lnehr als je abschließen und mehr oder weniger gegeneinander Front machen, 'so ist dagegen unsere Vereinig lt n g e i n B <a n d, w e l ch e -s die Völkers ch asten E u ropas wied e r e i n ander n ä h. e r t u n d •nt rteina n d e r v e rb i n d ef." Und der ungarische Präsident des Kongresses, Herr v. S i m o n h i aus Preßburg, stimmte dem ausdrücklich bei: „Wie mein Herr Vorredner ganz richtig betont hat, hat die a n t i s e m i t i sch e B e w -e g u n g vorz it g s \v eise einen i n t e x Nation a l e n E h a r a f t £ r", und in der Person des Abgeordneten L i e b e r m a n n v. S o n n e n b u r cj sprachen die „Weisen von Antizion" in einer der der „Weisen von Zion" verblüffend nahekommenden Sprache: „Wir können auch deshalb mit dem Besuch des zweiten Kongresses zufrieden sein, weil er ein ganzes Netz — menn auch mit weiten Maschen — über ganz Deutschland und Europa bildet, von dessen Knotenpunkten wieder nach allen Richtungen Fäden Qus-gehen." Die vUüfäjt Bewegung Das Spiel der achtziger Jahre wiederholt sich in der Nachkriegszeit u n f e r c t Tage: Wiederum eine starke antisemitische Bewegung, die dem gesteigerten Nationalitütsbewußtsein des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts entsprechend stärker mit nationalem Geist, weniger mit ethischen Momenten arbeitet — wiederum im antisemitischen Lager der gleiche Drang nach internationaler Verbindung, dieses Mal um so auffallender, als es sich hei dem modernen Antisemitismus angeblich um eine völkische Bewegung handelt, die die oberste Aufgabe der Staatenknnst in der Beschränkung auf die Zusammenarbeit der aus dem gleichen Blut geformten Menschen sieht. Die Bestrebungen zur Schaffung einer neuen antisemitischen Internationale beginnen fast unmittelbar 11acf) dem Friedensschluß im Jahre 1920. In W i e n bildete sich zunächst ein Initiativkomitee zur Schaffung einer „Weltliga gegen Juda". Alt Beginn des Jahres 1921 wurde in der an trennt! scheu Presse ein Aufruf zu r G r ü n d u n g einer u e u e u „Alliance an t i j u x v e univ e r seile" veröffentlicht, und die „Derrtfchvölkischen Blätter" betonten in der Märznumurer des Jahres 1921 mit Genugtuung, daß dieser Ausruf in Frankreich den begeistertste!! Widerhall gefunden habe, daß aus Polen Zustimmungen gekommen seien, und daß in England der Aufruf in der Monatsschrift „Ille hidden liancl" mit Sorgfalt und Feinheit übersetzt worden sei! Auch in Amerika sei der Aufruf verbreitet worden. Vom 11. bis 13. März 1921 fand dann in Wien eine Tagung der Antisemiten Oesterreichs, Ungarns und Deutschlands statt. Auf dieser Zusammenkunft wurde der Antrag eines Budapester Delegierten angenommen, noch für den Herbst 1921 einen Weltkongreß der Antis e m i t e n nach Budapest eiuzuberufen. Im Einklang damit führt die russische „Tribüne", eine Zeitschrift der Vereinigung für nationale Befreiung, die in München erscheint, in ihrem Kampfe um die antHemitische Weltorganisation an der Spitze des Blattes das Motto: „Antisemiten aller Welt vereinigt euch!" Mit dem gleichen Atemzug, mit dem so die antisemitischen Internationalisten die Verbreitung ihrer Ideen durch die ganze Welt anstreben und erneut den Versuch zur Gründung einer antisemitischen Weltorganisation nach dem Vorbild der alten Stöckerschen „Alliance" unternehmen, machen sie das Judentum der ganzen Welt für alles Nebel, an dem diese leidet, verantwortlich, und in seltsamer Verzerrung: Die den tsch en Antisemiten schreiben die Schuld am Kriege und am Friedensschluß, unb vor allem am Friedensvertrag, dem übermächtigen Einfluß Deutschland feindlicher Juden zu. Die fr a n z ö s i \\ ch e n und andern Antisemiten machen die deutsch s r e u n d l i ch e n Juden dafür verantwortlich, daß Frankreich beim Abschluß des Friödensvertrags allzu schlecht gefahren sei. Aus das Buch von R o g e r - L a m b e l i n „Ldniperialisme cVlsrael", das eine Fülle von Belegen hierfür enthält, habe ich in meinem Buch „Die jüdische Internationale" bereits hingewiesen. Und in der französischen Antisemitenzeiknng „Action framjaise" heißt es damit übereinstimmend: „Juden sind es, die Juden aus Bank und Politik, die iu London bei Lloyd George gegen uns (Frankreich) arbeiten, seitdem Lloyd George der Weltrichter geworden ist. Aber als dieses Schied sr ich teraüü bei Herrn Wilson war, wer arbeitete bei Herrn Wilson gegen uns? Juden, wiederum Juden! Es ist die jüdische Gruppe', die Gruppe Jacob Schiff und Feüx Frankfurter, gewesen, die Herrn Wilson Ende Mai 1919 (bei Abschluß des Friedensvertrags) bestimmte, Deutschland die Rabatte zu gewähren, die sich aus den fünf Artikeln F i n nt c , Danzig, Saargebiet, Oberschlesien und Reparationen ergaben.. . Eine Welt von Inden hat die russische Revolution zum Vorteil der deutschen Welt gemacht, und wenn wir zur Quelle herabsteigen, der Spitze der ganzen pangermcn nistischen Agitation, stellen wir wiederum fest, daß in Berlin L.B-Zeiiung gehören in die