Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 123 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m sich eins fühlen in der Freude über mtfere Erfolge und mit uns trauern in mtferm Leid, die sich, als Glieder der einen Volks-- familie, unlösbar verbunden empfinden mit alten Angehörigen ihres Volkes derart, daß sie gegenüber jedem von draußen her eine Einheit sind, mag auch im Innern manch Gegensatz und Kamps sein. Nicht deutsche Abstammung, sondern das Erfülltsein mit deutschem Wesen tennZeichnet den Deutschen; wer solchen Geistes ist. ist national, ist deutsch; dem reiche ich die Hand zum Bunde, mit dem will ich. wir beide der deutschen Volksgemeinschaft zugehörig, ioirfeit, daß wir beide ttnjerm, dem deutschen' Volte dienen.' Das völkische OZßcht- Don Professor Dr. Erik Nöltimg (Frankfurt a. M.). Die Physiognomie dieses Gesichts ist einem sehr starken und fortwährenden Ausdruckswechsel unterworfen: einmal treten Spuren von Verwilderung, Direkiionslosigkeit und kaum verstellter Gewaltgier darin hervor. Im flackernden Auge, das Blutwahn in 'seinen Baun schlug, nisten Gedanken an Mord und Pogrom; von Feme träumt es gegenüber dem Bruder und von Schreckensherrschaft gegenüber dem Fremden. Das ist der entsetzlichste und abstoßendste Ausdruck dieses Gesichts. ~ ' ‘ Dann wieder trägt es die -strengen Züge einer verstiegenen Unnahbarkeit. Wie aus einer unendlichen Ferne blickt es in die umgebende Welt, die es verachtet oder mit Magisterhaftem Dünkel von oben anschaut. Tyrann einer Welt, die nur als Fußschemel zu dienen bestimmt ist, oder aber gruoeepior mundi, der diese Erde als feinen Pflanzgarten zu betreuen, ihr die Wachstumsbediugungen zu setzen und die Wachstumsziele aitfzmveisen hat. Daß mit deutschen Wesen dicp Welt zu genchen habe (trotzdem sich diese energisch gegen unseren Weltbeglückungsvlau wehrt und uns au die allzu weit und allzu geschäftig ausgreifenden Hände eiserne Fesseln legte), das Deutschsein bedeute, den anderen voran die steilen Wege zu wandern, dem Heil und der Vollendung zu (trotzdem sich die übrige Welt keineswegs mit der Rolle bescheiden will, in unserer Nachhut zu trotten) — ist eingeschworenes Dogma. Wer zweifelt, ist ein Abtrünniger und ein Verlorener zugleich. Ein weltentrückter und verschwärmter Abglanz überschimmert die Züge und mildert die sonst nicht zu ertragende Arroganz. Einer Jugend, deren schönstes Vorrecht die Rolle des reinen Toren ist, steht dieses Gesicht bisweilen gar nicht so übel an. Zu allen Zeiten ist in der Welt viel Gutes aus Jlluflonsgrund gewachsen. So schauen wir in dieses zweite Gesicht sehr kritisch und ein wenig spöttisch zugleich und doch auch irgendwie mit einem Rest geheimer Liebe und flüchtiger Sympathie. Die Ideologen, ganz gleich aus welchem Garten sie stammen, gehören immerhin zu'den erfreulicheren Exemplaren der Gattung Mensch. Und gar mancher wird mit Wehmut und Ironie Erinnerungsspuren seiner eigenen verflossenen Jugend in diesem Bilde wiederfinden. Denn es zeugt nicht gegen einen Menschen, daß er sich irgendwann einmal in der Jugend in einem Mahn sestfing, eher muh das Gegenteil bedenklich stimmen. Schlimm wird es erst, wenn jemand in einem durchschauten Wahn geflissentlich und aus Zweckabsicht verharrt und so daran zum Schelme wird. Goethe hat in einem bekannten Wort das 30. Lebensjahr als Grenze bestimmt, jenseits deren man den Schwärmer ans Kreuz schlagen solle, weil der Betrogene, der die Welt kennen-lernte, sonst leicht in das Lager der Schelme hinüberwechselt. Zwischen Machtwahn, der die Bluttat gebiert, und selbstverliebter Ideologie, aus der gelegentlich ganz brave und rechtschaffene Haltung zu erwachsen vermag, sofern man das sich höchst eigenwillig zugelegte Adellsprädikat als Verpflichtung und Aufgabe empfindet, liegt eine Fülle von Schattierungen und Uebergangsnuancen. Nicht sie sollen hier an dieser Stelle näher skizziert und analysiert werden. Wie man hinter den wechselnden Erscheinungen eines menschlichen Gesichts die konstante Grundphysiognomie zu suchen trachtet, den nicht von Augenblickseinflüssen bewegten, bleibenden und charakteristischen Ansdrück, über den momentane Stimmungen hinziehen wie wechselnd Licht und Schatten werfende Wolken über eine Landschaft, so gilt es auch, die Grundnote des völkischen Gesichts aufzredecken, hinter der Photographie dieses Gesichts seinen porträthaften Ausdruck zu finden, der gegenüber der photographischen immer die höhere, idealtypische Wahrheit bedeutet. Dann aber tritt uns als charakteristischer Grundzug des völkischen Gesichts eine ungeheure Leere, eine verkrampfte St a rrh e i. t und eine G es chi chtslo f i gke i t entgegen, die i-m kollektiv-psychologischen Bild dasselbe bedeutet Die votfiftfje Bewegung wie Ausdruckslosigkeit in einem Menschengesicht. Was uns am Gesicht des deutschen Volkes — wenn für eine schier unfaßbare Mannigfaltigkeit diese plumpe Ausdrucksvereins-achuug gewagt werden darf — vor allem wertvoll und rühmenswert erscheint, ist der unübersehbare Reichtum an Ausdruck und Gebärde. Wenn man vielfach gerügt hat, daß dickes Gesicht der festen Konturen allzusehr ermangele, daß 51t viel Vages, Fließendes, Unbestimmtes in ihm enthalten sei, so ist der mit eben diesem Mangel verbundene unendliche Gewinn doch zugleich der, daß alle Starrheit, Enge und Intoleranz diesen Gesichtszügen fehlen. Alles Schicksal, das iu dieses Gesicht hinein verwitterte, jedes Leiden, -das es in der wechülvollstea Geschichte aller Volker dieser Erde erfuhr, alle Wärme, die es ausstrahlte, aller Reichtum der Fremde, den es empfing, sind in diesem Gesicht in einer höchst geheimnisvollen Art und Weise ansbewahrt. Geschenksreudigleit, noch mehr aber Lche - s ch c n kb a r k e i t sind feine bestimmenden Merkmale. Ein unbegrenztes Offenliegen für alle fremden Einflüsse. und Regungen, eine Arglose, vertrauensvolle Unbefangenheit hat es seit jeher ausgezeichnet. Daß man immer wieder auf Goethe als den vollendetsten 'und treuesten chlusdrnck dieser für unser Volk charakteristischen Eigenart stößt, liegt in -erster Linie darin begründet, daß auch er sich mit chder gleichen, heiteren Gelassenheit zwischen Eigenem und Fremdem Zeit seines Lebens bewegt hat. Gesinnungtztüchtigkeit und programmatische Verläßlichkeit war nie unsere starke Seite. G e r a d e d i e b e st e n D e u t s ch e n h n b e n w i e d e r - holt d a r a n f v e r w i e f e n , da ß D e u t f ch s e i n i m in e x z 11 g l e i ch c i n Bl e h r a l s n u r D e u t s ch - sein b e b e u t e. Inselhaste A b s ch ließ u n g, ä n g stliche und philisterhafte Abgrenzung gegen alles, n> a s nicht auf dem e i g e n e n K r a u t - a ck e r w u ch s , ist die Kardinals n n de gegen den deutschen Geist und ein. A u s ch t a g ans unser u r t ü m l i ch st e s Lebensprrnzip. Deshalb ist Vaterlandsliebe ein guter deutsche r Begriff, während Patriotismus ewig ein Fremdwort bleibt. Deshalb haben unsere Besten während des Weltkrieges noch mehr hinter den geistigen Zäunen als hinter den ökonomischen und politischen Blockademauern gelitten, die die Welt ein Jahrzehnt um uns baute. Deshalb verhüßlicht sich der deutsche Mensch in so auffallender Weise irr jeder radikalfanatischen Haltung, in der andere Völker eine bedeutend bessere Figur abgeben. Bei uns aber wächst solcher Fanatismus fast immer ins Vandaleuhafte und ins Leere hinein. Darum erscheint gegenüber der Beweglichkeit, Lebendigkeit und Ausdruckssülle des deutschen Gesichts das völkische Gesicht leer und. starr wie eine Holzfratze. Es wirkt fahl und greisenhaft, wie das Gesicht eines Menschen, der sich immer im geschloffenen, schlecht durchlüfteten Zimmer aufhält, weil er Zugluft und Berührung der Außenwelt fürchtet. 'Denn es ist eine greisenhafte Einstellung zur Welt, ewig vor ihr aus der Hut 31t sein, weil man von drüben nichts als Verfall und Zersetzung wittert. Alle Unbefangenheit, alle Vertrauensseligkeit und Kameradschaftlichkeit in den Lebensbeziehungen der Menschen untereinander geht bei einer solchen Haltung verloren. Geschichte ist dann nur ein bloßes Mißverständnis und Kultur nichts als ein Auflvsungsphäuomen. Durch die geschichtlichen Räume, für deren beglückende Weite und geschmückte Buntheit, man kein Auge hat, tastet man in kopfloser Flucht an die historischen Anfänge zurück wie ein Gefangener, der in einem versponnenen Labyrinth den Ausgang sucht. Das Nebelland der Vorfahren, das noch nicht zur .Kultur aufgeweckte Land voll Nebel, Sümpfe, Met und wilden Honigs, ist die eigentliche Heimat der Seele; das Land, das noch keines Römers, keines Christen und keines Juden Fuß betreten hat, über dem weder die strahlende Schönheit der Antike noch die segnende Milde der großen asiatischen Weltreligionen aufgeglänzt ist. Mit Usiiversitätsprofessor iOfdflCW (Berlin): Einer meiner verehrtesten jüdischen Freunde, der für humane und vaterländische Zwecke Grosses getan hat, sagt bei jeder Gelegenheit zu seinen Leuten: Handelt ethisch! Dieses Mahnwort deutet den wirksamsten Weg an, die bedauerlichen Angriffe auf unsere gesamten jüdischen Mitbürger abzuwehren. (Aus ,deutscher Geist und Judenhass“ )