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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 119

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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Xeuchtende ^Kämpfer für Deutschtum und Judentum. chutzjuden •ins:o Jüdischen Stas-tebürgar ÜN VORTPAQ VON PROF OR.M.LAIARUS MIT UNEM VORWORT VON DR.JS/P. UVT BERUH W, »oo 3oli «reine« A Mobf. r<blu«-9u *» BERLIN 1923 PHilO VERLA© UNO BUCHHANDLUN0 6.M.RH. Professor Moritz Xazarus, der anerkannte Philosoph, trat am 2. FDezember 1879 mit seiner meisterhaften FRede: „W a« heisst national?“, die in ^Deutschland Juden und Christen auf horchen Hess, den Stöckerschen Verunglimpfungen schlafend entgegen. jJuen bleibenden Wert beweist ihr FNeudruck jetzt im Thilo Vertage. — Tr. FR iphael Xöwenfeld. der bewährte ^Direktor des berliner Schillertheaters und hervorragende c&olstoi-cUeber setzer, gab durch seine flammende Schrift: „Schutz fuden oder Staatsbürger?“ vom Jahre 1893 den FRnstoss zur Qründung des Ceniralvereins. 0<><X><X>00<XXX><>0<><><X>00000<><><><> O <>0<XKXX><X><XXX><><>0<X><><X><><X>00<XXX><>00<X><>0<XXXX>00<><><X><0>0<X>C><X><> Abschließend kann gesagt werden, daß niemand besser weih als der Landesverband Groß-Berlin selbst, wieviel in der Neichshauptstadr noch zu tun übrig ist. Wir werden ohne Unterlaß mit Ernst und Umsicht Weiterarbeiten. Nicht Empfinölichkeit, sondern Empfindsamkeit. Von Rabbiner Dr. S. Levr (Mainz). Es darf wohl -Es psychologische Wahrheit angesehen werden, daß die Empfindung des Menschen sein Bewußtsein im Keime enthält. Die Art, wie ein Mensch auf einen von innen oder von außen kommenden Reiz reagiert und wie er dieses Vorstellungs- Vorganges inne wird, ist bestimmend für eine ganze Abfolge seelischer und geistiger Vorgänge. Aus der ersten empsindungsmäßigen Einstellung entfaltet sich die Folge und Fülle bewußter Entschlüsse. Dieser Bewutztseinskeim, Empfindung genannt, ist der Gefahr der Verbildung und Verkrüppelung ausgesetzt. Er kann verhärten und kann verweichlichen und er kann völlig verdorren. Im politischen Leben ist diese Gefahr übermäßig gesteigert; denn im Treiben des Politischen Kampfes, in diesem Wirbel, in welchen der Mensch als Zoon politikon gestellt ist, ist die Fülle der Reize groß und es gibt da keine Pause der Erholung. Gruppengefellschaftsweise stehen die Menschen sich gegenüber, in gesteigerter Bereitschaft wirkt Reiz und Reaktion im Dienste einer zweckstrebigen Einstellung. Dieses Hin und Wider erfordert, wenn das Ziel nicht verfehlt und verspielt werden soll, eine Achtsamkeit auf das gesunde Empfinden vom ersten Anfang seines Abrollens an. So wie nun der schlimmste Feind der Wahrheit nicht etwa die volle Lüge, sondern die halbe Wahrheit ist, weil in ihr Teile der Wahrheit enthalten und mit Unwahrem vermischt sind, so daß Blendung erfolgt und die Sichtung erschwert wird; so ist der gefährlichste Gegensatz zur gesunden Empfindung nicht etwa die Empfindungslosigkeit, denn diese ist leicht als Untauglichkeit, als negativer Wert zu erkennen, sondern diejenige Empfindungsart, welche eine Halbheit und Unvollkommenheit darstellt. Aus diesem Gebiete des menschlichen Seelenlebens kann hierbei die seltsame Tatsache verzeichnet werden, daß eine Steigerung der Funktion eine Minderung des Ergebnisses und die Mäßigung der Funktion eine Stärkung des Erfolges erbringt. Dieser Gefahr in der Empfindungsreaktion sind wir Juden in erhöhtem Maße ausgesetzt: Wir Juden — wenn auch Religions- Vorschriften in ihrer bindenden Kraft vielfach in unseren Reihen Zurücktreten — kommen auch zu den politischen Fragen, d. h. zum Kampfe um Recht und Rechte, vom Boden der Religion her. Der Sinn und das Gefühl für Recht ist uns als religiöses Erbe eingeboren. Gerechtigkeit gilt uns als göttlicher Wille und menschlich-religvses Gebot. Und dadurch, daß wir Jahrhunderte hindurch den Druck erlittenen Unrechts tragen mutzten, wurde in uns durch die Sehnsucht, diese urerbliche Empfindung für das Recht, bis zur Hochspannung gestrafft. Die Kraft unseres seelischen Empfindungsvernlögens, unser Temperament, versetzt zudem dieses gespannte Nechtsempfinden in lebhafte Schwingung. Was Wunder, wenn so aus der Empfindung eine Empfindlichkeit wird, die jeden Nerv halbiert, daß er doppelte Funktion vollzieht! -Aber zu diesem Rechtsgefühk tritt noch ein weiteres Moment als gefährlicher Grund für die Uebersteigerung unserer Empfindung hinzu: es mag — wir wollen dies einmal annehmen — in den Reihen unserer Gegner, auf deren Angriffe wir zu reagieren haben, Menschen geben, welche von der Berechtigung ihrer verallgemeinernden Angriffe auf Judenheit und Judentum überzeugt sind; aber es wird keinen Juden geben, welcher von einer Kollektivschuld >oder einer irgendwie gearteten Minderwertigkeit der Judenheit oder des Judentums überzeugt ist, weil diese Schuld oder dieser Fehler nicht vorhanden ist. Wären wir dessen schuldig, wessen man uns oftmals bezichtigt, wir hätten Rechtsempfinden auch uns selber gegenüber genug, um ruhig zu hören, zu schweigen und zu bessern. So aber tritt ein verletztes Ehrgefühl in Tätigkeit, diese Primitive Seelenkraft, die dem Kinde wie dem Greise, dem Weibe wie dem Manne, dem Bauer wie dem Gelehrten, dem Arbeiter wie dem Kaufmann, dem Studenten wie dem Soldaten eigen ist und eigen sein muß, wenn er sich nicht selbst aufgeben will. Jeder Mensch erhebt elementaren Anspruch darauf, als das zu gelten, was er ist. Einem Menschen seine Geltung versagen oder ihm seine Ehre absprechen, heißt sein Sein als Persönlichkeit abdrosseln. Wenn so dem Juden, nur weil er Jude ist, sein Wert und seine Geltung geraubt werden soll, dann wird ihm das innerste heilige Empfinden, sein Ehrgefühl, ausgepeitscht. Empfindlich muß er gereizt sein, aufbrausend wird er auf den spitzen Stich reagieren. Verständlich ist diese aufbrausende Empfindlichkeit: ein primitiver Anspruch sucht auf primitive Weise sich durchzusehen. Und doch ist die Empfindlichkeit, dies kann unser Centralverein nicht klar genug erkennen und nicht eindringlich genug betonen, eine falsche Reaktion auf die Reizung, die uns Inden widerfährt. Denn abgesehen davon, daß wir uns an diese Empfindlichkeit gewöhnen als Neaktionsart, und infolgedessen auch in Fällen, welche nicht so schwerwiegend sind, durch Hemmungslosigkeit und Uebersteigerung des Empfindens über das Ziel hinausschießen, daß wir taktisch unbesonnen, in Ton und Haltung unbeherrscht werden, so daß wir

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