Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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117 oder minder hineinpaßte, und der bereit war, das „Odium" auf sich zu nehmen, Bücher über das Judentum rnit ausgesprochener Tendenz heraus- Zugeben. Die Anpassung und das Zeittempo verlangten: Schlagfertig sein, unabhängig sein von dem Willen Dritter, Umfang und Art der Verbreitung nach eigenen Wünschen bestimmen können.Und schließlich mußte eine Stelle geschaffen werden, welche die Fachleute unserer Arbeit in bestimmter Richtung anregen und ihre Produktion verarbeiten konnte. All diese Aufgaben: das g e s p r o ch e n e W o r t z u e r g ä n z e n und zu vertiefe n u n d es in B u ch - oder B r o s ch ü r e nf o r m a n den G e s a m t b u ch - h andel und an einen P ub li ku ms k reis , der durch unsereVers a m nt* lungstäLigkeit nicht erfaßt werden kann, heran zu bringen; diese Aufgabe, in planmäßigem Ausbau eine Schriftenreihe zu schaffen, die für jeden Angrifsskomplex je nach Notwendigkeit in wissenschaftlicher und populärer Form Material zur Abwehr darbot, und schließlich das Interesse der Wissenschaftler und Publizisten auf unser Arbeitsgebiet %\i lenken — all diese Aufgaben wurden dem Philo-Verlag und Buchhandlung G. m. b.H. bei ihrer Gründung übertragen. Wenn man die ersten sieben Jahre Phito-Arbeit überschaut, so kann man sagen, daß in diesem Zeitraum die Pläne der Gründer zu einem guten Teil verwirklicht worden sind. In den ersten stürmischen Monaten und Jahren ergab sich ans den sich überstürzenden Ereignissen oft nur für den Tag bestimmter und deshalb rasch überholter Aufgabenstofs. So entstanden die ersten etwas sensationell ausgestatteten hefte der Lichtreihe: „Die Juden im Heer", „Judenregierung und Spartakus", „Krieg, Revolution und Judentum", „Jüdische Weltherrschaft", um nur die verbreitetsten zu nennen. Ein deutlicher Abstand zwischen den Erscheinungen dieser ersten vielbeweaten Zeit und den folgenden ist klar erkennbar. Neben die aus dem Augenblick und für den Augenblick geschaffenen Schriften traten solche wissenschöstlichen Charakters rnit für die Dauer berechneter Wirkung, Aus dem Chaos der Angriffe auf das Judentum schälten sich langsam fest umgrenzte Gebiete heraus. Wenn hier ein Bild gebraucht werden darf: Allmählich füllten wir Provinz nach Provinz dieses weiten Angriffsrauwes mit unseren Schriften aus. Da wurde die Provinz bearbeitet, in der die Grundlagen für die Angriffe auf das Judentum als Religion, den Talmud und Schulchan Aruch und die jüdische Ethik verankert waren. Im Nachbargebiet, wohnten die Angriffe auf die Heimatberechtigung der deutschen Juden, wohnten die Behauptungen von einer internationalen politischen Verknüpfung des Judentums und dem Vorhandensein einer geheimen jüdischen Oberleitung. Gleich daneben die Angriffe wegen der angeblich zersetzenden Wirkung des deutschen Judentums auf die deutsche Kultur, die Behauptung von dem verjudeten Bolschewismus und Marxismus. Grenze an Grenze mit diesem Gebiet die Rassenfrage, die Ostjudenfrage und die Behauptung der jüdischen Drückebergerei. Außer der Spezialliteratur für jedes dieser Gebiete schufen wir noch allgemeine Abhandlungen und Handbücher für die Praxis. Nachdem so eine A u f k l ä r u n g s - und A b w e h r l i t e r a t u r bei uns und durch uns entstanden war, die in dieser Vollständigkeit, Handlichkeit und Brauchbarkeit noch niemals in Deutschland bestanden hatte, konnten wir darangehen, der reinen jüdischen Wissenschaft gewidmete Werke und solche der Belletristik erscheinen zu lassen. Durch die Herausgabe der Zweimonatsschrift „Der M o r g e n", die jetzt mit einer stattlichen Abonnentenzahl das zweite Erscheinungsjahr beginnt, erschlossen wir uns ein weiteres Arbeitsgebiet. Zahlen sollten in dieser Darstellung eigentlich nicht genannt werden. Wenn auch im einzelnen mitgeteilt würde, wie sich die in die Hunderttausende gehende Berlagszisser unserer Broschüren zusammensctzt, so gäbe das doch nur ein unvollständiges Bild von dem Umfang der sieben Jahre Philv- Arbeit. Es sei hier nur festgestellt, daß wir mit rund 475 zum größten Teil n i ch t j ü d i s ch e n Buchhandlungen in dauernder Geschäfts^erbindung stehen. Vnfet €entmistetem Der Philo-Berlag, der die Stürme der Inflation unerschüttert überdauert hat, sieht den- Ausgaben der kommenden Jahre mit ruhiger Zuversicht entgegen. Er ist von dem Bewußtsein erfüllt, daß er auch teil hat an der Arbeit, die im C. B.-Geist am deutschen Judentum geleistet wird. Ein Tag im (. v. Bon Alfred Hirschberg (B e r l i n). Waren Sie schon im C. B.? Nein, das meine ich nicht. Daß Sie seit Jahren unser M i tglie d sind und immer bleiben werden, weiß ich. Ich meinte, ob Sre schon einmal in der Hauptgeschäftsstelle in Berlin waren? Wie? Nicht dazu gekommen? Das müssen wir hellte, da Sie zur Hauptversammlung^ nach Berlin gereist sind, rasch nachholen. Wir haben lms glücklicherweise früh genug getroffen, um schon zum Dienstbeginn im Bureau sein zu können und den Tag über zu beobachten, was hier geschieht. Unser Bureau liegt in der richtigen Gegend; und die Nachbarschaft ist beinahe symbolisch für den Geist unserer Arbeit: Presseviertel, das alte Gebäude des sriderizianischen Kammcrgerichts, die großen modernen Geschäftshäuser — so haben wir die eherne Grundlage des Rechtsgedankens und lernen am Leben um uns, ihm auf die eindringlichste Weise im Alltag Geltung zu verschaffen. Ob Sie unser Haus finden werden? Ja, hier sind wir zur Stelle, der Schaukasten des Philo-Berlages vor der Tür hat es verraten. Jetzt füllt Ihnen auch unser Türschild auf. Kommen Sie hinein! Es ist kein neues, elegantes Haus, und wir müssen auch die Unbequemlichkeit in Kauf nehmen, zwei getrennte Stockwerke zu bewohnen. Aber hier herrscht doch schon C.V.° Tradition! Zu viel Ringen, Mühen, Vorwärtsschreiten geschah an dieser Stelle, als daß wir leichten Herzens umzögen. Nun sind wir drin! Fünf Minuten vor neun, Punkt neun wird von dem Dezernenten die Post gelesen. Dehen Sie, da werden gerade die letzten Umschläge geöffnet und gestempelt, das technische Personal ist schon feit einer halben Stunde im Dienst. Ein schöner Stoß Post! Hunderte Briese und Postkarten summieren sich eben. Kommen Sie ins Nebenzimmer, was hier in der sogenannten Zentrale — dem Registratur- und Telephonzentraleraum — geschieht, werden wir auch später beobachten können. Die Post wird im Direktorzimmer gelesen. Alles ist schon versammelt. Soll ich Sic rasch bekannt machen? Nein, besser später bei der Arbeit, im Augenblick stvrcks. Brief auf Brief wird verlesen und mit dem Zeichen des Sachbearbeiters versehen. Es geht glatt und schnell: Die Post unserer Landesverbände, viele Berichte von den Ortsgruppen, Anfragen von Mitgliedern oft nach den entlegensten Dingen — jeder bekommt sein Päckchen. Ein paar Male merkt alles besonders auf: Mitteilungen, die mehrere Dezernenten angehen, oder die von hervorragendem allgemeinen Interesse sind. „Eilt s e h r" steht rot auf diesen Briefen. In A....berg ist eine Pressesehde entstanden. Ein zitatengespicktes „Eingesandt" stand im letzten Kreisülatt. Die Antwort muß noch heute abend zurück sein. Denn morgen früh erscheint das Kreisblatt wieder, und werm man bis zum übernächsten wartet, hat die Verleumdung schon Fuß gefaßt. B....stadt schreibt kurz: Heute abend spricht Abgeordneter Müller von der „Völkischen Gruppe" in öffentlicher Versammlung. Sendet Redner. Wenn mit Mittagszug abführt, fommt er gerade recht. In C . . . feld erinnert sich ein Anwalt gerade im letzten Augenblick, daß er für eine Hauptversammlung am folgenden Tage Material vom C. V. braucht. Eine Reihe von Manuskripten geht in die Redaktion. Heute ist Redaktions-- schluß, da muß rasch gesichtet werden. Am Nachmittag soll eine Hauptvorstandskommission beraten. Zusagen liegen vor, zwei Herren wünschen Verschiebung um zwei Stunden. Ein Ministerium antwortet, daß ihm der Besuch eines unserer Herren in einer Beschwerdesache am Vormittage erwünscht sei. Die Oberstaatsanwaltschast in D.... dorf benötigt für einen Gotteslästerungsprozeß Schristenmaterial und Benennung von Sachverständigen . . . Fast sind wir fertig — ein Telegramm aus E . . . . tcä: Professor 1. hat plötzlich einen Vortrag absagen uiüssen. Ersatzredner muß noch heute beschafft werden. Endlich ist die Postverteilung beendet. Die Dezernenten gehen in ihre Arbeitsräume. Die Post fommt zum Journal. — Das war Tagesansang, lieber Freund aus dem Reiche. Auf dem Tisch liegen die' Eilmappen: „sofort zu erledigen". Ta sitzt der Presfereserent vor dem Kreisblatt und beginnt die Entgegnung. Neben ihm Akten, Jahresbände der Zeitschrift, der „Mitteilungen", Bücher der Bibliothek. Am Nebentisch häufen sich die Zeitungen, Zeitschriften jeder Art aus allen Richtungen. Die Bearbeiterin durchstreift Seite für Seite mit dem Rotstift, jede Notiz findet Beachtung und Bearbeitung. Wir stören hier im Augenblick! Kommen Sie zur Ortsgruppendezernentin. Sie wartet auf ein Telephongespräch, um den Ersatzredner für Professor X. zu bekommen, und führt die dritte telephonische Unterhaltung wegen des Gegenredners für Herrn Müller. Unser Eintritt bringt Glück. Eine Zusage. Und schon fliegt daL Der Vorkämpfer unserer Ideen, „der Anwalt der deutschen Jiideu“ *”'4**»*-" v:k (1806-1863) wmm M>MW WMM MW genannt.