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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 116

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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HS Das Kapitel über die Politische Arbeit schließt mit einem Rückblick aus die „C. B. - Zeitung" und den Philo-Verlag. Daß die „C. V.-Zeitun^ mit ihren 8 48 Seiten im Jahre 1924 und 816 Seiten im Jahre 192 5 ihren Lesern wertvolles Ausklärungsmaterial gebracht hat und unseren Mitgliedern unentbehrlich geworden ist, beweisen die Anerkennungsschreiben aus allen Lagern. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Beilagen während der Neichstagswahlen und die o n d e r -- nummern bei verschiedenen Anlässen, die in verstärkter Auflage hergestellt und auch den führenden Persönlichkeiten im Staats- und Wirtschaftsleben überreicht wurden. . Der A tt f b a n d e s Vereins, mit denen sich der Zweite Teil des Tätigkeitsberichtes befaßt, ist unseren Freunden zu bekannt, als daß er -in seinen Einzelheiten an dieser stelle zergliedert ^werden müßte. Von Interesse loird es jedoch sein, zu hören, daß heute 2 1 Landesverbände sich -in die Arbeit teilen, die bei einem M i t g l i e d e r b e st a n d von 7 0 0 0 0 H a n s h a l t n n> g s - v o r st ände n zu bewältigen ist. Das B e r l i n e r B u r e a u allein hatte irn Jahre 1924 die Zahl von 2 6 0 0 0 und im Jahre 1925 die Zahl von 3 1 0 1 5 P o st e i n g ä it g e n zu erledigen, denen t ä gl i ch an a u s l n n s e n d e r P o st 13 0 Briese d u rch s ch n i t t I1 ch neben den Rundschreiben, Drucksachen njw. gegenüberstanden. Tie Einteilung der Dezernate ich Organisation und Propaganda, A luv ehr und Anfkilärung, Presse, Statistik, Theologie, Rechtsschutz, Verkehr mit Behörden, hat sich wie in früheren Jahren bewährt. Die Finanzierung des Vereins stellt uns natürlich bei der -augenblicklich wirtschaftlichen Krisis vor -ernste Probleme. Ein besonderer Allhang zum Bericht zeigt den Vertrauensmännern die verschiedensten Wege zur Meisterung der Schwierigkeiten. Der Bericht wäre unvollständig, wenn er nicht auch einen Ausblick auf die Aufgaben für die nächste Zeit eröffnen würde. Erlist und schwer sind die Worte, die der Hauptvorst and im Bewußtsein sem-er Verantwortung hier an seine Mitglieder richtet. Sie dürfen bei keinem ungehört verhallen: „Das Bedürfnis des Menschen nach Frieden in Politik und Wirtschaftsleben zeigt uns .beit Weg, den wir im C. V. gehen müssen, bringt aber auch Lchwierigkeiten und Gefahren mit sich, die wir nicht überseh eil wollen und dürfen, obwohl sie nur bei aufmerksamer Beobachtung erkennbar sind. Die Parole d e s F r i e d e n s , den Deutschvölkifche mit Juden schließen wollen, zum Teil schon geschlossen haben, lautet Asemit i s tu u s: d. h. Loslöfmrg von jüdischer Gesellschaft und jüdischer Umgebung in allen Lebenslagen, ohne Kampfgeschrcr und Zank wie bisher, ^tört unsere Kreise nicht, sagen sie, und wir werden euch Juden nicht mehr belästigen, also Rückkehr ins Ghetto. Vielen, unserer Freunde mag dies übertrieben dünken, aber Liegen die Dinge in Wirklichkeit anders, wenn man uns aus ländlichen und mittleren Gemeinden ans Anfrage erklärt, „wir merken hier nichts mehr von Antisemitismus", während nufere eigenen Beobachtungen ergeben, das; an denselben Orken Juden aus den Gemeindevertretungen ausgeschlossen, von den sogenannten Honoratioren Zwar gegrüßt, aber fast gemieden, geschäftlich nicht beachtet, kurz so behandelt werden, 'als ob sie nicht mehr da seien? Ter „Indenaberglaube" des Mittelalters geht um in 'Deutschland; und an uns, d. h. an jedem einzelnen, ist es nun. ihn zu zerstreuen. Freunde, drängt euch nicht auf, aber, wo tiuut euch die Tore nicht versperrt, verlaßt sie nicht freiwillig und gebt so den anderen, die mit cnch leben würden, wenn ihr nm wollt, nicht hm Schein des Rechts dadurch, das; ihr einen Verzicht leistet, den man gar nicht von euch verlangt. Es mag in vereinzelten. Fällen schwer sei:;, in dem Gefühl zu leben, daß nur Höflichkeit, nicht Herzlichkeit eure Anwesenheit uub Mitgliedschaft bei nicht jüdischen Veranstaltungen und Vereinigungen beachtet, aber wir wollen ehrlich bekennen? Fällt nicht ein Teil Schuld auf uns selbst, weil wir unseren christlichen Mitbürgern so selten Gelegenheit geben, durch den Umgang mit uns von Person z:l Person zu erkenneu, daß wir gar nicht bk Teufel und, als die mau uns hinstellt in gegnerischen Reden und Schriften, sondern Menschen mit den Fehlern, aber auch allen Vorzügen der anderen? Die große Aufgabe, die unsere Freunde als Einzelpersonen in der so geschilderten Richtung lösen müssen, versuchen wir als Organisation mit allen- Mitteln, die uns zu. Gebote stehen, zu betätigen. Wir glauben, den Verhältnissen Rechnung getragen zu haben, indem wir von den; Flugblatt und der für den Augenblick geschriebenen Broschüre zum wissenschaftlichen Werk in unserer Literatur übergegangen sind. Wir werden in den nächsten Monaten in der Lage sein, eine Reihe von Schriften herauszugeben, die, wie bereits im Verzeichnis des Philo-Verlages angekündigt, von allen Gesichtspunkten aus die Judensrage beleuchten, wir werden weiter durch Anstlärungsversarmntungen und Eiuzelbespreehungen das Gift, das einzufrZsen droht, zu zerfrören versuchen. 'Nufer ernsMches Bemühen wird cs sein, der Umwelt und Mitwelt zu Zeigen, daß die Synthese von Deutschtum und Judentum kein Schlagwort, sondern eine mit uns geborene Selbstverständlichkeit ist. Zn dieser großen Aufgabe rufen wir unsere Freunde für die nächsten Fahre auf. Möge sie Zur Ehre von Glaube und Heimat gelingen." Dr. M a r t i n Mar x. Sieben Jahre Philo-Verlag. I. Von Theodor Marens (Bresla u). Wenn ich dem nachfolgenden L ei st u n g sb e r i ch t der Leiterin des Philo-Verlages aus Wunsch der Schristleitnng ein paar Worte vorausschicke, so kann der Zweck meiner Ausführungen nur der sein, die Mitglieder auszurütteln, um für den Philo-Verlag und seine Produktion mehr zu tun als bisher. Da ich in den letzten Jahren öfter einen Blick hinter die Kulissen des Philo-Verlages werfen konnte, so dürste dieses Vorhaben nicht vermessen sein, denn es konunt uns ja nicht darauf an zu sagen, wie herrlich weit wir cs gebracht haben, sondern wir wollen aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen! Trotz der Festesstimmung behaupte ich, d a ß L a n d e s verbände n u d O r t s g r u p P o n ei n e r s e its , u n [ e r e M itglieder u n d F r e it n b e andererseits a u ch h e u t e na ch s i e b e n - äh r i ge m Besteh c n n u ch nicht \x> i j sc n /w i e sie ans de m ii st r u m e n t des P h i l o - B erlag s s p i e l e u k ö n n c n resp. rn ü]fen. Wir sind berechtigterweise, besonders im Hinblick auf die obigen Hemmungen, froh, daß der Philo-Verlag sich von'einem Znschnßuuteruehmen zu einem selbständigen Unternehmen ausgewachsen hat, welches seinen bescheidenen lieber schuß abwirst. Aber es wäre verhängnisvoll — schon rein vom voirtschaftlichen Standpunkte aus wenn wir uns mit diesem unbestreitbaren Erfolge begnügen wollten. Bei anderen Vereinigungen — und der mächtig anwachsende Vereinsbuchhandel ist auch für den Nichtfachmann der schlagendste Beweis — ist gerade der Buchvertag eine der stärksten pekuniären Stützen, manchmal sogar das Rückgrat der Organisation. Während beim Großtei! unserer Mitglieder die Neuerscheinungen z. V. des Verlages S. Fischer nicht nur gelesen, sondern auch gekauft werden, weit es zunr guten Ton gehört, weil man ja ü sonn sein muß, so wird es nicht als notwendig betrachtet, sich um die Produktion ’ des Phito-Berlags zu kümmern. Für den großen Mitgliederbestand, den wir haben, sind die Auflagehöhen, die von fast allen Werken herauskommem beschämend gering. Wenn man dabei noch berücksichtigt, welch großer Teil durch andere Kanäle geht, so bleibt es bei einem verschwindend kleinen Prozentsatz, den die Mitglieder von ihrem auf gleicher Weltanschauung stehenden Verlagsunternehmen kaufen. Die verschiedenen Buchgrmei uschasten der Gegenwart haben in kürzester Zeit einen Niesenerfolg, eine W e l t a u s ch a u u n g s g e m eins ch a f t scheint sich nur schwer durchsetzen zu können. Muß dies aber immer so bleibend Kann da nicht die Erziehungsarbeit des einzelnen an sich und der Gemeinschaft einsetzen? Aber noch ein weiteres Hindernis gilt es zu überwinden. In weiten Kreisen der Akitgliederschast besteht immer noch die irrige Auffassung, daß derartige Abwehrbroschüren für sie nicht geschrieben werden. Es ist ein schwerer Irrtum, zu glauben, daß die augenblickliche Produktion des Philo-Verlages sich mit Abwehrliteratur in althergebrachtem beschäftigt. Wer seine W e t ta u s ch a u uit g , die Welt a n s ch a uu n g des' C. W, v e r t i e s e n w n l l, — und dies muß er in Zeiten schärfsten geistigen Kampfes nm Deutschtum, und Judentum —^ der wird ohne die vom Philo-Verlag geschaffene Literatur sich in dem Wirrsal der Tagesmeinungen nicht mehr zurechtsinden. Wenn daher unsere Alitglieder diese Scheu und falsche Einstellung überwunden haben werden, dann — so bin ich sicher — wird jedes einzelne Mitglied auch Mittel und Wege wißen/wie diese Literatur in die Kreise außerhalb unseres Mitgliederstandes dringen rann. Aber was man mit dem Herzen propagieren soll, das muß man — man verzeihe meine Offenheit — erst kennen. In einer der letzten Nummern der „WeltbühnW — und was in anderen Blättern steht, wird dekannterweise eher geglaubt — war eine graphische Darstellung der Macht der Hugenberg-Presse resp. des Hugenbergkonzerns. Jedem Skeptiker sei diese Darstellung zur eifrigen Lektüre empfohlen, denn er wird ans ihr erkennen, daß unsere Gegner im weitesten Sinne die Macht des gedruckten Wortes erkannt haben. Sie haben sie in großzügigster Art und Weise zur Volrsbeeinflussung aus ge nutzt. Und uns soll es wegen Lauheit in den eigenen Reihen nicht gelingen, die angeblichen Flecken eines reinen Schildes in weitesten Kreisen zu tilgend II. Von Jaeoby (Berlin). Sieben Jahre sind es her, da waren bei den leitenden Persönlichkeiten des Eentralvereius zwei Erwägungen, die das Gebiet der literarischen Aufklärungsarbeit betrafen, so stark, daß sie zur Verwirklichung drängten: Tie Erkenntnis von der Notwendigkeit, sich dem Tempo der neuen Zeit anzupassen, und der alte Grundsatz der C. V.-Arbeit: Selbstverteidigung im Lichte der Oefsentlichteit. * Sie mußten zur Gründung eines eigenen Verlagsnnternehuums führen. Welche Wege der Selbstverteidigung konnten bisher eingeschlagen werden, wenn eine für unseren Kampf notwendige literarische Arbeit in die Oessentlichkeit gelangen sollte? Es mußte versucht werden, einen Verleger zu finden, in dessen Verlagsrahmeu dieses Werk mehr

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