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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 114

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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114 Die „C.v.-Aeitung". Bon Dr. Alfred Wiener. Aus der Tagesordnung mmdestcnZ jeder sünsteu Hauptvorstaudssitznng des G. V. nach dem Weltkriege war verzeichnet: Z ei tun gsfrage. Sollte die 'bewährte Monatsschrift „Im Deutschen Re i elf, dem Tagesgeschehen wochenlang nachhinkend, in gemächlicher, wenn auch zumeist gediegener Breite sozusagen als dickleibiges „Magazin des (L B." weiter erhalten bleiben, oder sollte sie sich zu einer frischen Wochenschrift schleunigst wandeln, die den tosenden Wogenprall der Politischen Ereignisse answertend meisterte, den völkischen Gegner, wo nötig, angrisf und bloßstellte, den Freund unserer Arbeit beschwingte, den noch Lauen beredete und an feuertet Lange Monate verstrichen, ehe die Entscheidung fiel; denn manche unserer Führer konnten von erlisten Bedenken, die die Kosten, den Inhalt, die Schriftleitung der Wochenans gatte angingen, nicht loskommen. Aber eines Tages war das große „Io" gesprochen. Freund Alexander, der damals seiner lieben Heimat sich wieder znwandte, freute sich herzlich, daß nun sein Eifer, die Wochenausgabe herbeizusühren, den Lohn erhalten hatte. Am •!. Mai 1922 kehrte die Ar, 1 des 1. Jahrganges der JL V. - Zcit u it g" in Zehn tan senden deutsch-jüdischer Häuser ein. Und von da ab meldet sie allwöchentlich von den Taten und Absichten irnfrrer vöilisch.'n Gegner, von dem Werte und der Bedeutung nuferes Deutschtums und Judentums, vorr wichtigen Vorgängen vm Judentum daheim und dran Pen. Ranhe Stürme umwehten das zarte Kindtein. Tie Inflation legte sich lähnierrd aus seine Entwicklung. Das Papier stieg unerschwinglich im Preise. Eine Einzelnummer rostete im Nla-i 1022 1 Mart, im November 1020 500 Millionen Mark; die Nummern wrrrden dabei schmächtiger und fchnrächtiger.?l b e r die Zeitung „h i o l t durch". Tanstnde von Mitgliedern spendeten für ihren wöchentlichen Freund mit offener Hand. Und im deutschen Judentum geschätzte Köpfe und Federn sau den sich in den Spalten der Zeitung zusanunen. Schon irr den ersten Nummern leuchteten Namen — hier zwanglos aueinandergereiht — auf, lote Eugen Fuchs, Julius Brodnitz, Ludwig Holländer, Berthvtd Hanse, Kurt Alexander, Paul Äathan, Else Dormiher, Julius Bad, Leopold Jeßner, Jatob Löwenberg, Julius Goldstein, Oskar Eassel, Moritz?t. Loeb. AlS in; November M die Renten m ark der Nichtigkeit des deutschen Geldes ein schnelles Ende setzte, als sich das deutsche' Volk von dem Millionen- und Billionenspur all mählich befreite, lvurden dem Anfschwung der „E. B.-Zeituna" mehr und mehr die hindernden Bleigewichte genommen. Sie konnte sich mm unbehinderter von Tagesnöten und Exiftenzsorgen gedeihlich zu den „Blättern für T e u t s ch t n m n n d I u d e n t u m" entwickeln, die die geistige Verbindung zwischen den Zehn tau senden unserer Freunde an; Pregetufer iniu be i den Fab ritschloten Oberschlesiens, am alten Tom in Aachen und au den btangrüner; Fluten des Boden sees Herstellen, und in denen Männer und Frauen von Nus, Inder! wie Ghristen, jedesmal Richtunggebendes und Wertvolles den deutschen Inden Zn künden wissen. R e ligi ö s e N entralität! Politische Neutralität! Diese beiden Grnndfordernnget; gelten jeder C. V. - Arbeib. Sie sind auch oberstes Gebot der Sehriftleitung. Paul Nathan rühmte einmal der „E. V.-Zeitung" nach, sie habe auch ein negatives Verdienst: niemals sei von ihr die politische, die religiöse Neutralität verletzt worden, und so habe sie nie den inneren Frieden des Vereins gestört. Das war nicht immer leicht. Mancher schrieb einen mißgelaunten Brief, weil sein Aufsatz, der einer religiösen Richtung zu nahe trat, znrückgewiesen werden mußte. Der eine beklagte sich als politisch Rechts stehender, daß ein angesehener Sozialdemokrat zu Worte gekommen sti. Der politisch Lintsstehenoe grollte, da ein geachteter, der Deutschen Volkspartei zugehöriger Schriftsteller einen Aussatz veröffentlichen durfte. Und beide sind tut Unrecht. Nicht w e r schreibt, Indern w a s er schreibt, ist das <S«8e» *«**: SSÄÄftS unsere Gleichberechtigung mit rastloser Energie abwehrendürfen wir sagen, daß wir der Glejchherechirgrrng würdig sind. Entscheidende. Und wie im großen Eentralverem jede politische Richtung, die sich nicht den Völkischen verschrieben hat, willkommen ist, so wird in der „C.-V.-Zeitung" keinem der Mund verbunden, der, selbst nicht völkisch, unseren Freunden etwas zu sagen hat. Dazu' muß er würdig und taktvoll die Feder führen. Wir dulden keine Schimpfereien. Wir halten den persönlichen Kampf aus unserer Zeitung unbedingt fern. Wir wollen kein völkisches Radaublatt nachahm.cn. Wir kreuzen unsere Klingen am liebsten mit den; ehrlich überzeugten hochstehenden Gegner und nicht mit dem armseligen Schächer und üblen Schreier der Gasse, des Revolverblattes, der Hetzversammlnng. Wir wissen, daß auch in der völkischen Bewegung mancher gute Wille, manches ehrliche Streben, manche echte, aber irregeleitete vaterländische Begeisterung steckt und nicht immer alles so überheblich, so ungezügelt, so brutal ist, wie es so oft, von außen gesehen, den Anschein hat. Mit den Trägern einer ehrlich und würdig vertretenen gegnerischen Weltanschauung. rechten wir gern. Es ist nicht immer einfach, unseren so erfreulich zahlreichen Mitarbeitern diesen Standpunkt klarzulegeu. Haben sie persönlich, mit oder ohne Schuld, einen Zusammenstoß mrf einem Völkischen — dann soll die „G. V. -Zeitung" lang und breit darüber berichten, soll wonröglich den vermeintlich Schuldigen an den Pranger stellen. Wo eine niedrige, allgemein interessierende Handlungsivetse vorliegt, wird die „C. B.-Zeitung" ihre Pflicht trm. Ist dieser Tatbestand nicht gegeben, so werden wir den Aerger über eine Ablehnung hmnehmen müssen. Manche verlangen, nur sotten dem Kaufmann entgelten lassen, dessen Sohn ein vermeintlich wütender Judenhasser ist. Gemach, ihr Freunde! Ohne genügenden Grund soll man nie den Bater für die Pöbeleien eines unwürdigen Sohnes haftbar machen. Fast jede Post bringt dringendste Aufforderungen, dies oder jenes Unternehmen, dieses oder jenes Geschäft, dieses oder jenes Hotel ans die „schwarze Liste" zu setzen. Auch hierbei größte Vorsicht! Nur vor solchem Unternehmen darf gewarnt werde:?, dessen Inhaber nachweislich sich öffentlich judengegnerisch betätigt und der keine jüdische Kundschaft wünscht. Ost müssen wir erklären — und auch das ärgert manchen —, daß nur der Ruf einer angeblich ossenkundigen judengeguerijchen Gesinnung keinesfalls genügt, den Träger dieser in unseren Blättern betanntzngoben. Unerfreulich sind jedesmal notwendige Auseinandersetzungen mit j ü d i schen G eg u.e r n. Besondere Zurückhaltung, peinliche Wahl der Worte, das Bestreben, unter keinen Umständen zu beledigen oder zu kränken — leiten uns dabei. Oh! Wie trotzden; dien Gegenseite schäumt und sich überschtägt; wie wenig schön anmutende Gaben gegen uns geschlendert werden! Dann ist's gewöhnlich ratsam, „niedriger zu hängen" und ein fruchtloses, in; Ton nmvürdiges Gezanke um Kleinigkeiten zu vermeiden. Hier und da trifft sogar eine Zuschrift ans Freundeskreisen ein, wir sotten allen i n ii e r j ü dischen S t r e i t aus unseren Spalten bannen. Suchen wir ihn? Sollen wir in weichlichen; Friedensbedürfnis nur jeden Preis Weltanschauungsnnterschiede verkleistern oder gar tot schwel gen? Die so denken, mögen einige Wochen lang gewisse jüdische Organe lesen — sie kennen zumeist nur den Namen —, und sie werden dann begreifen, warum wir nicht mit gefalteten Händen zu allen Angriffen aus uns heilige Anschauungen „Ja und Ainen" sagen können, warum wir Gefahren, die wir für das Judentum herausziehcn sehen, vornehm in der Form, kraftvoll in der Sache, ans Gemissenspslicht begegnen müssen. Spaßig sind die Einsendungen mit g e f ä h r l i ch c n B e d i n - g n n g e n : „Wenn Sie den Aufsatz nicht veröfsentlichen, trete ich sofort ans den; Verein ans." Sie sind selten, aber sie zwingen uns meist, etwas deutlich zu werden, zu schreiben, daß die Aufnahme oder Ablehnung von Aufsätzen der Verantwortlichkeit der Schrifckeitung untersteht, nicht aber — welche beleidigende Unterstellung! — von der Lttitgliedstarte zum Verein abhängig ist. Daß jedes Zurücksenden von Aussätzen der Schristleituug oft unangenehmer ist, besonders, wenn Wort für Wort von herzlicher Hingabe an die Vereinsideen erzählt, als den; Schreiber, werden viele glauben. Aerger gibt es stets mit den zahllosen Vereinsmittcil u n gen von Konzerten, Wettbevoerben, Ballen und anderen schönen Dingen. Viele Vereine vermeinen ein Recht zu haben, jede für den Verein wohl wichtige, für die Allgemeinheit sehr viel weniger wichtige Unternehmung im Textteil der Zeitung angekündigt zu sehen. Wissen sie, welchen großen Wert jede einzelne Zeile einer Zeitung darstellt? Sind sie sich klar, daß nur allgemeine, das ganze Reich angehende, bedeutende Beranstaltnngen in den Textteil gehören, die anderen unweigerlich in den Anzeige nt eit? Was dem einen recht ist, ist den; anderen billig. Und wenn die tausende jüdischen Vereine im lieben Vaterland alle ihre Veranstaltungen rin Textteil unserer Zeitung unterbringerr wollten — 20 Seiten Zeitung jede Woche langten bei Ivetten; dafür nicht- Und noch eins, eine silberne Hochzeit ist ein schönes Fest. Man kann sie aber wirklich nicht jedem von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt verkünden. Seit etlicher Zeit ist die M o u et t s a u s g a b e de x „E. V.- 3 c i tun g" entstanden. Sie soll die besten Aufsätze aus der „E, V.- Zeiknng" und andere belehrende vor allen; für christliche Leser bringen. Der sparsame Verwaltungsausschuß wollte erst die Mittel nicht bewilligest. Aber unsere zähen bayerischen Freunde ließen nicht locker. Und ste find glänzend durch den leuchtenden Aufstieg der

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