Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 10 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277622-2277632--02752-2283199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
111 Beweis erbracht. Das Unglück des verlorenen Krieges, die brutale Härte des Versailler Vertrages machte wahrlich vor den deutschen Inden nicht halt. Mit den an Polen verlorenen Gebieten haben Tausende deutscher Juden die Heimat verloren. Zurückgewandert in das deutsche Vaterland, sind sie der Hetze deutschvölkischen Pöbels ansgesetzt. Zwiefach ist ihr Leid; es ist von so tragischer Größe, daß viel Glauben an die gesunden Kräfte des deutschen Volkes dazu gehört, um nicht zu verzweifeln. * Wir verzweifeln nicht; wir wissen, daß in kranken Zeiten die jüdische Minderheit immer euren schweren Stand hatte. Wir verzweifeln aber auch deshalb nicht, weil Mut, Glaube und Treue uns eine Erbschaft vergangener. Generationen ist. Unsere Vorfahren haben Schwereres getragen und haben es überwunden. Den Deutschvölkischen aber sagen wir, daß eine Gemeinschaft, die durch die Jahrhunderte" hindurch ihrer Ueberzeugung treu blieb und, wenn das Schicksal es erforderte, aufrecht in den Tod ging, nicht der schlechteste uni) nicht der unwürdigste Teil des deutschen Volkes ist/ <>000000000<X>00000<K>00<X><X><><><><>0<X><><><><><><>0000<><><><>0<>^^ iltifee Sentralvevein. Beiträge von Rechtsanwalt Dr Kurt Alexander (Krefeld). — Zusiizrat Dr. Julius Brodmtz. — Rabbiner Dr. Gotischalk (Berlin). — Ludwig Holländer. — Alfred Hinchberg. — Lucia Zacoby (Berlin). — Rabbiner Dr. S Levi (Mainz). - Theodor Marcus (Breslau). — Rechtsanwalt Dr. Martin Marx (Frankfurt a. M.) — Artur Schweriner. — Iustizrat Dr. Hugo Sonnenseld. - Dr. Alfred Wiener. Dis NotwsnSigkkit öes €. v. Von Justizrnt Hugo Sonnenfeld (Berlin). Was der Vlensch ersinnt, erschafft, ist nur ein Mittel, ein Wegbahner zu einein erstrebten Ziele. Ist dieses erreicht, so hat das Werkzeug ausgedient. Das gilt in besonderem Grade für das Aufgebot von Gesinnungsgenossen zur Erstimpfung von Rechten. Das gilt auch für den (5e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüdi -s ch e n G law h e n s. Grade der heiße Wunsch, daß er dereinst entbehrlich sein möge, ist die Quelle seiner Lebeuskrast. Er ist gezeugt und geboren in der Zuversicht, daß er einstmals von einem glücklicheren Geschlecht zu Grabe getragen werde und daß, wenn dies Bild gestattet ist, seine Sterbeglocke gleichzeitig den Frieden ans Erden verkünden werde. Es sind Trän m c r oder B o l k s v e r f ü h r e r, die da meinen, es sei schon jetzt die Stunde da, in der wir den C. B. zur ewigen Ruhe betten sollten: er habe seine Aufgabe im wesinnlichen erfüllt, und was zu tun noch übrig bliebe, dürfe er getrost anderen Bereinigungen überlassen. Der Centralverein ist gegründet als Bollwerk g e g e n Judenhaß und Judenfeinde, als B a n n erträger für d i e Gebundenheit von Liebe z u m Indent u nt unb Liebe z u m deut s ch e it B a t e r l a n d. Will utan den Kampf gegen Ungerechtigkeit, Hochmut und Unverstand verführter Bolksmaffen als unsere negative Betätigung bezeichnen, wie dies —- meines Erachtens zu Unrecht — gern geschieht, so lvird man des C. B. zweite Aufgabe als sogenannte innere Mission, als die positive Seite feiner Arbeit an sprechen müssen. In keiner dieser beiden Richtungen hat er fein Werk vollendet. — Ost drohten uns blutige Gefahren, rohe Gewaltakte, es gelang fast stets, sie abzuwenden oder doch einzudämmen. Wie nah die Brandfackel dein Pulverfaß kam, wie wir im Bottbewnßisein der Verantwortung, innerlich fiebernd, nach außen mit eiserner Ruhe, die Behörden von Stunde zu Stunde mit Nachrichten versahen, zum Teil ihnen, auch ihre Pflichten erst zur Erkenntnis bringen mußten, wie wir gleichzeitig der Not gehorchend Schntzmöglichkeiten schufen, das ist der Masse unserer Glaubensbrüder mit sorgsamer Mühe verborgen gehalten worden. Diese Gefahren von der Straße her sind Vorüber, aber wann sie ans der Drehbühne des Lebens wieder erscheinen, ob morgen, ob übermorgen, das steht dahin. Bedroht man uns istcht mit der Keule, so hetzt urau uns aus dem Brot, verschließt uns die Vereine, in welchen wir gern in Reih und Glied miiatieUen wollen. Man denke nicht nur an gewisse „vaterländische Verbände", sondern auch an die Fülle der Turn- und anderer Sportvereine, an den Alpenverein, an die studentischen Verbindungen w'd vT'es andere. Zurück-gedrängt ist die Arbeit unserer Maubem w .*><c i in den städtischen Verwaltungen; groß ist die Zahl der st-. -e - Krankenhäuser und Universitätskliniken, deren ärztliches Pw, mal „juben* rein" gehalten wird. Die Industrie laßt ..Vewerlo n n junger Chemiker, junger Kausieute jüdischen Glaubens nnber.u] mngt. Es ist ans Tageslicht gebracht, daß die Vereinigung Tevsi um Arbeitgeberverbande es nicht zu hindern vermochte, daß ans ihren, auch von jüdischen Firmen gespeisten Mitteln ein Teil seinen Weg in die Kanäle zu den Fememördern fand. Aus dem „Völkischen Beobachter" erfahren wir soeben, daß die früheren Hill er schon Sturmtrupps als „S ch u tz st a s f e l n" Wiederaufleben! Wer erkennt nicht den Ernst der Lage, wenn der laute Führer der Rationnlsozialisten Otto M a h einen in bisher unöekaunter Breite angelegten Frontalangriff gegen die sozialistischen Gewerkschaften zwecks Miigliederwerbung ankündigt? Die Rot der Arbeiterschast macht viele, viele für völkisches Gift empfänglich. Wenn Alfred Roth als Gegenstück zu der komnlnnistischen Forderung der Konfiskation alles Fürstenvermögens die entschüdigungslose Eilteignung aller Ostjuden im Reichstag fordert, so kann dies in den Ohren h u n g e rnde r Arbeiter wie das Lied des Rattenfängers wirken. Bedarf es weiterer Beispiele — etwa aus den Erlebnissen der jüdischen Schüler, aus dem Verhalten gewisser Rcstcheweh Teile, auch so mancher Polizeiorgane, über die Berliner Gerichtsverhandlungen Aufklärung brächten? Wahrlich, unsere Arbeit ist nicht beendet. Es gelang in vielen Kreisen der Intelligenz mit und ohne Hochschulbildung mtfffärenb zu wirken. Aber das schuf nur kleine Inseln in der völkischen Sburms.ut. Diese Inseln wollen wir vermehren, wir wollen sie größer werden lassen, indem wir Sandkorn an Sandkorn reihen. Zwar haben wir keinen anderen Harnisch als die Lehre unserer Propheten und keine anderen Waffen als die des Geistes. Aber wenn es sein muß, werden wir diesen Harnisch und diese Massen streitbar verwenden, die Dinge beim rechten Namen nennen — ohne Ansehen der Person und ohne Rücksicht auf uns selbst, dessen eingedenk, daß nach einem lateinischen Sprichwort keine Gefahr o h n e G e f a h r überwunden wird. Wir werden in den Fabrikluhitelm Posten stehen und brutaler Keckheit furchtlos in den Weg treten aus der Landstraße wie in den Großstädten. Wer soll uns diese Arbeit abnehmen? Die Logen? Sind diese nicht jetzt mehr denn je berufen, Wohltätigkeit an Witwen und Waisen, notleidenden Brüdern zu üben und die sittlichen Güter der Kultur unseren Glaubonsbrüdern näher zu bringen? Oder ist es der P r e it ß t s ch e L a n d e s vor b a n d j ü d i - scher Gemeinden, der den C. V. entbehrlich macht? Wird es ihm denn so leicht, seine v o r u e h nt st e Pflicht zu erfüllen, die bedrängten Sy na aoaengemei nden Vor dem Untergang zu bewahren, den verwaisten Tempeln Rabbiner nnh unsererI n g end R e l i g i o n s l e h r e r zu geben? Dürfen sich die Beamten einer ö f f e n t l i ch - r e ch i l i di en Körperschaft, wie sie der Landesverband ist, in völkischen Versammlungen, in den Torwegen der Fabriken. Auseinandersetzungen mit bem G u mm i k n ü p p e l aussetzen? Dürfen und können sie viele Hunderte von Vorträgen halten, Broschüren, Flugblätter schreiben und mit Lebensgefahr verteilen? Der Gedanke, es habe der C. V. zugunsten des Landesverbandes cwmö --nken. ist in dem K o P f e de r z i o n i st i s ch e u P a r t e i a.borm.? Und das sagt genug! Sie behauptet, daß eine wirksame B n .mofung des Antisemitismus nur durch die Jnsancmensassung der Inden zu einem völkerrechtlich anerkannten Staat aus eigener Scholle möglich sei. Ans diesem, mit demagogischer Zähigkeit versol.z'en Irrwege erkennt uns der Zioinemus mit Reckst als sein Hindernis. Er will nicht, das; wir den siche Gesinnung pflegen, er will nicht, daß wir unsere Glanbensbrnder gleichmäßig in der Liebe zu Religion und Vaterland erziehen: ein ansrechter Jude deutscher Eesiunuug ist eiwa das Gegenteil zionistischer Wünsche, beim es schreibt der Zionist Heinrich Maranlies: „Nicht Konsestion, nicht Sittenbekenntnis, sondern die Nation ist Grundlage des Judentums; Religion ist Privatsache, und sie zu rauben, kein größerer Gewaltakt, als sie ausznzwingen." Ter Zionismus und seine Vertreter tragen dafür die Verantwortung, daß der C. V.