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Central-Verein-Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 110

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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HO Ais urcher Ludwig Holländer das Anrt des Syndikus unserer Vereinigung übernahm, erklärte er als wesentlichen Punkt seines Arbeitsprograulurs, daß jeder beut s dj e I u d e f ü r u u s m o 6 i I i s iert w e r d e n m ü s f e. Jede Hanptversaminlttng war bisher ein Fortschritt auf dem Wege der Verwirklichung dieses Arbeitsprogramms. Möge auch die-am 7. März zusammentretende große Hauptversammlung einen weiteren Fortschritt auf diesem Wege bedeuten! Die Schwierigkeit unserer Arbeit ist nicht nur durch die Schwierigkeit der politischen und wirtschaftlichen Verhäktnifse dauernd gewachsen. Wir sind dem Problem^,,Der deutsche Jude" inuner näher getreten. Unsere Arbeit ist so vielseitig geworden und unsere Vereinigung so groß, daß wir über unsere Wege nicht immer mit allen unseren Mitgliedern einig nun tonnen. Aber einig waren wir immer und sind wir darin, daß unsere Arbeit nur dann Anerkennung beanspruchen darf, wenn wir uns selbst bejahen, wenn wir die b e i d e n Wurzeln unserer Kraft, von denen wir keine entbehren können, ohne dem Siechtum zu verfallen, unser I u d e n t u m u n d u n f c r D e u t f ch tum, in u n l ö Z - b a rer Verbind tt rr g er h alten inxb st ä rf c n! Jllstizrat Dr. Julius Brodnitz. Heimat u»ö Volkstum. Bon Tr. Ludwig Haas (Karlsruhe), M i t g l i e d des R c i ch s t a g s. Die Liebe zur Heimat ist einfachstes Naturgefühl. Die historische Betrachtung der Zionisten und der Deutschvöllischeu kann die nüchterne Tatsache nicht ans der Welt schassen, daß des normalen Menschen Herz der Heimat gehört. Heimat ist nicht, was vor Jahrtausenden war; Heimat ist nicht, was politische Betrachtung mit Recht oder mit Unrecht für die Zukunft erstrebt. Heimat ist das Land unserer Jugend, das Land unserer Eltern. Ohne eigenes Erleben, ohne Elternhaus. ohne Berg und Tal und Wiese und Flur ist die Heimat nicht denkbar. Heimat ist Bodensee, Heimat ist Brcisgan, ist Schwarzwald, ist Lüneburger Heide, ist Mceresstrand, ist märkischer Wald, ist Rhein und Donau, Elbe und Oder. Heimat wird auch der jungen Generation die Großstadt mit ihrer Eigenart. * Solange es eine deutsche Sprache gibt, leben Inden in Deutschland. Am Rhein sahen sie zu römischer Zeit. Tort blieben sie bis ans den heutigen Tag. Wo sie herkamen, ist für die einfache natürliche Heimatliebe genau so gleichgültig wie die Herlnnft der germanischen Stämme. I h r e Heimat war vielleicht Asien oder russische Tiefebene; sie war es; sie ist es nicht mehr. Merkwürdige Menschen mühten die Juden sein, lvenu ihre Heimatliebe nicht dem Lande gehören würde, in dern sie so lange oder länger leben als die germanischen Stämme, die ans dem Osten hereinbrachen. Deut s ch ist seit Jahr h n n d e r t e n it n s c r e S p rach e. Kein Teutschvötkrscher hat so sehr wie wir die Gewißheit, daß seine Vorfahren durch die Jahrhunderte hindurch deutschsprechende Menschen waren. Es wäre nützlich, wenn sich die Deutschvölkischen um ihre Stammbäume bekünrmerir würden. Mit Hermann dem Cherusker sind sie nicht alle verwandt: sie sehen auch nicht alle so aus. Wir können es aber mit gutem Stolz ablehnen, uns von Abkömmlingeir von Franzosen, Polen, Tschechen, Italienern, Serben uni) Slowenen unser Deutschtum bestreiten zu lassen. Wir wissen uiis frei von jeder Ueberhebnng gegen Menschen anderer Sprache und Kultur. Wenn aber — um einen Großen der Vergangenheit zu nennen — ein Treilschke tschechischen Blutes rmser Deutschtum angrifs, so konnten wir gerade i h m das Recht dazu bestreiten. * A b er die Rasse? Wenn das Deutschtum ans der Rasse berilhen würde, dann gäbe es kein deutsches Volk. Fünf Rassen grundverschiedenen Charakters leben in Deutschland, und raffenmäßig sind die Juden den Oesterreichern und Bayern — also auch unserem guten Freunde Hitler — näher verwandt, als die Oesterreicher und Bayern den Friesen. Rassenmäßig lässt sich das Deutschtum so wenig erklären, wie französische Art sich rassenmäßig erklären läßt. Aber sprengen kann inan die deutsche Einheit, wenn man in törichter de utschvölkifcher Art von e r wünsch te n n nd n icht erw ün schte n Ra s fe« t n Deuts dj la.it d spr ich t. * Hans Günther, der Prophet der Deiitschvölkischen, sieht in der nordischen Nasse alle Vorzüge; sie sind die Menschen heldischer Art. Die ostisthe Rasse aber, die in Württemberg und Baden, im alemannischen Sprachgebiet vor allem verbreitet ist, sei minderwertig, sei unerwünscht. Ntir tim die Narrheit der Rassentheorien itachznweisen, sobald sie auf das s e e l i s ch e Gebiet übergreiseu, sei L n d e nd o r f f zitiert. Er sagt in seinen Kriegserinnernngm: „Ich habe nie einen Itnierschied zwischen den vier Koutnigcincn gemocht. Akte taten ihre Schuldigkeit: jedes hatte seine Wien und weniger gnien Tivisivnen. Württemberg allein holte nur gute. Tasselbe Lob tonn den badischen Divisionen gespendet >verden, auch wenn sie kein eigenes Kontingent '»Meten." Also gerade ans den deutschen Gebieten, in denen die unerwünschte ostische Rasse am stärksten vertreten ist, kamen die Divisionen, denen Ludendvrff so hohes Lob spendet. * Rasse s ch afft n ich t B vlkstnm. Sprache, Erhöhung, das Land, gemeinsames Erleben, gemeinsame Gechichte schassen ein Voll. Im Volke selbst aber wieder mannigfachste Unterschiede nach Gegend und Lokalgeschichte, nach Berns und Religion. Sie unterstreichen, heißt die Einheit schwächen. Anders ist ostdeutsche und süddeutsche Art; .denn anders ist Kolonialland, anders Bürger- und Bauernland. Verschieden ist Wesen und Kultur rheinischer Menschen von Wesen und Kultur hanseatischen Patriziats, oder bayerischer Bauern oder ostelbischer Gutsbesitzer oder ostelbischer Taglöhner. Und doch ist jenes Gemeinsame da/ das' über alle Unterschiede hinweg die Deutschen jeder Abstammung und jeden Glaubens verbindet. * Vom Standpunkt der Rasse ans läßt sich das Deiitschinm nicht begründen; die üblichen antisemitischen und deutschvölkischen Argumente sind wiffenscbastlich znsammengebrochen. Den Zionisten aber wäre ebenso wie den Deutschvölkischen die Prüfling zu empfehlen, ob nicht tiefe Raffennnkevschiode unter den Juden selbst festznstellen sind, die territorial klar unterscheidbare Gruppen ergeben. Zweck dieser Prüfung wäre, die Folgerung zu ziehen, ob sich daun noch die bisherige deukschvölkische und zionistische Betrachtungsweise anfrech'terhatten läßt. Rasse und Religion, bestimmen das Volkstum nicht. Zur sprachlichen Gemeinschaft, die die deutschen Inden mit dem deutschen Vvlkstmn verbindet, kommt das geschichtliche Erleben. Seit Jahrhunderten teilen die deutschen Juden mit allen anderen Deutschen Aufstieg und Niedergang, Glück und Not deutscher Geschichte. Die Leiden der Kriege in deutschem Land haben die dentschen Juden genau so getragen wie die anderen. Wer das Kriegserlebeu aber nur rein soldatisch aus aktiver Beteiligung würdigen will, müßte bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts den weitesten, deutschen Volksschichten geschichtliches deutsches Erlebnis bestreiten. Wenn übrigens die mittelalterliche deutsche Stadt zu verteidigen war, stand der Jude mit den änderest in der Front. Sicher aber war von den Freiheitskriegen an für die Juden der Kampf für Deutschland auch aktives Erlebnis. Wie wenig gerade in den deutschvölkischen Kreisen kameradschaftliches, soldatisches Empfinden lebt, beweist die Tatsache, daß ihnen die 12 060 für Deutschland gefallenen jüdischen Loldaten nichts bedeuten. * Wir sprechen viel vom Geiste von 1914. Das war der Geist guter Waffenbrüderschaft und tretier Kameradschaft. Er ist so sehr vergessen, daß vielen die Erinnerung an die gemeinsamen Toten nichts mehr gilt. Der politische Gegner wird aus der Kameradschaft ausgeschlossen, als' ob nicht die Menschen ganz verschiedenen politischen Denkens gemeinsam vor dem Feind gestanden wären. Es wird gesündigt ans allen. Seiten. Sicher aber lebt diese nndeutsche Art wilden Hasses am stärksten bei den Menschen deutschvölkischer Ueberzeugung. Bis zum Morde steigern sie den Haß gegen die, die das deutsche Volk anders als mit den engen nationalistischen Lehren der Gewalt retten wollen. # Wenn jemals eine GeschichtsPerivde den Beweis erbracht hat, daß Glück und Unglück eines Volkes Schicksal aller seiner Glieder ist, dann hat unsere Zeit mit furchtbarer Schwere den

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