Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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1 Qo James Israel. Von Professor Dr. M. Kasterrstein (Berlin). Mit Jarnes I s r a e l ist einer der größten deutschen Juden dahingegangen. Lein äußerer Lebensgang war kurz folgender'. Ieunes Israel-wurde nun 2. lycontm* 1848 in Berlin geboren und empfing hier am Jricdrich-Wilhelm-'Gvmnasinm und auf der Universität. nn der er von 1865 bis 1870 Medizin studierte, seine wifsenschastliche Ausbildung. Ani Feldzug 1870/71 nahm er als junger Assistenzarzt teil und lehrte mit dein Eisernen Kreuz U. IN esse in die Heimat zürnet. Bein Jahre 1874 bis 1874 umr er unter Bernhard v. L a n g e!l b e ek Assistenzarzt am Krankenhaus der Indischer! Gerneirrde in Berlin. Stndienreisin führten ihn dann nach 76nun England und Schottland. 1875 ronrde ihm die Bertrerung seines Lehrers v. Langenbeck in der Leitung des Indischen Krankenhauses übertragen, bis er 1880 der Nachfolger seines großen Lehrers wurde. 1017 schied er aus denn Amte. Israel siel in allen wisscnsthastlichen Gesellschaften, in seiner Krantenhanstätigteit und ans der Straße durch sein nngewöhnl i ch e s A e n ß e r e anß Seine schlanke, hoch-gewachsene Gestalt, die bis in seine letzten Lebenstage ungebeugt blieb, sein großer, grauer Bart, sein elastischer Gang machten seine aristokratische (Erscheinung aus. Das Schönste an ihrn war lein großes, ticsschürsendes Auge. Dieser äußeren Gestalt entsprach seine große Seele. Er war von einer ausgesprochen aristokratischen Gesinnung. Alles Parvenüartige war ihm zuwider. Er hielt auf Tradition, unb durch Tradition war er Jude. Er fühlte sich zugehörig zu der uralten Kultur eines einzigartigen Volkes, ohne jüdischer Nationalist zu sein. Im letzten Lebensjahr unterstützte er durch praktische Mitarbeit die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem, die nach seiner Anfsassnng ein Sammelpunkt jüdischer Kultur sein sollte. Er tonnte jüdischer Nationalität nicht sein, weil er nach feinem Wesen und nach seinem Empfinden ein Deutscher war. Noch präziser gefaßt: Er war ein Preuße im besten Sinne: Bescheiden in der Lebensführung und von größtem Pslichtbewnßtiein. James I s r a e l hat als deutscher Jude die äußeren Einengungen eines solchen erlebt und sein Loben als Lehrer der akademischen Jugend nicht erfüllen können. Daß er zum L ehre r geboren war, bewies er täglich in der Krankenhanstätigkeit. und vor altern bei der Krankenvisite, an der nicht nur seine Schüler mit größter Begeisterung und Anfmcrl'amEit, 'andern auch zahlreiche Aerzte Deutschlands und des Auslandes regelmäßig teilnahmen. A-rrch die Tatsache, daß Israel zürn Präsidenten, der „Den ts °h e n G e s e l! s ch a f t f ü r C h i r n r g i e" nicht gervählt wurde, in nur ans seine Abstammung als Jude znrückzuführen. Denn nach seiner äußeren Erseheuning, Beherrschung, des Stoffes und Geschicklichkeit der Geschästsführnng rvar er der geborene Leiter wissen-- schastlicher Korigresse. Das hat er dann auch im Jahre 1914 im Preußischen .Herrenhause als Präsident der Tagung der „Internationalen n r o l o g i s ch e n G e s e l l s ch a s G bewiesen. Wir Deutschen waren stolz ans diesen Präsidenten, der in würdiger Weise deutsche Wissenschaft vertrat, ebenso wie im Jahre 1911, -wo er als Bizepräsident derselben Gesellschaft seine Aussehen erregende Bede in Paris hielt. Auch bei Israel erfüllte sich die Erfahrung, daß deutsche Inden von Bedeutung in Deutschland nicht zur vollen Auswertung ihrer Fähigkeit kommen, aber um so mehr im Auslände gefeiert werden. Jiu Anslande rvar Israels Naure einer der geschütztesten und bekanntesten von deutschen Chirurgen. Seine wissenschaftliche Begabung rvar vielseitiger als die der meisten. Sie rvar nicht nur kritischer, sondern auch produktiver Art. Durch Mitteilungen neuerer Operationsmethoden, Entdeckung der Strahlenpilze beim Menschen, mit der Begründung der klinischen neueren Ehirnrgie, mit der Ansführnrrg neuerer, bis dahin unbekannter Operationen hat er seine eminente produktive Begabung berviesen, die irr ungewöhrilich seltener und wirksamer Weise durch die Kühle des Urteils und durch seine kritische Begabung ergänzt rvar. Diese glückliche Mischung zrveier sonst selten in einem Menschen vereinigten Eigenschaften ist das Geheimnis seiner größten Jähigteu: d e r ä r z t l i ch e n D i a g rr o st i k. Die Diagnose einer schrveeen Erkrankung ist ein produktives Kunstwerk, das aber der Wirtlichkeit nur durch eine große Kritik nahekommk. Und so kamen zu I s rae l , dem Manne mit einer seinen Sorgfältigkeit operativer Technik. dem Chirurgen, Kranke der ganzen Welt, nur dirrch Operationen Heilung ihres Leidens zu erzielen. Es kamen aber zu ihrn, den: großen Arzt, noch mehr Kranke, um schwierige Krankheitsfälle durch ihn seststellen zu lassen. Diese große Fähigkeit der ärztlichen Diagnostik war wohl auch der Grund, daß Israel bei den östlichen Inden, die zur Mystit neigen, eine übermenschliche Berohrung fand. Israel vereinigte dir Eigenschaften seiner von ihm hochverehrten und oft erwähnten beiden Lehrer Traube und v. Langen deck in sich. Er war ein bedeutender Arzt und Chirurg in einer Person, ein Mann, der stolz ans seine jüdi sehe Abst a m m n n g war und st o l z \v a r , ein Deut s ch e r z u sein. WWA