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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-26 · 9 (26.2.1926) · p. Seite 100

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
9 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 „Ehajim" Schulze. Der Sohn eines evangelischen Handwerkers. In Nr. 18 dos „P i r n a e r Anzeiger s" und in den verschiedenen völkischen Zeitungen findet sich unter der Ueberschrist „D i e U x h e 6 e r d e s V a n! n o t e n } f a n t a I s" eine Notiz über die Vudapester Frmwsfälschungen. H au P La t ten t ä te r sei der in Lemberg geborene jüdische Konlmunistenflüchtl.mg „Chaji.m" Schulze. Ta wir die völkische Phantasie, jüdische Vornamen zu erfinden, kennen, finb wir dem Stammbaum des „Chajim" Schulze nachgegangen und haben im Standesamtsregister folgendes fest-gestellt: „C h a j i m" Schulze heißt in Wirklichkeit Arthur, Paul, Richard Schulze (Rufname Arthur) und ist am 17. Juni 1875 -in Mnskau (Mark Brandenburg) als Sohn des Schuhmachers T r a u g o t t S ch u 13 c geboren und evangelisch getauft. Es ist nützlich, von Zeit zn Zeit einmal solche völkischen Falschmeldungen, die A b l e n k u n g s m a n ö v e r darstellen oder Verunglimpf:: ngcn des Judentums bedeuten sollen, richtigzustellen, damit den zahlreichen, ch r i st l i ch e n Lesern dieses Blattes gezeigt wird, mit welchen vergifteten Waffe n völkische Zeitungen kä:npstn. H. Dunkle Drohungen. Bor einem nationalsozialistischen Grostkamps? Im ,,B ö I t i s ch e n V e v b a ch t e r", den: H a u P t 0 r g n n der R a t i 0 u a l s 0 z i a l i st i s ch e n Partei (41. Ausgabe vom 19. Februar 1026), findet sich ein Aussatz des Propagandaleiters der N a t i 0 n a l s v z i a l i st i s ch e n Part e i, Otto Al a y, der mit folgenden Worten endet: „D a s H ö ch st m a ß des Einsatzes u n s c r e r K r äste d i'i v f t e s 0 l a n ge nicht ei w g e s e tz t w erden, a l s das E n d z i e l u n s e r e s Gegners n i ch t j e d e r m a n n f t a r vor A u g c n lag. Nachdem sich heute alle Parteien ans dem Boden von Locarno Zusammengesunden haben, und somit auch die rechtsgerichtete Partei Deutschlands sich mit dem'Bolschewistensystem abgestmden hat (was bedeutet, daß auch die schwarzweißroten Kreise mit der Erfüllungs- und Enteignuugspolitik einverstanden sind), bleibt beut wirklichen nationalen Deutschland nur eine Möglichkeit, steh unserem Freiheitskampfe anznfchließen. Wir werden deshalb bereits in den nächsten Tagen mit einem völlig neuartigen Propagandasystent in diese Kreise eindringeu, dieselben aufklären, unt hernach mit diesen in d e r geschlossenen F r 0 nt unserer Beweg u n g gegen den wahren Bolschewismus ins Feld zn Ziehen. Wir sind dessen gewiß, daß es wohl nur noch Monate dauern wird, da der deutsche Schassende, jener des Kopfes und jener der Hand, erkennen wird, daß die parlamentarischen Parteien insgesamt keinen Finger rühren, um der durch das'heutige Regime geborenen Not und dem dadurch entstandenen Elend entgegenzuwirken. Nicht EirrZelgefechte, sondern eine noch nie dagewesene Propagandaaktion wird es sein, die das Volk zrrm Erwachen bringen wird. Bei dieser Aktion wurde:: wir nunmehr nicht wieder mit die marxistischen „Gewerkschaften" herumgehen, sondern wir werden insbesondere diese Organisationen znm Kampfe mit uns zwingen, sie zwingen, sich ihrer marxistischen Führer zu entledigen und diese durch deutsche zu ersetzen. . . . Die Aufrufe zu unserer Angriffspropagauda werden in den nächsten Tagen in unseren: Zentrglorgan erscheinen, und alle nationalsozialistischen Blätter des gesamten deutschen Sprachgebiets werden zun: Abdruck derselben aufgefordert werden." Da sich, wie wir zu Nüssen glauben, die „neue Propaganda" hauptsächlich in judenfeindlicher Weise ausmirteu soll, so haben auch wir uns gerüstet. Wir werden alles tun, um einem neuen Kampf tm deutschen Vaterlande erfolgreich zu begegnen. Die „De Herrscher SoNjetrußLcmös". Das Zeugnis eines christlichen Gelehrten. Bekanntlich behaupten die Völkischen täglich in ihren Blättern und Versammlungen, daß die Juden die Machthaber S 0 w j e t r u ß l a n d s seien, daß von dort die j ü d i s ch e Weltherrschaft aufgerichtet werde, daß schreckliche Untaten d e r S 0 w j e t j u d e n g e g e n C h r i st e u und insbesondere gegen die ch r i st l i ch e Religio n täglich zu verzeichnen seien. Es ist unmöglich, auf jede der Beschimpfungen und Verunglimpfungen in diese:: Blättern einzugehen. Lehrreich und bezeichnend aber ist es, was ein christlicher Gelehrter, der Pr i v.at doZen t Dar P. G. R ah m (Freiberg i. Sa.), der kürzlich Rußland bereist hak, über den vermeintlichen jüdischen Einfluß in der Sowjetrepublik aussagt. Er schreibt darüber in der „K ö l n i s ch e n P o l k s Z e i t u n g" (Nr. 115 vom 14. Februar): „Dian liest so oft in den Tagesblättern, daß Rußland unter jüdischein Einfluß stehe, daß die gegenwärtige Negierung nur aus Text zu dem Bilde Seite 1Q3. Juden zusammengesetzt sei. Tatsache ist, daß viele der jetzigen Machthaber jüdischen Ursprungs sind. Deshalb aber das offizielle Judentum anzuklagen, wäre ungerecht. Die jüdischen Volkskommissare sind ebensowenig Vertreter des jüdischen Religionsbekenntnisses, wie u:an etwa Lenin als orthodoxen Christen bezeichnen würde, obschon er in der Jugend Mitglied der Staatskirche nun*. Es wurde schon hervorgeh oben, daß die atheistische Zeitschrift „Der Gottlose" die jüdische Religion ebensosehr bekämpft und mit beißendem Spott übergießi wie die christlichen Glaubensbekennt, nisse. Juden haben sich wiederholt nüt Bittschriften an die Regierung gewandt, um bestimmte katholische Geistliche aus der Haft zu entlassen. So z. B. bei dem bekannten Prozeß der „Vierundfünfzig" und in jüngster Zeit traten Inden für die Freilassung des katholischen Priesters Ussas ein, der so lange unschuldig im Kerker schmachtete." Wir haben diesen Ausführungen nichts hinzuzusetzen. Der Gelöstem". Wir haben mit Absicht bisher nicht in die Zeitnngspolemik der Berufung Professor G 0 l d st e i n s , unseres verehrten Freundes, eingegriffen, weil es kein „Fall Goldstein" war, sondern ein Konflikt z w i s ch e n der T e ch u i f ch e n H 0 ch s ch:: l e in Darinstadt und d e r h e s s i s ch e:: R e g i e r u n g. Nachdem die Angelegenheit nach den hessischen Landtagsverhandlungen nunmehr zu einen: gewissen Abschluß gekommen ist, ist es angebracht. Ad a m R ö d c r s trefseude Darstellung wiederzu geben, die er in seiner „Süddeutschen Conservativen Korrespondenz" niedergelegt hat: „Hier gibt es einen „Fall Goldstein". Professor Tr. Julius Goldstein ist seit langen Jahren honorarlostw Professor der Philosophie an der Technische:^ Hochschule in Tarmftadt. Bor einigen Monaten wurde er nun vom Staate 311m außerordentlichen Professor für Philosophie ernannt. Solche Ernennungen sind das gute Recht des Staates, denn er kann es nicht vom Bclieben des Senats abhängig machen, geeignete Kräfte an die richtige stelle ZU bringen oder nicht. Wir haben diesen Fall in Preußen mehr wie einmal erlebt. Man braucht nur an Werner Sombart zu erinnern, dem der preußische Staat in der Person des Professors Tr. I. Wolf sozusagen einen „Mrafprofessvr" zur Korrektur Werner Sombart war 'damals des Sozialismus verdächtig — an die ü-eite gab. Damals war dies nach Ansicht der „Konservativen" eine „mutige Tat" des Staates. Binders liegt es natürlich, wenn dies Recht des Staates für einen Demokraten und Juden reklamiert wird. Tie Deutschnationaley und ihr völkischer Anhang in Hessen protestierten im Landtag gegen die staatliche Ernennung Goldsteins. Tie übelsten Schreier, Werner, Kindt und Genossen wußten beweglich über die Verletzung der Senatsrechte durch den Staat zu klagen. Es ist ganz bestimmt richtig, daß der Hochschule — dem Senat — das Vorschlagsrecht bleiben muß. Aber ebenso richtig ist, daß der Staat jenes Vorschlagsrecht nicht als unantastbares Togrua anseheu darf; er hat dies auch nie getan, wie der Fall Sombart beweist . . . Ter Landtag lehnte denn auch den Mißbilligungsantrag der Teutschnationalen und Völkischen mit großer Mehrheit — Zentrum und die ganze Linke — ab. Ni an darf sich freuen, daß Professor Dr. Goldstein der Darmstädtcr Hochschule erhalten bleibt. Er hat als Fachphilosoph wie als Schriftsteller Hervorragendes geleistet. Ein Schüler Euckens, baut er seine Philosophie auf die ethischen Werte, wie sie von Religion und Geschichte erfahrungsmäßig erkannt werden. Julius Gvldstein ist als Philosoph ein durchaus positiver und konstruktiver Charakter, der mit großem Scharfsinn und eminentem Wissen die Philosophie der ethischen und religiösen Werte vertritt und in einer auch dem Laien verständlichen Form darlegt. Wir dürsen uns deshalb auch von unserem christlichen und positiven Standpunkt aus freuen, daß der hervorragende Gelehrte, der sich in Darmstadt einen treuen und großen Kreis von Schülern erworben hat, der LcwNk städter Hochschule erhalten bleibt."

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