Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 wurzelt ist, hat aus dem gleichen Fonds Geldmittel erhalten. Das scheint mir fürwahr eine recht nützliche Verwendung von Geldern zahlreicher Arbeitgeber jüdischen Glaubens zu sein! Oberleutnant S ch u l Z, einer der Führer der Schwarzen Neichswehr, der in Zahlreiche Fememordprozesse verwickelt ist und schon seit vielen Monaten in Untersuchungshaft sitzt, empfangt über die oben bezeichneten Fonds Zur Erleichterung seiner Haft größere Geldmittel aus dem „Arbeitszeitfonds" der Arbeitgebervereinigung. Unglücklicherweise begeht Schulz kurze Zeit nach Empfang dieser Gelder einen Planmäßig vorbereiteten Fluchtversuch. Die Arbeitgebervereinigung weih davon nichts; natürlich wird Herr v. Zeugen keine Gelder gegeben haben, um einem Untersuchungsgefangenen die Flucht zu ermöglichen. Der Fall Schulz ist in diesem Zusammenhang auch ohne größere Bedeutung. Es genügt die Feststellung, daß die von der deutschen Arbeitgeberschasl in ihrer Gesamtheit zu sozialpolitischen Zwecken gesammelten Gelder in die Kassen der Bureaus nationalistischer und völkischer Verbünde, die mit der Organisation der Feme in unmittelbarer oder mittelbarer Verbindung stehen, geflossen sind. Fernerhin zeigt schon das bisherige Ergebnis der Untersuchungen im Femeausschuß des Landtags, daß zur Unterstützung der völkischen Bewegung ein recht kompliziertes und noch ziemlich undurchsichtiges F i n a n z i e r u n g s s y st e m geschaffen worden ist. Ohne dieses Shst-erw das muß ausdrücklich noch einmal betont werden, hätte die rochtsbolschewistische Bewegung in Deutschland niemals den Umfang annehmen können, wie er in den letzten Jahren zum Schaden des deutschen kulturellen und Politischen Ansehens zum Ausdruck kam. Will man dieser, unser Volkstum Zersetzenden Bewegung Herr werden, so sauge man bamu an, Zunächst einmal die dunklen Geldquellen zu verstopfen. Es wird in den nächsten Wochen vor allein die Ausgabe des Fe in eauss ch n s s e s des Deutschen Reichstags sein, das künstlich verdunkelte Fina-nzierungssystem der sogenannten nationalen Bewegung zu erhellen. Alle Kreise des deutschen Volkes sollten hieran Mitarbeiten. Nicht ans Parteitaktifchen oder Parteiagitaiorischen Gründen muß dieser R-einigungsProzeß gefördert werden, sondern zur S ich e r u n g des i n n e r an F r i e d e u s u n d des Ansehens der N a t i o n. Es muß anerkannt werden, daß die Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände Herrn v. Zengen schleunigst das Handwerk gelegt hat; falsch verstandene Solidarität scheint sie leider daran zu hindern, an der restlosen Klärung in vollem Umfange mitzirwirken. Je unbedingter und rückhaltloser der Neinignngsprozeß aber in vollem Licht der Oefsentlichkeit vor sich geht, um so stärker würde die Beruhigung sein, ans die unser schon so zerrissenes Volk nicht verzichten' kann. volkstrauertag. Motto: Ich hatü einen Kameraden, einen bessern findst du nit. Am Sonntag, den 28. Februar, wird das d e u t s ch e Volk ernst Rückschau halten. Unendliche Grüberreihen wird es vor sich sehen in Flandern und in Polen, unter den Lebensb ä u m e n i n d e u t s ch e r Erd e und z w i s ch e n d e n Palmen am W ü st e n r a n d e. In ewiger Dankbarkeit feiern wir still und fromm das heilige Andenken der Gefallenen des deutschen Volkes in dem Ringen der vier schwersten Jahre deutscher Geschichte. Zusammen mit den Deutschen jedweden Bekenntnisses und jedweder Partei ist auch uns deutschen Juden das Lebensopser so vieler Hunderttausender deutscher Brüder unvergänglich. Auch wir ehren in Ehrfurcht die Tränen der Lausenden Mütter u n d G a t t i n n e n, den Schmerz der Braut und die Trauer der Geschwister um die Dahingesunkenen. Unbeirrt durch die Anfeindungen gegen uns, unbeirrt durch die Beschimpfungen unserer jüdischen Helden, geloben wir uns an diesem Tage, die eisernen Lehren der Kriegsjahre nicht zu vergessen. Und diese höchste Lehre der Jahre des Grauens und des Elends kann nur sein, über notwendigen Weltanschauung s k a m Pf und überflüssigen Parteihader hinweg die wahrhaft vaterländische Gemeinschaft aller Deutscher anzubahnen, die bereit sind, im deutschen Volksgenossen jedweder Weltanschauung und Abstammung zuerst den B r u d e r zu sehen. Wie die jüdische Lehre dadurch ihre bestimmte Prägung erhält, daß sie nie leere sittliche Forderungen hinaustönen läßt, sondern sich bemüht, alltäglich und festtäglich praktische Sittlichkeit gegen den Nächsten zu verlangen und durchzusetzen, so kann es für die jüdischen Deutschen wie für all e R ed li ch en im d eutsch e n Vo lke an diesem Tage nur heißen: Seht auf des Vaterlandes Elend und Not, denkt der Brüder und Schwestern in den entrissenen Gebieten, übers e h t nicht das Hungergespenst, das in zahllosen deutschen Familien umgeht. Helft und helft wiederum, opfert und spendet für alle, die mühselig und beladen sind. Der Bundesvorsitzende des Reichsbundes jüdischer Frontsodaten, D r. Leo L ö w e n st e r n, spricht zu den lebenden jüdischen Frontkämpfern: „In stolzer Trauer neigen wir unser Haupt vor dem Andenken jener 12 000, die über Erdteile und Meere verstreut »schlafen und liegen still wie eine Schildwach' im Grabe' für den blanken Ehrenschild des deutschen Judentums." Das Andenken dieser teuren und aller deutschen Helden, die ihr Leben für das Vaterland hingegeben haben, wird nicht höher geehrt, als daß wir Lebenden uns geloben, im stillen Dienste an Volk und Vaterland, in treuer Anhänglichkeit an unsere ehrwürdige Religion und an u n | -e t 'e n a lten S>t n in m ein Leben voll ehrlicher Arbeit, leuchtender Vorbildlichkekib., aufopfernder Hingabe und selbstloser Kpferw i l l i g k e i t z u führen, Hauptversammlung des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens O. am 6., 7. und 8. März 1926 in Berlin. Tagesordnung: Sonnabend, den 6. März 1926, abends 7K Uhr, Kundgebung für die Abgeordneten und Ehrengäste im PlenarsihungSsaale des Reichswirtschaftsrats, Berlin W, Bellevuestr. 15. Wege zum inneren Frieden im deutschen Vaterland« 1. Dr. Ludwig Hans, M. d. R. (Karlsruhe). 2. Dr. med. Friedrich Brodnitz (Berlin). 3. Direktor des C. V. Dr. Ludwig Holländer (Berlin). Sonntag, den 7. Marz, vormittags 9'A Uhr (pünktlich), tut Ple n a r s i tz n n g s s aa l e des f r ü Here n Herrenhauses, Berlin W 9, Leipziger Straße 3. 1. Entgegennahme des Ge- \ schäftsberichtes.I 2. Die Arbeit des C. V. . . . / 3. Finanzbericht ...... 4. Allgemeine Aussprache 5. Entlastung des Vorstandes und Wahl der Revisoren. 6. Mitgliederwerbung und Mitgliedererhaltung . 7. Satzungsänderungen . . . 8. Vorstandswahlen .... Direktor Dr. Ludwig Holländer. Oskar Heimann (Berlin). Artur Schweriner (Berlin). Dr. Martin Marx (Franks.). R.-A. Samoje (Berlin). Justizrat Chodziesner (Berlin). Montag, den 8. März, vormittags 9% Uhr, im Plcnarsitzungssaale des früheren Herrenhauses. 1. Das Positive der C. V.-Arbeit 2. Wirtschaftsprobleme . . . 3. Wichtige Einzelfragen aus unserer Arbeit: a) Stellung zu den vaterländischen Verbanden . . d) Völkischer und jüdischer Boykott. c) Aufklärungsliteratur und die Notwendigkeit ihrer Verbreitung . . . . . Räbb. Dr. Lewin (König?» ■ berg). R.-A. Dr. Alerander (Krefeld). Referent wird noch mitgeteilt. J.-R. Galltnger (Nürnberg). R.-A. Dr. Bruno Weil (Berlin). Rabbiner Dr. Goldmann (Leipzig).