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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1926-02-19 · 2 (19.2.1926) · p. Seite 5

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
2 (1926)
Issue
2 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
Seite 5 (sequence 2)
Language
German
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können in diesem Sinne durch ihre Charakterfestigkeit besondere Vorbilder für die Klasse sein. Das Schlimmste ist aber, wenn der Lehrer auf Grund der Religion oder der „Rasse" Unterschiede zwischen seinen Schülern macht. Und das Allerschlimmste. wenn ec das Wort „jüdisch" in verächtlichem Sinne ausspricht. Daß das manche Lehrer tun, ist leider nicht abzuleugnen. Es gibt aber nicht nur schlechte Pädagogen, sondern es gibt auch ebenso schlechte Richter, schlechte Pfarrer und schlechte Aerzt-e. Also soll man bei solchen Dingen nicht zu sehr nur den Lehrer belasten. Manch eine Redensart, bie in einem unbewachten Augenblick entschlüpft, ist nicht so böse gemeint. Die gutmütigsten Menschen rcöcteu von „jüdischer Hast" und dachten sich gar nichts dabei. Wo aber wirklich Antisemitismus auftritt, da sollten die Eltern zunächst eine ernste Rücksprache mit dem Lehrer selber Pflegen; leider wird darin am meisten gesündigt, daß nicht der Lehrer, sondern sofort der Direktor selber ausgesucht wird. Meistenteils genügt eine ernste Unterhaltung mit dem Lehrer, um dem Uebelstand abzuhelsen. Ist keine Möglichkeit, sich mit ihm auseinanderzusetzen, dann muh allerdings im schlimmsten Falle der Beschwerdeweg beschritten werden; die Behörde wird es sicher nicht billigen, wenn ein jüdischer Schüler schlechter behandelt wird als ein christlicher, nur deshalb, weil er eben Jude ist. Und ich habe noch heute das Vertrauen zu unserem Lehrerstand, daß der allergrößte Teil unter füllen Umstanden versucht, gerecht Zu sein. Gelingt ihm dies nicht, so liegt das an der Gebrechlichkeit der Menschennatur, die ja nicht nur beim Lehrer manchmal versagt. Das Rinin -er Schule. Von Hilde Ephraim, D. J.J. G. (Berlin). Die Verpflanzung des sechsjährigen Kindes von seiner „Heimat", dem Elternhaus, und engsten Umgebung in die Schule bedeutet ihm ein so großes Erlebnis, daß diese neue Welt erst einmal in den großen Linien ihres Reichtums und ihrer Forderungen von dem kleinen Wesen ersaßt werden muß, ehe es daran denken kann, die Fülle des umgebenden Lebens im einzelnen zu beobachten. Die naive Haltung dieser Jüngsten verschiedener Religionen zueinander, die Selbstverständlichkeit der Bindungen, auch an Lehrende und fremde Eltern, durch n u r Symathiesymptome scheinen mir Beweis dafür zu fein, daß das Bewußtsein der Gegensätzlichkeit nicht unmittelbar aus der Jugend selbst erwächst. Diese Kleinsten können von dem Inhalt ihrer Religion nur das begreifen, was, durchtränkt mit solchen Werten, als Lebensführung ihnen täglich gegenübersteht. Je weniger es an orthodox-religiöse Formen gebunden ist, um so leichter wird es sich in die interkonfessionelle Schule einsühren können. Nicht daß ich hier gegen das Festhalten an solchen Geboten reden will! Auch nicht, daß solche Kinder etwa der allgemeinen Schule fernbleiben sollten! Aber gerade das äußere Anderssein erregt im jüngsten Wer den größten Anstoß; können wir es so einem kleinen Faulpelz auch verdenken, wenn er „wütend" wird, daß sein Klassengenosse am Sonnabend sich nicht zu „quälen" braucht? Wenn wir nun sagen, „das Kind ist gut", so ist dennoch die Welt da — — wir können ihm nicht verbieten zu hören und zu sehen. Wenn das Abc, die ersten Rechenaufgaben verdaut find, Pflegen Religiöses und Politisches betreffende Redensarten, konstruierte Gegensätze sich bemerkbar zu machen. Immerhin beginnt hier auch schon die Entwicklung zum schärferen Beobachten der Mitschüler, der Lehrer — und — einmal betont — der Andersgläubigen. Ist der Schüler über das Naive hinausgekommen, so gibt es nur noch ein Ziel vernünftiger Erziehung: ihn zur inneren Festigkeit und zur wahrhaftigen Kritikfähigkeit zu bringen. Dies als Recht und Pflicht jeden Schülers! Wir haben uns nun zu fragen: Sind die Voraussetzungen für eine Erziehung in diesem Sinne von jüdischer Seite, zu jüdischer Festigkeit, an den interkonfessionellen Schulen gegeben? — Hier liegt ein Punkt, der nicht genug betont werden kann. Der jüdische Religionsunterricht, der jüdische Lehrer, die jüdische Lehrerin an solchen Schulen! Man muß fordern, daß der jüdische Religionslehrer Persönlichkeit sei; daß er strebe, „der" jüdische Mensch zu sein. Durch ihn muß die Atmosphäre der Achtung vor dem jüdischen Element in der ganzen Schule gesichert sein; Achtung, die beim Lehrkollegium in überzeugter Anerkennung, bei den Heranwachsenden im Aufblicken sich Zeigen muß, und dann suggestiv ans die Jüngeren wirkt. — Was für Gebiete im jüdischen Unterricht behandelt werden — Sprache, Bibel, Talmud, Geschichte, Philosophie — scheint sekundär. .Wichtig ist, daß der ethische Gehalt der Religion nicht nur vom Lehrer in Person und Stoff gezeigt wird, daß vielmehr die Keime wirklichen Judentums in den jungen Menschen auch gepflegt und entwickelt werden. Der Religionslehrer muß der Führer, der Freund der jungen jüdischen Menschen in der interkonfessionellen Schule sein. Wesentlich erleichtert wird ihm seine Arbeit durch Mithilfe der Familie. Aber auch, wo diese im allgemeinen noch wunschhaften Bedin.guu.gen schon teilweise erfüllt sind, stößt man doch gerade in den Mittelklassen immer wieder aus Gegensätzlichkeiten, die je nach dem Kulturstand der Klasse in mehr oder weniger groben Gehässigkeiten zum Ausdruck kommen. Es ist dies in der augenblicklichen Struktur der Schüler selbst begründet. Wir haben uns die jüdischen guten und schlechten Eigenschaften anzusehen, um zu verstehen, daß man uns angreift. —Die guten: Mancher jüdische Schüler hat oft von Natur her einen Vorsprung an Intelligenz; da er noch nicht reif genug ist, dies mit der entsprechend entschuldigenden Geste zum Ausdruck zu bringen, gibt er seinen Mitschülern Anregung zu Neid und Haß —- bei den Lehrern kann diese Eigenschaft besonders abstoßend oder besonders anziehend wirken — beides zu ungunsten des Schülers; er hat ästhetische, schöpferische (und organisatorische) Begabungen, die ihm bei einem verhältnismäßig kleinen Aufwand von Kraft eine große Wirkung sichern; er ist oft geistiger, liebenswürdiger,^ ausgeschlossener als die christlichen Schüler. Werdende Wesen fühlen sich nirgends empfindlicher abgestoßen, als durch Eigenschaften, bei denen sie die innere Hemmung spüren, sie nicht erwerben zu können. — Die schlechten Eigenschaften: Ich möchte Heines Worte hierher setzen: „Der Jude, wenn er gut ist, ist er besser, wenn er schlecht, ist er schlechter als die Christen." Doch wie wirkt sich das im Schulleben aus? Abgesehen von den wirklichen kleinen Verbrechen aus List und Geschicklichkeit-wie abstoßend all jenes laute Drängen nach äußerer Geltung! Das Vordrängen! — Beispielsweise sollte der Zweck einer Schulaussührung nie sein, die bestmöglichste künstlerische Leistung hervorzubringen; sie dient der Entwicklung ganz anderer Kräfte aller Schüler. Auch der begabte „gute" Jude dürfte sich daran gewöhnen, daß er hier mehr im Hintergrund bleiben muß! Ich halte die Anfeindungen, die so entstehen, nicht für gefährlich. Im Gegenteil! Die jüdische Schule scheint durch die nicht vorhandene Reibung ein unersetzliches Manko zu haben. Den Schülern der interkonsesstonellen Schulen haben wir bei wachsendem Erkenntnisvermögen begreiflich zu machen, daß sie die Ursache zu allen Nebeln in sich selbst zu suchen haben. Wo dennoch gehäuft unberechtigte Gehässigkeiten von seiten der Lehrer oder Schüler zu treffen sind, müssen wir es der Zeit, den wachsend guten Kräften überlassen, zu widerlegen. Wir widerlegen nur mit unserem Sein! Wir müssen den jüdischen Menschen, den vorhandenen, und das zu erstrebende Ideal, hrneinstellen ins volle Leben — also auch ins allgemeine Schulleben. Jüdisch-ethische Berufenheit muß sich auswirken im Kosmos! Ich habe gefunden, daß wirklich edle jüdische Naturen selbst von den antisemitisch bekannten Lehrern geachtet wurden; ich halte es für möglich und wünschenswert, daß bei gefestigten Teilen der Religionsunterricht etwa in der ersten Klasse der Lyzeen zu ernsthafter Arbeit gemeinsam erfolgt! Die rnessianische Zeit wird eine Zeit aller Menschen sein! Der Mische Schüler. Von Rudi Goldstern, D. I. I. G. (Berlin). In den folgenden Zeilen soll versucht werden, die Frage der jüdischen Schule vom Standpunkt des Schülers selbst aus zu behandeln. Eine derartige Betrachtung geht natürlich von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus, als dem der Kulturwerte und weltanschaulichen Einstellungen der verschiedenen Schulen, nämlich von dem des Verhältnisses des jüdischen Schülers zu seiner Umwelt, seinen Lehrern und Mitschülern. Man muß also feststellen, wie sich das Verhältnis des jüdischen Schülers zu seiner Umgebung im Laufe seines Schullebens gestaltet, und ob dabei eine derartige Isolierung des jüdischen Schülers eintritt, daß die Konfessionsschule, 'das heißt die Flucht aus der Sr multan schule, notwendig wird. In den unteren Klassen, ungefähr den Klassen bis zur Quinta, ist von irgendeinem Gegensatz nichts zu merken, auch der verschiedene Religionsunterricht erzeugt keinerlei Gegensatzgefühle. Von irgendeinem natürlichen geistigen Unterschied zwischen den jüdischen und christlichen Kindern ist, solange die Kinder noch unbeeinflußt sind, nichts zu merken; die Kinder treten sich vollkommen unbefangen gegenüber, Freundschaften werden zwischen Juden und Christen geschlossen, eine instinktive Abneigung besteht nicht. Von einem Antisemitismus der Lehrer ist in diesen Klassen noch kaum etwas fühlbar, einmal, weil jeder halbwegs vernünftige Lehrer nicht kleinen Kindern gegenüber seine politischen Ansichten auskramen oder sich davon treiben lassen wird, auf der anderen Seite aber auch deshalb, weil das Mißtrauen, das der jüdische Schüler später, wenn die politische Verhetzung seine Kameraden erst einmal erfaßt hat, allen andersgläubigen Lehrern und Schülern gegenüber hat, noch nicht erweckt worden ist. Ausnahmen gibt es hier allerdings, es gibt einige Lehrer, die ein ungeheures Mitteilungsbedürfnis ihrer politischen Anschauungen schon den Sextanern gegenüber haben. Wenn ich hier und noch mehr :m folgenden die politischen und die religiösen Gegensätze fast gleichsetze, so geschieht dies deshalb, weil dem religiösen Unterschied fast immer der politische parallel läuft und die Jsolierungserscheinungen gerade durch die politische Differenz entstehen. Hier bin ich nun schon bei dem wichtigsten und meiner Meinung nach entscheidenden Punkt angelangt: der politischen Verhetzung. Wenn die Jungen etwas älter geworden sind, geraten sie immer mehr in ein r a d a u p o l i t i s ch e s Fahrwasser. Gewissenlose Hetzer nutzen die gesunde Romantik des Jungen aus, der von Kämpfen und Sregen träumt; früher waren es Trapper und Indianer, im Kriege Deutsche und Frarr«

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