Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Richard Mun t Die Iuöen in Serlin. Besprochen von Dr. Kaeber, Archivar der Stadt Berlin, Diese neue Geschichte der Berliner Juden erhebt nicht den Anspruch, eine sachwissenschaftliche Arbeit zu sein. Wer sie will doch über die bisherigen einseitigen Darstellungen hinausgehen und auf kulturgeschichtlicher Grundlage das Gewordene verstehen lehren. Der Historiker wird daher nicht umhin können, zu Prüfen, ob und wieweit der Verfasser dieser Ausgabe gerecht geworden ist. Daß es sich um eine Teudenzschrist handelt, ist von vornherein klar. Nicht nur der Verlag, auch die Einleitung macht das deutlich. M u n selbst würde es gar nicht leugnen wollen. Um so mehr must gefordert werden, daß die Tatsachen richtig und im richtigen Zusammenhang wiedergegeben werden, und daß die aus ihnen gezogenen Schlüsse mit unseren geschichtlichen Kenntnissen in Einklang stehen. Diese Forderung wird nun schon durch die allgemeinen historischen Bemerkungen der Einleitung nicht erfüllt. Die Bemerkungen über die Ghetti enthalten mehr Falsches als Nichtiges. Der den Juden günstigen ostgotischen Gesetzgebung steht die von M. nicht erwähnte, äußerst judenfeindliche westgotische Gesetzgebung gegenüber. Das kurze dritte Kapitel: „Die allgemeinen deutschen Vestinunungen über das Judenrecht", der Einleitung zu v. Rönne und Simons bekanntem Bncksi) entlehnt, bringt auf S. 14 ein vielleicht einem Schreibfehler entsprungenes, aber ans dem Sinn Unsinn machendes falsches Zitat aus diesem Werk. Während hier die hohen Zinsen, die den Juden im Mittelalter bewilligt wurden, richtig mit der Seltenheit des Geldes erklärt werden, schreibt M., daß diese Zinsen i) „Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämtlichen Landesteilen des preußischen Staates", Breslau, 1843. „nach der damaligen Sicherheit (!) des Geldes als außerordentlich hoch bezeichnet werden müssen". Dieses Mißverständnis zeigt die ganze Ahnungslosigkeit gegenüber der deutschen Wirtschaftsgeschichte, die wir noch öfter bestätigt finden werden. Mit Kapitel IV kommt M. zu B e r l i n. Auch hier gerät er mit der G e f ch i ch t e trotz der zahlreichen wörtlichen Zitate aus Urkunden und Aktenstücken immer wieder in Konflikt. Geradezu naiv mutet der Satz au, nach 1363 „machten sich die Juden alsbald wieder äußerst unbeliebt durch die sogenannten Schadenkäufe, offenbor eine wucherische Tätigkeit schlimmster Art" (S. 21). M. hätte sich wirklich über die Natur der Schadenkäufe und ihre Verbreitung auch bei christlichen Handel- und Gewerbetreibenden unterrichten sollen, ehe er diesen Sah schrieb. Auch die Berliner Urkunde von 1367, die er wohl im Auge hat, richtet sich mit ihrem Verbot der Schadenkäufe an Christen und nicht an Juden. Wenn M. die Klagen der altmärkischen Ritterschaft vor dem Kurfürsten Albrecht Achill über den jüdischen Wucher vom Jahre 1481 erwähnt, dann hätte er auch einen Brief desselben Fürsten vom Jahre 1472 zitieren sollen. In diesem erhalt der brandenburgische Gesandte in Rom den Auftrag, ein Verbot gegen das Wuchern der Geistlichen auszuwirken, das so arg wäre, daß kein Jude gegen sie aufkommen könne. Der Mangel an geschichtlichen Kenntnissen hindert ihn, die mittelalterlichen Nachrichten über die Berliner Juden in irgendeinen Zuf8™™ Bad Nauheim I PARK-HOTEL I Sföffiiuiig Hüte Mä§*X Alleinige An zeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen- Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Anslands Berlin19,Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz /Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. / Halle(Saale) j Hamburg / Hannover | Karlsruhe / Kölna. Rh. 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