Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 7 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 drängnis KU hören; diesmal ist es ein in Zahlen gezeichnetes Bild schwerster finanzieller Not, die mehr als drei Jahrhunderte aus der Gemeinde Worms lastete, was uns vor die Augen gestellt wird. Aus den verschiedensten Aktenstücken werden Berichte darüber zusammeng-etragen, wie Kaiser und Fürsten, Heerführer und vor allem der Magistrat der Stadt jeden Anlaß benützen, um aus der Judengemeinde Sach- und Geldleistungen herauszupressen. Um die Auflagen erfüllen zu können, ist die Gemeinde gezwungen, Darlehen aufzunehmen, die sie als schwere Bürde durch Jahrzehnte und Jahrhunderte schleppen muß, bis sie um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zu einem Modus der Tilgung gelangt. Die verdienstvolle Rothschildsche Arbeit zeigt grauenhaft deutlich für wen die „wuchernden^ Juden sich dem Geldverdienst zu versklaven gezwungen waren; zeigt, wie die Gemeinde Worms, an die sich noch im Jahre 1689 in den Monaten vernichtender Brandschatzung durch Melacs Heer die Gemeinde Mannheim vertrauensvoll um ein Darlehen von wenigstens 1000 Reichstalern gewandt hatte (siehe Löw-enstein, „Geschichte der Juden in der Kurpfalz"; S. 295, Beilage Nr. 11), allmählich bis zum Ersticken in Schulden gedrückt wird. Dieser auf der Gemeinde lastende geldliche Druck ist wohl mit eine Erklärung für die Tatsache, daß die früher so blühende Gemeinde Worms im achtzehnten Jahrhundert nid)t vorwärts kommen konnte, während in derselben Zeit Gemeinden in nicht ferner Umgebung außerordentlich ausblühten, man braucht nur an Heidelberg und Mannheim zu erinnern, in welch letzterem um das Jahr 1720 ein Sechstel der Gesamtbevölkerung Juden waren, so daß es „Neu-Jerusalem" genannt wurde, und die Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig, Elisabeth Charlotte, in einem Briefe schreibt, daß, wie man sage, in Mannheim mehr Juden als Christen wohnen. Wenn die Wormser Gemeinde unter der finanziellen Last sich nicht zu Tode drücken ließ, und die Wormser Juden sich von dem geldlichen Zwang nicht den Aufblick zu edleren Werten vermauern ließen, so ist dies ein Zeichen ihres Wertes, auf den sie selber und mit ihr die deutsche Judenheit stolz sein darf. Rothschild hat wieder einen Stein zum ehrenden Denkmal der deuWen Juden beitragen. Rabbiner Dr. Lebt (Mainz). * Jüdische Gesänge von Emanuel Kirschner, herausgegeben von den „Kameraden", Deutsch-jüdischer Wanderbund, Sonderblatt der Kameradensingeblätter. Bundesanschrift: Jakob Kohnstamm, München, Sophienstraße 5a, Hinterhaus. Aus dem Geleitwort geht schon oeutlich hervor, um was es sich handelt. Es handelt sich hauptsächlich um die Ausgestaltung religiöser Feierstunden für die bei den „Kameraden" organisierte jüdische Jugend; es handelt sich um die Abstellung eines vorhandenen Mangels an Liedern jüdischen Inhaltes und Charakters, die dem Denken und Fühlen der jüdischen Jugend entsprechen. Diesem Mangel ist Emanuel Kirf ch ner, der geniale Oberkantor der Münchener israelitischen Kültusgemeinde, außerordentlich wirkungsvoll begegnet, i'ndem er eine Serie von 14 Liedern geschaffen hat, von denen ein jedes, für sich betrachtet, ein Kabinettstückchen eigener Art bedeutet. Kirschner ist sich auch diesmal wieder treu geblieben. Wie seine großangelegten Werke, die er für den Gottesdienst geschaffen hat, atmet auch der vorliegende Liederschatz da. wo es daraus ankommt, „echte Jüdischkeit" vom Anfang, bis zum Ende, und echte Kunst, die alle seine Werke in hohem Grade auszeichnet. Nr. 2, den süddeutschen „Schir hamma-alos" (Psalm 126), um, wenn auch nur ungern, von all dem sonstigen Schönen zu schweigen, habe ich noch nie mit solchem Stimnulngsausdruck gehört. Die deutsch-textlichen Lieder sollen damit nicht hintangestellt sein; in ihrer Gesamtheit sind die Gesänge alle mit einer charakteristischen Klavierbegleitung ausgestattet. Mögen diese „Jüdischen Gesänge" die weiteste Verbreitung und überall diejenige Aufnahme finden, die sie kraft ihrer hohen Bedeutung in hohem Maße verdienen. Insbesondere wird es Sache der I u g e n d v er e i n e sein, sich des wertvollen Gutes zu bemächtigen. Oberikantor Hermann Zivi (Elberfeld). # Eingesandte Bücher. Herwig Härtner: Erotik und Rasse. Deutscher Volksverlag, München. Brosch. 5 M. — E. Francis Udny M. A.: Das Urchristentum. Sternüm-Osten-Vcrlag, Wien 1925. — H. M. Tomlinson: Aesthetische Reise zu den Gewürzinseln. Kurt Vowinkel Verlag, Berlin 1926. — Dr. K o n r a d H a e n i s ch : Ferdinand Lassalle. Der Mensch und der Politiker in Selbstzeugnisson. Verlag Kröner, Leipzig 1925. Kröners Taschenausgabe, geb. 2M. — Fr. W. Förste r: Religion und Charakterbildung. Notapsel-Verilag, Zürich. — Dr. Franz H a i s e r: Das Gastmahl des Freiherrn v. Artaria. Verlag I. F. Lehmann, München 1925. Brosch. 4,50 M. — L. F. C l a n ß : Rasse und Seele. Verlag I. F. Lehmann, München 1926. Brosch. 7 M. — Dr. Hans Schmidt: Warum haben wir den Krieg verloren? Neuland-Verlag, Hamburg 1925. Brosch. 2 M. — Joseph Winckler: Pumpernickel. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1926. — Hugo Herr mann: Eine werdende Welt. Verlag Dr. Fllsch, Prag 1925. Brosch. 3,50 M. — Lic. 3>r. Martin Tilo : Die Chronologie des Daniel - Brich es. Verlag A. Schmidt, Bonn 1926. — Johannes Z i e k u r f ch : Politische Geschichte des neuen deutschen Kaiserreichs. 1. Band. Frankfurter Societätsdruckerei G. m. b. H., Frankfurt a. M. Brosch. 10 M. — Br. Kurt Zielenziger: Gerhart v. Schulze Gaevernitz. Eine Darstellung seines Wi-Vkens und seiner Werke. R. L. Prager, Berlin 1926. Brosch. 3,50 M. — Die Besprechung der Bücher bleibt Vorbehalten. EB 'TUeinf"Kind, ich rate (Dir gut: Himm BIOMALZ. Das beliebteste und verbreitetste Nähr- und Kräftigungsmittel. Hergestellt aus edelstem Gerstenmalz. Ernältl. in Apotheken u. Drogenhandlungen. G-ebr. Patermann, Teltow- Berlin 14. «•e««« •••«••« ••e] PolÄ« füDrcnöe« MWus,. Knafienpensioaitl Prediget Hirsch, Coburg Ho he Straße 9 Fernsprecher 825 Erstklassiges Erziehungsinstitnt in Coburgs schönster Höhenlage // 7000 qm Park Gymnasium und Oberrealschule am Platze, eigene Vorbereitungsklafsen pr!v. ResWiile«lafob WWM . 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