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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-12 · 7 (12.2.1926) · p. Seite 77

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 bringen, es darf aber rühmend gesagt werden, daß sich der Verfasser unparteiisch und unter Verzicht aus die heute so beliebten willkürlichen Rastekonstruktionen taktvoll der schwieriger: Aufgabe entledigt, so gut es eben möglich ist. — Enttäuscht dürste der Antisemit sein, der hier etwa Belege für seine Phantastereien von der internationalen Ausbreitung und Machtstellung der Juden suchen sollte. Hier steht er, was es mit dieser Jnternationalität in Wirklichkeit aus sich hat: es gibt wirklich Juden und jüdische Gemeinden nicht nur in Europa und Nordamerika, sondern in aller Welt, von Marokko bis zum fernen Osten. Aber viele dieser Gruppen leben ohne Verbindungen untereinander, oft kaum von der Existenz der anderen wissend und statt des beneideten und verlästerten politischen un>b wirtschaftlichen Einflusses entrollen sich in Vergangenheit und Gegenwart —« neben wenigem Erfreulicherem — Bilder der Unterdrückung und des Elends. F. Schiff. Die Alarmglocke läutet weiter. Zuschriften über Zuschriften. An der Hand eines die Herzen bewegenden Aussatzes in den „V e r e ins m i 11 e i 'I u n g e n" der jüd isch!- religiö sen Derer ne von Berlin-Friedenau, Steglitz und Umgebung haben wir — wie oft nun schon! — vor kurzem wieder die Augen der jüdischen Oefsentlichkeit auf das Elenddes jüdischen Mittelstandes und die dringende Notwendigkeit schnellster Hilfe gelenkt. Wir haben daraus hingewiesen, daß bewährte Wohilf ahrtsorganisationen zur Linderung der Not am Werke sind, daß sie aber die jüdische besorgte Oeffentl'ichkeit über ihre Leistungen und über ihre weiteren Pläne unterrichten sollten. Dieser Notruf hat uns wiederum eine Fülle von Zuschriften eingetragen. Es sind bezeichnenderweise Briefe, deren Stil Warstellt, aus welchen guten jüdischen Kreisen sie kommen. So schreibt ein Börsenmakler aus Charlottenh u r g: „Sie haben in Ihrem treffenden Alarmruf aus die Notlage des jüdischen Mittelstandes hin gewissen und besonders die steigende Tendenz der Selbstmorde erwähnt. Es ist aber nicht immer die materielle Not allein, die die Verzweifelnden und Verzagten zwingt, das Leben von sich zu Wersen und allem Kamps ums Dasein und aller Qual zu entfliehen. Es ist nicht die Sorge allein um den kommenden Tag, sondern in vielen Fällen die Hetze, mit der die in Verzweiflung Ringenden rücksichtslos von ihren lieben Mitmenschen verfolgt werden, bis ihnen kein anderer Ausweg übrigbleibt, als sich in ein besseres Dasein zu flüchten. Sorgt nicht nur dafür, daß sich das trübe Los eurer notleidenden Brüder und Schwestern bessert, indem ihr sie unterstützt, sondern sorgt auch dafür, daß sie m e h r Milde und mehr Verständnis für ihre Notlage finden, damit sie im Seelenkamps nicht unterliegen . . Ein Breslauer Kau sm au n, dessen geachtete Stellung der Schlußsatz seines Briefes darstellt: „Ich habe nichts dagegen, wenn Sie diesen Artikel veröffentlichen, bitte Sie aber, meinen Namen nicht zu nennen, damit meine augenblickliche mißliche Lage nicht bekannt wird-, und ich nicht miß kreditiert werde", führt das Folgende aus: „Sie brachten einen Artikel bezüglich Hilfe für den Mittelstand. Als langjähriges Mitglied des C. D. hat mich dieser Artikel hoch interessiert. . . . Ich selbst bin fast zwanzig Jahre hier am Platze und habe bis zur Inflation ein Ziemlich bedeutendes Holzgeschäft gehabt. Durch große Verluste und den augenblicklich schlechten Geschäftsgang, insbesondere im Holzhandel, haben mich einige Freunde auf eine Stiftung aufmerksam gemacht, und ich stellte dort den Antrag am 15. Januar... In Ihrem Artikel schreiben Sie, daß „schnelle Hilfe doppelte Hilfe" ist, und heute erst, also nach zwei Wochen, erhielt ich einen ablehnenden Bescheid ohne jede Begründung. Bei mir ist kein Mensch, solange ich Vermögen hatte, ohne größere Unterstützung fortgegangen, und ich habe mehrere tausend Mark für meine MiMrüder und Mitschwestern gehabt. Jetzt, wo es mir augenblicklich schlecht geht, finde ich überall verschlossene Türen . . Außer einer Anzahl weiterer Briefe, die die Notlage dartuu, sind auch Zuschriften eingegaugeu, die zu den Vorschlägen zur Linderung der Nut S-tellung nehmert. Aus der Zuschrift eines Heidelberger Mitgliedes, der sich mit der Möglichkeit, eine jüdische D a h r l e h n s k a s s e für die Notleidenden zu schaffen, befaßt, geben wir das Folgende wieder: „ . . . Darlehnsnehmer werden sich in Hülle und Fülle melden, nicht aber die Einleger bzw. Geldgeber aus jüdischen Kreisen, welche nicht mit vollen Segeln zu einer rein konfessionellen Kasse übergehen werden. Sie können und wollen von ihren langjährigen Bankverbindungen nicht abspringen, an die sie traditionelle und freundschaftliche Beziehungen und Verpflichtungen binden ... Mehrere Briefe weisen darauf hin, daß man sofort eine großzügige Nothilse unter dem Namen „Die Alarmglocke" (der Ueberschrist unseres Artikels vom 22. Januar 1926) beginnen sollte. .Ein Hamburger Kaufmann schreibt uns: . . Zunächst müßten diejenigen Glaubensgenossen, welche zurzeit größere Warenbestände, wie Schuhwaren, Herren-, Damen- und Kinderbekleidung haben, einen Teil unverzüglich der Alarmglocke zur Verfügung stellen, so daß bei der augenblicklichen Not Zunächst ein Teil der dafür in Betracht kommenden Glaubensgenossen erst einmal mit etwas Bekleidung versehen wird. Kommen dann später Vareingänge, dann können auch diese zur Verteilung kommen. Ich bin sicher, daß manche Unternehmen zunächst einmal diese Sachen eher zur Verfügung stellen können als bares Geld ..." Die Alarmglocke läutet weiter. Hoffen wir, daß der Hilfsfeldzug nun großzügig einsetzt. In der soeben erschienenen Nummer 2 des berliner Jüdischen Gemeindeblattes" nimmt der Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle, Engen Cafpary, zu dem gegenwärtigen Notstände ausführlich Stellung. Wir behalten uns vor, darauf Zurückzukommen. Um Sen nationaljüöisihen Palästinaaufbau. Zuschrift von Rabbiner Dr. Fuchs (Chemnitz). Erwiderung von Dr. Jacob (Dortmund). Verschiedene Aufsätze der „C. V.-Zeitung" über unsere Stellung zum nationaljüdischen Palästinaausbau, als dessen Instrument wir den Keren Hajessod in erster Linie ansehen, haben uns, was nicht anders zu erwarten war, eine Anzahl von Zuschriften eingetragen. Aus ihnen spricht vor allem ein großes Erstaunen und bemerkenswert starker Unwille, daß eine große Reihe angeblich neutraler Kereii- Hajessod-Veranstaltungen in Versammlungslokalen und in Privathäusern dazu benutzt worden sind, heftige Angriffe von leitender Stelle des Keren Hajessod, insbesondere aus dem Munde Kurt Blumenfelds, des Präsidenten der zionistischen Organisation, gegen den Centralverein und seine Weltanschauung zu richten. Nicht nur in Hannover, wie wir bereits berichteten, auch in vielen anderen Städten, wie in Nürnberg, in Frankfurt, in Leipzig, in Königsberg, geschah das gleiche. Das Erfreuliche dieser wenig angenehmen Feststellungen ist, daß, wie uns manche Zuschriften belehren, nichtzionistischen Förderern des Keren Hajessod nunmehr die Einsicht über diese höchst merkwürdige Art von Neutralität gekommen ist. Auf die Stellungnahme des Herrn Rabbiners Dr. B. Jacob (Dortmund) ist uns aus Rabbinerkreisen eine einzige Zuschrift zugegangen. Wir geben in den Spalten dieser Zeitung gern jedem Raum, der etwas Wertvolles zu sagen hat und dessen Persönlichkeit wir hochächten, gleichgültig, wie sich seine Ausführungen zu den Ueberzeugungen des erdrückenden Teiles unserer Mitglieder verhalten. Deshalb veröffentlichen wir auch diese von Herrn Rabbiner Dr. H. Fuchs (Chemnitz) stammende Zuschrift. Herr Dr. Jacob nimmt gleichzeitig zu ihr Stellung. Herr Dr. Jacob schreibt uns einleitend: Der Aufforderung von verschiedenen Seiten, auf die aus Anlaß meines Artikels in Nr. 3 der „C. V.-Zeitung" in der zionistischen Presse, insbesondere in der „Jüdischen R u n d s ch a u", gegen mich ergangenen Angriffe einzugehen, kann ich nicht Nachkommen. Denn anstatt auch nur den leisesten Versuch einer Widerlegung zu machen, bestehen sie nur aus üblen Schimpfereien. Wer die Geschichte des Zionismus kennt, ist davon nicht überrascht. Es genüge, einige Aeußerungen niedriger zu hängen, als ein Beweis, wie jeder Nationalismus, insbesondere aber der jüdische, plebeji-siert und den Ton verdirbt. Die „Jüdische Rundschau" schreibt in Nummer 5 also: „Herr Jacob beginnt mit der Feststellung: ,Ein deutscher Rabbiner ist zweierlei: Ein Rabbiner und ein Deutscher? Mit Verlaub, Herr Rabbiner: Ist ein Rabbiner nicht auch ein Jude? Herr Jacob stellt ferner fest: ,Ein besonderes Gebot der Thora, das jetzige Palästina wieder aufzubauen, gibt es für die nicht in diesem Lande wohnenden Juden nicht? Ei, ei, Herr Rabbiner, wie rabulistisch! Sie schreiben ,das jetzige Palästina'. Einen derartigen advokato rischen Kunstgriff hätten wir bei einem Rabbiner nicht vorausgesetzt .... Es kommt noch schöner. Dr. Jacob schreibt: ,Man hat die Wiederherstellung des Landes, Jerusalems und des Tempels ersehnt und darum unablässig gebetet, aber man hatte dafür auf Gott und das Kommen des Messias vertraut und keine politische und geldsammelnde Agitation entfaltet? . . . Nein Herr Jacob, es ist keine Zeit mehr zu warten. Die Zersetzung des Judentums ist bereits so weit gediehen, daß Männer Ihres Schlages Rabbiner und Wortführer sein können. Wir haben keine Zeit mehr zu warten. Ein neuer Geist muß in das jüdische Volk kommen, damit solche Rabbiner wie Sie unmöglich find. Der Aufbau Palästinas als Ausdruck der Renaissance Fes jüdischen Volkes soll in hoffentlich absehbarer Zeit bewirken, daß wir neben anderen argen Schäden unserer Diaspora auch unsere Protestrabbiner los werden?' Wir geben nunmehr Herrn Rabbiner Dr. Fuchs (Chemnitz) und Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) das Wort: Rabbiner Dr. §uchs lChemnitz) schreibt: Als Rabbiner, der nicht Zionist ist und den Aufruf des Keren Hajessod mitunterzeichnet hat, bemerke ich in aller Kürze gegenüber den Auslastungen der Redaktion in Nr. 52, 1925 imt) des Kollegen Jacob in Nr. 3, 1926 der „C. V.-Zeitung": 1. Ich glaube der zionistischen Versicherung, daß die Gelder des Keren Hajessod nur für seine neutralen Zwecke, Unterstützung der

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