Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 6 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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67 /ins Ski: Dpbuk sDer Dämon). Kleines Theater, Berlin. Vor ungefähr sechs Jahren, spielte das j i d d i s ch, e K ü n stler - L h a t e r diese Dichtung in Berlin,. Und ein seltsamer Zander ging von der, Buhne ans, der d>ie Zuschauer, von denen wahrscheinlich die 'wenigsten die Sprache verstanden, in, seinen Bann zwang. Die singende Sprechweise, fremdartig und doch merkwürdig nah, Einzelbilder, durch schauspielerische Leistung unvergeßlich eingeprägd und nicht zuletzt das Märchenhafte und trotzdem ErdMnahe' der Handlung hatten! in den Jahren den. Eindruck verdichtet. So lebte der „Dy buk" in der Erinnerung fort imi> ließ mitunter den Wunsch ausleben, diesem. dramatischen Geschehen auf einer deutschen Bühne einmal zubegegnen. Ich kenne das. B u ch nicht, das N o s a No s s i g übersetzt hat. Eindruck und Urteil gehen folglich nur ans das Theater zurück. Dy buck, der Dämon, der Geist eines Gestorbenen, der in den Körper eines lebenden Menschen geht, dem er seinen! Willen und sogar seine Sprache (die des Toten) gibt. Lea Sender wird vom Dybuk des Talmudschülers Ehauau besessen, da Leas Bakereinst dem Baker des Bochers die Tochter für den Sohn zusagte, und beide sich lieben. Chanau stirbt in dem Augenblick, in dein Sender in der heimatlichen Beckschule die Verlobung seiner Tochter mit einem Auswärtigen mitteilt. Dieser erste Akt mit einer östlichen Synagoge und dein Tanz der Ehassidim schien mir, im. Milieu und in der Echtheit der Stimmung, der stärkste. Der zweite Akt soll die Hochzeit bringen, die. der Dybuk aber nicht zuläßt. Ter soll im letzten Akt ausgetrieben werden. Aber die stärkste Beschwörung, Schosar klagen brausend, erst bezwingt -ihn. Und Lea, für die verspätete Hochzeit geschmückt, stirbt. Gerda Müller, die Nichtjüdin, gab des Beinitzer Kaufmanns Tochter (anders zwar als die bloud-zitterude, verwundert-sassungslose Sonja Alomis) mit starkem Gefühl in dunklem Erleben-; mit einem Blick der Qual, der aus den: Herzen schrie, zum Herzen ging. Ter Miropoler Wuuderrabbi, hundertjährig und um alles Leid wissend, durch schmerz geläutert und fast schon jenseitig, der den Dämon aus treibt,. war Wladimir Sokolo w. Bon diesem fast schon Ueberirdischem dessen Augen beredtste Sprache waren, dessen Antlitz Spiegel der Entrücktheit schien, ging eine Suggestionskrast aus, die das Theater vergessen lieh und die Hörer adelte. Um dieses ^eelenspielers willen gehe man in den „Dybuk", der — es muß gesagt werden — in deutscher Sprache ernüchtert ist und theatralisch wirkt, dem der-Duft einer Poesie genommen ist, der plötzlich ein, unverständliches Pathos hat und der mitunter auch zum Lächeln reizt; der aber — trotz alledem — eine Dichtung, ist, durch die heiß und beschwörend ein Irrglaube geistert., aus der Menscher^ in Grane und. Not, nicht ohne Sünden uns an blicken. Heinz Stroh. Zum öS. Geburtstage Helmut!) v. Gerlachs. Am 2. Februar beging der frühere Reichstagsabgevrduete der Freisinnigen Bereinigung und jetzige Herausgeber der „Well am Montag', Hellmuth v. Ger lach, seinen 00. Geburtstag. Er ist heute in Wert und Schrift ein tapferer Kämpfer gegen den. Antisemitäsmus. Obwohl er politisch seinen Ausgangspunkt von Stöcker nahm.. Oder gerade deshalb! Als junger Regieruugsassessvr stürzte er sich in den politischen Kamps. Nach Geburt und Erziehung war er konservativ. In der alten Konservativen Partei versuchte er sich als sozialer Reformer. Das führte ihn mit dem Hvsprediger Stöcker zusammen. Stöcker war 'Antisemit, und Gerlach wurde es auch. 'Aber er trat mit offenen Augen in die politische Welt. Solange er die Juden nur in der Lektüre und der Schilderung seiner Umwelt kannte, Hatzte er sie sozusagen ans Tradition. Als er sie kennen lernte, streifte er nicht nur mit anerkennenswertem. Frei uni t die antisemitischen Eierschalen ab, sondern er wurde auch ein überzeugter Bekampser des Antisemitismus. Er gehörte um die Jahrhundertwende zu den bestgehassten Gegnern der deutschen Antisemiten. Da er ihre Hohlheit und Heuchelei, ihre Geschästspvlitik und ihre Verlogenheit iur inneren Parteigetriebe zur Genüge tennengelerut hatte, konnte gerade er ihnen die Maste am besten vom Gesicht reißen. Er ist noch heute ein schlagfertiger Bersammlungsredner und gewandter Tebatter. Seine witzige und scharfe Polemik hat des östereu die Antisemiten zu. plumper Wut gereizt. Bei den Neichstagswahlen 1903 eroberte er den Wahlkreis Marburg, den bis dahin der „hessische Dauernkönig" Tr. Otto Bvckel vertrat. Döckel kandidierte zwar nicht wieder, wohl aber stürzte sich Oswald Zimmermann von der antisemitischen „Reform- Partei" mit großer Wucht gegen Gerlach in den Wahlkampf. Er brachte es nicht einmal mehr bis zur Stichwahl, und obwohl dieser Herr Zimmermann alles ansbvt, seine Anhänger für den konservativen Kandidaten v. Pappenheim an die Urne zu bringen, folgten diese doch der Parole nicht. Böckel hatte seinen Kamps gegen Inden und Junker geführt, und die Marbnrger Antisemiten touren bei allein blöden Judenhatz doch so antikonservativ eingestellt, das;?ic Gerlach zum Siege P-erhalsen. Bei den Blockwahlen bützte Herr v- Gerlach das Mandat infolge der veränderten Haltung des Zentrums wieder ein. Aber er ist auch außerhalb des Parlaments ein Vorkämpfer gegen den Antisemitismus Alleinige Anzeigen-Anmalinie Rudolf Mossc, Anzeigen-Annalnae für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8>V w, Jerusalemer Straße 46-40 / Breslau / Chemnitz /Dresden i Düsseldorf I Erfurt j Frankfurt a.M. / Halle(Saale) j Hamburg / Hannover / Karlsruhe / Köln a. Nh. Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stettin j Stuttgart / Amsterdam- / Barcelona / Basel / Budapest /-Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. ecMe Sodener bei Husten, Heiserkeit und Verschleimung Fays mnerai-Pastillen Georg Wedell Kohlengrosshandlung f Verlängerte Morsestrasse VlldliyiUflSylirg Post Berlin NW 87 Telephon: Wilhelm 7111/12 [ Anthrazit ) ^Braunkohlen}[ Brennholz ] [ Briketts ] f~ Gaskoks "] [ Grudekoks } ( Presstorf ][ Schmelzkoks )( Steinkohlen^ AS JOagerp lätze ** in verschiedenen Stadtgegenden (Expedient oder Lagerverwalter sucht sich baldmöglichst zu verändern. 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