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Central-Verein-Zeitung · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · p. Seite 63

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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Früher Sturmtrupps - jetzt Schutzstaffeln. „Bei den kommenden, voraussichtlich bedeutenden Ereignissen." Die N a L i o n a l s o z i a l i st i s che d eu tsch e Ur b e i t er p a r t e i Adolf Hitlers hatte in der Zeit ihrer Blüte in Bayern, aber auch an anderen Orten, Sturmtrupps aufgestellt, ja, ganze militärische Organisationen und Regimenter —, em gefährliches Spiel, das erst der 9.. November 1923 beendigte. Die ernste Wirtschaftslage und die Not vieler tausender Arbeiter imb Angestellter veranlassen, worauf wir wiederholt hingewiesen haben, die Nationalsozialisten schon seit Monaten, mit ungeheurer Agitation das d e u t sch e Land sozusagen ftn r m - r e i sz u m a ch e n. Wie stark sich die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei fühlt, geht daraus hervor, daß sie nunmehr in ihrem Münchener Hauptorgan, dem „Völkischen Beobachter" (Nr. 23 vom 29. Januar), zur Bildung von Schutzstaffeln auffordert, angeblich dazu bestimmt, der nationalsozialistischen Partei,'„heute in Deutschland die einzige Partei, die den kommenden, voraussichtlich bedeutenden Ereignissen schutzlos gegenüberstehe, einen entsprechenden Schutz zu gewähren". Ueoer die Art dieser Schutzstaffeln-sagt der „Völkische Beobachter" das Folgende: „ . . . Die Parteileitung hat sich entschlossen, der N. S. D. A. P. S ch u tz st a f f e l n , bestehend aus den besten und zuverlässigsten Parteimitgliedern, aufzustellen. Dieselben stehen alle miteinander in Verbindung und sind organisatorisch in einer Oberleitung in München Zusamrnengesaßt. Ihre Tätigkeit besteht darin, in ihrem Bereiche Versammlungen zu schützen, Bezieher und Anzeigen für den „Völkischen Beobachter" zu werben, der Partei Mitglieder Zuzuführen und Abwehrmaßnahmen gegen Möglichkeiten, wie eingangs erwähnt, vorzubereiten. Dabei geht die Oberleitung von dem Grundsätze aus, daß eine kleine Schar der Besten und Entschlossensten weit wertvoller ist als eine große Masse^Mitläufer ohne Entschlußkraft. Die Richtlinien zur Aufstellung von Schutzstaffeln sind daher sehr streng gezogen, und die zahlenmäßige Stärkender Schutzstaffeln ist aufs engste begrenzt. Diese Schutzorganisation ist kein neuer Verein, sondern die Zusammenfassung der besten und zuverlässigsten männlichen Parteimitglieder zum Schutze und zur selbstlosesten, unermüdlichen Arbeit für die ^Bewegung. Nur wer in dem großen Kampfe, den unsere Bewegung durchführen m u ß , in v o r d er st er Linie sein will, trete in die Schutzstaffeln ein!" Wer die Tätigkeit der völkischen Sturmtrupps in München und anderswo noch nicht vergessen hat, der weiß, was er von diesen Schutzstaffeln zu halten hat. Es ist bezeichnend für die Lage, daß die Nationalsozialisten jetzt dazu übergehen, in voller Oeffentlichkeit ihre „erprobten" Kampfverbände wieder zu errichten. Wir hoffen, daß diese lautsprechende Tatsache den vielen Lauen und Gleichgültigen in itnferen Reihen zur Warn n n g dient. Enteignung. Alfred Roth als Gesetzgeber. Das Wort „Enteignung" liegt in diesen Wochen auf allen Zungen. Bekanntlich planen. Sozialdemokraten und Kommunisten ernstlich, einen Volksentscheid herbeizuführen, daß das Besitztum der früheren deutschen Fürsten zugunsten des deutschen Volkes enteignet wird. Was den Fürsten recht ist, ist — den Juden billig. Sofort arbeitet Alfred Roth im Namen des Deutsch e n Befrei u n g s b u n des einen Ges e tz e n t - Wurf aus, veröffentlicht ihn in der „Reichssturmfahne" Nr. 5 vom 1. Februar und wird dafür Sorge tragen, daß „dieser Entwurf im Reichstag als Ergänzungsantrag im Sinne des Paragraph 3 des Gesetzes über den Volksentscheid neben dem Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten von Amts wegen dem Volksentscheid unterbreitet werden muß." Reichlich schönes und reichlich unklares Deutsch, als ob unserm Alfred Roth schon die deutsche Sprache enteignet wäre. Für diejenigen, die fürchten, der Begriff „Jude" sei nicht einwandfrei abzugrenzen, empfiehlt Alfred Roth, der Enteigner, die Mitgliederlisten der Synagogengemeinden, des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und anderer mehr oder minder unrichtig aufgeführter jüdischer Vereine zu benutzen. Alfred Roth, der Enteigner, aber ist furchtbar in seinem Zorn, wie Wotan, doch kann er auch von hohem Throne aus gnädig blicken. Die Enteignung der armen Juden soll nämlich nur die treffen, welche nach dem 18. Januar 1871 in Deutschland lebe n. Da auch „die Abkömmlinge solcher Nichtjuden, welche aus einer seit dem 18. Januar 1871 geschlossenen Ehe zwischen jüdischen und nichtjüdischen Eheleuten hervorgegangen sind", von dem rücksichtslosen Aufgebot des Enteigners Alfred Roth gefaßt werden sollen, so fürchten wir, die Mitgliederliste des Centralvereins wird für diese Bestandaufnahme nicht genügen. Wir raten daher dem Enteigner Alfred Roth dringend an, die verschiedenen G o t h a i s ch e n Taschenbücher, den Deutschen Adelskalender, die Mitgliederliste der D e u t s ch n a t i o n a l e n B o l k s p a r t e i und nicht zuletzt die des Deutschen Befreiungsbundes für seine Enteignung heranzuziehen, damit auch dort die Zahlreichen Zu enteignenden „Judeustämmlinge" von der rächenden Hand erfaßt werden. jitmtt Graf Reventlow! Stimmen volksparteilicher Zeitungen. In seinem „Reichswart" Nr. 3 vom 16. Januar veröffentlicht der bekannte völkische Politiker Graf Ncventlow den Wortlaut einer Besprechung seines Buches „Minister Stresemann als Staatsmann und Anwalt des Weltgewissens". Die Besprechung ist in einer Reihe von Blättern der Deutschen Volkspartei erschienen. Wir veröffentlichen daraus die Worte, die volksparteiliche Zeitungen über die politische Einschätzung des Grafen Reventlow anssprechen. Der Verfasser, der ehemals — es ist schon lauge her —Zeinen gewissen Ruf als politischer Schriftsteller besaß, entpuppt sich in seiner neuen Schrift als einer derjenigen großen „völkischen" Geister, von denen zwölf Stück auf ein Dutzend gehen. Natürlich ist Strefenrann „an allem schuld". Zwar nicht gerade am .Kriege und am Friedensdiktat, aber doch am Nuhrkampf, au der Inflation, an der Wirtschastsnot usw. Graf Reventlolo gibt zu, daß der Außenminister ein kluger, gewandter, „schlauer" Manu sei, der eine Politik getrieben hat, die immer bewußt und klar gewesen ist. Aber er hat diese Politik — nach der Erleuchtung unserer „völkischen Staatsmänner" — nicht für Deutschland -getrieben, sondern für sich selbst, als Sachwalter des „polnisch-jüdischen Bündnisses" und als Beauftragter von Wallstreet. Es erübrigt sich, zu diesem Humbug viele Worte zu machen. Leute, die solch schauriges Zeug zusammenschreiben, leben in einer ganz besonderen Luft. Sie sind offenbar pathologisch voran l a g t u n d g e h ö r e n i n s p o l i t i s ch e I x r enha u s. Hauptversammlung des Centralverems deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.Ä. am 6., 7. und s. März -1926, Berlin W9, im früheren Herrenhaus, Leipziger Straße 3. Tagesordnung: Sonnabend, den 6. März, abends. zHundsebtttts. (Thema und Redner werden noch bekanntgegeben.) Sonntag, den 2. März. 1. Cntgegennahme des Geschäftsberichts. 2. Die Arbeit des Centralvereins. 3. Finanzbericht. 4. Allgemeine Aussprache. s. Mitgliederwerbung und -erhaltung. 6. Satzungsänderung. 7. Vorsiandswahlen. Montag, den 8. März. 1. Vorträge. (Thema und Redner werden noch bekanntgegeben.) 2. Wichtige Cinzelfragen aus unserer Arbeit. a) Stellung zu den vaterländischen Verbänden. b) Völkischer und jüdischer Boykott. c) Oeffentliche Bibliotheken, Schulbibliotheken und Lehrerbibliotheken. ch Aufklärungsliteraiur und. die Notwendigkeit ihrer Verbreitung. Abends 8 Ahr Dvei LNassöttvevsammSungen „Nord und Süd, Ost und West im Kampfe für Deutschtum und Judentum."

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