Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 gleichung an das arabische Volk. . . Daß die europäischen Juden, zumal die der Mitte und des Westens, darauf verzichten würden^ sich zur weißen Rasse Zu zählen, glauben wir nicht. Die .Lage der Zionisten ist flar genug-.^ Die palästinensischen Juden mögen noch so sehr bestrebt sein, sich nicht als bloße Figuren im politischen Spiele Englands gebrauchen zu lassen, — solange England in Palästina herrscht, sind auch ihre Interessen irgendwie an England gebunden. Wenn England eines Tages genötigt ist, sich Zurückzuziehen, werden die palästinensischen Juden Asiaten werden oder schon sein müssen, um sich unter den Arabern behaupten zu können. Dieser Aspekt erleichtert sehr die -Frage, auf die schließlich alles ankommt. Nur Phantastik kann meinen, das; es möglich sei, die gesamte Jndenheit in Palästina unterznbringen. Das ist ganz ausgeschlossen, auch wenn rnan Trattsjordanien hinznnimmt, wozu ja noch kommt, das; die meisten Inden gar nicht daran denken, ihren Wohnsitz nach Palästina zn verlegen. Es wird nur ein verhältnismäßig kleiner Prozentsatz in Palästina Platz finden, der größte Teil der Inden wird in den Ländern bleiben, wo sie sind. Wenn es daher richtig wäre, daß Palästina schlechthin die nationale Heimstätte der Juden sei, dann wäre die Frage zn beantworten, ob es angehe, das; der Jude zwei Vaterländer habe? Etwa die Frage, ob man gleichzeitig Deutscher oder Asiate sein könne? Die jüdischen Gegner des Zionismus haben den richtigen Instinkt. Denn dies geht in der Tat nicht. Das Leben kümmert sich sehr wenig um die Floskel der Walfonr-Deklaralion, nach der nichts getan werden solle, was geeignet wäre, die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem Lande zn beeinträchtigen. „Heimstätte" ist eben Heimstätte, und wer sich zn ihr bekennt, der kann auch den Konsequenzen nicht entgehen. Einem einzelnen, der mit besonderen Geistesgaben ausgestattet ist, mag es möglich sein, Geburts- und Wnnschland mit gleicher Liebe zn umschließen. Aber die Regel kann dies nicht sein, und jedenfalls kann man dieser einzelnen wegen nicht verlangen, daß die Richtenden eine solche Doppelheit anerkennten. Niemandem, der bestehen will, bleibt es erspart, ans der Romantik in die Wirklichkeit herabzusteigem. Romantik ist es, zu glauben, das; die Jndenfrage durch Palästina gelöst werden könnte; im günstigsten Falle, wenn alles gut geht, gibt der Zionismus eine Lösung denen, die dorthin gehen. Wirklichkeit ist es, daß die Frage im übrigen — und das heißt: weitaus für die Mehrheit — in den Ländern, wo die Juden sind, weitergeführt werden muß, bis sie eben für die Gesamtheit einer Nation keine Frage mehr ist, wie sie ja in Teilen jeder Nation grundsätzlich nicht mehr besteht. Eine andere Lösung gibt es nicht"*). Der gute Ton. Nationaljüdische Kampfesweise. Es ist heute und war auch schon früher wahrlich kein Vergnügen, sich in irgendwelche Auseinandersetzungen mit nationaljüdischen Kreisen einzulassen. Schon, daß man es „wagt" irgendwelche Gegensätzlichkeit sestzustellen, Entschließungen des Vereins mitzuteilew die vom Hauptvorstande oder von der Hauptversammlung gesüßt sind, und die sich gegen nationaljüdische Bestrebungen richten, löst Aufsätze in nationaljüdischen Blättern aus, die in ihrem Ton alles andere erweisen als die „W ü r d e des Judentums", die von nationaLjüdischer Seite stets im Munde geführt wird. Wer die letzten Aufsätze in diesen Blättern gelesen hat, wird unbedingt zugestehen müssen, daß sie in ihrer Aufmachung und in ihren Ausdrücken sich in Bahnen der Anständigkeit und der Achtung vor ehrlicher Anschauung des Gegners bewegen. Eine solche Verkehrslärm ist nämlich in Kreisen Gebildeter und insbesondere in Erörterungen zwischen jüdischen Glaubensbrüdern erforderlich. Wir veröffentlichen im folgenden als Antwort auf die „nationaljüdische Antwort" nur Originaläußerungen der nationaljüdischen Zeitungen, die die Unmöglichkeit dartun, sich sachlich auseinander- Zusetzen. Solche Schimpfkanonade, von der wir hier Proben geben, wird uns — die Versicherung geben wir unbedingt — nicht um einen Punkt davon abbringen, unsere Anschauung über nationaljüdische Dinge und über den Keren Hajessod in freimütiger, aber in stets würdiger, die obigen Grundsätze anerkennender Form auszusprechen, wenn wir es für notwendig halten. Wir werden dies in jeder uns angebracht erscheinenden Form tun, sei es in der Zeitung, iei es im „C. B. -Dien st", der unseren engeren Mitarbeitern regelmäßig zu geht. Nur herzlich bedauern kann man es, daß es anscheinend eher möglich ist, mit anständigen deutschnationalen Organen sich in Achtung vor gegenseitiger ehrlicher Anschauung über Weltanschauungsfragen zu unterhalten, als mit der nationaljüdischen Presse. Verschiedene Weltanschauungen hat. es stets gegeben und wirb es immer geben. Weshalb die Träger einer entgegengesetzten Weltanschauung, weil sie sich erlauben, in notwendigen Fällen, ohne den Gegner zu verletzen, ihre Weltanschauung darzustellen, beschimpft werden müssen, wird keinem verantwortungsvollen deutschen Juden verständlich sein; es sei denn, er kennt die uationaljüdischen ' Kampsesmethoden. Unsere vom Gewissen diktierte Meinung werden solche anhaltende Maßlosigkeiten und Beleidigungen nicht im mindesten erschüttern. *) Von uns fett gesetzt. Die Schriftleitung. Dem nationaljüdischen Organ Schlesiens ist es wieder Vorbehalten, aus der Feder Dr. Rudolf Samuels in einem Aufsätze „Der Centralverein für und wider Palästina" folgendes zu veröffentlichen: „. . . Nun ist es aber leider eine Tatsache, daß die führenden Kreise des Centralvereins von jüdisch-politischen Problemen, zumal außerhalb der schwarzrotgoldenen Grenzpfähle, in ben allermeisten Fällen nicht den Schatten einer schwachen Spur des blauen Dunstes einer Ahnung haben . . . Ein Wort muß aber noch gesagt werden zu dieser Methode, die in internen Zirkeln und in internen Organen Anschuldigungen erhebt, von denen die Betroffenen nur durch Zufall Kenntnis erlangen. Das ist eine Methode des politischen Kampfes, die man vernähe nicht anders als infam und als politische Brunnenvergiftnng bezeichnen kann . . . Wäre nicht das deutsche Judentum in politischen Dingen durch eine grenzenlose Harmlosigkeit ausgezeichnet, so würde diese unsaubere Affäre genügen, damit die hier Verantwortlichen von der Bildsläche verschwinden müßten, und insbesondere aus der Leitung eines jüdischen Vereins . . In einem „Nachwort" des eben genannten Dr. Samuel (Nr. 4 vom 22. Januar d. I.) heißt es: . . Wir glauben aber auch, daß diese Methode des Kampfes mit heimlichen und giftigen Waffen ein Symptom dafür ist, wohin wir steuern . . . Die Antwort des C. V. war eine Hetzkampagne, von der man beinahe sagen muß, das; sie an Niedrigkeit und Verlogenheit ihresgleichen sucht . . ."*) Zu dem Aufsatz „Das unbekannte Palästina" Dr. Alfred Wieners in Nr. 1 der „C. V.-Zeitung", von dem der bekannte Breslauer zionistische Führer Dr. Hugo Schachtel schreibt, „er sei offensichtlich in einem starken Bestreben nach Objektivität und Sachlichkeit geschrieben", äußert sich das maßgebende uationüljüdische Organ Deutschlands, die „Jüdische Rundschau", in ihrer Nr. 4 also: . . Von zionistischen Zeitungen nennt er (Wiener) „The New 'Judaea" und „Haolam", in die er offenbar ebensooft „einen Blick wirft" wie in die ihm wahrscheinlich unverständliche hebräische Presse Palästinas . . . Aber es wäre schade, sich bei diesem frühgeborenen P u r i in - Erzeugnis länger aufzuhalten . . . Was hat also dieser komische Klagegesang Dr. Wieners für einen Sinn? Der Zweck ist offenbar, er ist so plump hervorgekehrt, daß die ganze Tirade fast um ihre schönste Wirkung kommt: der Zweck ist, das von: Keren Hajessod verbreitete Jnsormationsmaterial zu diskreditieren . . Diese „Kostproben" dürsten den Wißbegierigen den weiteren Appetit verleiden! Einzelne der hier veröffentlichten Stellen sind so — „würdig", daß der Strafrichter gegen sie einschreiten würde. Wir sind sicher, daß die jüdische nicht verblendete Öffentlichkeit den gerechten Strafrichter abgeben und das allein mögliche Urteil sprechen wird. Die „Jüdische Pressezentrale Zürich" veröffentlicht in ihrer Nr. 380 vom 22. Januar d. I. eine „Unterredung mit Professor Dr. Franz Oppenheimer", dem bekannten Frankfurter Soziologen. Sie feiert Oppenheimer als einen der hervorragendsten Vorkämpfer der Zionistischen Ideale. Oppenheimer sagt eingangs das Folgende: „Ich bin seit dreizehn Jahren nicht mehr im Lande gewesen und kann deshalb nicht eingehend über einzelnes sprechen. Ich gedenke im Frühling Palästina zu besuchen . . . um mich zu überzeugen, ob ich mit gutem Gewissen für den Keren Hajessod eintreten kann . . . ," Danach ist also ersichtlich, daß Professor Oppenheimer, den die Pressezentrale als hervorragenden Vorkämpfer der . zionistischen Ideale anspricht, sich selbst noch über die Notwendigkeit und Nichtigkeit der Unterstützung des nationaljüdischen Palästinaaufbaues durch einen Besuch des Landes erst vergewissern will. Dr. Wiener ist wegen seines durchaus sachlichen Aufsatzes „Das unbekannte Palästina" in billig-überlegenem Tone abgekanzelt worden — was hat Professor Franz Oppenheimer, dem gewiß niemand Palästinakenntnisse absprechen wird, für seine freimütige Feststellung zu erwarten? __ ter HdlttC Lottes. / Wochenbetrachtung. Die Not des Volkes war auf das höchste gestiegen. Einen Augenblick hatte es geschienen, als ob ihnen in Mose ein Retter erstehen sollte. Hoffnungslos wurde ihre Lage, grenzenlos ihre Verzweiflung, als auch sein mutiges Eingreifen ihnen nicht mehr half. Da erging das Gotteswort an den treuen Führer: „Nun erst wirst du sehen, was ich an Pharao tun werde." Jetzt, wo alle Menschenhoffnung erloschen ist, wird das Volk durch göttliches Eingreifen gerettet werden. Es erfolgt eine neue Offenbarung, die nicht einen neuen Gottesnamen, aber eine neue Deutung des alten Namens kundgibt. Religion war bisher gewissermaßen P r i v a t s a ch e , bezog sich aus das Verhältnis des Einzelmenschen zu Gott. Noch Jakob hatte von dem Gott gesprochen, der Th.ni gleich einem Hirten gehütet, von dem Engel, der ihn von allem Bösen, von seelischem und physischem Leide erlöst. ■) Sämtliche Stellen von uns fett gesetzt. Die Schriftleitung.