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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · p. Seite 51

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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££j££ttlt£tt ♦ ♦ ♦ / B«n Artur Schweriner. Als ich während einer Fahrt an der belgischen Küste entlang den Kommandanten des stolzen „Albert Ball in" trotz schönsten Wetters unentwegt auf der Wacht sah und mich darüber wunderte, daß er nicht einmal Zur Tischzeit die Kommandobrücke verließ, sprach Kommodore Kier das klassische Wort: „Wenn die Passagiere am sorglose st en sind, sind sie am mersten in Gefahr. Sandbänke finden sich hier an der „ruhigen Küste" weit mehr als im stürmischen Ozean. Gefahren sehen — das kann auch Herr Schulze; Gefahren rechtzeitig erkennen . . . d a s i st m e i n e s ch w e r e A u s g a b e." Das Flotthalten des C. V.-Schiffes mit der stolzen Flagge „Für Deutschtum und Judentum" ist gleichfalls inmitten eines Meeres von Sorglosigkeit schwieriger als bei sturmbewegter See. Wehe, wenn der Turmwächter dem allgemeinen Nuhebedürfnis erliegt und sich müde reckt und streckt, bis die sichtbare Gefahr ihn aufschreckt. Hindenburg, Kabinett der Mitte, Külz, Severin g — bedeutet das nicht Ruhe und Ordnung? Und wir „Schwarzseher von Beruf" malen wieder einmal Gefahren an die Wand, dre nur in unserer Phantasie leben?! Freunde in Stadt und Land, suchtmit uns die Gefahren Zu erkennen, damit das müßige Frage- und Antwortfpiel: „Wie rst es mit der Katastrophe?" unser Arbeitsprogramm nicht stört. Erbringt nicht die kostbare Zeit mit Auseinandersetzungen, wann mit unfehlbarer Sicherheit wirtschaftliche Unruhen und Bürgerkrieg kommen werden, oder ob die um den Grafen Reverrtlow mit Recht besorgt sind, „das deutsche Volk könnte um die Katastrophe betrogen werden". Ja, Reventlow fürchtet im „Deutschen Tageblatt" vorn 20. Januar 1926 ernstlich, daß die Sehnsucht der Völkischen in diesem Winter noch nicht erreicht werden könnte, „weil Michel, wenn man ihm nur ab und zu ein paar Phrasen in den Hals wirft, so geduldig ist, daß im Vergleich mit ihm der Ochse 'als freiheitsdurstiger Feuerbrand erscheint". Orakeln wir nicht, prophezeien wir nicht, seien wir nicht himmelhochjauchzend und nicht zu Tode betrübt, — sehen wir, wa8 ist und arbeiten wir ohw Unterlaß im C. V. und mit dem C. V- Was ist? Der religiöse, wirtschaftliche und politische Judenhaß ist gegenwärtig in einem Aufblühen begriffen, wie in den schlimmsten Tagen der nachrevolurionären Zeit. Lassen wir die Tatsachen reden. Der Kampf um den Talmud, der durch den Holländer- Fritsch-Prozeß einen gehörigen Dämpfer erhalten hat, lebt wieder aus. Ein Blick in die völkischen Blätter genügt, um zu erkennen, daß in der Aneinanderreihung von gefälschten oder entstellten Sitaten über ganze Seiten System liegt. Man muß auch von eligions wegen den Juden zum skrupellosen Menschen stempeln, um seine Schuld an der gegenwärtigen W i r t s ch a s t s n o t den Massen doppelt begreiflich zu machen. Für ein Blättchen in Erfurt beispielsweise sind diese Fälschungen Lebensnerv. Der Ritualmord schwinde! wird wieder als zugkräftig angesehen, und der „Völkische Beobachter" bringt unter der sensationell am gemachten Ueberschrist „Ein Ritualmord in Kiew" fortlaufend Berichte über den Beilis-Skandal aus dem Jahre 1913. Der Warburg-Fritsch-Prozetz ist irr der gesamten judenfeindlichen Presse auf Befehl einer unterirdischen Oberleitung in einer Weise verleumderisch ausgenutzt worden, datz man ohne UeberLreibungvon eurer Neuauflage der „Weiseu-von-Zion"-Hetze sprechen kann. Schamlos wird hier ein deutscher Wirtschastskapitän ersten Ranges des Verrats am Vaterlande bezichtigt. Das „Deutsche Tageblatt" darf ungestraft in Niefenlettern über die Prozeßberrchte setzen: „Die Marburgs als Kriegsschuldige", „Deutschlands Henker am Pranger" usw. Das milde Urteil des Berufungsgerichts — 1000 Mark Geldstrafe anstatt drei Monate Gefängnis der ersten Instanz — wird die Völkischen ermuntern, auf dem beschrittenen Wege sortzufahren. Seine durch den Prozeß Grütte-Lehder herbeigeführte Bloßstellung stört Herrn Wulle nicht in seiner Aktionstätrgkeit. Im Gegenteil. In einem JnsormationZbrief vom 14. Januar nennt er die politische Geheimorganisation der internationalen Hochfinanz, die jüdische Weltfreimaurerei, eine Mordorganrsation größten Stils, die all das unermeßliche Leid, den Massenmord der Millionen schaffenden deutschen Me n scheu verschuldet hat. Was Straffer am 20. Januar in Potsdam gesagt hak, scheint in unseren Tagen den wirtschaftlichen Gedankenkreis aller Völkischen zu beleben. „Die Einkreisungspolitik in Deutschland ist eine Folge der j ü d t - scheu g i n ci n 3. Diese Leute haben von London aus alle Völker gegen Deutschland gehetzt. Durch diese Uebermacht ist die Zerschlagung der Volkskraft erfolgt, die notwendig war, damit Deutschland völlig am Boden liegt und sich nicht wieder erhebt." Hand in Hand mit religiösem und wirtschaftlichem Judenhaß arbeitet der p 0 l i t i s ch e. In einer einzigen Nummer des „Deutschen Tageblattes" sind siebzig Versammlungen angezeigt. In Gr 0 ß - Be r l i n sucht man besonders in A r b e i t e t frei [ e 11 Neuland. Für Berlin trifft unbedingt zu, was Hochmeister Mah raun vom Jungdeutschen Orden in einer Niesenwrsaunnluua, am 25. Januar den vaterländischen Verbänden zugeruseri hat. daß sie vollständig bolschewistisch geworden seien. Die Zukunft wird zeigen, wo die Schieber und wo die Geschobenen sind. Viel bedenklicher ist die systematische Verhetzung des flachen Landes. Ein einziger kleiner Ansschnitt ans dem „V ö l k i s ch e n Beobachter" vom'21. Januar 1926 möge unseren Freunden veranschaulichen, mit welcher Gründlichkeit die einzelnen Landstriche bearbeitet werden. ELbe-Havel-Gaut Pg. H as s e lbache r spricht am 21. Januar in G r 0 ß - S ch w e ch L e n, 22. ,, Bochau, 23. „ T a n g e r m ü n d s, 24. „ Trippigleben, 25. „ „ Köckte, 26. „ Schönhaus. en, 27. „ I e r i ch 0 w , 29. „ Kirchmöser I, 30. „ „ Kirchmöser II. Pg. Pfarrer Pal m spricht am 21. Januar in Borst e l, 22. „ „ Stendal, „ Uenglingen, darf, Belkau, 28, „ S Lernfeld. Peulin g e n, N e u e n > Scher, nikau, Kreis Brandenburg: Gauleiter Pg. Bachschmid spricht am 21. Januar in P l a u e (Havel), 22. „ Brande n b u r g, 23. „ Gr 0 ß - Wu ft >e r lu i tz, 26. „ Werde r (Havel), 28. „ Genthin, 29. „ K i t ch m öser II. Die deutschvölkische Agitation beschränkt sich nicht nur auf die Straße und aus die Volksversammlungen, auch in Kommunal-, Staats- und Reichsparlament feiert ihre Demagogi e Orgien. Hier werden die unmöglichsten Anträge gestellt, die Arbeitslosen anzulocken. Um ihre Uneinigkeit in der Fürstenabfindungsfrage zu verkleistern, haben sie den bekannten Enteignungsantrag gegen Ostjuden und „sonstige Fremd stämmige" eingebracht, der am 26. Januar 1926 unter allgemeiner Heiterkeit von dem Nationalsozialisten Frick im Rechtsausschuß des Reichstages verlesen wurde: „Für den Fall der Annahme eines Antrages aus reichsrechtliche Regelung der vermögensrechtlichen Auseinandersetzung mit den früheren Fürstenhäusern wolle der Reichstag beschließen: die Reichsregicrung zu ersuchen, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach 1. das Vermögen der seit 1. August 1914 Zugezogenen Ostjuden und sonstigen F r e m d st ä m m i g e n ohne Entschädigung enteignet wird. 2. der seit diesem Tage durch Kriegs-, Ncvvlutions-, Jnflations- oder Deslatiomsgewinne erworbene Vermvg 0 nszuw a ch s eingezogeir wird. 3. di K r e d r t b a n k e n in die öffentliche Hand überführt werden." Die Heiterkeit der Abgeordneten täusche nicht darüber hinweg, daß a u ch solch u n g e h c u e rlicher Antrag i n m anche u Kreisen als rettende Tat angesehen wird. Datz unter diesen Umständen Pntschgerüchte an der Tagesordnung sind, braucht nicht wrrnderzrmehmen. Ein Berliner Mittagsblatt hat mitgeteilt, daß R 0 ß b a ch i n Berlin ist und einen Putsch für den 27. Januar beabsichtigt hat. Es sei eine stafse lw ei se Besetzung von Charlottenburg bis nach dem Osten vorgesehen gewesen, ebenso die Besetzung einiger Schupokasernen, deren unzuverlässige Mannschaften entwaffnet werden sollten usw. In vielfachen Unterhaltungen mit leitenden Herren der Berliner Polizei ist uns immer wieder erklärt worden, daß man in Groß-Berlin durchaus Herr der Lage sei. Aber schon das „Herr der Lage" läßt daraus schließen, daß man mit allen Eventualitäten rechnet und vorbeugende Maßnahmen nach allen Richtungen hin getroffen hat. Daß man an der Arbeit ist? Daß man die Gefahren kennt. Zunächst tanzt man noch in Berlin. Im größten Saal des Arbeiterviertels veranstaltet Herr Wulle am 8. Februar 1926 ein I o h a n n - S t r a u ß - F e st k 0 n z e r t unter persönlicher Leitung des früheren K. u. 5k. Hofballmusikmeisters. Spitze ntänzerin neu und F r i d e r i c u s Rex tragen den gemischten Gefühlen der Völkischen Rechnung. Ein buntes Volksfest soll es sein. Aber sicherlich noch -—vor dem Putsch.

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