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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-22 · 4 (22.1.1926) · p. Seite 43

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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43 VcrleMifes' Durch unvorhergesehenes Gastspiel der Frau Irene Triesch in Frankfurt a.M. sind wir genötigt, den Irene- Triesch-Holländer-Abend vom 28. Januar 1926 auf Donnerstag, den 11. Februar 1926 zu verlegen. Lokal und Vortragsfolge bleiben. Die gelösten Eintrittskarten behalten Gültigkeit. Kartenbestellungen telephonisch (Dönh. 3593) und schriftlich in unserem Bureau (Verband Gross-Berlin) Lindenstr, 13 haben, und ich bezweifle ebensowenig, daß eine hitzige Parteinahme in Deutschland solche günstige Wirkung zu paralysieren und den polnischen Chauvinismus zu steigern, recht geeignet gewesen wäre. Die letztere Taktik habe ich nicht empfohlen, wenngleich man zugeben kann, daß unter der Fahne der Forschheit Zu marschieren, den weniger Nachdenklichen als ehrenvoller erscheinen mag. Die Fabel ist bekannt von jenen: vorsorglichen Bären, der seinem Herrn die Fliege von der Stirn verscheuchen wollte. Er ergriff ein Felsstück, schleuderte es wohlzielend auf die Fliege, und traf so gut, daß die Stirn des Herrn zerschmettert war; ob die Fliege getroffen wurde, ist mir nicht bekannt; an der treuen Vorsorglichkeit des Bären war jedenfalls nicht zu zweifeln. Im übrigen: Tue deine Pflicht und laß die Leute reden. P. Nathan» von Deutschtum, Judentum und Zionismus. Eine Auseinandersetzung im „Inden". Die früher von Martin Buber herausgegebene Zionistische Monatsschrift „Der Jude" ist nach einjähriger Pause, allerdings nur noch als Vierteljahrsschrift, wieder ins Leben getreten. Die Zeitschrift, die stets aus ein hohes geistiges Niveau hielt, hat als erstes ein Sonderheft über das Thema „Antisemitismus und jüdisches Volkstum" herausgcgeben. Schriftsteller und Publizisten, jüdische und mehr noch nichtjüdische, diskutieren über das Problem der Stellung des Juden im deutschen Kulturleben. Neben Juden wie Arnold Zweig, Jakob Wassermann und Martin Buber kommen Hermann Stehr, Otto Flake, Oskar A. H. Schmitz, Wolfgang Schumann (der Herausgeber des „Kunstwart"), Wilhelm Michel, Heinrich Mann, Alfons Paquet und L. Q u i d d e zu Wort. Autoren mit Namen von bestem Klang. Aber es soll sogleich gesagt werden: die Ausbeute der Diskussion ist sehr gering. Es zeigt sich hier, daß es nicht genügt, ein guter Schriftsteller und Gestalter zu sein; man muß auch die Materie beherrschen, über die man schreibt. Und manche der Aufsätze verraten eine recht große Unkenntnis über Juden und Judentum. Aber ein anderes kommt hinzu: Die Begriffe werden in unklarer, jedenfalls verschiedener Deutung gebraucht. So kommt es, daß der eine am anderen vorbeiredet. Mit Recht schätzt Hermann Stehr daher den Wert derartiger Diskussionen gering ein: „Tie erste Voraussetzung wäre, eine in sich selbst ruhende Definition etwa der Wesenheit des deutschen und des jüdischen Volkes zu geben, um ihr wesensnotwendiges Verhältnis klarzustelleu. Niemand ist das zu leisten imstande. Man muß Relativitäten zu Hilfe nehmen und ist daher mitten in aussichtslosen Verwicklungen." Der Herausgeber hat diese Schwächen wohl selbst empfunden; sühlte er sich doch zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlaßt, noch m demselben Heft mehrere Aufsätze zionistischer Schriftsteller zum Abdruck zu bringen, um aus die Aufsätze von Flacke, Schumann, Schmitz und Michel zu erwidern. Diese Erwiderungen schienen ihm aber vielleicht noch mehr aus dem Grunde geboten, weil in jenen Aussätzen der zionistische Gedanke vielfach sehr chlecht wegkam. Obgleich der Herausgeber sich wohl Hauptächlich an solche Autoren gewandt hatte, von denen er annahm, daß ie für seinen nationaljüdischen Standpunkt Anerkennung hegten, ist - au m e i n e i n z i g e r d a , d e r v 0 n d e m j üd i sche n V 0 l ks - ge danken und dem Zionismus eine Lösung der Juden frage erwartet. Eine Besprechung so verschiedenartiger Beiträge kann naturgemäß nicht alle Aussätze gleichmäßig berücksichtigen, nur weniges, was mir als besonders wichtig erscheint, mag herausgegriffen werden: Hermann S teh r, dessen Urteil über Aussprachen dieser Art ich schon brachte, faßt sich sehr kurz. Er verurteilt die Selbstüberschätzung der Völker, Nassen und Nationen. In dem Maße, wie das deutsche Volk wahre Menschlichkeit pflege, werde der Antisemitismus verschwinden. Noch kürzer, faßt sich I a k 0 b W a s s e r m a n n. In einem ablehnenden Brief verweist er auf sein Buch: „Mein Buch als Jude und Deutscher". Er äußert den Plan, in einem großen Romanwerk die Frage erneut zu entfalten und zu gestalten. Entschieden spricht er sich aber gegen dasNationaljndentum aus: „Nationen gibt es viele; leider. Die Juden haben keine Nation ZU sein. Und Volk können sie nur sein — unter den Völkern, oder über ihnen," - Otto Flake.sieht im Zionismus nur ein Teilproblem. Er billigt ihn „ohne Ueberschätzung seines praktischen Wertes". „Der Zionismus entstand und hat eine Art Verwirklichung erfahren, die ihren Wert besitzt, ohne das ganze Problem lösen zu können. Palästina ist 311 klein, es liegt an einer der gefährlichsten stellen der Erde, es ist von Arabern bewohnt, in den Händcu der Engländer und durch Gegensätze so bunt gesprenkelt wie eine Briefmarkensammlung." Nicht das nationale Denken sondern ein übernationales scheint ihm der Lage der Juden angepaßt. „Nach meiner Meinung — so sagt Flake ist für ein Diasporavolk die gegebene adäquate Haltung der Dienst an den übernationalen Ideen und an der Menschlichkeit oder Menschheit. Spezifisch nationale Stile und Ideen sollte es vermeiden." „Tie Theorie der Gastnation ist Unsinn, wenn man damit anerkennen wollte, daß man nur geduldet sei." Er fordert von den Inden die Bekämpfung des Antisemitismus, ebenso fordert er sie aber auch von den Nichtjuden. „Es genügt nicht, wenn die nichtjüdischen Geistigen sich des Antisemitismus enthalten; sie müssen ihn Zurückweisen." Oskar A. H. Schmitz, der darauf hinweist, daß er dorr mütterlicher Seite jüdisches Blut mitbekommen habe, schreibt in unerfreulicher und sehr oberflächlicher Weise über „Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden". Er teilt die Juden ein in Orthodoxe, Zionisten und „laue" (!) Juden. Der Zionist solle „wie jeder naturalisierte Ausländer behandelt werden, der, ohne mit seiner Herkunft zu brechen, sich seinem Wirtsvolk als Staatsbürger verpflichtet hat." Den „lauen, entwurzelten" Juden empfiehlt er, sie sollten zwar nicht selbst als Erwachsene ein Glaubensbekenntnis ablegen, aber durch die Taufe ihre Kinder 'der Landeskirche Zuführen. Würde Schmitz nur eine geringe Kenntnis des deutschen Judentums haben, dann würde er wissen, daß auch die große Masse der liberalen deutschen Juden weder so „lau" noch so „entwurzelt" ist, daß ihnen ein solcher Schritt zubemutet werden könnte. Aber auch kein ehrenhaft empfindender Nichtjude wird heute noch die Taufe als das Entreebillett zum Deutschtum betrachten. In sehr interessanter Weise schreibt Wolfgang Schumann über „Deutsche und jüdische .Schuld' und Aufgabe". Wenn auch manche Urteile recht einseitig und schief sind und man nicht immer zustimmen kann, so verdienen seine Ausführungen doch ernsteste Beachtung. Er sucht festzustellen, durch wessen Schuld die Lösung des deutsch-jüdischen Problems verhindert worden sei. Die Gesetzgebung habe nichts versäumt; sie habe das Problem aber nur zum Teil lösen können, denn Verwaltungspraxis und mehr noch Gesinnung, Sitte und Konvention hätten die Lösung verhindert. Aber es sei auch weder von jüdischer noch von nichtjüdischer Seite das Erforderliche geschehen, um das Problem zu lösen. Die zionistische Bewegung könne die Lösung des Problems nicht bringen. Das Streben des Zionismus ziele rein mechanisch darauf hin, durch Wegziehen aller Juden oder durch „Abstinentmachen" der verbleibenden dem Antisemitismus auszuweichen. Doch in der Praxis fei das unausführbar. Man dürfe sich daher nicht mit der Hoffnung auf das Erez Israel der Zionisten beruhigen. Aber auch das nichtzionistische Judentum habe nicht das Erforderliche zur Lösung getan. Eine Komplikation liege darin, daß vom Osten nichtasstmilierte Juden einströmen, die den Prozeß der Assimilation immer rückläufig machen. Ferner schasse die Orthodoxie durch die an theologische Regeln gebundene Lebensführung Gegensätze und Konfliktstoff. Aber auch die anderen Gruppen der Judenheit ständen dem Deutschtum vielfach gleichgültig und ablehnend gegenüber und erstrebten doch gleichzeitig in Deutschland eine führende Rolle. Das deutsche Volk wolle aber politischen und geistigen Einfluß nur denen in größerem Umfange gewähren, die „als echte, produktive, mitfreudige, das Volkstum bejahende Glieder des Ganzen" entstunden werden können. Daher verwirft er das Nationaljudentnm. Er verlangt „grundsätzliche Entscheidung Zwischen Erez Israel und Deutschland". Starken Mißverständnissen dürfte aber leicht seine weitere Aeußerung ausgesetzt sein: „es darf keine Juden geben, die im stillen Juden und mit Zähigkeit Juden sein wollen, aber alle Rechte als Deutsche beanspruchen und gar so tun, als seien sie Deutsche — der deutsch markierte Jude." Er. spricht auch hier offenbar nur vom National judentum, denn er erläutert das dahin, daß es nicht bedeute, daß man „das Judentum aufgeben" oder gar „die jüdische Religion preisgeben solle". „Nicht gefordert wird," so sagt er, „gewaltsame Entselbstung und Selbstumnwdelung." Die nichtzionistischen Juden müßten das Kaiser Borax Macht zarten reinen Teint. Heinrich Mack Nachf„ .U>rn.-Vp. } 678^6771

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