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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-22 · 4 (22.1.1926) · p. Seite 38

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 also auch den Diensteid — entkräftet und sie zum unbedingten Gehorsam den Bnndesoberen gegenttber verpflichtet. Wer den Eid bricht, versäht dem Femeqericht. Als Präsident dieses Bundes aber wurde immer — der Landespolizeichef Nädosy ge - n a n n t. Der Zusammenhang ist klar. Nädosy hat einfach Befehl gegeben, dätz seine Bnndesbrüder in den in Betracht kommenden Staatsämtern den ihnen unterstehenden Apparat für die Francsälschungen zur Verfügung zu stellen hätten, und seinem Befehl wurde restlos Folge gegeben. Der Doppelkreuzbund ist aber nichts anderes als eine Zusammenfassung der ehemaligen Weißgarden, die, seit in Ungarn die äußerliche Konsolidierung ihren Anfang genommen hat, in Form von Geheimorganisationen ihr Treiben sortsetzen. Es gibt deren mehrere. Ueber allen steht als Generalstab und sozusagen als Bundesregierung der B l u t b u n d Doppelkreuz. Dieser Gesellschaft unterstehen auch die öffentlich tätigen „gesellschaftlichen" Verbände, deren es siebenundvierzig gibt. Diese Verbände gehören wohl nicht korporativ dem Blutbund an, doch da ihre Führer durchwegs Doppelkreuzler sind, unterstehen sie mittelbar doch dem Nridosyschen Generalstab. Aus ihren Reihen rekrutierte sich das Francvertriebsdetachemcnt. Sie sind das vollziehende Organ des Doppelkreuzes. Znsammenfaffend wird die ganze Gesellschaft mit dem Namen „Rassenschützler" bezeichnet. Sie hat sich nämlich zn ihrer Hanptanfgabe den Schutz der „ungarischen Rasse" gegenüber der jüdischen gemacht. Ihr sonstiges Programm ist Jrredentismus und letzten Endes natürlich ein neuer Weltbrand. Es wird nicht uninteressant sein, hier wieder einmal die Namen der Akteure in Erinnerung zu bringen, soweit sie eine wesentliche. Rolle gespielt haben: W ind isch gr ä tz, Jankovics, Manko dies, Marsovszky, Zadravec, Haits, Gero, Kurz und Trstyansky, wie Nädosy früher geheißen hat. Unter neun Namen nur zwei ungarische! Und von diesen zweien klingt Gerö sehr nach Gutmann oder Gruber oder sonst einem nichtmagyarischen Namen, denn er gehört zu denen, die zur Zeit der Namensänderungen besonders in Mode waren. Und Desider Räba, der Sekretär Windischgrätz': der ist getaufter Jude und hieß früher sicher Rotberger oder so ähnlich. Lauter Janitscharen . .. Mit Hilfe ihrer hohen Verbindungen genossen die Rassenschützler lange Zeit die ausgiebigste materielle Unterstützung von seiten der offiziellen Staatsgewalt. Die reichdotierten Dispositionsfonds standen sozusagen ganz zu ihrer Verfügung. Doch dann kam Jeremia Smith, der G e n e r a l k o m m i s s a r des Völkerbundes, der für Rassenschutz gar kein Verständnis zeigt und die Geldquellen der Patrioten rücksichtslos verstopfte. Im gegenüber war selbst der Doppelkreuzbund ohnmächtig. Man mußte also Umwege nehmen und sich mit indirekten staatlichen Unterstützungen zufrieden geben. Diese flössen gerade in der letzten Zeit — ungefähr parallel mit den Francfälschungen — in sehr reichem Maße, so daß die Informationen, die von einer unmittelbar geplanten großen Aktion der Rassen sch ü tz l e r sprechen, nicht von der Hand zu weisen sind. Mitte Dezember wurde bekannt, daß der Innenminister Ivan v. Rakovsky die Herstellung des A m t s b l a t t e s der Druckerei der Rassenschützler anvertraut hatte, womit er dem in tiefster Agonie liegenden Organ Gömbös' neue Lebenskräfte einhauchte; achtundfünszig Jahre lang war das Blatt in der Athenäumdruckerei hergestellt worden, die Eigentmn des liberalen „Est"- Konzerns ist. Gleichzeitig drangen die ersten Nachrichten von einer T o mbolako nz ess i o n in die Oeffentlichkeit, die zwei Exponenten des Verbandes der „gesellschaftlichen" Vereinigungen erhalten hatten. Während alle anderen 'Verlosungen von privater Seite aufs engste begrenzt wurden, bekamen die Rassenschützler ein großzügiges, auf fünfzig Jahre anberaumtes Lotteriegeschüst in die Hand. Sie verkauften die Konzession alsbald (an einen jüdischen Unternehurer), was wieder als Beweis für ihr dringliches Geldbedürfnis kommentiert wird. Bezeichnend ist, daß auch die Tvmbolaaktion von der Po st Sparkasse finanziert wurde, die statutenmäßig überhaupt keine Privatkrcdite geben darf. An der Spitze dieses staatlichen Unternehmens steht eben auch einer von den Blutsbrüdern, der Präsident des Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen, Gabriel Baroß. Für ihn war der Auftrag des Blutbundkommandos eben bindender als das Statut der Postsparkasse. Erinnern wir uns nun auch noch an den Oktoberkongretz der ungarischen, rumänischen, österreichischen und bayerischen Antisemiten, über den an dieser Stelle seinerzeit berichtet wurde, und halten wir uns daneben die von Sauerwein im „Matin" veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen Jankovics' vor Augen, wonach an den Beratungen über die Francfälschnngen der Hossekretär des Erzherzogs Friedrich (des Bakers Albrechts) teilnahm, so finden wir leicht die Antwort auf die Frage nach den Zielen und ausländischen Verbindungen der Fälscher. Diese Antwort, die sich aus dem Neben- und Nacheinander der Vorgänge und aus den allbekannten Zielen der Akteure logisch von selbst ergibt, sei hier auf Grund positiver Informationen des näheren entwickelt: Die Internationale der Antisemiten betrachtet seit Jahre» Ungarn, Mo ihre Organisationen am besten ausgebaut sind, als die Avantgarde ihrer Bestrebungen. Ihm ist eine ähnliche Rolle in der Weitzen Welt zugedacht, wie sie Rutzland in der roten Welt spielt. Noch im Jahre 192t» sollte in Ungarn offen die weitze Diktatur ausgerufen werden, und zwar unter dem Szepter des jungen Albrecht, der — wieder ein verdächtiges zeitliches Zusammentreffen — Ende des vergangenen Jahres zum Go uverneurprästdenten aller Rechtsverbände ansgerusen wurde. Für Albrechts Kandidatur machte in Rumänien Profeffor Cuza unmittelbar nach seiner Rückkehr vom Budapestcr Antisemitenkongretz lebhaft Propaganda. Vom antisemitisch-weitzen Ungarn sollten Dann zunächst Rumänien, das am meisten für derlei inkliniert, Bayern «nd Oesterreich angesteckt werde«. Datz man von Ungarn und nicht vom fafeistischen Italien die Initiative zur Erhebung der Rationalisten aller Länder erwartete, hat feinen Grnnd in der ablehnenden Haltung des Faseismns der anttsemitischen Internationale und überhaupt dem Antisemitismus gegenttber und in den wiederholten Erklärungen führender Faseisten, das; der Faseismns eine spezifisch italienische Sache sei, die sich nicht internationalisieren lasse. Inwieweit an den Francsälschungen deutsche Hakenkreuz l e r unmittelbar beteiligt sind, ist noch nicht klar, denn Prim Windischgrätz und Polizeichef Nädosy. die allein darüber Bescheid wissen, schweigen. Sicher ist jedenfalls, daß Nädosy die engsten Verbindungen mit nationalsozialistischen Kreisen unterhielt. Er hat im Interesse der deutschen Hakenkreuzler schon einmal die internationale Reputation Ungarns auss Spiel gesetzt, als er seine schützende Hand über die Erzberger-Mörder Schulz und Tylessen hielt, die sich monatelang ««- behelligt in der ««mittelbaren Nähe von Budapest, in der T«tenyer Villa Julius Gömbös' aushallen dursten. Es sei hier kurz an die damaligen Vorgänge erinnert: Ein Journalist entdeckte die Mörder und erstattete, ehe er ein Wort darüber veröffentlichte, die Anzeige. Die Polizei rührte aber nicht an die Gäste, indem die verschiedenen Polizeidirektionen die Kompetenz zum Vorgehen gegen sie einander zuschoben. Schließlich sah mau sich aber unter dem Druck der heimischen und der ausländischen öffentlichen Meinung doch gezwungen, Detektive nach Tetöny zu schicken. Inzwischen haue Tylesien das Weite gesucht. Schulz wurde verhaftet, es vergingen aber volle sechs Wochen, bis cs gelang, seine Identität mit dem Erzberger-Mörder nachzuweisen — und dann wurde seine Auslieferung verweigert. Auch hier hatte Nädosy die Hand im Spiel. Es ist nicht anzunehmen, daß sich seine Beziehungen zu den deutschen Gesinnungsgenossen seither wesentlich gelockert hätten. Die Annahme, es handle sich bei den Francsälschungen eigentlich nur um ein durch Ungarn vollzogenes deutsches A ttent a t, wäre aber g a n z u n b g a r s a l s ch. So weit gehen nicht einmal die hier weilenden französischen Beauftragten, so sehr sie sich sonst für die deutschen Zusammenhänge der Affäre interessieren. Die irredentistische Aktion, die die Fälscher vorgehabt zn haben behaupten, sollte sich übrigens ausschließlich ans ungarische Interessen beschränken, und wäre auch nur Nebeuziel gewesen, denn das Hauptziel war die rein innenpolitische Durchsetzung der nationalistischen Diktatur in den Ländern des geplanten antisemitischen Blocks, vor allem und unmittelbar in Ungarn.

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