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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · p. Seite 28

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Gleichberechtigung -er spanischen Iuöen. Ein wichtiges Dekret des Königs. Don E. D. Rodino, Redakteur von „El Jmparcial", Madrid. Kürzlich verbreiteten jüdische Blätter eine Nachricht aus London, der zufolge der General Prima de R iv era , das Oberhaupt des spanischen Direktoriums, erklärt haben sollte, daß ein Jude nicht Bürger Spaniens werden könne, es sei denn, daß er zum katholischen Glauben übertrete. Wir haben uns an die spanische Gesandtschaft in Berlin gewandt, um zu erfahren, ob diese Meldung auf Wahrheit beruht. Die Gesandtschaft erklärt uns daraus, daß diese Meldung falsch sei, daß vielmehr Primo de Nivera den Juden die Einbürgerung in Spanien durch ein Dekret erleichtert habe. In dem gleichen Sinne schreibt uns der Redakteur der Madrider Zeitung „El Jmparcial", E. D- Rvdiüo. Die S ä) r i ft l e i t u ng. Die Meldung, daß Juden nicht spanische Bürger werden könnten, entspricht nicht den Tatsachen und entbehrt jeder Grundlage. Die Juden können vielmehr nach den gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie die Angehörigen anderer Konfessionen spanische Untertanen werden, ohne sich katholisch taufen zu lassen, denn es herrscht in Spanien volle staatsrechtliche Gleichberechtigung. Die Einbürgerung der Inden in Spanien wnrde aber noch erleichtert durch ein königliches Dekret, das das militärische Direktorium unterm Vorsitz Primo de Riberas am 20. Dezember 1924 erlictz. Das Dekret erläßt weitgehende Bestimmungen zur Erleichterung der Erlangung der spanischen Nationalität für die Juden spanischer Abstammung, der sogenannten „Sephardim". Diese leben jetzt zum Teil in Holland und England, die meisten aber im Balkan. Biele von diesen „Sephardim", die auch „Sefarditen" oder spanisch „cspaniole" (espanol — spanisch) genannt werden, besitzen auch heute noch von allersher die spanische Nationalität oder stehen staatsrechtlich unter spanischem Schutz. Es herrscht unter den Juden im allgemeinen eine bedauerliche Unkenntnis über die Rechte der jüdischen Religion und der Juden in Spanien. Man denkt immer noch an die Jahrhunderte zurück, da die Austreibungen der Juden und Mauren stattsauden und die Inquisition herrschte. Diese Unkenntnis ist für uns Spanier von heute höchst bedauerlich, und zwar nicht bloß wegen der falschen Meinung, die über die Möglichkeiten für die Juden in Spanien daraus entsteht, sondern auch wegen der ungerechten geschichtlichen Beurteilung, die solch ein Mangel an Kenntnis gewöhnlich zur Folge hat. Deshalb sei mir erlaubt, hier einige aufklärende Worte über die Stellung der Inden in Spanien zu sagen. Bor ihrer im fünfzehnten Jahrhundert erfolgten Ausweisung genossen die Inden in Spanien vollständige Gleichberechtigung und hohes Ansehen, und viele von ihnen bekleideten wichtige Steifen und erreichten die höchsten Ehren durch Könige und Fürsten. Es gab sogar jüdische Staatsminister und 'Lchatzkanzter in Spanien. Als Spanien durch die Vermählung Isabel las v. Kastillieu mit Ferdinand v. A r a g 6 n und durch die Vertreibung der letzten Mauren nach der Eroberung von Granada seine nationale Einheit erreichte, erfolgte die Ausweistmg der Juden und Mauren ans nationalistischem Ueberlchwaug, der das Land ergriff, nachdem der Befreiungskrieg gegen die Mauren acht Jahrhunderte ununterbrochenen Kampfes gedauert hatte. Jene Ausweisung, die damals zweckmäßig schien und als Gebot der Stunde galt — heute wiederholt sich das Schauspiel bei den neugegrnndeten Staaten —, erwies sich später als eine verhängnisvolle Maßnahme; viele spanische und fremde Geschichtsschreiber sehen in ihr sogar die Grundursache für den Untergang Spaniens. So war es auch ohne Zweisel, denn mit der Ausweisung der Juden, die in jeder Beziehung in Spanien sehr hoch standen, gingen unschätzbare Reichtümer, materieller und geistiger Natur, ebenso unersetzliche schöpferische Kraft für immer in das Ausland verloren. Später einsetzenoe Verfolgungen richteten sich' nicht allein Ugew die Juden,, die. heimlich oder getauft in Spanien geblieben waren, sondern gegen alles, was nicht streng katholisch war; und warm nicht nur auf Spanien beschränkt, sondern entsprechen der Zeitstimmimg ganz Europas. Unter den Härten jenes Geistes, der von blntfremden Monarchen in Spanien cingeführt wurde, hatten nicht zuletzt die spanischen Katholiken selbst schwer zu leiden. Jene Zeiten und jener Geist sind längst und für immer vorüber. Im Spanien von [icutc ist, obschon die Staatsreligion die katholische ist, jede andere Konfession erlaubt, und zwar nicht mir nach der Verfassung, sondern diese Duldung entspricht durchaus dem Geiste des spanischen Volkes, das jeden anderen Glauben voll Verständnis und - Ächtung gegenübersteht. Dem spanischen Volk ist jeder Fanatismus in religiösen Dingen fremd, wenn auch gewisse Gebräuche und Ueberlieserungen aus manchen eilig durchreisenden Ausländer einen aride* ren Eindruck machen mögen. Auch wird die Macht der katholischen Kirche im heutigen Spanien im Auslande meistens überschätzt. Juden verschiedener Nationalitäten, darunter auch der spanischen, leben in Spanien in staatsrechtlich voller Gleichberechtigung. Sie werden nur nach ihrem Tun beurteilt und behandelt, nicht nach ihrer Konfession, die sie in keinem Falle zu verheimlichen brauchen. Es ist vielmehr seit langem eine große Bewegung, an der hervorragende Persönlichkeiten aus allen Gebieten beteiligt sind, im Gange, um die soziale und gesellschaftliche Stellung der Juden zu heben und die Annäherung zwischen jüdischen und anderen Kreisen in Spanien in die Wege zu leiten. Aus diesem Geiste der Duldung ist das königliche Dekret Primo de Riberas entstanden. Und dieses Dekret wird, da es bis Ende 1930 in Kraft bleiben soll, den Juden spanischer Abkunft die Wiedererlangung der spanischen Nationalität erleichtern. Gbst- und Gemüsebau. Früher: Aufruf, jetzt: Warnung. Wiederholt hat der Bodenkulturverein schon vor Jahren auf den notwendig eintretenden Niedergang der B o l k s w i r t s ch a s t, insbesondere der kaufmännischen Berufe, und die notwendige Berussumschichtnug zu den gärtnerischen Berufen hingewiesen. Zur Ermöglichung dieser Berussänderung war den Gemeinden noch vor und während der Inflation nahegelegt worden, ihr Vermögen in geeigneten Grundstücken auzulegen. Jetzt hat es sich verflüchtigt, da die Gemeinden diesen Rat nicht befolgten. Zu guter Tat aber ist es niemals zu spät; die Verhältnisse haben sich insoweit geändert, als derartige Grundstücke jetzt pachtweise nicht zu teuer erhältlich sind. Die Gemeinden haben die Pflicht, den schweren Zeiten, denen sie und ihre Mitglieder entgegengehen, vorzubeugen; Der Obst- und Ge m ü s e b a u nährt noch immer seinen' Mann, und ist er auch schwer, so ist er doch unter geeigneter Leitung leicht zu erlernen und erträglich. Die Anlage selbst erfordert außer einer Wasserleitung, die gewöhnlich in den Städten vorhanden ist, und den nötigen Geräten keine erheblichen Kosten, und der Betrieb kann nach Erledigung der Boden- und Verwaltungsfrage rasch ausgenommen werden. Alle allgemeinen Arbeiten, wie Pflügen durch Pferde, Beschaffung von Dünger, Bewässerung, müssen aus gemeinschaftliche Kosten erledigt werden; tunlichst auch Konservierung und Verkauf der Erzeugnisse, Gemüse und Obst, soweit nicht einzelne Unterpächter dies für den eigenen Haushalt oder für eigene Rechnung ausführen wollen. Die geradezu furchtbaren Zustände der jüngsten Zeit lassen eine k a t a st r o p h a l e Zukunft erschauen, und es muß nach verschiedenen Richtungen auch allgemein volkswirtschaftlich borge sorgt werden. Die hier in Aussicht genommene Tätigkeit kann Tausenden Erwerb bringen, llnd überdies sind die hier zu erbauenden Produkte für die Ernährung um so wichtiger, als sie bisher teilweise aus dem Auslande cingeführt werden und die Handelsbilanz, somit den wirtschaftlichen Stand verschlechtern. Es muß drin ge u d ge w amt werden, angesichts der noch nie in solcher Schärfe bestehenden Notlage, die Hände als aussichtsloses Bemühen m den Schoß zu legen, im Gegenteil muß allenthalben und sofort — da jetzt die geeignetste Zeit zur Vorbereitung dieser Maßnahrnen ist — mit allen Kräften an die Lösung der Ausgabe heraugegangen werden. Geh. Barreat E. Frankel (Charlottenburg). Niedriger hängen! Methoden zionistischer Berichterstattung. Die „JtM (Jüdische Telegraphcn-Agentur) bringt in ihrer Nummer 886 einen ausführlichen Auszug aus dem Schwerinerschen Artikel in der letzten Nummer unserer „C. V.-Zeitung": „Eine H o ch bürg der V ö l k i s ch e rt. Was g e h t auf den S i e in eus - Werken vor?" Die „W i e n e r Morgen-- Zeitung" vom 30.Dezember 1925 gibt den Bericht der „JtaK wieder, um daun in einem Kommentar zunächst festzustellen, „daß das Siemens-Unternehmen mit dem Judenmord einen Kompromiß macht". Eine lächerliche U eb e r t r eib u n g, die geeignet ist, ernstem Streben nach Besserung hinderlich in den Weg zu treten. Daß aber das Zionistenblatt diese wirklich ungünstige Gelegenheit benutzt, sich au dem Cen tralv erern zu reiben, wird man kaum für-möglich halten. Und doch heißt es in dem Kommentar wörtlich; Dann aber zeigt sich eine grundsätzliche Ablehnung des Centralvereius, irgendwie als Wortführer rein jüdischer Interessen angesehen zu werden. Er fürchtet eine solche Eventualität. Jaweshalb protestiert er dann eigentlich? Er hat genau den Standpunkt der Brrdapester Assimilarrten, die auf jüdisches Recht verzichten, wenn ihr Politisches Geschäft in Frage kommt. Die Psychologie der Assimilation ist überall die gleiche, und das ist mit ein Grund für das Aufblühen des Antisemitismus. Wir begnügen uns.damit, diese eigenartige Berichterstattung niedriger zu hängen.

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