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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 p'undsäklicke Gleichberechtiqlmq im Staat ist noch nicht so rlt, daß sie' sich schon völlig hätte durchsetzen können. Nur surch Sammlung aller Kräfte und durch Opfermut jedes einzelnen, durch unermüdliche Arbeit, nicht aber durchs unfruchtbare Kritik, kann uns geholfen werden. Die jüdischen Deutschen werden die Zeiten überwinden, ivenn sie jüdisch u n d deutsch im besten Sinne des Wortes sind, wenn sie nicht ihr Heil außerhalb Deutschlands sehen, das nur auf der deutschen Heimaterde, im angestammten Glauben lind in der Wahrung des Gefühls für unbedingte Aufrechterhaltung von Recht seine Durchsetzung finden kann. An diesen Grundsatz mögen alle Ortsgruppen und Landesverbände nachdrttcktichst erinnert fein. Ludwig Holländer Eine neue deuischvölkische Partei. Unter Führung von: Bacmeifier, Bang, Maß, Düsterberg, Th. Fritsch, Henning. Prinz Oskar von Preußen, Jürgen von Ramm, Dietrich Schäfer, Stadler, Max Wundt u. a. — Der erste Aufruf. — Wo -leiben Hitler, Ludendorff, Wulle und Kunze? Ueber Nacht ist, um einem sicherlich dringenden Bedürfnis zu entsprechen, eine neue völkische Partei entstanden, die sich unter der Parole: „Einig im Dienste am Volk" zusammengeschlossen hat. Die „D e u L s ch e Zeitung" bringt in ihrer Morgenausgabe vom 12. Januar auf der ganzen ersten Seite einen Ausruf, der ein Programm der neuen Partei bedeutet. „Deutsche Notgemeinschast" soll ihr Name sein: „Unser deutsches Volk steht i nve r zw ei s el t e r N o t —- in einem Zustand, der entweder rasch durch eine gewaltige Willensanstrengung überwunden werden muß oder mit dem Untergang endet. Diese Not im einzelnen zu schildern, ist angesichts der Wirklichkeit nicht mehr erforderlich. Jeder kennt sie — jeder spürt sie am eigenen Leibe und sicht dem vollkommenen Zusammenbruch bang entgegen. A u ß e n p o l i t i s ch hat sich unser Elend gesteigert, indem die Regierenden seit Versailles eine freiwillige Unterwerfung der anderen haben folgen lassen — zuletzt durch die sogenannten Locarno-Verträge. Was unser Volk jetzt zu leiden hat, ist mitsamt dem Schlimmeren, das vor ihm liegt, selbst verschuldet —ist ein A u s - s l u h des M a ssen w a h n s. Unsere einst so stolze und starke Wirtschaft ist m a r xi st i s che n Regie r nngsk unftcn e r l ege n : die vordem unangreifbare Machtstellung des Vaterlandes ist in schmähliche Machtlosigkeit gewandelt — in der Hauptsache durch die Schuld der Masfenparteien. Wir sind Knechte geworden und sollen es nach dem Willen - der Feinde bleiben. Wir werden es bleiben, ivenn die Urheber solchen Unheils weiterhin die Geschicke des Voltes lenken. Wir sind arm, bettelarm geworden und werden verhungern, wenn wir den heutigen öffentlichen Zustand weiter ertragen. Der h e r r s ch e n d e P a r l a m c n t a r i % in u §, das P a rtei - u n io e s e n muß den d e u t s ch e n U n t e r g a n g besiegeln, wenn i h m nicht ein Ende bereitet w i r d. Ihn dies zu erreichen, ist der Z us a m m e n s ch l u ß aller derer geboten, die gleicher Erken n t n i s sind — einerlei, zu welcher vaterländischen Gruppe sie gehören. Ans der letzten Not des Vaterlandes muß die Notgemeinch a f t derer entstehen, denen das Volk über der a r t e i „ denen das G a n z e ü b er der Grupp e st e h t. Es gilt der S e l b st v e r n i ch t u n g Einhalt zu gebieten durch den Zusammenschluß der Erkennenden, zur Selbstzucht Bereiten. Es gilt durch ihn in letzter Stunde die Umkehr zu erzwingen.;öo erklären wir, die wir den verschiedensten Gruppen und Parteien angehören, um den Anfang solchen Zu>* f a in menschlnsses z u m a ch e n und um durch die Tat zu beweisen, daß auch auf deutschem Boden Männer leben, die dem Gesamtwohl ihre Eigenbestrebungen unterordnen, uns zu gemeinsamem Kamps für die Rettung unseres Volkes entschlösse n. Wer gleichen Willens ist, wirke an seiner Stelle im gleichen Sinn! Heil dem deutschen Volk! B e r l i n , im Januar 1926." Oberfinanzrat Dr. Bang gibt einen Kommentar zu dem Aufruf, in dem er betont, daß die jetzige Wirtschaftskrise letzten Endes äußere und innere Veranlassung für die Gründung der neuen Partei gewesen sei. Nur verblendeter Aberwitz und gewissenloser Leichtsinn seien noch optimistisch. Der Aufruf richte an alle vaterländisch Gesinnten die Aufforderung, sich jedes Bruderzwistes zu enthalten, alle M i ß v e r ft ändnisse g ii b e graben, alles äußerlich Trennende zu vergessen, um das Letzte und Schwerste vom deutschen Volke abzuwehren. Die politische Seite der Neugründung darf hier nicht von parteipolitischen Gesichtspunkten aus interessieren. Der Aufruf v e r m e i d e t e s sorgfältig,'die „I u d e n f r a g e" zu berühren, und Oberfinanzrat Dr. Bang pariert, soschwer es ihm auch gefallen fein mag. Ordre. Und doch dürfen wir uns nicht taub und blind stellen. 'Neben dem' Stahlhelmführer Düsterberg finden wir als Unterzeichner des Aufrufs den unentwegten „Wahrheitskämpfer" Theodor F r i t j ch; neben dem General Otto v. Bel o w den bekannten radikalen Judenhasser Major a. D. Henning; neben dem Universitätsprosessor Dietrich Schäfer den antisemitischen Heißsporn Jürgen v. N a m i n; neben Geheimrat Kirdorf aus Duisburg den demagogischen Professor Werner (Gießen); neben Prinz Oskar von Preuße n den Münchener Verlagsbuchhüudler L e h m a n n und neben dem Werstdirektor Gock aus Altona die Seele der „Norgememschast": Justizrat El aß, den Gewaltigen der „Deutschen I e i t u n g". Welches sind wohl die Gründe für das plötzliche Erstehen der „Notgemeinschaft" gewesen? Uns scheinen solgende Vorgänge maßgebend gewesen zu sein: K unze und W u l l e, aber auch Hitler und Ludendorfs haben den völkischen Gedanken geistig heruntergewirtschaftet. Das haben selbst jene Unterzeichner allmählich mit Schrecken eingesehen, deren eigene geistige Armut sich in ihrer öffentlichen Tätigkeit auf Schritt und Tritt zeigt. Einen großen Teil der Mitgründer - es sind verhältnismäßig viele Industrielle unter ihnen — hat ohn-e Zweifel die wirtschaftliche und politische Verirrung, durch dieheute die Nationalsozialistische Parte i beherrscht wird, zu dem neuen Unternehmen veranlaßt. Ein Blick in den letzten „K a m p s b r i e f" der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei",— in Schreibmaschineuschrist vertraulich für die FunUiouäre bestimmt —, den uns ein günstiger Wind aus unseren Schreibtisch geweht hat, genügt, um diese Irrungen nicht nur vorn Standpunkte eines Werstdirektors aus als unerträglich zu erkennen: „Gebt die Eckeuer-Speude den Kriegsblinden, den Arbeitslosen, gebt die Hoheuzollern-Abfindung nach Verzehnsachung dazu - , und der Staat von heute hätte eine Kleinigkeit, ein Almosen für unsere Volksgenossen, denen der Tod au der Kehle sitzt, zu geben . . . Auf dem'badischen Industrie- und Harrdelstag in Karlsruhe wurde uns der Rat gegeben, gesund hungern und länger arbeiten! Heute schon ist die Not groß genug, heute schon erkennt jeder, wohin der Weg führt. Heute schon weiß jeder, daß nur der zielb e w u ß t e K a m p f a Tf e r c h v l i ch S eh affenden gegen H e r g L bis H e i l m a u u, gegen alle staatserhattenden Parteien eine Notwendigkeit ist. Was nützen uns die sozialen Forderungen der Deutschnatioualou bis zu den Sozialdemokraten hinüber, »venu diese bereit sind, für einige Minister geh älter ihre eigenen Volksgenossen zu verkaufen . . . Reichswehr und Polizei, angeblich nationale und reaktionäre Wehrverbünde, iverden sich freuen, aus unsere arbeitslosen Volksgenossen schießen zu können . . . Unter den roten Hakenkrenzfahnen ist euer Platz ats revolutionäre deutsche Arbeiter." Die völkische Neugründung ist, wie wir sie sehen, ein Vers n ch der Vergeistigung des heruntergekommenen Hakeukreuzgedankens, wie ihn der „Hakenkreuzler" vertritt; eine Kampfansage an den politischen und wirtschaftlichen Radikalismus der Wulle und Kunze, der Hitler und Ludendorsf; e i n A u f - lehnen der Männer aus G e h e i m r a t s st u b e und W e r k k o n t o r gegen die völkisch-kommunistische Straße. Wir werden die Tate n der „Notgemeinschast" abwarten. Wir wissen, daß trotz der flehentlichen Bitte, einig Zu sein, im Hitler- und Wulle-Lager bereits leidenschaftlicher Unwille gegen den „Verrat an der heiligen völkischen Sach e" lautgeworden ist; daß man dort spöttisch die „Notgemeinde" eine Niederknüttelung der armen Völkischen durch die Satte n nennt. Aber dieser Bruderzwist darf uns nicht von der wichtigen Aufgabe ablenkcn, die Entwicklung der Dinge zu verfolgen. Aus ein e r ©cm e t n schüft mit Fritsch, Henning u n d Jürgen v. SR mit i n kann d e m deutschen Vaterland Rettung n i ch r werden. Der Wiederausbau Deutschlands wird nicht mit ihnen, sondern nur gegen sie möglich sein. A r t u r S ch w e r i n e r.

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