Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 3 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 niemandem übertressen lassen, müssen aber auch in bezng aus die Durchführung des Grundsatzes „Gleiches Recht für alle im Staatsleben" entscheidendes Gewicht legeil. Wir werden uns auf das Leben des Staates nicht beschränken können. Die Gemeinden sind bei der Vergebungvon Aemtern innerhalb des ihnen zugewiesenen Wirkungskreises keineswegs besser als der Staat. Müssen wir doch täglich die Beobachtung machen, daß die Anstellung j ü d i s ch e r A s s i st e n zärzte an gemeindlichen Krankenhäusern fast alles zu wünschen übrig läßt, und daß es nur wenige Städte sind, die nach dieser Richtung ohne. Borurteil Vorgehen. Die durchschnittliche Tüchtigkeit der ' jüdischen Mediziner wird von keinem verständigen und ernsten Menschen bestritten werden. Um so unverständlicher ist es, wenn auch Männer und Frauen, die sich für vorurteilslos halten, die wissenschaftliche Ausbildung des jüdischen medizinischen Nachwuchses Praktisch unmöglich machen. Wir wollen die Anzahl der besoldeten jüdischen Stadträte und sonstigen Mitarbeiter in den deutschen Städten gar nicht statistisch aufzeichnen, denn wir wissen, daß das Resultat betrüblich wäre und meist in keinem Verhältnis zu der wirtschastlichen und geistigen Bedeutung des jüdischen Bevölkerungsteiles stehen würde. Hier versagt auch oft die politische Partei, deren Programm die Wahrung der Gleichberechtigung der Staatsbürger ausdrücklich enthält. Warum? Aus einer gewissen, inneren Trägheit heraus, die überwunden werden muß und zu deren Ueberwindung wir den Anstoß zu -geben allen- Anlaß haben. Welche Schwierigkeiten jüdischen deutschen Befähigten bei der Erlangung einer ordentlichen Professur bereitet werden, braucht wohl hier nicht in helles Licht gerückt zu werden. Hie und da wird noch immer der üb-erzeugungslose Ueb er tritt zum C h r i st e u t u m von der Erlangung einer ordentlichen Professur abhängig gemacht. Das Gesamtbild ist durchaus unerfreulich und droht, nicht besser Zu werden, wenn nicht unsererseits mit dem erforderlichen Nachdruck Anspruch auf unser Recht erhoben und auch die Gefährlichkeit der bei dieser Praxis vorherrschenden, staatsfeindlichen Gesinnung dargetan wird. & Einer besonderen Beachtung bedarf bei Erörterung unserer Arbeiten auch noch die Rechtspflege. Es sind in der letzten Mt mehrfach kritische Betrachtungen über die Rechtsnot im Deutschen Reiche von einer großen Anzahl von Stellen veröffentlicht worden. Wir sind sicherlich diejenigen, die nach dieser Richtung hin am meisten zu klagen Anlaß haben. Es wurde bereits in diesen Blätterndarauf aufmerksam gemacht, was heute dem deutschen Juden gegenüber alles gestattet ist. Run ist es richtig, daß die Gesetze vielfach versagen; aber schlimmer als dieses Versagen ist das Versagen der Rechtsprechung, welche -die Juden mit anderen Augen ansielst, als die übrigen Bevökkerungsschichten. Wenn Herr Fritsch in der Tezembernummer des „Hammer" auf Seite 474 schreiben darf: „Die Sachverständigen haben verschwiegen, daß im Schulchan aruch. Jo re dea 334, 43, wörtlich geschrieben steht: Wer vor einer nichtjüdischen Behörde Zeugnis ander einen Juden abgelegt und durch dieses dem jüdischen Rechte nicht entsprechende Zeugnis bewirkt, daß der Jude Geld zahlen muß, wird so lauge in den kleinen Bann getan, bis er diesem Juden das Geld ersetzt hat." so beweist das die obenstehende Behauptung. Was soll dagegen unternommen wenden? Selbst wenn der Staatsanwalt die Klage erhebt, so finden sich feiten Gerichte, die diese offenbaren Gemeinheiten nicht durch irgendeine Auslegung des Gesetzes decken und somit der Störung des Rechtsfriedens unbedingt Vorschub leisten. Wir müssen immer wieder folgende Frage auswerfen: Wenn heute ein Jude über Las Christentum schreiben würde, würde es in Deutschland möglich sein, daß eine solche „Frechheit" unbestraft bliebe? Würde nickst mit Recht die ganze Bevölkerung empört sein? Es muß aber durchgesetzt werden, daß der Grundsatz „Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig" nicht nur auf dem Papier steht. Der C. B. ist deshalb mit Vorarbeiten beschäftigt, die aus Anlaß des neuen Strafgesetzbuches die berechtigten Wünsche der jüdischen Deutscherl vortragen werden. Es wird sich aber darum handeln, daß die Ortsgruppen dafür sorgen, daß die Abgeordneten, die ihre.Landesteile vertreten, auch bei der p a rl am en t a v i scheu Behandlung für unsere Wünsche eintreten, und daß wir nicht wieder als die betrübten Lohgerber das Nachsehen haben. — Neben manchem Erfreulichen haben wir in der letzten Zeit erlebt, daß mehrfach die Gerichte große B e s ch i m p f n n g e rl und B e I e id i g u n g e n v o n I u b e u m i t der allergrößten Milde angesehen haben. Wir haben es sehen müssen-, daß man uns ungestraft als „Kampforgani-sation gegen alles, was deutsch denke llnd fühle" bezeichnen kann, und daß die Richter diese schwere Kränkung dadurch straflos zu lassen meinten, die Beleidiger hätten statt „deutsch" im allgenreinen Sinne „dentsch-völkifch" gemeint. Hier wird ausklärend gewirkt werden müssen. Man muß in den weitesten Kreisen einsehen lernen, daß wir jede Herab s e tz ung d u r ch d i e Re ch t s pr e ch u n g als schwere Schande empfinden müssen. Dabei soll nicht verkannt werden, daß gerade durch die jahrzehntelange Tätigkeit des E. V. vieles von deur, was noch vor 30 Jahren wesentlich schlechter gewesen ist, heute bedeutend besser geworden ist. Noch aber sind wir ans dem Wege. # Wenn man die Verhältnisse aus den Universitäten, namentlich in dm Verbindungen, und sonstige!: Hochschulen ansieht, wer beobachtet, wie ,,Ju ngd o", „Wehr Wolf", „D e u t s ch n n t i o n a I e r H a n d l u n g s g e h i l f e n - V e rbaud" und ähnliche Organisationen fortgesetzt geringschätzig über die Inden urteilen, wird sich nicht Wundern, wenn in stärkerem Maße g rohe U n t e r u e h m u u gen b i e A n - stell u n g v o n j ü d i s ch e n P r i v a t b e a mt e n i m Verwaltn n g s lv e g e a b l e h n e n. Das Material, das der C. D. nach dieser Richtung hin gesammelt Hatz ist wenig erfreulich und scheint denen recht zu geben, die von einem Erfolge des sogenannten „trockenen Pogroms" in Deutschland sprechen. Die Gründe, welche für die Ablehnung der jüdischen Angestellten angeführt werden und die sich durchaus auf das Fehlen der sogenannten „gesellschaftlichen Gleichartigkeit" erstrecken, beweisen uns, wieweit wir noch von der Durchs eß u n g d er söge n a nute n Volk s g e m ei n f ch a f - ten in Deutschland entfernt sind. Die Vetternwirtschaft und daL Bestreben, gesellschaftliche Zusammenhänge für wirtschaftliches Hochkornmen zu verwerten,-lassen einen zum Teil recht betrüblichen Bück auf den wirtschastlichen Wiederaufbau Deutschlands fallen, denn wo Empfehlung statt Tüchtigkeit entscheidet, sieht es in bezug auf die Erckwicklung nicht gerade sehr hoffnungsvoll aus. Auch hier wird nun zunächst die Feststellung des Tatsächlichen notwendig sein. Wir wollen dabei nicht dir Oeffentlichkeit scheuen, sofern es sich um die Erörterung der Mißstände auch im einzelnen handelt, und unsere Organisationen im Lande wissen, daß sie bei Erörterung dieser Fragen den erforderlichen Schutz stets bei uns inden werden. I e -d e r K o n f e s s i o n a l i s m u s u n d; e b e S ch n ü f f e l e i n a ch A b st a m m it n g i m W t r t ' ch a ftsleb e u i ft Vers e h l t. Die Menschen, wie die Waren wollen imb sollen nach ihrer B r a u ch b a r k e r t gewertet werden. . Und ebensosehr wie wir eine Bevorzugung der Juden im Wirtschaftsleben durch Juden für schädlich halten, worden wir in gleichem Maße die Benachteiligung von Inden schon im allgemeinen deutschen Interesse bekänrpfen rnüssen. Die Erfüllung aller dieser Ausgaben' wird nur so leichter sein, je mehr wir die nichtjüdische Oeffentlichkeit an der Erfüllung unserer Aufgaben teilnehmen lassen. In unserer Umwelt sehen wir einen großen Teil von Menschen, der fortgesetzt einseitig unt e r richtet wird und der unseren Forderungen ganz anders gegenüberstehen würde, wenn er uns als D e u t s ch e, als M e n \ ch e n, als I it d e n näher kennen würde. Diese Kenntnis nr u ß vermittelt werden. Darum sollten nicht nur Zur .Belehrung unserer Mitglieder fortgesetzt Vorträge gehalten werden, sondern auch allen denjenigen unserer nichtjüdischen Mitbürger, denen an einer Aufklärnng gelegen ist, im vollsten Maße Gelegenheit auch zu Rücksprachen gewährt werden. Uebemll da, wo das mit deur nötigen Geschick und dein nötigen Takt geschehen ist, sind Erfolge zu verzeichnen gewesen. Durch eine große Reihe vorzüglicher Broschüren, denen eine weite Verbreitung zu wünschen ist, kann heute in ganz anderem Maße für Klarheit und Wahrheit Sorge getragen werden. Man sollte endlich die Kleingläubchm in unseren Reihen fahren lassen und alle aus-' lachen, die immer wieder -behaupten, es nützt nichts. Unsere