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Central-Verein-Zeitung · 1926-01-08 · 2 (8.1.1926) · p. Seite 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 ITT. Bei W ü x d i a u 11 g dieses Aufsatzes unb ähnlicher Schreibereien erkennt man zunächst die beabsichtigte Irre - f ü h tun g d u r ch U n w a h r h eite u. Wie kann Blüher den Nachm e's erbringen, daß „das Judentum sagt, die Arbeiterschaft sei Proletariat", ferner daß „das Judentum" behauptet, „die Arbeiterschaft sei berufen, die Wirtschaft zu führen"? Wo ist „ein Judentum", das etwa den Begriff des Proletariats erfüllt hätte? Hat nicht u n b e ft e ch l i ch e und n n p a r t c i i s ch c W i? sens ch a f t schon längst den Begriff des Proletariats festgestellt, ohne daß jüdische Menschen auch mir ein Wort zu diesem Begriff Zu sagen brauchten? Wenn Blüher behauptet, es gäbe kein Proletariat als geschichtlich wirkende Macht, so muß er sich mit der W i s s e n s ch a f t und nicht mit dem Judentum auseinandersetzeu. Dieselbe Unklarheit und Unwissenschaftlichkeit enthält die Behauptung, an der Ruhr sei „an Stelle des Proletariats der deutsche Arbeiter deutscher Nation entstanden", welchen das Judentum habe verhindern wollen. Hier wird der politische Begriff einer angeblichen politischen Neugestaltung, einer neuen Einstellung einer Arbeitergruppe mit der w i r t s ch a f t l i ch e n Einord n u n g v e r w e ch s e l t. Es werden Dinge zusammengestellt, die nicht zusammengehören. Blüher will offenbar die Behauptung aufstellen, daß der deutsche Arbeiter an der Ruhr gewissermaßen aus seiner Haut gesprungen und nunmehr eine Art Bourgeois geworden sei. Auch dies ist natürlich unwahr, und Blüher wird vergeblich nach Beweisen für seine Behauptungen suchen. Das Ganze wird dann noch dadurch abgestempelt, daß das Judentum diesen neuentstandenen Bourgeois angeblich nicht haben wollte. Vielleicht verrät uns in einem nächsten Aufsatz Herr Blüher, wieso das Judentum diesen Arbeiter nicht wollte, durch wen und in welcher Weise es diesen seinen Willen d u r ch Z u s e h e n vermochte. Die Erkenntnis des Herrn Blüher, der heutige Antisemitismus sei nichts anderes als „Neid um die besseren Geschäfte", wird den Gesinnungsgenossen des Herrn Blüher nicht gerade angenehm sein; aber sie können sich trösten. Denn -schließlich dient Herrn Blüher diese Behauptung, von deren Richtigkeit er sicherlich überzeugt sein wird, und die wohl unbestreitbar sein dürste, doch nur dazu, um die Segel herumzuwerfen und um zu Zeigen, daß das innere Haßgesühl jener völkisch Gesinnten nicht durch Blutlachen, sondern durch etwas anderes befriedigt werden müsse. Und darum kommt Herr Blüher zu dem Ergebnis, man müsse die Juden aus Deutschland heraustreiben, aber vor ihnen den Hut abnehmen: Also ein Pogrom in Glacehandschuhen. Dem Juden wird unbewußter Nradel bezeugt. Die Würdigung des Seelen-, Herzens- und Geistesadels wird ihm a l l e i n in die Schuhe geschoben. Alles nur, um Zu zeigen: weil wir Deutsche das nicht in dem Maße besitzen und der Jude uns deshalb überlegen ist, muß er heraus! IV. Welche Folgerungen soll man aus diesen Gedankengängen Ziehen? Man soll zunächst einsehen: hier und anderwärts wird ein Weg gegangen, um die Umwelt einzulullen. Bittere Erfahrung und Leid haben die Menschheit darüber belehrt, daß sich Rohheit und Gewalt im öffentlichen Leben gegen die eigenen Anhänger zu wenden pflegt. Diese Erkenntnis wächst auch in judenfeindlichen Kreisen mehr und mehr. Deshalb wird mit dem Blasen einer Rattensängerrnelodie begonnen -- wird die Rohheit mit allen möglichen gemütlichen Feinheiten umkleidet. Ja nicht schimpfen, ja nicht schlagen, ja nicht morden, im Gegenteil: mit den W o t i e n g ü tig , in 11 der Zeit grau s a m. Es ließe sich leicht zeigen, daß auch in ganz anderen Richtungen unseres, öffentlichen Lebens dieselbe Tonart vorherrscht. Wir müssen sie nur sehen lernen und erkennen, was wir zu tun haben, um ihre Hohlheit und ihre Unaufrichtigkeit zu entlarven, der Heuchelei ihrer Gedankengänge nachzugehen und dafür sorgen, daß alle Klardenkenden und Anständiggesinnten ihren wahren Charakter verstehen. Dann wird auch dieser neue Weg das gleiche Ende finden wie feine blutigen und blutrünstigen Vorgänger: nämlich die Ablehnung durch alle Anständigen, Erfahrenen. Ludwig Holländer. MmeOrecher als Geschichtslehrer. Als Geschichtsfo r sch er ist Max M-aurenbrecher, der bekannte völkische Führer, schon vor zwanzig Jahren mit seiner „Hohenzo l l e r n - L e g e n d e" hervorgetreten. Das zweibändige Werk ul Lexikouforma-t stellte sich die Aufgabe, die „Verlogenheit" des damals betriebenen „vaterländischen" Geschichtsunterrichts nachzuweisen. Der damalige Sozialdemokrat MaurenLrecher konnte mit seinem Erfolg Zur Zell sehr zufrieden sein — heute wird ihm diese Erinnerung an seine Jugendsünde wohl einigermaßen peinlich sein. Tie veränderten Verhältnisse — und nicht zu vergessen — auch die inzwischen geänderte Weltanschauung lassen Maurenbrecher nunmehr auch als G e s ch i ch t s l e h r e r völkischer P r ä - gung anftreten. In dem bekannten pädagogischen Verlag von Hermann B e h e r & Söhne in Langensalza hat er eine Schrift: „Völkischer Geschichtsunterricht. Entwurf eines Lehrplanes" erscheinen lassen, die Stofs und Behandlung dieses wichtigen Faches für die höhere Schule eingehend darstellt. Nun ist es nicht ohne Äeiz, sestzustell-en, wie sich mit der politischen Wandlung Maurenbrechers auch die Einstellung zu den geschichtlichen Tatsachen und ihre Wertung geändert hat. Dafür nur zwei nahe beieinander liegende Beispiele. An Friedrich Wilhelms wird im „Völkischen Geschichtsunterricht" gerühmt: „Durchbildung der preußischen Armee und des preußischen Beamtentums. Schassung einer besonderen Zucht im preußischen Staatsgedauken." (S. 61.) I. Herrschertätigkeit In der „H o h e n z o l l e r n - Legend e" heißt es dagegen nach eingehender Darstellung der Degradierung des Beamtentums und des Barbarismus in der Armee: „Man muß diese Züge von Roheit, Willkür und Ablehnung höherer Kultur Zu dem bisher gezeichneten Bilde des militaristischen Kapitalismus hinzunehmen, um die Eigenart des Königs Friedrich Wilhelm I. ganz zu übersehen . . . Nur weil er der kulturelle Barbar war, der Gelehrte .für „Salbader und Narren'' hielt und kostbare Marmorbüsten für Dragonerregi-- menter verschenkte, konnte er der Mann werden, der die Monarchie vor ihrem finanziellen Ruin retten und das zermürbende Mißverhältnis zwischen Wollen und Können endlich zu überwinden verstand/' (Band II, S. 417, 418.) Don Friedlich dem Grotzcrr Mstd im „BMischen Geschichts- Dagegen in der „Hohenunterricht" gesagt: z o l l e r n - L e,g e n d e": „Die Jugend Friedrich? des Großen „Mit der erzwungenen Berwird ausführlich erzählt als Beiheiratung endet die Jugend des spiel, wie auch der Königssohn dieser Kronprinzen Friedrich. Noch hat Zucht unterstellt wird, und wie er et wenig robuste Kraft, wenig sich, trotz persönlich ganz anderer durchgreifenden Willen gezeigt. Veranlagung, ihr schließlich freizgeicher iind zarter Gefühle voll, Ä leidenschaftlich aufbrausend und Kraft gewinnt. Pwußens größter dann doch gehorsam zusammen- König zu werden. Das Vorbildknickend, empfindsam und rührselig, liche und Erzieherische, das in aber nicht em neues Lebensideal dieser Jugendentwicklung Friedrichs JJ11* schöpferischer Äiraft. gegen fernen des Großen liegt, muß ein unver- Vater vertretend, ist fern Leben bislierbarer Bestandteil der Deutschen her wenig glücklich, aber auch wenig aller Länder und Stämme kräftig gewesen . . (Vd. II, werden." (S. 61.) S. 434.) Nach Maurenbrechers neuestem Werke für den Geschichtsunterricht wird schon in der Quinta „deutlich vom Judentum geredet". „Es darf vom Anfang an gar nicht anders geschehen, als unter der Vorstellung, daß die Juden Angehörige eines fremden Volkes gewesen sind, das seit Jahrhunderten in unserer Mitte lebte." Das Streben der Juden nach Gleichberechtigung muß als etwas Unbegreifliches, das Nachgeben der damaligen Deutschen als Verblendung und Unfähigkeit dargestellt werden. Das sind Werturteile des Verfassers, die schon eine schiefe Auffassung der Sachlage verraten; daraus wird aber eine glatte G e schichtss ix l j ch ung, wenn Maurenbrecher weiterhin behauptet, daß „kein gesundes Volk der Menschheitsgeschichte jemals etwas Derartiges getan hat", und eine Sinnlosigkeit ist es, zu behaupten, „daß es eine Einheit der Deutschen erst" dann wieder gibt, wenn wir diesen Fehler unserer Großväter wücder rückgängig gemacht haben". (S. 63/64.) Die Behandlung der Judenfrage in der Quinta ist jedoch nur als Vorbereitung anzusehen zu dein, was in der U n t e r p r i m a gelehrt werden soll/Maurcnbrecher ist der erste Schulmann, der d e m I n dent u m die Ehre erweist, neben Griechenu n d R ö in e x t it m eine beherr s ch ende Rolle im kulturgeschichtlichen Unterricht der höheren Schule zu spiele n. Einfach ist die Lösung der Aufgabe nicht. Zunächst soll das Judentum den jungen Deutschen als völkisches Vorbild dienen, „denn Entstehung und Entwicklung des Judentums sind Beispiele völkischer Erziehung, wie sie stärker die Menschheitsgeschichte nicht kennt". Sodann ist das „Alte Testament" geschichtlich und religionswissenschaftlich darznstellen. 4

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