Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 2 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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enfaät oerlin, S. Januar 1-2- V. Jahrgang -> Nr. 2 Einzelnummer IS SolSpfenniz blötter sirrKeulsciltum «nvluverUum. Monalsabonnement 40 Doldpfermlg zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 63, oraan des Antnültzrrms dcutseker Staatsvüryer iüMMeuVlauvens Z^II^sinnSirnS Zeirun{£ des Judenrums «Heini. Normal Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594,3395. Postsch' stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild öe Co., Berlin W 8. ,eckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, WechfrZu ge Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 rlzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Cenrralvereins 0/ .90*#*/# für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moste» ~,45 MJi, die 90 min breite Reklamezeile 4,80 Völkische Irrungen. I. Zeiten politischer und wirtschaftlicher Erregung erzeugen Unrllhe und Aufregung. An Stellelvifsenschastlicher:, auf der Grundlage der Wirklichkeit beruhenden Denkens machen sich nebelhafte Anschauungeil breit. Selbst klardenkende Geister geraten in einen Zustand unklarer Verschwommenheit. Ergebnislose Zusanunenhüuge, erträumte Tatbestände, unsinnige Klitterungen treten an die Stelle klarer Erkenntnis. Nur so läßt sich ein Teil der völkischen Einstellung erklären. Wir sehen die Unklarheiten in den Schriftwerken der Deutschvölkischen, wir sehen, wie sie llnter genau denselben Parallelen bei allen .Nationaliftell wiederkehreu. Diese Tatsache der Oeffentlichkeit ab und zu vor Augen 51t führen, ist wichtig. Ihre Richtigkeit beweist grell ein Aussatz der „Deutschen Zeitung", „Der Bruch mit dem In den tu m", aus der Feder Hans Bl ü Hers. Der „Vorwärts" möchte aus diesem Aufsatz einen Silvesterulk machen. Er verkennt völkische Psychologie und völkische Gedankensührung. Wenn Hans B! ü her, dein in weiten Kreisen auch heute noch der Name eines Schriftstellers, der etwas zu sagen hat, vorausmlt, einen solchen Aussatz schreibt, so scherzt er nicht: gewiß nicht, wenn seine Gedankenführung zum Teil mit der vieler seiner schriftstellerischen Gesinnungsgenossen parallel läuft. Seine Darstellung ist geschliffener und durchsichtiger, steht aber im übrigen auf derselben begrifflichen Tiefe. Die Tatsache dieser fortgesetzt neu a u f g e w ä r m t c n völkischer: Irrungen i st u n b e st r e i t b a r. II. Beweisen wir diese Tatsache! In dem Aufsatz von Blüher finden sich folgende Sätze: „Das Judentum sagt, die Arbeiterschaft sei „Proletariat": von diesem behauptet es, daß es berufen sei, die Wirtschaft zu führen, und daß es eine geschichtliche Ausgabe Habe: diese Aufgabe sei internationaler'Natur." . ■■ ■ „An der Ruhr ist an Stelle des Proletariats der deutsche : Arbeiter deutscher Nation entstanden. Diesen wollte das Judentum verhindern, der Versuch ist dank Frankreich gescheitert." „Das, was jeder Jude ohne Ausnahme heute in der Nase hat, jene eigentümliche Witterung, die ihm sagt: Es geht gegen uns: Das ist Pogrom." „Wenn heute ein Deutscher einen Juden tötet, wird er es nicht tun, damit er an seine Stelle trete nnd in demselben Geiste die Geschäfte weitersühre? Ist der Antisemitismus/ wie er sich bisher auftat, irgend etwas anderes als Neid um die besseren Geschäfte?" „Der jüdische Meltplan wird zum Beispiel heute geschäftlich ausgelegt. . . Die „Weisen von Zion" gibt es, aber sie haben niemals ein Programm entworfen, und wo so etwas geschah, war es schon keine Weisheit mehr." „Es (d. h. das Judentum. Die Red.) kennt also den ebenbürtigen Gegner und hat daher in den letzter: fünfzig Jahren dafür gesorgt, daß beim deutschen Volke der Glaube an den Geburtsadel untergraben wurde. Es setzte au seine Stelle den Seelen-, Herzens- und Geistesadel." „Niemand spreche vom jüdischen Weltplan, niemand beschreibe ihn, niemand beschimpfe ihn; denn nienrand versteht etwas davon." „Aber wie ein Lauffeuer muß es durch Deutschland gehen: „Mei::e Herren, die Pässe!" Aus der Zusammenstellung ersieht man: Das Pogrom wird.abgelehnt, von Blüher sogar m i t allen M i t lle ln bekä m p f t. Vor dem Judentum als solchem zieht Blüher de:: Hut. Er weiß es nicht genug zu loben und der Juden Charaktereigenschaften und geschichtliche Bedeutung zu würdigen. D e it1 s ch e s Blut v e r t r ä g t sich a b e r n i ch t mit j ü d i s ch e m Blut. — Folg e: N 0 t - w eudigleit ei n es H i n a u s w e r s e n s der Jude 11 a u s Deut s ch l and! Diese Gedankengänge des Herrn Blüher sind nicht unbekannt. Er hat sie bereits in der bekannten Broschüre „Seeessio Judaica" vor einigen Jahren angederltet und ist durch Binjanrin Segel in seiner Studie „Philosophie des Pogroms" glänzend abgefertigt worden. Blühers Schrift hat damals auch kaum Bedeutung gewonnen. Nun hat Blüher seine Gedankengänge in einigem erneuert, in allem etwas verändert und hat so einen Wirrwarr geschaffen, der Halbgebildete verführt und Ungebildete auf das gröblichste täuscht. Hm dem Änttalt Völkische Zrrungen. Von Dr. Ludwig Holländer. Wieviel jüdische Studienräte und Direktoren gibt es in Preußen? Von Dr. 3. Rothholz. Seite 15. Das unbekannte Palästina. Von Dr. Alfred Wiener. Seite 17. Georg Hermann. Von Heinz Stroh. Seite 20.