Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neuesten AnsMüei) in Bethsun. Von UttiverstLätsprosessor 1> Dr. Hugo Gretzmann (Berlin). Das heutige Besan, das biblische Bethsan, liegt am Ostrand der Ebene Jezreel, am Fuße der Berge von Gilboa, nicht weit vom Jordan. Dort grub das University Museum von Philadelphia 1921 bis 1923. Seit dem 1. September 1925 sind die Grabungen wieder ansgenommen und haben Zu hochbedeutsamen Ergebnissen geführt, über die jetzt Grabungsdirektor Alan Rowe in den Londoner „Times" berichtet. Der Ort ist ja aus der Bibel gut bekannt: Als die Philister den König Saul auf den benachbarten Bergen besiegt hatten, hängten sie seinen Leichnam aus den Mauern von Bethsan aus, das also damals den Philistern gehörte, und weihten seine Massen im Tempel der Göttin Astarte. Eben diesen Tempel haben die Amerikaner wiedergesunden. Sie haben den Spaten gerade da angesetzt, wo ein Tempel über den Ruinen des anderen errichtet war. Nachdem sie den Schutt der arabischen und byzantinisch-christlichen Schicht beseitigt hatten, legten sie zunächst den hellenistischen Tempel der Stadt, die damals Skythopolis hieß, bloß. Er mißt 3734X22 Meter und ist im Plan dem römischen „Bacchus"-Tempel von Baalbek ähnlich; das ist sehr bezeichnend, denn dieser Tempel war in Wirklichkeit wohl der weiblichen Gottheit geweiht, die man damals Atargatis oder Derketo zu nennen pflegte. Von Bethsan gilt dann dasselbe. Rings um den Tempel lief eine Reihe breiter Säulen mit attischen Basen und korinthischen Kapitülen; der Eingang war im Osten. Die darunter liegend-en Fundamente führen merkwürdigerweise direkt in die ägyptische Zeit. Schon bei den früheren Ausgrabungen fand man eine ägyptische Festung, die von Sethos I. um 1313 vor Christi angelegt war, und die bis auf Ramses III. um 1186 vor Christiin den Händen der Aegypter blieb. Bald nachdem Ramses III. selbst in Bethsan gewesen war und dort eine Statue von sich errichtet hatte, siel die Festung in die Hände der Philister, bis sie um 1000 vor Christi von David daraus vertrieben wurden. Zu den früheren Funden gehört eine Stele S e t h o s I., die den siegreichen Feldzug des Königs beschreibk. Bk bautet nach Ranke: An diesem Tage kam man, um seiner Majestät Zu melden: „Der elende Fürst, der in der Stadt Hamath ist, rüstet (?) sich viel Leute. Er nimmt die Stadt Bethsan fort (?) im Bündnis mit den Leuten von Petta. Er läßt den Fürsten von Rechob nicht hinausgehen." Da ließ Seine Majestät die erste Armee des Amon namens „Mit starken Vogen" nach der Stadt Hamath kommen, die erste Armee des Re namens „Reich an Siegen" nach der Stadt Bethsan, die erste Armee des Seth namens „Mit siegreichen Bogen" nach der Stadt Jenoam. Und es geschah, im Lauf eines einzigen (?) Tages sielen sie nieder, vor dem Ruhm der Majestät Sethos I. Noch berühmter wurde eine Stele Ramses II., die eine Inschrift von 24 Zeilen enthält. In der Hauptsache ist das ein Lobpreis auf den König; aber von besonderem Reiz ist die Erwähnung der „Stadt Ramses-Haus", die wir aus den Moses-Erzählungen kennen: es ist dieselbe „Stadt Ramses", die Residenz dieses Königs, „zu der die Asiaten insgesamt sich verneigend kommen", zu deren Bau die Hebräer gezwungen wurden. Aber in der Inschrift ist weder von den Hebräern noch von dem Bau die Rede. Durch die neuen Ausgrabungen sind noch mehr Stelen und Statuen von Königen, königlichen Personen und ägyptischen Beamten hinzugekommen. Neben der Festung fand man zwei Tempel übereinander aus verschiedenen Zeiten. Der ältere Tempel stammt wahrscheinlich aus der Zeit Thutmoses III. um 1500. Ein Skarabäus mit dem Namen des Königs bestimmt die Zeit; dazu fand man viele Tausende von Perlten. Es ist bisher nur ein kleiner Teil am Nordende ausgegraben. Dort führen von dem Hauptstur des Tempels sechs Stufen zu einem kleinen Altarraurn empor. Unter den Funden ist besonders bemerkenswert ein großer lebensvoller Falke aus Stein, der Königs- Vogel, und darum mtt der Krone von Ober- und Unterägypten geschmückt. Vollständig ausgegraben ist dagegen der jüngere Tempel aus der Zeit um 1300 bis 1200. Es ist ein rechteckiger Bau von 29X19 Meter. In der Mitte befindet sich eine große Säulenhalle; aus jeder Seite sind drei kreisrunde Steinuntersätze erhalten, die in Ziegelmauern eingebaut sind und aus denen einst hölzerne Säulen standen. Im Süden der Halle liegen drei Vorratsrüume; dort fand man einen eigentümlichen Tonzhlmder mit dem Vorderteil eines Stieres an dem einen Ende und dem Vorderteil eines Löwen an dem anderen. Der Stier ist das heilige Tier des Gottes, der Löwe das der Göttin. Die Ostseite des Tempels ist später durch zwei breite Reservoire zerstört worden. Aus diesem jüngeren Tempel nun stammen die meisten Kultgegenstände, die im folgenden beschrieben werden: Ein Basaltmonument, von einem Aegypter namens Hest-Recht geweiht, stellt die Figur einer Göttin und des Stifters dar. Die Göttin ist mit einem langen Gewände bekleidet und trägt eine kegelförmige Krone mit zwei Federn. In der Linken hält sie das Hakenzepter, in der Rechten das Lebenszeichen. Die Figur ist nach kleinasiatischen und ägyptischen Mustern zugleich gefertigt, also zweifellos einheimische Ware. Zwischen ihr und dem Stifter steht ein Altar mit einer Blume. Aus den Beischriften geht auch der Name der Göttin hervor: „Anath, die Herrin des Himmels." Anath ist ein älterer Name für die Astarte; er fehlt in der Bibel, ist aber in vielen Ortsnamen noch erhalten, zum Beispiel in „Anathoth", dem Heimatsort Jeremias. Noch interessanter sind eine R^ihe von Kultgegenständen, die wir zwar bisher noch nicht aus Palästina kannten, wohl aber aus den deutschen Ausgrabungen, in Assur; ein solches Ton Häuschen ist in der vorderasiatischen Abteilung des Kaiser-Friedrich-Museums ausgestellt. Auch in Bethsan find es Tonhäuser in zwei Stockwerken. Im unteren Stockwerk sieht man ein Fenster aus jeder Seite; vom Boden windet sich eine Schlange zum oberen Stockwerk empor, das zwei Fenster und zwei Türen enthält. In jeder Tür steht eine weibliche Gottheit, die Vögel in beiden Händen hält; darüber sind noch mehr Vögel angebracht, wahrscheinlich Tauben und Enten. Die assyrischen Tonhäuser sind genau dieselben, nur fehlt die Göttin. Dort sind sie uralt und stammen aus dem archaischen Tempel der Jstar. Jetzt sehen wir zum ersten Male, wie weit sie verbreitet waren- und wie lange sie sich im Gottesdienst hielten. Die Gegenstände dienten wahrscheinlich als Altäre und hatten die Form der Tempel; geweiht waren sie der Göttin der Schlangen und der Tauben, das heißt der Herrin der Seelen. Noch reicher ausgestattet ist ein^Tonhäuschen in drei Stockwerken. Dazu kommen kreisrunde Ständer mit zwei Henkeln nahe dem oberen Rande. Auf jedem Handgriff sitzen Vögel. An den Seiten sind vier oder bisweilen acht Oeffnungen angebracht, in denen wiederum Vögel sitzen. Ueberdies ringeln sich Schlangen um den Ständer. Anderswo fehlen die Vögel und Schlangen. Ich glaube in diesen Gegenständen Nachbildungen von Taubentürmen zu erkennen, wie man sie ähnlich vor langem auf Cypern gefunden hat; da ist bisweilen noch die Göttin inmitten ihrer Tauben abgebildet. Es ist überall dieselbe Taubengöttin, deren Verehrung wir durch den ganzen vorderen Orient, von Babylonien im Osten über Kleinasten und Kreta bis Palästina und Cypern seit den ältesten Zeiten verfolgen können, aber überall hat sie verschiedene Ni amen: Jstar, Anath, Astarte ufw. Die Namen wechseln mit den Völkern, aber die Gottheiten bleiben durch die Jahrtausende immer dieselben; sie leben sogar oft dann noch weiter, wenn sie zu Heiligen herabgedrückt werden. jj Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für samtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands | Berlin8W 19,Jerusalemer Straße46-49 /Breslau /Chemnitz /Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurta.M. j Halle(Saale) / Hamburg / Hannover / Karlsruhe / Kölna.Rh. jf Leipzig | Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg i Stettin / Stuttgart / Amsterdam / Barcelona / Basel / Budapest J Bukarest / Prag J Warschau / Wien / Zürich. 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