Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Aus dem völkischen Hexenkessel. „Die Stimme -es MeltgewUens." Es ist nichts Neues, daß sich im ©efolcje der völkischen Bewegung mancherlei Leute befinden, bei denen es nicht „ganz richtig im O b e r st ü b ch e n" ist. Ob sie mit solcher Veranlagung sich, durch die völkischen Lehren angezogen fühlten, ob sie erst durch ihre Hingabe für völkische Arbeit krankhafte Erscheinungen auszuweisen hatten, möchten wir nicht entscheiden. Ein solcher nicht normaler „Schmied des N i b e l u ngenringes", der sich auch „die, Stimme des W elt g ew i ssen s". Lauterer, benennt, verbreitet Flugblätter und hält Versammlungen ab, in denen er Reden schwingt, die ihn als reis für ein Irrenhaus ans weisen. Flugblatt. Versammlungsrede am Germanisches Volk erwache in 10. DeZemdev v. I. zwölfter Stunde! Denn siehe, „ge- Der Jude besitzt heute alles, unser taufte" Inden haben sich seit Geld, unsere Edelsteine, unsere 1900 Jahren in die christliche Grundstücke, die Ländereien, kurz, Kirche eingeschlichen und die große alle Werte. Er nähme auch unsere Heilslehre des Menschensohnes in Ehre, denn täglich würden 100 000 jüdischem Sinne derartig überdeutsche Mädchen geschändet. Alle arbeitet, verdreht und verfälscht, Maßnahmen, die sich gegen das daß die große Lehre des Ariers Judentum richten, würden mit Ar- Jesus von Nazareth, den die beiterentlassungen, Beamtenabbau Inden mit meisterhafter Lügekunst beantwortet, denn er besitzt die Faals einen Juden oder Halbjuden briken und habe die Macht. Die hinzustellen wagen, um unsere Liebe Juden seien eine Mischung von und Treue zu dem Menschensohn Neger und Mongolen, daraus könne aus unserem Herzen . zu reißen, nichts Gutes Herallskommen, sie geradezu zu einem Freibrief sur seien nur Scheinmenschen. Die Me internationale jüdische Juden hätten sich in alles ein- Welr-Raubmörderhande gegeschlichen, bei den öffentlichen Vermacht wurde! Wallungen wie Gerichten Re- Germanen! Der echte Vollblutgierungen, and) beim Polizeiprüstjude, der seinen unverfälschten Nachdünn. Der Jude Weiß führe kommen in dem Jllden der Jetztzeit dort das große Wort, er nenne ihn repräsentiert, ist in seiner mate- Jtzig, weil er ihn lieb hätte, riellen und sinnlichen Gier Auch die K i r ch e unterliegt dem nnd Unersättlichkeit i d e n - Einfluß des Judentums. In der tisch mit dem „Affen"! evangelischen Kirche seien 560 Die Männer Germaniens sind Pfarrer, die früher Juden waren, zu Weibern, und die Weiber Gerin der katholischen noch mehr, maniens zu Unterlagen für jüdische Der Hnlbjude in Doorn ....... geworden! Beamtenwolle jetzt, obwohl er ausgerückt abbau, Angestelltenentlassungen und sei, große Abfindungssummen die durch Alljuda künstlich erzeugte haben, diese betragen so viel, daß Arbeitslosigkeit in der Welt beer täglich 1600 Mark zu verzehren deuten Vermehrung der Reithabe, eine gewiß anständige stuLensnAahL für Juda! Leistung. Das Flugblatt, das von Bibel- und falschen Talmudzitaten trieft, in dem sich wie in der Versammlungsrede viele grobsinnliche Stellen befinden, erinnert in der Redeweise und in dem Inhalt stark an — Adam N. Olschowh, mit dem wir uns ja in letzter Zeit wiederholt befassen mußten. Vielleicht ist die „Stimme des Weltgewissens" der Werkstatt des Meisters „entsprungen". Die AeppeliK-Eckerser-SNStröe „eine jüdische Mache". In einer Notiz „Hände weg von der Zeppelin-Eckener-Spende" hat die „Mitteldeutsche Presse" am 20. November 1925 in gehässigster Weise versucht, nicht nur die Zepplin-Eckener-Spende, sondern den ganzen Luftschiffbau . als eine „jüdische Angelegenheit" hinzustellen. Gleich nach dem Unglück von Echterdingen, so schreibt sie, habe ,,hk Judenschast in Deutschland, allen voran Walter Rathenau, versucht, diese Spende in ihre Hände zu bekommen, um den Luftschiffbau von sich abhängig unb sich dienstbar zu machen. Das heißt: wenn sich viel Geld damit verdienen ließ, wolle Juda Aktionär werden, das deutsche Volk aber sollte das Kapital hergeben, damit Juda um Gottes willen kein Risiko zu tragen hat. Unsere Leser sehen, wie fein der Jude alles zu drehen weiß . . ." Auch die Zeppelin-Eckener-Spende, so heißt es weiter, ist, wie aus der Einmütigkeit, mit der die gesamte deutsche Presse — von links dis rechts — diese Spende befürwortete, erkennbar sei, eine jüdische Mache. Dann wird noch gegen Eckener als Persönlichkeit gehetzt, und schließlich wird sestgestellt, daß es die Pflicht der „Mitteldeutschen Presse" sei, die armen nichtsahnenden deutschen Volksgenossen aufzuklären, wer wirklich hinter diesem „neuen Beutezug auf die Taschen des deutschen Volkes" stehe. Aus Kreisen der Zeppelirr-Eckerrer-Sperrde wird uns zu diesem Angriff iiber die wahre Bedeutung der Zeppelin- Eckeuer-Speude geschrieben: Es ist, wie man weiß, die Eigenschaft der Deutschen, auch die unmöglichsten Angelegenheiten mit einem Politischen Etikett zu versehen und dadurch in den Kampf der Parteien zu ziehen. Organisation und Inhalt der Zeppelin-Eckener-Spende sind von vornherein ausdrücklich überparteilich gestaltet worden. Verantwortlich ist die Organisation nun für ihre e i g e n e n Maßnahmen, und daß auch dabei, bei der Verzweigtheit der Organisation in den verschiedenen Ländern des Reiches und den verschiedensten Bevölkerungsklassen, Mißgriffe nicht immer vermieden worden sind, wird auch keinem verständigen und erfahrenen Menschen verwundern und gegen die gute Sache einnehmen. Die Zentrale der Spende tut ihr möglichstes, jeder Fehlerquelle nachzugehen und sie abzustellen. Es kommt aber für alle, die guten Willens sind, doch wohl nur auf die Sache an, und diese Sache ist von einer fast unvergleichlichen Größe, Kultur und Geistigkeit. Die Spende will, wie schon angedeutet, Mittel und Wege finden, ein neues, lediglich für friedliche Kulturzwecke bestimmtes L ust - s a h r z e u g zu bauen, sie will damit die Zeppelin-Werft erhalten und der Kulturwelt ihre Erfahrungen sichern. Außenpolitisch bestehen nach Locarno und dem Geiste der davon ausgeht keinerlei Bedenken mehr. Innenpolitisch ist die Frage auf der einen Seite lediglich eine Geldfrage, deren Erfolg von hohem sozialen Ausmaß sein wird. Das neue Luftschiff soll nicht nur ein neuer Erfolg deutscher Technik werden, sondern auch ein Zeichen des neue n deutschen Geistes, der sowohl über den Parteien als auch in gesunder Art über der Nation und über den Konfessionen steht. Mulle und Kun^e verbrüdern sich. Durch die Presse ging eine Nachricht, die eines pikanten politischen Beigeschmacks nicht entbehrt: nach langen, schweren, mit großer Geduld ertragenen gegenseitigen Beschimpfungen und Verleumdungen haben sich die völkischen Führer Wulle und. Kunze die deutsche Bruderhand zu ewigem Bunde gereicht. Nach dem Kriege war Knüppelkunze in den Kreisen der n o r d - und mitteldeutschen H a k e n k r e u z l e r volkstümlich geworden. Die später von Süddeutschland her kommende nationalsozialistische Welle drohte den Helden von Gardelegen zu verschlingen. Abgeordnete, die auf das Kunze-Programm gewählt waren, gingen zu den Völkischen über, und nur der Telegraphensekretür Jensen in Görlitz zeugte noch von ehemaliger Kunzescher Pracht. In di ese m Existenzkampf kriegten sich Kunze- und Wulle- Anhünger vor aller Welt gehörig in die Wolle. Es ist kaum ein Jahr her, daß in Neiße der Reichstagsäbgeordnete Stock als Kunze-Abtrünniger für die Völkischen sprechen wollte und durch einen Orkan von Pfuirufen von den Kunze-Leuten daran gehindert wurde. Ein Kunze-Mann stellte Herrn Stock als einen Verräter hin, der vor Schnur in die Erde sinken muffe, weit er ein Verräter und Ehrenwortbrech^r sei. Recht lebhaft ging es in der gleichen Zeit im Stadtgarten zu Gleiwitz her, wo Kunze die zu den Völkischen übergetretenen Abgeordneten Stock und Kurth Verräter und Schufte nannte, und es als eine Gemeinheit bezeichnete, daß eine Partei mit einem Ludendorff an der Spitze solche S ch u f t e ausgenommen habe. Aber es liegen auch gegenseitige Liebeserklärungen der Herren Wulle und Kunze in höchsteigener Person vor. Bekannt ist, daß Knüppelkunze sich in einem Briese vom 14. September 1923 an seine Parteifreunde in Gleiwitz über die Wulle-Lente bitter beklagt: „Wo haben diese Leute die vielen Gelder her, die jetzt solche Reisen verschlingen? Diese Gelder stammen von denselben kapitalistischen Kreisen, die es verhindert haben, daß nur eine einzige große völkische Partei mit unserem Programm gebildet wurde . . . Ich ersuche daher auf das dringendste, diese Bestrebungen von vornherein als einen Betrug an dem deutschen arbeitenden Volte zu entlarven und jede Verbindung mit diesen Kenten Zn vermeiden. . Im „Deutschen Tageblatt" des Herrn Wulle vom 14. Oktober 1923 wird dafür Kunze ein „Leichengänger" genannt, ein Mensch, der „nach außen völkisch, aber innerlich materialistisch und eigensüchtig" sei. Man muß sich in deutschvölkischen Kreisen erst schützen gelernt haben, um sich lieben zu können. Und die Wertschätzung, die in den vorher zitierten kurzen Stammbuchversen so glühenden Ausdruck fand, ist zweifellos die Grundlage für das Kunze-Wulle-Bündnis geworden. Die finanziellen Schwierigkeiten in beiden Lagern werden das übrige getan haben. Das vertrauliche „Du" wird den Todfeinden von gestern in der neuen Gemeinschaft nicht schwer fallen, denn sie haben, um ein humorvolles Berliner Wort zu gebrauchen, lange genug — in einem Rinnstein gelegen. Sck — r.