Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 52 (30.12.1937)
- Date
- 1937-12-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seife 10 .. - ' ",, , . . C-V.-Zeitung, ,_ Nr.52 * 30.Dezember 1937 Sprecher triumphierend verkündet jetzt, käme der „final-thril]', bestehend aus drei bei Rennen in-' einanderfahrenden Autos mit herumfliegende]) Körpern und brennenden Benzintanks. Und der Neuling sitzt da und versucht .'zu verstehen, wie Gehirne und Herzen gebaut sein müssen, die an beidem, feinstem Humor und brutaler - Sensation sichtlich gleichen Gefallen finden. Gegensätze im Theater. In den nächsten Tagen eröffnet die Metropolitan Oper ihre Saison, und die Zeitungen bringen schon jetzt spaltenlange Berichte, in denen genau aufgezählt wird, wer in diesem Jahre die Logen des berühmten ersten Ranges zu phantastischen Preisen abbonniert hat. Und nicht weit entfernt davon spielt eines der W.-P.-A.-Theater-Unternehmung der Works Progrese Administration — mit erwerblosen Schauspielern zu billigen Eintrittspreisen. Vom Leiter bis zum Logenschliesser beziehen alle das gleiche niedrige Gehalt, und die Aufführungen dieser W.-P.-A.-Theater haben schon manchen literarischen Erfolg herausgebracht. Gegensätze auch auf der ersten grossen jüdischen Veranstaltung, die wir sehen. Im Madison Square Garden, dem grössten Saale New Yorks, veranstaltet der Palestine Unites . Appeal eine ,.Night of Stars". Zwanzigtausend Menschen füllen den riesigen Raum, in dem als einziger Schmuck zwei grosse Flaggen, die amerikanische und die blau-weisse. hängen. In den Logen, die die Kleinigkeit von 250 Dollar kosten. Abendkleider, Smokings und Fräcke. Nach kurzer Eröffnungs- Berufsausbildung I. Argentinien Die Ausbildungsmöglichkeiten in den Schulen Südamerikas sind wesentlich grösser, als der Europäer zunächst anzunehmen geneigt ist. Wir bringen deshalb, beginnend mit Argentinien, eine Uebersicht aller Möglichkeiten. a) Landwirtschaftliche Schulen Es gibt in Argentinien drei landwirtschaftliche Schulen: in Casilda (Santa Fe). Mendoza und Cordoba. die nur Anwärter zwischen 1~ und 2.2. Jahren aufnehmen. Sie müssen neben den üblichen .Gesundheit*;- und Impfattesien ein Zeugnis, über den Besuch einer argentinischen Schule vorlegen. Die .Auswahl unter den Bewerbern erfolgt nach Gesichtspunkten der Eignung, wobei 'den Söhnen von Landwirten. 'Viehzüchtern und Handwerkern ' der Vorzug gegeben wird. Die jährlichen Kosten der Ausbildung betragen 400 Pesos. Stipendien werden nur solchen Schülern gegeben, die die argentinische Staatsbürgerschaft besitzen. Ein ausländischer Bewerber, der zu jung ist, um schon •naturalisiert zu werden, muss sich verpflichten, fteffi-e Natujalisierüng von dem Augenblick an zu betreiben, da er das erforderliche Alter erreicht hat . ~ ■ Neben diesen Schulen gibt es noch Uebungs- '-< Thülen ' in ' Sechs verschiedenen' Städten. An ihaen werdenScnüIer zwiscnen 15 und 19 Jahren Leben im Busch Ton Robert Ollendorf Am 17. Juni (C.-V.-Zeitung Nr. 24") ver- . üffeatlichten wir Eindrücke eines früheren Medizinstudenten, der im Tanganiika-G-ebiet Arbeit gefunden hatte. Heute schildert der gleiche Verfasser wiederum Episoden 3us seinem Leben. N ARUN YU/TANG ANJIK A, Im Oktober 1937. Mein Boy Saidi Der Boy Said! kann schreiben und ist von dieser Kunst besessen. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erhalte ich Briefe, wenn er sich Geld borgen will, wenn er irgend etwas au! dem Herzen hat. finde ich einen Brief auf meinem Schreibtisch. Mit schwungvollen Anreden, mit Versicherungen, ich sei sein Vater und .seine Mutter zugleich, werde ich um die möglichsten und unmöglichsten Sachen gebeten: ich solle ihm für verlorene drei Vorderzähne drei solche aus Gold oder Elfenbein machen lassen, oder er liebe diese oder jene Grammophonplatte, ob ich sie nicht heute abend spielen könnte. A propos, eine Szene: ich. spiele aus dem Till liuienspiegel von Richard Strauss, eine Stelle, die tonmaleriscb das Zerbrechen von Tellern darstellt Bei dieser Stelle fährt er mit jähem Ruck zusammen, und siebt sich sekundenlang schuldbewußt um, bis ihm ein Licht aufgeht — und ein breites Grinsen auf seinem Gesicht erscheint. Der Boy Saidi also schrieb einen Brief nach Hause: Die Adresse: „An meinen Vater, den guten Jäger Mleme vom Stamm der Mkami beim Örtsvorsteber Salche Boko im Land des Sultans Kingo, zur Stadt Moyongogo zuständig, aber nur in Mkuyuni wohnend. : Der Inhalt: Zum Anfang. Gottes Segen und Dir Gesundheit, der grossen Frau geht es gut? der anderen Frau auch? Mein Onkel Abdallah ist er gesund? Seid Ihr alle gesund? Schreibt mir .. nur sehr sehr schnell, wie es Euch geht. Geld kann ich keins schicken, ich fürchte, es könnte unterwegs verlorengehen, aber wenn einer nach Daressalaam kommt; dort habe ich bei Shabani Sefu zwei Hemden und ein Paar lange weisse Hosen verpfändet, ich war ganz krank ... vor Hunger, wenn einer sie auslöst, der kann sie. Euch bringen., und so ist das wie Geld. Wir sind gut in Lindi angekommen, es geht mir gut, wir hoffen viele Tage in Gesundheit zu ansprachesingen zweihundert Kantoren das EI Mole Rachamim zum Gedächtnis von Felix Werburg Dann aber geht es los. Auf dem grossen Magen David, der auf die Leinwandhespannung des Podiums gemalt ist. erscheinen in stundenlangem wirren Reigen Opern- und Filmstars, Schlagerkomponisten, Schnellzeichner, Negerkapellen, Stepptänzer. Akrobaten, Exzentricklowns und Tanzgirls. Nur einmal wird es ruhig, und das ist der grause Augenblick des Abends. Vor dem Mikrophon steht, klein im Scheinwerierkreis auf .dem grossen Podiuni in dieser riesigen Halle, der Schauspieler Paul Muni. Ohne Maske, im Smoking, steht er da und spricht die Wor'e Emile Zola's vor den Geschworenen im Prozess gegen ihn nach dem „J'accuse" in der Affäre Dreyfus. Es ist die stärkste Szene des Zola-Filmes, mit dem sich der jüdische Schauspieler Muni einen Welterfolg geholt hat. Es ist ganz still geworden, alle hören der Stimme zu. die mit sicherer Beherrschung durch den Raum schwingt, und am Radio, das die ganze Veranstaltung überträgt, hören Unzählige, mit. Man sieht keinen Schauspieler mehr und denkt an kein Mikrophon. So stark ist die Illusion dieser Stimme, dass es scheint, als stünde Emile Zola hier und spräche, ganz unrhetorisch, mit innerem Aufruhr seinen Aufschrei im Namen der Gerechtigkeit, seinen Gewissensappell für verurteilte Unschuld. Ganz still ist es in diesen fünf Minuten mitten im Rummel einer mehr als bunten Schau. Und das miterlebt zu haben, war wieder sehr schön. in Süd-Amerika aufgenommen, von denen gleichfalls Gesundheitsbescheinigungen und Schulzeugnisse Gefordert werden. Die Bedingungen zur Erhaltung eines Stipendiums sind die schon oben geschilderten. b) Handwerkerschulen In Buenos Aires gibt es vier Handwerkerschulen, die nach einem siebenjährigen Lehrplan unterrichten. Auch hier werden zur Aufnahme die üblichen Papiere gefordert. Ausländer haben eine Geburtsurkunde vorzulegen, die vom Konsul ihres Heimatlandes visiert und vom Ministerium des Auswärtigen übersetzt und legalisiert worden ist. Die Aufnahme solcher Bewerber wird von einer Prüfung abhängig gemacht, die Mathematik und Spanisch umfasst. Ausser diesen vier Schulen befinden sich ln Buenos Aires weitere vier und in den Städten der Provinz 18 technische Berufsschulen. Diese Schulen bereiten auf verschiedene handwerkliche Berufe vor, die Schüler erhalten beim Abgang ein Diplom als „Befähigter Handwerker und Werkmeister''. Auf diesen Schulen ist das Mindestalter 14 Jahre, wobei der Besuch, einer argen Umsehen . Volksschule nachgewiesen -werden" muss... Wichtig' i?t," dass. der Besuch einer deutschen Volksschule zur Bewerbung berechtigt, wobei :der Bewerber vor seiner Aufnahme eine Prüfung in Geographie und Geschichte Argentiniens " und Bürgerkunde. abzulegen hat, die allerdings eine gute Kenntnis der spanischen verbringen. Gott sei gelobt und gepriesen, er der Herr aller Welten. Viel"reisen werden wir, nach Nairobi, Mömbasa und viel weiter noch. Seid Ihr wirklich auch alle gesund? Schreibt mir nur schnell über Euch. Gottes Sesen zum Schluss, und nochmals Segen und Heil. Schluss. leb, Said! Waziri, Boy des Herrn Robati Ollodu. Dennoch entstehen folgende Meinungsverschiedenheiten: Saidi: Wird der Brief ankommen so? Ich: Nein, erstens kann kein Mensch deine Schrift lesen, zweitens ist es vollkommen falsch geschrieben. Glaubst du der Postmeister wird wissen, dass dein Moyongogo Morogoro heissen soll? Saidi : Ja, ich habe gefehlt, würde es dir was ausmachen, das auf der Schreibmaschinezu schreiben? Dann glauben die, das ist ein Europäerbrief, der kommt bestimmt an. I ch : Ja, ich werde schreiben. Saidi: Lies bitte den Brief, ob auch alles richtig geschrieben ist. . Ich: Gib ihn her . . . Geschrieben ist manches richtig, aber da sind doch dicke Lügen drin. In Daressalaam, ich war verrückt geradezu, habe ich dir und dem Koch Alli ungeheure Summen Vorschuss gegeben. Wieso muestest du. um nicht am Hunger zu sterben, Hemd und Kose verpfänden? Ihr hattet für fünf Tage 15 Shilling bekommen, jeder also 1,50 Shilling jeden Tag. so viel braucht ja nicht mal ein Europäer! Saidi: Hach, Herr, wie teuer ist alles in Daressalaam, SO cents ein Teller Reis, drei Teelöffel voll, so wahr mir Gott helfe, im Suahelihotel. Und meinen Vetter, ich habe ihn dir am Hotel vorgestellt, 5 Shilling fehlten ihm noch, um eine Frau zu kaufen, dann haben wir auch viel verspielt und so läuft das Geld weg, ehe maus richtig hat! Ich : Gut und schön, wieso schreibst du aber, sie sollen die Hemden auslösen, das sei so gut wie Geld. Sie müssen doch das bezahlen. Saidi: Wieviel Jahre kann das jetzt der Vater tragen, und wie viel mehr hätte er vielleicht in diesen Jahren an Kleidung ausgegeben? Ist das nicht mehr wie 2 Shilling? Ich (erschüttert, nach einer Weile): Warum schreibst du, wir werden viel reisen. Mombasa, Nairobi und weiter, willst du ausrücken oder was heisst das? Saidi.: Das. Herr, sind Lügen. Es macht einen guten Eindruck. ..Sprache voraussetzt. Daneben sind selbstverständlich die üblichen Zeugnisse erforderlich: die Ausbildung auf diesen Schulau dauert drei Jahre. c) Volkshochschulen Besonders ausgebaut ist das Volkshochschulwesen. Allein in der Bundeshauptstadt gibt es 13 Volkshochschulen, in der Provinz Buenos Aires allerdings nur zwei. Ihre Kurse finden abends statt und man kann auf ihnen viel lernen. Ihr Vorlesungsplan umfasst eine selbst für europäische Verhältnisse ungeheure Fülle von Kursen. Sehr viele Handwerke, unter ihnen Schneidern. Zeichnen, Dekorieren. Krawatten-Nähen, Chemie für Laboratoriumsarbeit, Autofahren. Anfertigung von Zahnprothesen usw. Kaufmännische Kurse werden ebenso wie Sprachunterricht, Musik und Kunstgeschichte abgehalten. Der Unterricht auf diesen Volkshochschulen ist frei, nur eine Gebühr von 1 Peso im Monat wird erhoben. G. F. (Wird fortgesetzt.) Ein Vorschlag von Coudenhove-Kalergi Graf Richard N. Coudenhove-Kalergi tritt in einem soeben erschienenen neuen Buch für jüdische Siedlung in Afrika ein. In erster Linie weist er auf Uganda hin. wobei er an das Angebot Joseph Chamberiains «us dem Jahre 1903 anknüpft, und auf Rhodesien. Der Verfasser glaubt, dass die jüdische Siedlung in Palästina schon deshalb einer Ergänzung bedürfe, um eine jüdische Expansionspolitik auf arabische Kosten, die zwangsläufig zu neuen Konfikten führen müsse, zu vermeiden. * Im Zusammenhang mit diesem Buch äusserte sich der Graf in der „Neuen Freien Preise" vom 19. Dezember in einem besonderen Aufsatz noch einmal zur Juden'rage. Er stellt fest, chss die Juden in Europa kaum zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, und dass die Lösung der Judenfrage nur darin bestehen könne, dass die Juden aufhörten, eine Minderheit zu sein. Zu diesem Ziel, wurden zwei Mittel versucht: Assimilation und Zionismus. Die Aufhebung der jüdischen . Nation ist nach Meinung Coudenhove? eine ebenso berechtigte Forderung wie die Behauptung der jüdi-cheti .Nation durch den Judenstaat. Der Verfasser tritt für die Schaffung eines Ansiedlungsrayons in den Hochebenen Afrikas ein, wo der palästinensische Judenstaat gemeinsam. mit England ein, Kondominium zur Aufnahme der Ostjuden schaffen könnte. Er unterscheidet jedoch drei Kategorien von Juden: die assimilierbaren Westjuden, die nichtassimilierbaren und' sich nicht assimilieren wollenden Ostjuden, und schliesslich die Juden Mitteleuropas, unter denen die beiden, ersten- Kategorien zu finden seien-. .. Während er lür -das Wes tJuden tum den ' W<jg" der. Assimiialion für gegeben hält und in "diesem,Zusammenhang auf die Pflicht der.europäischen Kolonialmächte hinweist, 'den Juden aus Deutschland, -denen die -Assimilation versperrt sei. zu einer neuen Existenz zu verhelfen, glaubt er, dass für das Ostjudentum, in welchemzionistische Gedankengänge besonders Ich : Aber das ist doch sinnlos, so draufloszulügen. Saidi: Wer Briefe schreibt n'mss auch lügen! * Eine Ngoma ... Ein -Fetisch- Tanzfest der Neger, mir, de m neuen B w a n a (Herrn) zu Ehre.n! 600 Neger Wamawias, ein Stamm aus Portugiesisch-Ostafrika. Wilde, Sprache von Kindern, unbegrenzt'in Tiefen und Höhen, dazu ein sandiger Pietz voll kochender Sonne, endlos blauer Himmel, die Hütten lugen nur mit den Spitzen aus der Menschenkette. Es tanzen drei Gruppen, die L°ute von Narunyu. von Mangawanga und die von Ruo. Für den Herrn, das bin ich. wird rasch ein Sonnendach gebaut und ein altes Negerbett als komfortabelstes Sitzgerät geholt. Es kommen erst die Leute von Narunyu. ein feierlicher Einzug, dreistimmiger Chor, -zwei junge Männer, Hand in Hand voraus, einen grünen Zweig zusammenhaltend, dann 100 bis 150 Männer. Frauen und Kinder, rhythmisch und beinahe getragen im Einzugscbor ei nh erschreitend, dann die Musikanten! Rasch wird ein Feuer gemacht, schon hocken sie auf den Knien, vor sich die Trommeln — die Instrumente. Von kleinen eisernen Töpfen, bespannt mit alten Schweins- oder Ziegen feilen, zu grossen alten geschnitzten Holztrommeln und Saiteninstrumenten (oh. AtnatL was für eine Welt von Tönen blieb dir unentdeckt!) aus alten Petroltins, Eisenschienen, aus allen Hölzern des Busches, bespannt mit Drähten, mit Blechen, mit Därmen, mit Gotlweisswas. aber tönend, tönend, oh SlradivariJ Ueber dem Feuer werden die Felle gespannt. Jetzt ein schrilles, unnatürliches Trillern, drei Weiber mit ihren riesigen Holz-. Gusseisen oder Elfenbeinplatten in den Oberlippen, die zu Längen bis zu 10, ja 15 Zentimeter vom Gesicht abstehen, der Stammesschmuck der Weiber aus dem Portugiesischen, Schutz und Schmuck von altersher, denn wer mochte diese Weiber als Sklavinnen? . Sie brechen durch die Einmarschierenden uud rasen trillernd im Kreis, Spiegel, macte in Japan für }5 cents, Regenschirme und ähnliche Reichtümer schwiugend. Eine helle scharfe Trommel kommt näher, die Weiber stehen still, und mit grober Mimik aus Angst und Neugierde gemischt, weichen sie in eine Ecke zurück. Dio Trommel kommt und - hinter ihr stolziert, bestark verwurzelt seien, die Kolonisation, sei es in'Palästinasei es in Uebersee, zu empfehlen wäre. Innerbalb des mitteleuropäischen Judentums, wozu er die Juden Oesterreichs, Ungarns und der Tschechoslowakei rechnet, müsse sich jeder einzelne entscheiden, nach welcher Richtung er seine Zukunft gestalten u^olle. Diese hier in grossen Zügen wiedergegebenen Gedankengänge haben zu einer lebhaften Diskussion" in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen Oesterreichs und darüber hinaus geführt Es werden hierbei vor allem die kollektiven Znkunftshoffnungen und das individuelle Schicksal miteinander konfrontiert Offene Auskndsstellen Zur Vermittlung genehmigt durch das Lanäe«- arbeitsamt Brandenburg. Gesucht werden: für Firma nach England zum sofortigem Antritt erfahrener Metalldrücker (Jude); nach Griechenland für maschinell betriebene Färberei ganz perfekter, jüdischer Färber mit langjähriger Praxis im Färben von tramaseidenen " und kunstseidenen Strümpfen; für Teheran (Iran) perfekter jüdischer A u t o m o b i 11 a c k i e r e r, der mit Kompressor arbeiten kann und langjährige Erfahrungen besitzt; für Palästina unverheirateter jüdischer K o c h g e h i 1 f e , der in der Lage sein nmss. Manuscbaffsessen für 50—60 Personen zu kochen und Brot zu backen. Freie Verpflegung und Statftra auf dem Schiff. Kenntnisse der koscheren Küche sind nicht unbedingt erforderlich. Die Einstellung wäre zunächst probeweise; für Ekuador für eine Reparaturwerkstatt ein perfekter, gelernter, jüdischer Elektriker, der Spezialist für Autelicht und Zündung ist. selbständig alle Reparaturen ausführen kann (Batterien-Reparaturen). Der Bewerber muss in der Lage sein, eine Werkstatt allein zu leiten. Werkzeugsausrüstung ist erforderlich. Anfangsgehalt: 250 Dollar. Fester Gesundheitszustand unbedingt erforderlich, da die in Betracht kommende Stadt fast 30O0 Meter hoch liegt: für Ekuador tüchtiger jüdischer Fachmann aus einer Auskunftei. Anfangsgehnlt 250 Dollar. Bei perfekten Kenntnissen in der spanischen Sprache erhöht sich das Gehalt. Neben der deutsehen Sprache muss aber noch . eine Fremdsprache beherrscht werden; für England für B o a r d i n g- H o u s e junge, jüdische Haushaltgehilfin, die alle vorkommenden Arbeiten zu verrichten hat. Gehalt gut. Eigenes grosses Zimmer. Ausführliche Bewerbungen .nur auf Luftpöstdünnpapier, Zeuguisaljschrifteu. Lebenslauf, so- wie Passfoto werden weiJ.ergeleitet durch die Jüdische Gemeinde. Berlin." SW ..Lindenst.rasse' 48—50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Postpapier werden nicht mit Luftpost befördert. Weitere Beiträge zur Wanderungsfrage s. a. „Wirtschaft der Woche" 2. Beiblatt, 3. Seite. gleitet von seinem Impresario, der maskierte Tänzer. Ein Junge. 12 bis 13 Jahre, in ein helles, primitiv gewebtes Tuch eingeschnürt,- mit geflochtenen Gräsern als Gürtel, und schürzenartig nach unten fallend. Eingeschnürt von den Füssen bis zum Hals, auf dem Kopf thront die gewaltige groteske Tanzmaske aus weissem, gelbem oder rotem Holz geschnitzt, mit allen Stammestätowierungen, mit echtem Haar bedeckt, auch mit den zugespitzten Zähnen, ein Stammesbrauch der Wamawias. Die Ngoma. der Fetischtanz, besteht aus drei Teilen, dem Einzug, dem orgiastischen Einzeltanz der Maske, den abschliessenden Gruppentanz aller zu erst um den erschöpften Maskentänzer, dann als Auszugstanz. Jeder der oben genannten Neger-Camps hat nun ihren Tänzer, den Stolz, das Idol des Camps, und jede Ngoma ist ein Wettstreit, welcher Tänzer. der vol 1 - kommendste sei. Der Impresario zupft den Tänzer zurechi. Die Trommeln schwellen auf, brechen ai\ und jetzt — unvergesslich.es Bild! Die helle Trommel des Tänzers, schweissüberströmt bockt der Schläger über seiner Trommel, wie im Trance die Augen geschlossen, wirbelt er, wirbelt, aufbrüllend in drei, vier Intervallen, die Augen aufreissend — nur das Weisse ist zu sehen —. wirft er die langgestreckte schlanke Holztrommel von sich, rast wie beschwörend auf die schon zuckende Maske zu. wischt über die Maske, rast zurück, nimmt seine Trommel wieder auf — das ist das Zeichen, nun toben alle Trommeln los. der Tänzer wirft sich förmlich, in einem - ekstatisch zuckenden Tanz, zur letzten Erschöpfung sich ausgebend, zum letzten Höhepunkt, — Sekunden höchster Spannung, dann bricht er zusammen aus dieser übergrossen Spannung, die Trommeln fliegen auf die Erde, die Maske sinkt in sich zusammen und ein wie erlöster Stacccaio- ■ Aufschrei aller: ,.Aach", beendet den Tanz, der Maskentanz mit dem Auszug beginnt. Ein Shakespearesches Rüpelspiel schiebt sieb ein. bevor der Tänzer der zweiten Gruppe seinen Tanz beginnt, streiten sich die Impresarios im Singsang über die Vorzüge und Besonderheiten ihres Tänzers, und jeder schreitet nach einem, wilden Disput den Riesenkreis ab, den Tänzer der anderen Gruppe verächtlich machend. Oh, Sonne, im schweissglänzenden Gesicht des Trommlers, auf der Albdruckmaske des Tänzers, Staub aus dem Tanz der 600, panische Lust des ekstatischsymbolischen Tanzes. Sonne. Himmel, Staub, Schweiss, Tiommeln — eine Ngoma für mich! (Fortöetzuug folgt.)