Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 51 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seifei. C.-V.-Zeihjng' Nr. 51 •* 23.DezemSer1937 Unsere Schule / von harry rost, Schüler der privaten jüdischen Lehranstalt für handwerkliche und gewerbliche Ausbildung auswanderungswilliger Juden des ORT-Berlin Es ist nun ein halbes Jahr her, dass wir, die ersten Schüler, die Ort-Lehrwerkstätten in der Siemensstrasse 15 zu Berlin-Moabit betraten. Voll Hoffnung begannen wir damals mit unserer Arbeit. Heute können wir mit Stolz sagen, dass unsere Hoffnungen nicht nur nicht enttäuscht, sondern dass unsere Erwartungen in Beziehung auf unsere Ausbildung weit übertreffen wurden. Ich möchte kurz unseren bisherigen Ausbildungsgang und unser Leben in dieser Schule, die für uns mehr als eine solche ist, schildern. Kurz vor 7 Uhr morgens beginnt ein reges Treiben. Aus allen Teilen der Stadt strömen die Jungens zusammen. (Wir sind jetzt knapp 120 Schüler im Alter bis zu IS Jahren und etwa 17 Umschichtler im Alter bis zu 39 Jahren.) Dann geht es heidi die. Treppen hinauf, denn zu spät kommt keiner gerne, und die Kontrolluhr, die jeden Morgen gestempelt werden muss, ist in diesen Dingen unerbittlich. Punkt 7 Uhr ertönt ein Klingelzeichen, und ein Teil der Jungen begibt sich in die eine Treppe tiefer gelegene Werkstatt, um mit der Arbeit zu beginnen. Der Rest, dies sind die religiös Erzogenen, fangen in einem ihnen zur Verfügung gestellten Raum an, das Morgengebet zu verrichten. Die Werkstatt ist ein sehr grosser heller Raum. In einem angeschlosseneu Raum sind die Schmiede und die Schweisserei untergebracht. Hier werden die Schüler, die ihre planmässigen Arbeiten schon fertiggestellt haben, mit der Kunst des Schweissens und des Schmiedens vertraut gemacht, damit sie auch in diesen Arbeiten Bescheid wissen. Der grösste Teil der Schüler steht vorläufig noch an den Schraubstockes um die vorgeschriebenen Arbeiten anzufertigen. Jeder Arbeitsvorgang wird von den Meistern kontrolliert die uns mit fachmännischem Rat zur Seite stehen. Unsere Anfangsarbeiten, Hämmer, Riegel, Winkel, Würfel, Taster und viele andere Sachen, liegen schon längst hinter uns. Heute haben wir schon alle Eckverbindungen, Metallsägen, Rohre usw. angefertigt. Selbstverständlich werden alle Gegenstände genau nach Zeichnung hergestellt. Zu den meisten Arbeiten sind Maschinen erforderlich. In ihrer Handhabung sind wir unterrichtet worden. Sobald irgendeiner der Schüler einen besonderen Gegenstand anfertigen möchte, fertigt er davon eine Zeichnung an, die dem Leiter der Schule vorgelegt wird. Sobald dessen Genehmigung vorliegt darf der Schüler mit der betreffenden Arbeit beginnen. So sind in der letzten Zeit eine Reihe wirklich netter Arbeiten entstanden. Zum Beispiel: Chanukkaleuchtet, Schabbatieuchter, Brieföffner. Ein Teil meinet Kameraden arbeitet schon an den Drehbänkeri und am Schnellhobler, natürlich unter Aufsich;, eines Meisters. Die Ausbildung in der Schlosserei soll uns nur als Grundlage dienen. In kurzer Zeit werden wir in die einzelnen Spezialabteilungen eingeordnet werden. Mit besonderer Befriedigung erfüllt es uns, dass wir unsere Werkstatt von A bis Z selbst aufgebaut haben. Wir haben uns mit Hilfe der Meister unsere Schraubstöcke allein aufgestellt, unsere Transmission angebracht, unsere Maschinen montiert, unsere Schmiede, Werkzeugausgabe, Schweisserei aufgebaut. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass die Werkstatt in der wii arbeiten, von uns mit geschaffen wurde. Um 9 Uhr 30 Min. klingelt es wieder. Wir waschen uns in besonders dafür errichteten Waschräumen und gehen in den Frühstücksraum, einen hellen Saal mit langen Tischen und Bänken, wo wir eine Viertelstunde Zeit haben, um unsere Butterbröte zu vertilgen. Ein Teil geht dann in die Werkstatt zurück. Der Rest begibt sieh in die Klassenräume, wo der theoretische Unterricht stattfindet. Wir sind in drei Gruppeif für den Unterricht eingeteilt. Wir haben durchschnittlich wöchentlich 4 Rechenstunden, 2 Physikstunden, 2 Materialkundestunden, 2 Berufskundestunden und 2 Stunden Fachzeichnen. Der Unterricht wird uns von besonderen Fachlehrern erteilt. Mittagszeit ist von 12 Uhr 30 Min. bis 1 Uhr. Wir erhalten dann gegen Zahlung von wöchentlich 25 Pfennigen jeden Tag eine ausgezeichnet schmeckende warme Gemüsesuppe, die so zubereitet ist dass sich auch die rituell lebenden Schüler an ihr beteiligen können. Bis 4 Uhr wird dann noch fleissig gearbeitet. Dann ist Feierabend. Nur wenige Minuten nach 4 Uhr ist es schon still im ganzen Gebäude, und niemand würde glauben, dass hier vor kurzem noch so ein reges Treiben herrschte. Dass hier 120 jüdische Jugendliche ihre Ausbildung als Facharbeiter erhalten, die sich später einmal .irgendwo in der Welt, in Palästina oder in Uebersee, ihre Zukunft aufbauen und vorwärtskommen wollen. Kriege hat er im Auftrag der Akademie für die Wissenschaft des Judentums eine Ausgabe des Targums zu den späteren Propheten vorbereitet; nur äussere Umstände haben bisner die Drucklegung des längst fertigen Manuskriptes verhindert Grosse Vertrautheit mit den orientalischen Literaturen und ganz besonders der hebräischen, zeigte Landauer auch in den mustergültigen Handschriften-Beschreibungen, die er in Katalogen der Bibliotheken von Strassburg und Karlsruhe niedergelegt hat — Der schlichte Gelehrte, der auch ausserhalb des philologischen Bereiches vorbildliche Gewissenhaftigkeit und Treue bewährte und der in den Kreisen seiner Fachgenossen auch als Mensch grösster Achtung begegnete, verdient ein dauerndes, ehrendes Andenken. A. Sp. Die staatliche „Schule für moderne orientalische Sprachen" in Paris hat auf Anregung von Professor Marcel Cohen Sonderkurse für Jiddisch (Leitung B. Halperi n) und für Neuhebräisch (Leitung Dr. Escolo) eingerichtet, Das Institut wird hauptsächlich von Diplomaten besucht. _ bearbeitet von P. Rosenblat Schachaufgabe Nr. 114 von S. Leites (Schachmatny 1937) Samuei Landauer Samuel Landauer, der am 18. Dezember im bald vollendeten 92. Lebensjahr gestorben ist wurde am 22. Februar 1846 in Hürben (Bayern) geboren. Er absolvierte in Mainz das Gymnasium, studierte in München Philosophie und Orientalia, promovierte dort 1872 mit der Arbeit ..Beitrag zur Philosophie des Ibn Sina", ging nach Leiden, Leipzig und schliesslich, noch zu dem damals schon hocbberühmten Theodor Nöldekke nach Strassburg. Hier habilitierte er sich 1875. später wurde er Honorarprofessor und wirkte gleichzeitig an der Universitäts- und Landesbibliothek. Seine Tätigkeit fand 1918 ein Ende, als er mit dem gesamten Lehrkörper der Universität nach dem Waffenstillstand von den Franzosen ausgewiesen wurde. Seitdem lebte er in Augsburg. Landauer besass in den semitischen Sprachen einschliesslich der persischen, ausgedehnte und gründlichste Kenntnisse. Er war sehen in frühen Jahren an einer Ausgabe des grossen persischen Dichters Firdausi entscheidend beteiligt. In der von der Berliner Akademie der Wissenschaften veranstalteten Sammlung der griechischen Aristoteles-Kommentare edierte er zwei umfangreiche, nur hebräisch erhaltene Schriften des spätantiken Philosophen Themistius. Saadja berühmtes religionsphiiosophisches Werk wurde von ihm erstmalig im arabischen Original veröffentlicht Nach dem w& y% % wS"/ Zk' i # k VA; 'M '< * w//' '/'/% W''/', mm ■ ai % m mmt '%M ffP' i S 7 /# m m £ A>, - « ipi ......... m Matt in zwei Zügen Weiss: Kc8, Daö. Ta4, Te6. Lei, Ldö. Sc5. Bb7. c3, e2. f3, g5, b3 (13» Schwarz: Kf5, Te3, Be7 (3) * Lösung der Aufgabe Nr. 113: 1. Dg6—eS, TföXdöf; Se6—cö matt (Drohung) \ . . . DcSXeS; -2. Se6—eö matt .... DcSXe6; 2. DeS—al matt .... Tf5—eö: 2/TflXM matt ____Lb8—eo; 2. Td5—dt matt , . . . fl—f3; 2. Tfl—el matt * Richtige Lösungen gingen ein von: Gustav Lew;, Dr. med. Gerbard Böhm, Rechtsanwalt Ludwig Mayer, Sanitätsrat Dr. Rifterband, Sanitätsrat Dr. S. Domke, Justizrat Kurt Jacusiel, Sanitätsrat Dr. Leiser (Berlin), Michael Levy (Krefeld), Landg.-Rat Emii Bacharach (Amberg). Hans Löwenstein (Bocholt). Adolf Schück. Fritz Ollendorf, Alfred Dzialoszynski (Breslau), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boebm (Brieg).?ie.gmnnd Austerlitz (Glessen). Wal- ■ ter Simon (Duisburg-Haraborn). Kantor D. Cohn (Koblenz), Dr. med. J. Meyerhoff (Rotenfels). Dr. med. IT. Kreilsheimer. Gottfried Gumbel (Stuttgart), Louis Weriheim (M.-Gladbacb), Landg.-Rat Dr. Karl Ulrich (München), H. Lindner (Burgkunstadt). Karl Bechhofen Dr. H. Hammelbacher (Dürnberg). L. Löwenstein (Osterholz-Scharmbeck), Hugo Kochmann (Oberglogau). L. Mehrländer (Konstadt), Frau Tilde Adler (Landsberg). Mehrere Einsender gaben 1. Td5—-d4f als Lösur.gszug an, übersahen aber, dass hierdurch der weisse König im Schach steht! Wann und wo finden Sie Rot? I/inl£»rke±n Köln Montag bis Freitag, 10—13 Uhr, Agrippinahauß, Breite Str. 92-96. III, Zimmer 78-78. Aachen 11. und 25. Januar, l&Ä—18 ülir. Gemeiadehau s, Promenaden- Strasse 21. Böhm 5. und 19. Januar, 16^2 bis 173,2 Uhr» im Büro von Rechtsanwalt Dr. Herrmanns, Meckenheimer Str. 64. Koblenz 4. -und IS. Januar. WA—IS Uhr. Gemeindehau s, Florinsmarkt 11. Kreuznach. 12."> Januar. I1U—13 Uhr. Gemeindetiaus. Adoü-Hitler-Platz 11. ©berstein 26. Januar. 11%—13 Uhr. Gemeindezünmer der Synagoge. Trier 5. tmd 19. Januar, 11U bis 13 Uhr, im Büro von Kechtsatrwak Dr. Vcremberg, Adolf- Hitler-Sir. 9. 3fit teldeutsc Iiland Plauen 5. Januar. 10—13 Uhr, Gemeindehaus, Engelstr. -Vorddeutscliland. Hamburg Moutas: Iiis Freitag, 10—13 Uhr, Beneckestr. 1, Erdcescb. rechts. (Tel.: 44 5071.) Hannover 4. Januar, 12—14 Uhr und 16-17 Uhr, Georgs: r. 14, II. C.V. und insbesondere des von ihm vertretenen .Landesverbandes. In einem Querschnitt durch alle Berufe, in denen Juden, tätig sind, schilderte er Versuchtes und Erreichtes. Die in allen Fällen sehr gut besuchten Versammlungen wurden von den Ortsgruppenvorsitzenden Max Eichen grün (Witten), Helmut Hertz (Krefeld) und Rabbiner Dr. David (Bochum) an Stelle des verhinderten Vorsitzenden Dr. Schönewald verständnisvoll geleitet. Aus den Familien Sally P o 111 i t z e r (Berlin) wurde am 21. Dezember SO Jahre alt. — Kantor Hermann W o 11 - heim (Königsberg, Pr.) feiert am -25. Dezember seinen 60. Geburtstag. — Frau Eugen. C a h n (Berlin W30) begeht am '!'->. Dezember ihren 70. Geburtstag. —• Aron Marx rankfurt a. 51.) vollendet am "25. Dezember sein 85. Lebensjahr. — Frau Anna Roos (Bad Kreuznach) wird am 25. Dezember 90 Jahre alt. — Frau Ferdinand Blumberg 'Dessau) begebt am 26. Dezemberübrcn 70. Geburtstag. — Frau Doris Grone mann :>"euM.ettin) feiert am 26. Dezember ihren 80. Geburtstag. — Lazarus G o 1 d s t e i u (Grevenbroich), Vorsteher der Gemeinde, vollendet am 27. Dezember sein 80. Lebensjahr. — Isidor Lazaru.s (Trier) begeht am 38. Dezember seinen TM. Geburtstag. — Adolf Marx iWürzburg) wiixi am 28. Dezember 80 Jahre alt. — Frau Berta L e w i n geh, Spiro (Berlin) begeht am 28. Dezember ihren 85. Geburtstag. — Samuel Bauer (Berlin S'i wird am 30. Dezember 80 Jahre alt. — Frau 51arianne Rosenberger geb. Reinhold (Berlin W15) vollendet am 30. Dezember ihr 90. Lebensjahr. — 5Iagnus H i r s c h m a n n (Gross-Krotzenburg b. Hanau a. 51.) feiert am 31. Dezember seinen 85. Geburtstag. — Max Kiwi, Tischlermeister auf dem Jüdischen Auswanderorlehrgut Gross-Breesen, feiert mit seiner Frau am 25. Dezember die silberne Hochzeit. — 'Moritz Ense n t h a 1 und Frau Pelina geb. Jarecki (Berlin X) begehen am 26. Dezember das Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Aron K a y e m und Frau Johanna geb. *trauss '.Hamburg) feiern am. 29 Dezember ihre silberne Hochzeit. — Raphael Bachrach (Hamburg). Mitglied des Repräsentantenkollegiums und zahlreicher Einrichtungen der Hamburger Gemeinde, starb am IL Dezember im Alter von 60 Jahren. — Krau Babette Rosenb e r g geh Bacharach (Usingen) ist im Alter von 78 Jahren gestorben. — Frau Emilie Michel geb. Gumperz (Recklinghausen) starb im 88. Lebensjahr. Nur mit Mühe gelingt es den jungen Leuten, die fast schluchzende Debora zu bewegen, hinaufzugehen und die Besorgung des närrischen Jeschiwabachurs Efraim Felber zu überlassen. Dem steigt mit zunehmender Lichtheit auf, dass Jossei so ganz unrecht nicht habe, und wie er sieb, das Geschehen noch einmal blitzschnell durch den Kopi schlägt, wird dem Anstifter des gefährlichen Spieles rasch deutlich, dass es kein Spiel gewesen, sondern eine regelrechte Trauung. Was er mit einer heimlichen Verwünschung feststellt beruht auf Wahrheit: Die reiche Tochter Awner Lei'koys ist mit dem armen Jeschiwajungen Jossele Gradner verheiratet, nicht anders, als habe sie Reb Mordechai getraut. Diese Erkenntnis kommt dem fürwifzigen Geist doch mit einiger Bängnis, und während er flink überlegt was zu tun sei. um zu verhüten, dass ein Skandal durch die schon schlafenden Fenster der Stadt breche, schaut Josse! gleichmütig auf die verdutzten Gesichter der Anwesenden- „Ein. Narr versteht bekanntlich keinen Spass", lasse heftig ein-°r seinem Unmut Lauf, und gereizt, von Müdigkeit und durch den Quergang ihres Vergnügens stimmen ihm die anderen bei- Da schickt Jossele. sich an, der verschwundenen Debora nachzufolgen, und den Leuten bleibt nichts übrig, als dem Mann in den Weg zu fallen und ihn mit ein paar Flüchen und Stössen zu bedenken. Ehe der finster dxeinblickende Bursche Widerstand leisten kann, umnimmt ihn der gewitzte Efraim freundschaftlich und flüstert ihm ins Ohr: ein Wort, Reb Jossei." Beide treten ein wenig abseits, und der schlaue Weinhändler sagt, 'den rhythmischen Tonfall frommer Gemaralerner zu Hilfe nehmend: „Hört mich an, Reb Jossei. was habt ihr schon davon, wenn ihr mit der Frau gleich in der ersten Stunde nach der Chuppo Streit beginnt .." Und sagt mit steigendem Eifer: „Ihr seht doch, wie jung sie noch ist; eine Mutter welche sie belehren könnte fehlt. Und der Vater ist nicht da. Geb ich euch den Rat. Reb Jossei — ihr seid doch ein Kluger — zerstört nicht die Festesfreude euch und der Braut und uns allen. Kommt morgen hierher, trifft ihr Reb Awner im Hause, er wird euch mit offenen Annen als Eidam aufnehmen. Alles weitere ergibt sich dann von selbst!" Der junge Ehemann hat die Rede des findigen Efraim schweigend über sich ergehen lassen. Mit starker Betonung erwidert er: ..Nach Recht und Brauch geschieht mir nicht, doch die eine Nacht will ich noch im Beth-Hamidrasch verbringen", spricht's und lässt den aufatmenden Ehesiifter stehen. Der verlässt auch mit den drei letzten Gästen das schon verdunkelte Haus: das Lachen ist ihm einstweilen vergangen. (Fortsetzung Folgt) Das Dezemberheft des ^Morgen*6 In seinem Streben, Erscheinungen des Tages unter dem Gesichtswinkel ihrer grundsätzlichen Bedeutung zu sehen, bringt das Dezember-Heff des „Morgen" wiederum eine Fülle wertvollen Materials. In dem Leitartikel von A. H. ..Wettlauf der Hilfe'4 werden die Hemmnisse jüdischer konstruktiver Hilfarbeit auf ihre inneren Gründe durchleuchtet. „Verschwunden ist", so führt der Verfasser avs, „aus der Mitbestimmung auf der einen Seite der schlichte Jude, der gibt, und auf der anderen Seite der schlichte Jude, der empfängt". Die Gefahr der Bürokratisierung. deren erlebnishafte Beobachtung deutlich in jeder Zeile des Aufsatzes mitschwingt, findet aber nach Meinung des Verfassers einen 1 teilweisen Ausgleich durch die positiven Folgen des jüdischen Hilfswerks auch auf erzieherischem Gebiet. Der einzelne jüdische Mensch erlebt am eigenen Körper die ungeheure Bedeutung, die der Rückhalt an der grossen jüdischen Gemeinschaft für ihn darstellt, und wird dadurch auch in seiner Gesinnung fester und vertiefter an seine jüdische Gemeinschaft gebunden. Was der Leitartikel in allgemeiner Hinsicht zur Frage grosszügiger jüdischer Hilfsarbeit ausführt, wird nach der persönlichen Seite wirksam fortgeführt durch den Nachruf Leo B a e c k s auf Felix Warburg. Die gehobene und doch nahe Sprache, in der Baeck meisterhaft die Persönlichkeit des kürzlich Verstorbenen vor uns erstehen lässt, gibt unserer nach Vorbildern suchenden jüdischen Gegenwart eine neue Quelle der Kraft und. des Bemühens um Nacheiferung. In kulturgeschichtlicher Hinsicht bildet der materialreiche Aufsatz von Hilde Ottenheim e r über ..Aschkenasim und Sefardim" eine wertvolle Bereicherung, zumal dieses Problem bisher durch die Wissenschaft noch längst nicht erschöpfend behandelt ist. Geht es doch hierbei um die Frage, wieweit und in welcher Richtung zwei Zweige der jüdischen Gemeinschaft durch verschiedenartiges Geschichtserleben und verschiedenartige Umwelt trotz gemeinsamer Herkunft in ihrem Grundcharakter umgeformt worden sind. Dass durch die Veröffentlichung der Arbeit von Günther Friedländer über „Das Ende der Bünde" ein aktuelles Problem in einer Weise aufgelockert worden ist, wie dies gerade uns nur durch den „Morgen" möglich ist, beweist nicht nur die Resonnanz der Aufsätze in der jüdisch-öffentlichen Diskussion, sondern auch die Aussprache, die in dieser „Morgen'VNummer^. veröffentlicht ist. Die beiden zu Wort kommenden Kritiker der Friedländerschen Ausführungen, Heinz Gochsheim er und Hardi Swarsensky bestreiten Friedländers These vom Untergang der Bünde, teils mit schlüssigen, teils mit unschlüssigen Argumenten, auf die hier im einzelnen nicht eingegangen werden kann. Besondere Erwähnung verdient lediglich ein Missversfändnis der Ausführungen Swarsenskys, der nämlich das von Friedländer behauptete mangelnde jüdische Heimatgefühl der Jugend durch den Hinweis auf die Arbeit der zionistischen Bünde zu widerlegen sucht. Mit Recht weist Günter Friedländer in seinem Schlusswort darauf hin, dass es sich ja hierbei nicht um die nach Palästina auswandernde Minderheit handele, sondern um die weiten Schichten jüdischer junger Menschen, die ihre Heimat in anderen Ländern, suchen müssen, und. deren jüdische Erziehung heute ein neues zentrales Problem jüdischer Jugendarbeit geworden ist. Der Reichtum neuer Anregungen, die das Heft auf den verschiedensten Gebieten gewährt, wird noch vergrössert durch eine interessante, tiefschürfende Kritik Hans B a c h s an der kürzlich erschienenen Kafka-Biographie von Max B»od, sowie durch Beiträge von Ben G a v r i e I über ,.Die Idee des Crassus", ein. Gedicht von Julian Arendt und durch mehrere besonders aufschlussreiche Glossen und Buchbesprechungen. Dr. Werner Rosenstock. Aus der wissenschaftlichen Weit Auf dem 9. Internationalen Kongress für Philosophie in Paris wurde auf Vorschlag des Groninger Professors Dr. Leo P o 1 a k die Universitätsstadt G r o n. i n s en als nächster Ort des Kongresses für das Jahr 1941 einstimmig gewählt. Leo Polak wurde zum Vorsitzenden des Kongresse« designiert. In New-York starb, 66 Jahre alt, Dr. Jesaja Rosenberg, der unter dem Pseudonym Dr. Karl Fornberg zahlreiche ökonomische Arbeiten publiziert hat. Er stammte aus Kowno, war zunächst im ßankfach tätig, studierte dann in Leipzig und Bern und wurde "mit seinem Buch über Ricardo als Werttheoretiker bekannt, das in deutscher Sprache erschien. 1898 ging er nach Amerika, schrieb den zweiten Band von Jakob Dienesohns jiddischer Weltgeschichte und wurde Mitarbeiter und Redakteur verschiedener jiddischer Zeitungen und Zeitschriften, Herausgeber der Monatsschrift „Literatur und' Leben"" und endlich Gründer des „Literarischen Verlags". Er hat sich als^ Verleger um die Verbreitung guter jiddischer Literatur Verdienste erworben. * Professor I. Henri Hymans, der an den Universitäten Leyden, Leipzig und Berlin studierte, ist in Amsterdam, wo er 25 Jahre als Recbtsgelehrter an der Universität wirkte, 68 Jahre alt. gestorben. Er veröffentlichte grundlegende Werke über römisches und internationalen Privatrecht.