Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 51 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. 51 * 1. Beiblatt ILlflfeihing 23. Dezember 1937 * Seite 3 Auslandsnachrichten Amerika Präsident Franklin D. Roosevelt hat der ..National Conference of Jews and Christians" zu ihrem zehnjährigen Bestehen ein Telegramm gesandt, in dem er besonders betont, dass^er die Bestrebungen der Vereinigung aui Verständigung zwischen Juden und Christen begrüsse und^deri Grundsatz der Gleichberechtigung der Konfessionen gutheisse. DasJeschiwa-College in New York be- «e.hloss auf einer Konferenz aus Anlass seines 50jährigen Bestehens einen Eine-Million-Dollar- Drive durchzuführen. Die gesammelten Gelder sollen jüdischen Studenten aus den Ländern zufliessen, in denen sie ihre Studien nicht fortsetzen können. 250 000 Dollar wurden sofort Ly EJ Grosse Aus» ms* l£ wahä in fein. Mänteln, p«n0p mod. Paletots, eleganten UuJjCö, Sa Silberfüchsen HjSBF* Sfillijsre Preise i, WeSssSer, mir Kurfürstendamm 29 gezeichnet. Der Gouverneur des Staates Michigan, Frank Murphy, betonte in seiner Begrüßungsansprache die Notwendigkeit, sich gegen judenfeindliche Bestrebungen, die sich auch in Amerika bemerkbar machten, zur Wehr zu setzen. England Das Verbot von Umzügen im Londoner East-End. das sich in erster Linie gegen die Bewegung Sir Oswald Mosleys richtet, ist nach einer Mitteilung des Innenministers Sir John Simon um weitere drei Monate verlängert worden. Auf einem Essen der „Jüdisch-Medizinischen Gesellschaft'* in London sprach als Gast S i r Henry Dale, der im vergangenen Jahr mit Otto L ö w i aus Graz den Medizinischen Nobelpreis erhalten hatte. Er führte u. a. aus: „Esist für mich eine grosse Ehre, Gast einer Gesellschaft zu sein, die ein Volk repräsentiert, dem die Kulturwelt sehr viel schuldet, und ich zweifle, ob sie jemals diese Schuld wird voll AsphaSSierungen RS?rEÄF^sÄ5 fflasternneen, Bürgersteige, — Telephon: 9247 56. zurückzahlen können. Ich bin stolz darauf, dass die Juden in England die Möglichkeit einer freien Entwicklung haben. Niemand uuter uns zweifelt daran, dass die Juden ihr Bestes der Welt geben und gegeben haben. In meinem Leben bin ich vielen Juden begegnet, und nicht selten hatte ich Gelegenheit, mich zu überzeugen, was die Juden auf dem Gebiete der medizinischen Forschung geleistet haben und leisten können." Irland Gegen judenfeindliche Bestrebungen der ..Irish"Christian Protection Association" wendet sich in einer Resolution eine Gruppe irischer Persönlichkeiten in Dublin, die der Regierung nahe steht. Italien Zum Nachfolger des verstorbenen Oberrabbiners von Florenz, Umberto C a s s u t o. wurde Kaiman Friedman ernannt. Mexiko Gegen eine neue Festsetzung der Einwanderungsquote, die angeblich die Einwanderung von Juden erleichtere, "wandten sich judenfeindliche Organisationen in einem öffentlichen Protest. Russland Bei den Wahlen wurden in dem jüdischautonomen Bezirk Biro-Bid schau drei Juden, nämlich Goldmacher, Heier und Lischanskaja, in den Obersten Rat gewählt. Südafrika -Der Minister für Erziehung und Sozialfürsorge J. H. Hof m eyr erklärte auf einer Versammlung der „Society of Jews and Christiane" in Johannesburg, dass das Land ohne die Tätigkeit der Juden sehr viel ärmer wäre, und. bekannte sich selbst als Freund des Judentums. In Kapstadt starb im Aller von 74 Jahren Rev. Alfred P. Beude, der 42 Jahre Rabbiner der dortigen Gemeinde war und als Professor für Hebräisch an der Universität lehrte. Ebenfalls in Kapstadt verstarb Isaak Oelsberg, als Bankier und Philantrop gleich bekannt. Er war Präsident der Kapstadter zionistischen Organisation und binterllessu. a. 25 000 Pfund Sterling zur Ansiedlung armer Juden in Palästina. 10 000 Pfund Sterliug zur Ausstattung jüdischer Mädchen aus Polen, die Pogromopier sind, und weitere 10 000 Pfund Sterling für Stipendien der Hebräischen Universität Jerusalem sowie 3000 Pfund Sterling zur Schaffung von Spielplätzen für farbige Kinder in Kapstadt. Tschechoslowakei Der Präsident der Republik. Dr. Eduard Benesc h. verlieh den W e i s s e n - L ö w e n - Orden, der an Ausländer für Verdienste um den tschechoslowakischen Staat vergeben, wird, an den Vizepräsidenten der tschechoslowakischen Handelskammer in Tel-Aviv Tolkowski. den Präsidenten L e v o u t i u und den Vizepräsidenten Nathansobn der tschechoslowakischen Handelskammer in H a i f a. In Prag fand die 15. Tagung der Vereinigung der deutsehen Rönigenologen in der Tschechoslowakei statt. Professor Leopold Freund (Wien) wurde zum Ehrenmitglied ernannt, die Wiener Professoren Jonas Borak uud Max Sgalitzer zu Korrespondierenden Mitgliedern gewählt. Ungarn Am IB. Dezember machte der Führer der Christlich-sozialen Partei. Dr. A. C s i 11 e r y . im Verwaltungsausschuss der Stadt Budapest die Mitteilung; dass ..am Sonntag abend ein halber Waggon Galizier ans Nyirgebaza*' in der Stadt, eingetroffen sei und verlangte eine scharfe Kontrolle der Bahnhöfe. Der ebenfalls in der Sitzung anwesende Oberstadthauptmann Dr. A. Elia ssy erklärte, er werde sofort die nötigen Massnahmen ergreifen. Morgens um r'4 Uhr fand darui'Iiin am 14. Dezember wiederum eine grosse- Razziü um den Trödelmarkt im VIII. Bezirk statt. Nach drei Stunden wurden insgesamt 355 Personen in Polizeigewahrsam gebracht. 51 — darunter 34 Juden, iß Christen und ein Moharaedaner — wurden zurückbehalten, die übrigen entlassen. Inzwischen haben, wie man hört 34 ausländische Juden einen Ausweisungsbefehl erhalten, während gegen 2S2 Personen ein Verfahren wegen mangelhafter Ausweispapiere eingeleitet wurde. Auch in der Provinz haben ähnliche Aktionen gegen die Juden stattgefunden. Talmudschüler wurden mit der Begründung, sie hätten kein festes Einkommen, ausgewiesen. Das Budapester Strafgericht verurteilte den Grossgrundbesitzer Graf"Nikolaus Serenyi. der in einer Zeitschrift scharf judenfeindliche Aeusserungen gegen das ungarische Judentum veröffentlicht hatte, wegen Aufreizung gegen die jüdische Konfession bedingt zu einem Monat Gefängnis, den Schriftleiter des Blattes zu ■zwei. Wochen Gefängnis. In einem anderen Prozess wurde über einen Privatbeamten wegen des gleichen Delikts eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen verhängt. Fahrt durch ein Gemeindedezernat Ein Sonntagmorgen im Dezember. Vom Bahnhof Zoo startet ein Autobus, der — im Auftrage des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde — mitten hinein in die Arbeit der Gemeinde, mitten hinein in das Leben jüdischer Mensehen führen soll. Erstes Ziel ist das Altersheim in der Berkaer Strasse. Der Riesenbau, von Alexander Beer errichtet, wirkt durch einfache Linienführung, aufgeteilt in helle Mauerstreifen und rötliche Kliukersimse, sehr monumental. Das Innere ist voller Licht und Luft; mau fühlt sich, fast in ein neuzeitliches Sanatorium versetzt: grosse helle Korridore, an manchen Stellen zu Dielen mit bequemen Sesseln und Bücherbrettern ausgebaut, grosse luftige Zimmer, au£ der Gartenseite mit laugen Balkons. Die Bewohner, die ihre Räume mit eigenen Möbeln nach eigenem Geschmack einrichten, bemühen sich sehr, sich dem architektonischen Stil des Hauses anzupassen. Der gemeinsame Speisesaal ist nur für Externe bestimmt, für Leute, die in der Nähe untergebracht, sind und nur zum Essen in das Heim kommen. Alle anderen nehmen die Mahlzeiten auf ihren Zimmern ein. sicherlich eine Mehrbelastung für die Arbeitskräfte, aber eine Erhöhung des Wohlbehagens für die Insassen. Das Alters h e i m L i c h t e r f e 1 d e « zu dem uns dann, der Autobus fährt: eine Villa, durch Anbauten zweckmässig erweitert, ein Garten mit wunderschönen alten Bäumen, das Ganze von allen Seiten von Gärten umgeben. Hier ist die Zahl der betreuten Alten wesentlich kleiner als in der Berkaer Strasse. Deshalb vereinigt täglich ein Speisesaal mit vielen runden Tischen die Bewohner zu gemeinsamen Mahlzeiten. Und weiter fährt der Omnibus. Nach Köpenick, zu einem Haus, das weder durch seine Grösse noch durch seine Bauweise seineu Zweck erkennen lässt. In einem Garten liegt ganz frei das jüngste und kleinste Altersheim der Gemeinde, weit weg von dem Getriebe der Grossstadt, wohin die'vielen Tagessorgen, die '' uns in der Stadt drücken, nicht reichen. Hier lebt die nur kleine Zahl der Bewohner fast wie eine Familie,.und hier leben auch Familien zusammen. So sind drei alte Schwestern, jede weit über 70, die ihr ganzes Leben zusammen verbracht haben, auch hier in einem Zimmer vereint; sie brauchen sich auch im Alter nicht zu trennen. In viele Zimmer haben wir hineingeschaut, üeberali stehen und hängen Photographien von den Lieben in der Ferne, von Enkeln, die die Alten nie gesehen haben und nie kennen lernea werden. In allen Zimmern werden Briefe von Kindern gelesen. Ihnen, ihrem Wohlergehen gilt die Hauptsorge der Eltern, und sie kann ihnen leider niemand erleichtern. Aber die kleinen und kleinsten Sorgen des Alltags werden ihnen durch die sorgsame Aufmerksamkeit der Heimleitung genommen, die selbstverständlich auch auf das körperliche Wohlergehn der Insassen bedacht ist. Und auch die Sachbearbeiter der Gemeinde stehen in engster Fühlung mit den Alten. Jeder einzelne ist dem Dezernenten Moritz Rosenthal bekannt. .fed<--r kommt zu ihm mit seinen Sorgen, und jeder wird wirklich individuell behandelt. Die Kinder im Ausland, die schweren Herzens schon jahrelang ihre Eitern ganz der Obhut der Gemeinde überlassen mussten, würden sich freuen, wenn .lüfläschfs FficIJir«>sc5*iift Säet. Röntgen- und Eiektro-Wsdirin Bedarr für den^Arzt Aiisivanderer-Berstur.?. Anu. Verkauf K«neff«>iB-Sny. Kurt 53 ä reu»e Berlin X. 4.''Chaussees:rasse ■> Telefon 4:2 t.iO <><?. sie die zufriedenen Gesichter sehen könnten. Sie beweisen, dass die Gemeinde, die von ihr übernommene Pflicht mit echt jüdischem Familien- und Opfersinn erfüllt. Sky. Vorträge im Jüdischen C.-V. Der Landesverband R h e i u 1 a n d - W e s i - i'alen hat in den ersten Wochen der Winterarbeiiszeit eine rege Vortragstätigkeit entfaltet. Ueber ..Di? jüdische Welt in Bewegung" sprach Dr. Alfred VI i r s c h her g (Berlin) am 15., 1.6. und 17. November in Duisburg. Do r t - in u n d uud Wuppertal. Er entwickelte die Lage der jüdischen Gesamtheit inmitten einer iu Bewegung geratenen Welt, behandeile die konkreten Aufgaben, die hier und draussen zu erfüllen seien "und unterstrich die Problematik der auch in ihren inneren Zusammenhängen und. geistigen Vorstellungen bewegten jüdischen Menschen. Die ausgezeichnet besuchten Veranstaltungen wurden von den Vorsitzenden. Hauptlebrer Fritz Kaiser (Duisburg), Rechtsanwalt Dr. Koppel (Dortmund) und Rechtsanwalt G o 1 d s c h m i d t (Wuppertal) geleitet. Ueber „Aufgaben und Wege" sprach dar Syndikus des Landesverbandes. Dr. Emst Plaut (Essen) am 2H. November in Witten, 24. "November in Krefeld und 14. Dezember' in Bochum. Der Vortragende wies zunächst auf den tiefen Gegensatz des Lebensgefühls innerhalb der^beute lebenden europäischen Generation zu der Stimmung der Zuversicht und Saturiertheit in der Epoche des .neunzehnten bürgerlichen Jahrhunderts hin. Im Hauptteil seines Referats zeigte er an einer Fülle von Einzelbeispielen die praktische Tätigkeit des;^^^>(Oc^ , ^sw^ Novelle von Moritz Kaswan 2. Fortsetzung Efraim, der ehemalige Jeschiwabachur, rückt seinen schiefsitzenden Kneifer in die richtige Lage und ruft mit spitzbübischem Augenzwinkern: „Herschaften, wir tun ein Werk Gottes, wenn wir Josse] Gradner unter die Chuppo stel- - len!" Und, ohne die Antwort seiner überraschten Freunde abzuwarten, fragt er hastig den aufhorchenden Talmudschüler: „Willst du gleich Hochzeit halten? So sag schnell ja!" .AVenn ihr es meint", sagt Jossele zögernd, ..meint ihr es gewiss ernst," und spricht, als jeuer eifrig nickt, eine klares Ja. Ruft Efraim mit Pathos: ..Dann such dir die Schönste aus.'; und führt ihn dicht an die Mädchenreihe heran. Inzwischen hat das junge Volk gemerkt, worauf ihr Anführer hinaus will; voller Eifer umstellt es den an seinem Glück noch zweifelnden Bachur und drängt ihn: ..Wähle dir eine schöne Braut aus. Jossele, die schönste wähle, Jossele!" Ein paar hübsche Töchter, umringen ihn und flehen: ..Mich wähle!'' ..Nein, mich, Jossele!" rufen andere und vergrössern seinen krausen Seelenaufruhr. dass der weltfremde Schüler Raw Mordechais vor dem Geknister ihrer seidenen Kleider, vor ihren schmeichelnden Stimmen entfliehen würde, wenn uuter den vielen nicht ein Augenpaar gewesen, in das er hineinstarrte, al.» suche er in einem Spiegel sein verschollene^ Ebenbild. Langsam schreitet er, wie ein Blinder fast, auf die Mädchenerscheinung zu und sagt laut, in Wahrheit ist es nur ein Stammeln: „Diese gefällt mir am besten, diese wähle ich Die fröhliche Gesellschaft, als habe sie nur auf solche Erklärung gelauert, antwortet mit einem schaltenden Gelächter und gibt damit das Zeichen zu einem Spiel kecken Ueberschwangs. Efraim Felber springt auf einen Stuhl und schmettert in den Raum: „Auf. lasst uns eine Chuppo stellen für Jossei Gradner und Dora Lefkoy!" Dem Gedanken wird mit übermütigen Bravorufen zugestimmt, und im Nu fühlt sich Jossei von den kräftigen Händen der gleichaltrigen Jünglinge beiseite gezogen, um als Bräutigam ausgeschmückt zu werden. Auch die anfänglich sich sträubende Dora, welche den Spass soweit nicht treiben möchte, aber von den Freundinneu angefleht, keine Spielverderberin zu sein, lässt sich schliesslich willig, vom Ungetüm der Laune erfasst. in ein Nebengemach ziehen. Dem erst hilflos, dann stolz und strahlend lächelnden Bräutigam hat man das Prunkstück Vater Lefkoys, den Streimel, aufs Haupt gedrückt: sein Haargeringel an den Schläfen nachgedreht und ihm die kurze Weile bis zum Erscheinen der Braut, mit Reden vertrieben, über welche nicht er, sondern die anderen sich selbst ergötzten. Dora iiess das Hochzeitskleid der verstorbenen Mutter aus der Truhe nehmen, eine Kostbarkeit aus weissem schwerem Atlas mit Spitzen durchbrochen, winzige Stäbchen schmiegen sich kunstvoll um den Hals, zieren auch die bauschigen Keulenärmel. Am prächtigsten jedoch fällt die drei Meter lange Schleppe, nach welcher' die begeisterten Mädchen sich bücken. So ausgeputzt, den Schleier darüber, erwartet sie die Ankunft Josseies, dessen Herz beim Anblick der hochzeitlichen Schönheit ius Jagen gerät, dass es ihn beinahe schüttelt. Auch die zum Schabernack bereiten Gäste verstummen für einen Moment vor Bewunderung, zerbrechen dann jedoch mit doppeltem Stimmgezerr den schönen Augenblick. Efraim Felber, mit den Zermonien einer jüdischen Trauung vertraut, holt den bereits entworfenen Ehevertrag und fordert das Paar auf, das Dokument mit ihrer Unterschrift zu bekräftigen. Dora unterzeichnet, wie 'es verlangt wird, mit ihrem echteu Namen Debora, Tochter des Awner Lefkoy. uud Jossei setzt den seinen daneben. Mittlerweile zeigt der Zeiger schon gegen zehn und man schreitet zur Bedeckung der Braut. Als Baldachin dient ein türkischer Wandbehang aus weichen Fasern, der ausgespreitet, von den vier längsten Burschen mitten in der Stube in der Höhe gehalten wird. Jossei, der langsam aus seiner Benommenheit zurückfindet, löst sich, ein seliger Bräutigam, aus dem Kreis der jungen und, geführt von zwei Begleitern, geht er gemessenen Schrittes auf die verschleierte Braut zu, um mit ihr, welche gleichfalls von zwei Freundinnen geleitet, unter den Trauhimmel zu treten. Was nun folgt, hält aui das genaueste den religiösen Brauch iune: die Begleiter, Kerzen in den Händen, schliessen einen Halbkreis. Die Braut wird von den Mädchen siebenmal um sich selbst gedreht, und Efraim Felber verliest das unterschriebene Dokument. Danach steigt der spannendste Teil der Trauszene: Jossei steckt der märchenhaften Debora den Ring auf den Finger und spricht: „Hareb at mekudeschess Ii.*' Kaum endet Efraim mit den Segenssprüchen, schwirren die Rufe „Maseltow, Maseltow", wie Gummibälle aus allen Ecken hervor: das Paar wird umringt, und das Glückwünschen will kein Ende nehmen. Es vergeht eine Stunde und noch eine mit allerlei Spässen und jüdischem Hochzeitsschwank, in welchen der vermeintliche Ehemann, kühner geworden, zum Ergötzen der beifallklatschenden Versammlung ein chassidisch.es Tänzlein aufführt: ja sogar nach der lachend ausweichenden Debora einen läppischen Griff wagt. Nach Mitternacht überfällt die des Vergnügens satte Gesellschaft eiue rasche Müdigkeit, und ohne Verzug sputet sich alles zum Aufbruch. Nur einer bleibt an der Taiel: Jossei, der Gatte Deboras! Als die Hälfte der Gäste schon aus dem Hause eilt, fragt jemand den ruhig dasitzenden Jeschiwaschüler. worauf er noch warte, und starr, über seine Antwort, läuft der Mann dem gerade fortgehenden Efraim nach und brüllt: „Felber!" Der bleibt stehen und hört, Jossei verlange, mit Debora in den Schlafraum geführt zu werden. Zuerst wehreu die paar noch in der Stube weilenden Gäste das Vernommene mit einem letzten Auflachen ab, als gelte es einem köstlichen aber verpassten Witz; wie aber Efraim auf den gelassenen Jüngling zugeht und scherzend sagt: ..Jossei, schon Zeit aufzubrechen", und dieser die Antwort von eben ernsthaft wiederholt, kommt dem Wortführer der Komödie eine leise Ahnung, dass jener den Abend als wahr genommen haben könnte. Mit dem matten Versuch, eine gelaunte Miene zu ziehen, redet er: ..Jossei, steh' ruhig auf, jeder Spass muss mal haltmachen, verstehst du!4' Jossei rührt sich nicht vom Fleck. Entgegnet: „Was für pinen Spass meinst du?" Etwas in der Stimme des Talmudschülers gefällt Efraim nicht. Ein neuer Klang ist d& rinnen, eine männlich starke Färbung. Doch ungehalten über dessen Sturheit und. den unfreiwilligen Aufenthalt in dem von ausgeh.ew.hm Kerzen uud Tafelresb-u düster scheinenden Zimmer macht er dein sich als Tocbiermauu Lefkoys dünkenden Jossei klar, dass die ganze Chuppo ein Mummenschanz gewesen, und er iu drei Teufels Namen nun nach Hause oder sonstwohin türmen solle. Der nicht erwartete Sciüuss des Festes hält die paar noch verbliebenen Gäsle teils belustigt, teils ärgerlich zurück. Auch Dorn, die ihre Freundinnen hinausbegleitet hat. kommt hinzu, und als sie erfahren., worum es gehe, schreit die sonst sanft empfindende Mädeheuersch einung mit plötzlicher Wildheit dem jungen Mann ius Gesicht: „Was stehst denn noch da wie ein Stück Holz? Meinst etwa, bist mein Mann, weil Efraim dir den Streimel aufgesetzt hat?"' Der Schüler Raw Mordechais blickt die iu ihrer Erregung nur liebreizender wirkende Schönheit feierlich an und antwortet: ..Ich meine wirklich, wir sind verheiratet. Debora, bat man uns nicht nach dem Gesetz Mosches und Jisraels getraut?" Die Antwort, die er darauf erhalt. "ähnelt 'der von Bobbe Scheindel.