Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 51 (23.12.1937)
- Date
- 1937-12-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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C-V.-Ieitung Nr. 51 * 23. Dezember 1937 politische Prinzipien eine Holle. Es isi aber auch zu erwähnen, dass Vaida-Voevod der Propagandist des sogenannten Numerus valachicus ist Vaida-Voevod verficht das Prinzip „Rumänien den Rumänen". Den im Lande lebenden ungarischen, deutschen und jüdischen Minderheiten will er nur einen ihrer Grösse entsprechenden Anteil an den Stellen in Verwaltung, Kultur sowie in der privaten und staatlichen Wirtschaft ^Ludwig Simon "< Fnedrf efiw. «5 a? ^cfce?HJi iT^indwi ^«y. - > ' s&\99&<>^*>A v * aubilligen. Tatarescu ist eine Verständigimg "mit Vaida-Voevod gelungen. Die Liberale Partei hat mit der Rumänischen Front ein Wahlabkommen geschlossen. Au! der anderen Seite ist eine aussergewöhnliche politische Konstellation dadurch entstanden, dass die Oppositions- ' Parteien einen ..Nie-htangriffspakt" eingegangen sind. Der neue Führer der Nationalzar anistsn. Maniu, hat sich an die rechtsradikale Partei ..Alles für das Land" gewandt. Er hat mit dem Führer dieser aus der Eisernen Garde hervorgegangenen antijüdischen Partei des Kapitäns Codreanu eine Vereinbarung getroffen, wonach beide Parteien die Regierimg bekämpfen und für eine ordnungsmässige Durchführung der Wahlen, die in Rumänien oft mit Unregelmässigkeiten verknüpft sind, sorgen wollen. Die Nationaisaranisten haben bisher einen streng Verfassung mässigen Kurs befürwortet und sind mit dieser Parole auch in den Wahlkampf gezogen. Iq der Judenfrage haben sie eine durchaus nicht negative-Haltung eingenommen. Ihr Zusammengehenmit der betont judenfeindlichen Bewegung Codreanus zeigt aber, welche Bedeutung man dieser Partei zuspricht Der Ausgang der Wahlen hat diese Erwartungen gerechtfertigt. Dass Codreanu. dessen Partei streng hierarchisch und A Max Möller s&K i U'nrenJnweien. Gold-u.Silberwar ... Berlin C en MUnzs'reßelS autoritär gegliedert ist. die drittstärkste Partei werden und damit die andere, schon lange bestehende antisemitische Partei; die°naüonal-christliche Partei Goga-Cuza, absolut überflügeln konnte, beweist, wie stark die antijüdische Strömung, die auf völlige Ausschaltung der Juden, geht, geworden ist Mit Codreanu will es keiner verderben. Sogar der ehemals so mächtige Außenminister Titulescu, der von Codreanu immer sehr stark bekämpft worden ist, hat sich veranlasst gesehen, die Erklärung abzugeben, dass er durchaus nicht der neuen "Bewegung Codreanus feindlich gesonnen sei. In welcher Weise Codreanu den Juden gegenübersteht, geht schon allein daraus hervor, dass er gegenüber Angriffen erneut seine absolut judenfeindliche Stellung festgelegt und erklärt hat der Wahlpakt der eine ungehinderte Stimmabgabe für jeden rumänischen Wähler vorsieht, gelte nicht für Juden. Er habe Anweisung gegeben, dass sein Ordnungsdienst nicht einschreite, falls Juden bei der Ausübung ihres Stimmrechts gehindert werden. "So hat es denn auch zahlreiche Einschüchterungsversuche gegeben. Juden sind durch Drohungen der verschiedensten Art und vor allem durch eine entsprechende Flüsterpropaganda beeinflusst worden. Die Union rumänischer Juden erliess ein Manifest in dem darauf hingewiesen wurde, dass die Regierung versprochen habe, für eine ungehinderte Stimmabgabe zu sorgen und dass sich die Juden nicht abhalten lassen sollten, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Die Jüdische Partei hat aus gegebenem Anlass bei der Regierung Vorstellungen erhoben und urn Abhilfe gebeten. Der Verband rumänischer Juden in Amerika bat an den rumänischen Gesandten in Washington ein Schreiben gerichtet, in dem ersucht wird, die rumänische Regierung zu veranlassen, dass sie den Juden während der Wahlen vollen Schutz gewähre. In Radautz und Poeni wurde eine Anzahl jüdischer Läden und Häuser angegriffen. Juden wurden an verschiedenen Orten an der Ausübung des Stimmrechts behindert Auch war es nichts Neues, dass Kundgebungen, darunter eine Versammlung unter dem Patronai einer Prinzessin, sich gegen jüdischen Einfluss in der rumänischen Wirtschaft und Kultur richteten, dass der Verband der Krankenhausärzte gerade jetzt die Forderung nach Rumänisierung des medizinischen Berufes erhob. Die Folgen der eigenartigen politischen Konstellation zeigten sich aber vor allem bei der Aufstellung der Wahllisten. Die liberale Regierungspartei, aber auch die demokratisch gerichtete nationalzaranistisehe Partei haben davon abgesehen, Juden als Kandidaten in ihre Listen aufzunehmen. Die Liberalen haben genau wie vor vier Jahren ein Wahlabkommen mit der ihnen Um die Einbürgerung in Holland Von unserem Amsterdamer H.-Berichterstatter Amsterdam, 20. Dezember.- In der letzten Woche wiederholten sich noeb einmal die judengegnerischen Vorstöc*e. die kürzlich bei der Beratung des Justizetate in der zweiten Sammer soviel Stoff zu Diskussionen ergeben hatten {vergl. C.-V.-Zeitung Nr. 48 vom 2. Dezember). Zur Debatte standen diesmal 71 Gesetzentwürfe, durch die 1453 Personen die holländische Staatsangehörigkeit verliehen werden soll Man kann diese bekanntlich erlangen, wenn man fünf Jabre im Lande ist und die «onstigen. üblichen Erfordernisse (gutes Betragen, genügende Mittel usw.) vorbanden sind. Jed-e Einbürgerung erfolgt durch Gesetz in der Form, dass das einzelne Gesetz immer eine grössere Anzahl von. Anträgen zuearnmemaest. Unter diesen jetzt behandelten Anträgen befinden sich eine ganze Reihe jüdischer Antragsteller. Anträge aus den Kreisen der nach dem April 1933 eingewanderten. Juden liegen überhaupt noch nicht vor, und stehen deshalb nofh nicht zur Debatte. Bei der Beratung in. der zweiten Kammer protestierten die Abgeordneten der N.S.B, sehr heftig gegen die Annahme dieser Einbürgerungsgesetze, soweit die Antragsteller Juden sind. Es seien — >o wurde betont — „volks.trern.de Elemente", denen, die Staatsbürgerschaft verliehen werde, und das Justizministerium mache sich damit zum Werkzeug einer verkehrten Praxis. Der Justizmmister entgegnete, dass die Gesetzgebung Hollands keinen Unterschied nach Rasse oder Herkunft kenne: es bestehe daher auch kein sachlicher oder formaler Grund zu einer gesonderten Behandlung der Anträge jüdischer Antragsteller. Der Vorfall erregte in jüdischen und niebtjüdischen Kreisen sehr starkes Aufsehen, da. es bisher in Holland nor-h nie eine ausgesprochen antisemitische Partei gab und auch die N.S.B, immer wieder betont, dass sie nicht grundsätzlich antisemitisch sei. Aus dieser Debatte grundsätzliche Konsequenzen bezüglich der staatsrechtlichen Lage des holländischen Judentums zu ziehen, wäre aber grundverkehrt. Die zur Debatte stehenden Einbürgerungsgesetze sind auch, mit erheblicher Stimmenmehrheit angenommen worden. Wie weit sich etwa solche antisemitischen Tendenzen bei den im Laufe des nächsten Jahres bevorstehenden Einbürgerungsanträgen der Neueingewanderten auswirken werden, lagst sich im Moment noch nicht übersehen. « Frühere Mitglieder d*r Mussert-Sewegung haben eine neue Partei, die ..Nederlandsche Volkspartij", gegründet, die grundsätzlich kein* Juden als Mitglieder aufnimmt- Die Lage in Polen. Die Boykottaktion. die vom Verein polnischer Kaufleute propagier!: wird, wird vor Weihnachten in wachsendem Umfang durchgeführt und hat zahlreiche Zwischenfälle hervorgerufen, die teilweise zu Ausschreitungen führten. In Czarna (bei Warschau) halten ei6 den Tod des 16jährigen Sohnes des einzigen dort ansässigen, jüdischen Kaufmannes Sbafom M i e d z i 1 e w s k i zur Folge. Die Tätekonnten verhaftet werden. In Czenstochau kam es zur Schliessung der jüdischen Läden. Der Deputierte Sommerstein wandte sich an den zuständigen Gouverneur in K i e 1 c e, der zusagte, Anweisungen zur Abstellung der Aktion an den Gouverneur gelangen zu lassen. Auch innerhalb der Woiwodschaft Lodz, besonders in K a 1 i s c h . wurde den Parolen des Vereins polnischer Kaufleute Folge geleistet Transparente über den Strassen und Boykottposten vor den geschlossenen jüdischen Läden charakterisierten das Bild. In Warschau blockierten am ,,Goldenen Sonntag" nationalradikale und nationaldemokratische Jugendliche, aber auch Angehörige der Jugendorganisation des Koc-Lager« die jüdischen Geschäfte im Zentrum der Stadt und hinderten die Käufer am Betreten der Läden. Dabei kam es wiederholt zu Zusammenstößen mit sozialdemokratischen Arbeitern, die von einer Gedenkkundgebung für den vor 15 Jahren von einem Nationaldemokraten ermordeten Präsidenten der polnischen Republik Narutowicz zurückkamen. An der Feierlichkeit selbst harte sich auch eine Abordnung des demokratischen Clubs unter Führung von Prof. Micbalowicz beteiligt. Im Verlauf der Schlägereien wurden zahlreiche Juden misshandelt. Die Polizei nahm eine Reihe von Verhaftungen vor. Der polnische Tennis verband bat den Makkabi aus seinem Verband ausgeschlossen, weil er einer internationalen Organisation, dem Weltmakkabi, angeschlossen sei. — In K o n i e cpol bei Czenstochau wurden 17 Häuser durch Feuer vernichtet, wodurch 50 jüdische Familien obdachlos wurden. Nachdem im Kampf um das Hocbschulghetto noch immer keine Entscheidung gefallen ist, geht die nationalpolnische Jugend dazu über, neue Forderungen zu formulieren. Sie begnügt sich nicht mehr damit, die Absonderung an den Hochschulen zu .verlangen oder etwa einen numerus clausus im Verhältnis zur polnischen. Bevölkerung (10 Prozent der polnischen Bevölkerung sind etwa jüdisch, während nicht ganz 14 Prozent der Studierenden Juden sind). Sie entwickelt vielmehr folgendes Programm: Erste Etappe: Ghettobänke, zweite Etappc: numerus nullus, dritte Etappe: Entfernung aller jüdischen Professoren und Dozenten, vierte Etappe: völlige Ausschaltung der Werke jüdischer Autoren aus dem kulturellen Leben des Landes. — Der Rektor der Handelshochschule in Warschau hat das Institut im Zusammenhang mit den. Unruhen auf unbestimmte Z<it geschlossen. Jüdisches Leben in Oesterreich Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Klagenfurth, Nathan Kriegsfeld, wurde vom Bundespräsidenten Miklas mit dem Goldenen Verdienstzeicben bedacht. Aus Anlass des siebzigjährigen Bestehens der von der Agudas Jisroel verwalteten Talmud- Thora-Schule in Wien, sandte der Bundespräsident «in Glückwunschschreiben, in dem er rühmend, der verdienstvollen Tätigkeit des Instituts gedenkt und ihm für seine zukünftige Arbeit im Dienst der religiösen Erneuerung der Menschheit Glück wünscht. An dem Festakt nahmen Vertreter des Bundesministeriums für Unterricht, des Bürgermeisters sowie der jüdischen Institutionen "und Organisationen teil. Seit über fünf Jahren ist die Gemeinde Wien bemüht, durch eine x\ktion „Jüdische Jugend in Not"' für schulentlassene und erwerbslose Jugendliche Heimstätten zu schaffen, ihre Scbulkenntnisse zu erhalten und zu erweitern. In einer Pressekonferenz wurde mitgeteilt, dass bisher 7 Heimstätten geschaffen wurden, die täglich von S00 Menschen besucht werden. Man ist jetzt bemüht, auch Lehrwerkstätten zu errichten, in denen Jugendliche, die keine Meisterlehre finden, arbeiten können. Alle diese Institutionen, müssen von. der Gemeinde selbst geschaffen und erhalten werden, da von den 93 Millionen Schillingen, die das Bundesfinanzgesetz 1938 für Kultus und Erziehung vorsieht, zwar rund 600 000 Schillinge für den evangelischen und 16 Millionen Schillinge für den katholischen Kultus bestimmt sind, während für ..sonstige Kultusausgaben", aus denen unter Umständen jüdische Forderungen zu befriedigen wären, nur 14 600 Schillinge ausgewiesen werden. Auch der Budgetvoranschlag der Stadt Wien enthält keinerlei Position für den. jüdischen Kultus. In der Generaldebatte über den Budgetvo.-anschl.ag wandte sieb aber Stadtrat Dr. Etfrlich scharf gegen judemeindliche Aktionen, innerhalb der städtischen Gemeindepolitik, besonders gegen die von Vizebürgenreister Dr. Kresse geförderten Boykottbestrebungen (über die in der C.-V.-Zeitung mehrfach berichtet wurde). Am 19. und 20. Dezember wurden in zehn jüdischen Geschäften Schaufensterscheiben zertrümmert. Eisenstücke und Ziegel waren zum Teil aus vorüberfahrenden Autos geschleudert worden. Aus dem kulturellen Leben der Gemeinde Wien ist zu berichten, dass eine agudistisebe Führerscbule als erste ihrer Art in der ganzes Welt gegründet wurde. — Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt der frühere Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, Bundeskulturrat Hofrat Professor Dr. S. Frankfurter, einen Vortrag über die» ,.Gescbichte Samson Wertheimers'' — Der JBund jüdischer. Frontsoldaten Oesterreichs" hielt im Wiener Musikvereinssaal seine traditionelle Makkabäerf ei er ab, auf der .Hauptmann a. D. Siegmund Edler von Friedmanu d^ Fesfrede hielt. Die Kosten einer Masseosiediung Der schweizerische Bundesrat hat in diesen Tagen der Bundesversammlung eine Botschaft über die Förderung der Auswanderung zugehen lassen, die auch für alle jüdischen Kreise, die Brief marken - ¥ritzkm§m BorÜn W 35, LOtzowstrossa 91 A. sich für die landwirtschaftliche Ausie'JIung in Uebersee interessieren, von grossem Interesse ist. Es ergibt sich nämlich aus di-»s*r Botschaft, das? die Kosten für die Ansiedhuig einr-r Familie in Uebersee durchschnittlich •'>'^---n in Brasilien, sfr 6248.20 in Argentinien und sfr 7866,— in Kanada betrugen. Die Botschaft kommt zu dem Scbluss, dass die Anfrtedlung d*r auswandernden Familien nicht auf kollektiver Grundlage erfolgen darf, sondern nur in Form von Einzelsiediungen. Wie wir hören, hat eine Warschauer Zeitung ein Interview mit Major Lepecki, dem Leiter der polnischen Madagaskar-Espedition, veröffentlicht Major Lepecki erklärt dabei, das» der nördliche Teil von Madagaskar, der allein als Koionisationsgebiet für Emigranten in Frage käin». 5000 bis~7000 Familien, das heisst 25 000 bis 35 000 Personen. Raum'böte. Die Kosten der Ansiedlung einer Familie betragen nach Ansicht Major Lepeckis etwas über 200 Pfund. Na chkläa ge des Züricher Koogresses Im Hinblick auf die iudenfeindlichen Ausschreitungen, die sieb in den Wochen des Zionisten-Kongresses in Zürich ereigneten, haben nunmehr die drei Zürcher jüdischen Gemeinden * dem Regierungsrat des Kantons Zürich — also der Esekutiv-Behörde — eine Denkschrift über» reicht, der ein umfangreiches Aktenmaterial beigegeben ist. Aus diesem Aktenmaterial ergibt sich mit aller Deutlichkeit, dass die Zwischenfälle planmässig vorbereitet waren. Die Denkschrift kommt zu dem Schluss, dass es in die Kompetenz der gesetzgebenden und vollziehenden kantonalen Behörden falle — die Rechtslage in solchen Dingen ist in der Schweis immer recht kompliziert, da „eidgenössische"' und „kantonale" Gesetzgebung nebeneinander bestehen —, und fordert den Erlass entsprechest der Vorschriften, die die jüdische Bevölkerung des Kantons gegen systematisch betriebene Ver* leumdung schützen. Es sei in diesem Zusammenhang daran er« innert, dass Vorschriften, wie sie in dieser Denkschrift gefordert werden, schon seit einer Reihe von Jahren in den Kantonen Basel-Stadt, und Genf in Kraft sind, die den Verfasser, Tierausgeber und Drucker einer antisemitischen Hetzschrift mit Strafe bedrohen. Die Internationale Kommission für da? Flüchtlings* esen, die, wie wir berichteten, am 13. und 14. Dezember im Ratssaal zu Amsterdam unter Vorsitz von Dr. D. Cohen stattfand, und an der der Oberkommissar Sir Neill Malcolm selbst teilnahm, wurde von Vertretern von etwa 25 Organisationen besucht. Sie diente im wesentlichen der Vorbereitung der zweiten „Regierungskonferenz zur Festlegung der Rechtsstellung der aus Deutsehland stammenden Flüchtlinge", die am 7. Februar 1938 im Völkerbundspalast in Genf beginnen soll. Ausserdem wurde die Lage in Danzig besprochen und die Berichte der angeschlossenen Organisationen über die Lage der Flüchtlinge in den vptschiedenen Ländern erörtert. Die nächste Sitzung der Kommission findet wahrscheinlich im Februar in London statt. nahestehenden Union rumänischer Juden abgelehnt. So ist denn auf keiner Liste einer rumänischen Partei ein Jude gewählt worden. Die Juden selbst gaben wieder, wie so oft schon, ein Bild ihrer grossen inneren Gegensätze. Denn es ist schon ein alter, fast traditionell gewordener Streitgegenstand unter den Juden Rumäniens, ob sie sich mit einer eigenen Liste au den Parlamentswahlen beteiligen oder Juden auf die Liste einer rumänischen Partei ins Parlament bringen sollten. Die Union rumänischer Juden hat immer für den letzten Standpunkt plädiert, die Jüdische Reichspartei trat und tritt für eine eigene parlamentarische Vertretung der 800 000 Juden Rumäniens ein. Auch bei diesen Wahlen kam diese alte Gegensätzlichkeit wieder zum Vorschein. Die Jüdische Partei, die in früheren Jahren in'zwei Legislaturperioden jedesmal fünf Abgeordnete ins Parlament bringen konnte, hatte auch diesmal eine eigene Liste aufgestellt. Die Union hatte sich geweigert, ihre Anhänger zur Unterstützung dieser Liste aufzurufen. Sie bat es ihnen völlig uberlassen, ob sie für die Jüdische Liste oder für die einer rumänischen Partei stimmen wollen. Im Verlaufe des Wahlkampfes ist der Präsident der Union, Dr. Filderman, sogar zurückgetreten, weil es. wie es in der Begründung seines Rücktrittes hiess, Dinge gegeben hatte, die „unterlassen worden waren"; auf Bitten des Präsidiums der Union hat er aber seinen Rücktritt zurückgenommen und sich bereit erklärt, den Posten, den er seit 20 Jahren inne hat, wieder zu übernehmen. Und dabei künden sich so viele Sturmzeichen für die rumänische Judenheit an. Codreanu, dessen Partei zum ersten Male an Wahlen teilgenommen hat, hat seine Bewegung zur drittgrössten Partei machen können. Die Judenfrage in den freien Berufen und in der Privatwirtschaft ist erneut akut geworden. Ihre Aktualität wird nicht abklingen, wenn auch das neue Parlament eine ausgesprochen antijüdische Gesetzgebung kaum annehmen wird. Aber in der Praxis der Verwaltung und der Wirtschaft wird es noch mehr als bisher antijüdische Strömungen und Massnahmen geben. Was zu erwarten ist, das zeigt am "besten eine Ankündigung der rumänischen Kammer. Er hat schon vor den Wahlen den Farlamentsberichterstattern mitgeteilt, dass die jüdischen Journalisten bei Zusammentritt des Parlaments im Februar besondere Sitze zugewiesen erhalten würden. Wenn sie mit anderen Journalisten zusammensässen. seien Zustunmenstösse zu befürchten, /umal auch antisemitische Abgeordnete an den jüdischen Journalisten Airstos? nehmen würden Darüber hinaus haben die antijüdischen Parteien von vornherein k^imuf Zweifel daran gelassen, dass sie gewühlte jüdische Abgeordnete nicht in das Parianten! hineinlassen, würden. "Es sind also im neuen rumänischen Parlament Ghettobänke geplan!. Und es sind Bestrebungen vorbanden, auch an den rumänischen Hochschulen und öffentlichen Schulen Ghettobänke einzuführen. Man will die Stellung der rumänischen Lehrer zu den Minderheiten beeinflussen und jüdische Positionen in der Wirtschaft vermindern. Mao will dies, und man möchte noch in -anderer Richtung antijüdische Massnahmen treffen. So ist denn auch das Schicksal der rumänischen Jud<->n durch den Ausgang dieser Wahl nicht gewisser geworden. Der Ernst der Lage hält unvermindert an. V e. Chefredakteur Dr. Alfred Hlrochbers. stellvertretender Chefredakteur: Dr Margarete Edelh e i m Verantwortlich Mr deD Sport: Dr Ernst G Löwenthal; verantwortlich für die Aufnahm'' von Bildern. Dr Marearete Edeiheim: sämtlich in Berlin Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Fremnwhlas beizufügen Leiter der Anzeicen-Abteiinns: and verantwortlich fflr den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan Berlin DA III Vi ■•{f 17') PI 5 Verlag Jüdischer Central Verein e V R-r'in W 15. Em?er Ptr "42' Drocl: der Bach und TVf- Irucfc Gesellschaft mbH Berlin SW 19