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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-23 · 51 (23.12.1937) · p. Seite 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
51 (23.12.1937)
Date
1937-12-23
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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A lentral- XVJ. Jahrgasig / Nr. 51 Berlin, 23. Dezember 1937 Preis 10 Pfennig ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftleitung, Anzeigenannahme, VertriebsaDteilang): Ber VIII 26363. Bankkonto: Gebr Arnhold, Berlin W8. Die C.-V:-Zeitung erscheint i durch die Post, die die Gebühren durch den Postboten erbebt. Bezugspreis-viertel vrihrung) einschl. Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Rpf. (Ausland 20 Rpf.), Im--------- .... _.. -------- ------ —r----— - I2?esp. mm Zeile 20 Rpf., f. Stellengesu'he 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preis!. Einzelanzeigen nur geg.. Vorauszahl. — Anzeigenschluss: Dienstag. ften ohne Verbindlichkeit. Wie Wühlern im Muntikstiem Am 20. Dezember haben in Rumänien Wahlen zum Parlament stattgefunden. Ihr Ergebnis hat nicht überrascht. Die hinter der Regierung Tatarescu stehenden Parteien, die Liberale Partei, die Rumänische Front, und die Partei des Professors Jorga, erhielten 4-5 Prozent der abgegebenen Stimmen. An zweiter Stelle steWTdie Nationalzaranistische Partei und an dritter Stelle die rechtsradikale, judenfeindliche Partei des Führers der ehemaligen Eisernen Garde, Codreanu, die Partei „Alles für das Land". Ob die Jüdische Reichspartei, die mit einer eigenen Liste in-den Wahlkampf gezogen war, eine Stimmenzahl erreicht hat, die für die Zuteilung eines Grundmandats ausreicht, steht gegenwärtig noch nicht fest. Auf Grund dieses Wahlergebnisses wird die Regierung Tatarescu in der rumänischen Kammer nach dem geltenden Wahlgesetz zwei Drittel der Abgeordnetensitze für sich beanspruchen können. Sie wird, wie anzunehmen ist, in den nächsten vier Jahren der Legislaturperiode des Parlaments an der Macht bleiben. Dieser WTahlkampf hatte für die Judenschaft Rumäniens seine ganz besondere Bedeutung. Zwar spielte die Judehfrage als solche in den Auseinandersetzungen.' der Parteien nicht mehr als die übliche Rolle. Man warf sich gegenseitig eine angebliche Judenfreundlichkeit vor, worauf die Gegenseite immer prompt mit .einem Dementi antwortete, in dem der gleiche Vorwurf sich wiederfand. Es gab aber, worauf wir weiter unten noch zurückkommen, eine Reihe von Zwischenfällen, in die Juden hineingezogen' wurden. Wichtig bei diesen Wahlen war die Frage, wie sich die verfassungsmässige Entwicklung in Rumänien gestalten soll, und in welcher Weise sieh die gegenwärtige innerpoiitisehe Konstellation auswirken würde. Denn diese politische Konstellation zeigt Merkmale, die es in Rumänien bisher noch niemals gegeben hat. Sie weist Kennzeichen auf, die "für die zukünftige Behandlung der Judenfrage mittelbar von wesentlichem Einfluss sein werden. Bisher war es eine Gepflogenheit des rumänischen' Parlamentarismus, dass eine Regierung am Ende der Legislaturperiode des Parlaments zurücktrat, und dass der Führer der Opposition die neue Regierung bildete. Diese neue Regierung machte die Wahlen. Sie gewann sie so gut wie immer. Sie besetzte dann mit ihren xAnhängern die Verwaltungsstellen im ganzen Lande. Inzwischen erholte sich die bisherige Regierungspartei in der Opposition von den Erfolgen ihrer Regierung, um dann nach Ablauf der Legislaturperiode erneut mit der Macht und der Abhaltung der Wahlen betraut zu werden. Dass eine soeben gebildete Regierung die Wahlen gewinnen konnte, lag nicht zuletzt an den Eigentümlichkeiten "des rumänischen Wahlgesetzes, das derjenigen Partei, die 40 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sieh vereinigt, zwei Drittel der Abgeordnetenzahl des Parlaments zuspricht. Auch dieses Mal ist die von dem Liberalen Tatarescu gebildete Regierung, die vier Jahre im Amte gewesen ist, gegen Ende der Legislaturperiode zurückgetreten. Tatarescu, der in vollem Masse das Vertrauen des Königs geniesst, ist aber erneut mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Vorher war dem Führer der oppositionellen Nationalzaränisten, Mihalache, die Regierungsbildung unter der Bedingung angeboten worden, dass er sich mit dem. Führer der Rumänischen Front, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Vaida-Voevod, verständige. Diese Bedingung hat Mihalache abgelehnt. Nach den Grundsätzen der nationalzaranistischen Partei, die ' als Bauernpartei demokratische Tendenzen hat, konnte er mit Vaida-Voevod nicht zu einer Einigung kommen. Hierbei spielten aussen- In dieser Nummer finden unsere Leser u. a.: Moritz Kaswan: Der fröhliche Baldachin, Novelle Die Aufsätze: Gespräch über jüdische Theater — Hans Oppenheimer und Werner Cahnmann: Russisches Judentum im Buch — Leo Hirsch: Von der jüdischen Liebe — Das geistig-politische Kräftespiel in Palästina Aktuelle Rechts- und Steuerfragen Die Beitagen: Das Blatt der Jüdischen FPau —. Wirtschaft der Woche -— Palästina-Umschau Briefmarkenecke — Schachecke tramd Table 9 / Arabisch-jüdische Besprechungen Als die Gutachten und Vorschläge der Peel-Kommission der Palästinapolitik von Grund auf neue Bahnen wiesen, da konnte man bei einzelnen unentwegten Optimisten mitunter die Meinung vertreten hören, dass vielleicht die Wucht des für Juden und Araber auf den ersten Blick gleich unannehmbar erseheinenden Vorschlages helfen würde, in letzter Stunde die streitenden Parteien zu gemeinsamer Bemühung um einen gangbareren Ausweg zusammenzuführen. Die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: das Peel- Projekt trug dazu bei, die Gegensätze zu vertiefen. Es trieb die Gruppen soweit auseinander, dass das Schlimmste eintrat, w^äs für eine Atmosphäre, in der politische Klärung vor sich gehen soll, denkbar ist: jede der beiden um die Neugestaltung Palästinas ringenden Parteien Hess sich die Gesetze ihrer Stellungnahme vom Gegner vorschreiben. Man wagte nicht, sich zu irgendeinem Teilvorteil der vorgeschlagenen Regelung . zu bekennen, weil man fürchtete, dadurch die gegnerische Abwehr nur noch stärker herauszufordern. So kam es zu einer Frontenbildung, die sich vorwiegend aus taktisch propagandistischer Rücksichtnahme erklärte, nicht aber aus echter politischer Zielsetzung. Wenn man berechtigt ist, in einigen Gerüchten und tatsächlichen Aeusserungen der letzten Wochen mit aller Vorsicht den symptomatischen Kern aufzuspüren, so könnte man im Augenblick zu etwTas hoffnungsvolleren Perspektiven gelangen. Es sieht aus, als würde sich die durch das Stocken der von England geplanten Massnahmen erzielte realpolitische Pause als eine schöpferische Pause in dem Sinne erweisen, dass in diesem fortgeschritteneren Stadium sich nun doch noch die verständigungsbereiten jüdischen und arabischen. Kreise einander anzunähern beginnen. In einem solchen Zusammenhang gesehen, beginnt es fast gleichgültig zu werden, ob die Meldung* der. arabischen Zeitung „F e - 1 e s t i n" von den in London gepflogenen Verhandlungen zwischen dem irakischen Exminister N u r i Pascha und C h a i m Weizmann, die von der Jewish Agency bekanntlich entschieden dementiert worden ist, auf Wahrheit beruht oder nicht. Dass sie in sehr detaillierter Form erscheinen konnte, ohne dass das Blatt sie unfreundlich, kommentierte und, wie das bis vor kurzem üblich war, darauf hinwies, dass eine Verständigung ohne die Zugrundelegung der arabischen Maximalforderungen überhaupt nicht in Frage käme, ist zweifellos als ein günstiges Zeichen zu betrachten. Bemerkenswert ist ferner, dass unabhängig von den gemeldeten und in Abrede gestellten Gesprächen in London, von denen oben die Rede war, eine offenbar unverbindliche Aussprache zwischen privaten Juden und Arabern dort tatsächlich stattgefunden hat, und dass es im Anschluss daran in einer wahrscheinlich ebenso unverbindlichen Konferenz in Oxford zur Formulierung einiger arabischer Programmpunkte für eine mögliche jüdisch-arabische Verständigung kam. So wenig es feststeht, ob die anwesenden Araber ihre Erklärungen im Namen einer irgendwie beachtlichen Gruppe abgaben, und soweit andererseits auch die .formulierten Punkte noch von einer brauchbaren Einigungsbasis entfernt sein mögen, so ist doch die Häufung von behaupteten und tatsächlichen Unterhaltungen sehr bemerkenswert In diesem Zusammenhang verdienen auch die Erklärungen besondere Beachtung, die der Leiter des politischen Departments der Jewish Agency, M o s c h e S h e r t o k, in einem Presseempfang über die Verhandlungsbereitschaft der Juden mit den Arabern abgab. Zunächst gab er zum erstenmal unumwimden zu, dass vor der Publikation des Peel-Berichtes Aussprachen zwischen jüdischen und arabischen Politikern stattgefunden haben. Diese seien allerdings ohne Ergebnis geblieben. Shertok. beantwortete weiter eine; Anfrage, ob die Agency bereit wTäre, in weitere Unterhandlungen auch Vertreter der arabischen Nachbarstaaten einzubeziehen in positivem Sinne für den Fall, dass in" derartigen Besprechungen auch die Frage der Arbeitsmöglichkeiten in diesen Staaten miterörtert werden würden. Fast noch wichtiger als diese* erneute Bekundung der auf jüdischer Seite vorhandenen Verhandlungsbereitschaft . ist die Aufnahme, die auch diese Rede .in dem arabischen „Feiestin" gefunden hat. Während das arabische Blatt „Adifaa" mit der üblichen intransigenten Geste jede Verständigungsabsicht schroff zurückweist, erklärt „Feiestin", dass niemand eine in guter Absicht hingestreckte Hand zurückstossen werde. Als ein mehr negativer Beitrag, der aber auch in einem mittelbaren Zusammenhang mit den erwähnten Vorgängen steht, sei schliesslich noch erwähnt, dass in Tel-Aviv sich zum erstenmal die Gegner des Teilungsplanes in einer Volksversammlung zusammengefunden .haben. Sie stand unter dem Vorsitz von Ussischkin/ als Redner traten hervor: Soloweit-, 's ch ik von den „Allgemeinen Zionisterr*', Barth vom Misrachi und 'Kaplanski als Vertreter der Arbeiter. Stärker als die in den Reden vorgebrachten Argumente, die über das in der öffentlichen Diskussion bereits Erörterte nicht viel hinausgehen konnten, bewies die ausserordentliche Teilnahme aller Bevölkerungskreise an dieser Veranstaltung, dass das letzte Wort' zum Teilungsplan noch keineswegs gesprochen ist. So wenig es begrüsst werden dürfte, w*enn eine unvermeidliche Etappe der realpolitischen Entwicklung durch eine so ungeklärte Stimmung etwa wieder gefährdet werden w^ürde, so möchte man das noch nicht zur Ruhe gekommene Ringen der jüdischen Bevölkerung um die Gestaltung, ihres Schicksals doch gern als ein Zeichen' dafür begrüssen, dass der Gedanke einer Lösung durch Verständigung auch von ihr noch nicht aufgegeben ist. Dr. E. R.-J. Eini'lussreiche Mitglieder der arabischen Un-; abhängigkeitspartei sollen Istaklal in Kairo besucht haben, wo sich der verbannte Führer, der Partei, Auni Abdulhadi. Mitglied des früheren Obersteu Komitees, aufhält. . Es sollen Be-- sprechungen zwischen Abdulhadi, den. Mit-, gliedern seiner. Partei und Abderrabmaii Chahbandar, dem syrischen nationalistischen Führer, mit dem Zweck geführt werden, eine Lösung der PalästinarFrage ohne Teilung zu finden. Jüdische Kreise stehen dieser Besuchsabsicht wegen der grossen Verschiedenheit in den Auffassungen zwischen den beiden Teilen der palästinensischen Bevölkerung skeptisch gegen- über. In der amerikanischen Zeitschrift .. A s i a " findet sich ein dem jüdisch-arabischen Palästinaproblem gewidmeter Aufsatz eines Arabers, der deshalb bemerkenswert ist, weil er dem abendländischen Leser etwas von den politischen Auffassungen und Zielen enthüllt, die ein grosser Teil der gemässigten arabischen Intelligenz mit dem Verfasser teilt. Khalil Totah, zur Zeit Leiter eines arabischen Gymnasiums in Samaria, früher langjähriges Oberhaupt des arabischen Regierungs- College in Jerusalem, entwirft in diesem Aufsatz einen aus Drohungen und Ratschlägen, aber auch Zugeständnissen zusammengesetzten Plan zur Lösung der Palästinafrage. Den Peel-Bericht ignoriert Totah völlig. Die Balfour-Deklaration lehnt ermit Hass ab. Zugleich aber schlägt er auch den Juden vor, die Politik des Naiionalheims und die Bindung an die britische Politik aus Gründen der politischen Klugheit aufzugeben, denn „das ganze ' Nätionalheim wird eines Tages von einem Zyklon, der aus der Wüste weht, hinweggeblasen sein". Ebenso wie im 12. Jahrhundert Saladin das Reich der Kreuzritter „ins Meer stampfte", könnte auch Ihn Saud die arabische Welt eines Tages zusammenschliessen. Was würde in solch einem Fall mit dem jüdischen Staat geschehen? Totah schlägt statt dessen vor: Die Juden verzichten auf das unerreichbare Ziel, inmitten einer arabischen Umwelt einen wahrhaft souveränen jüdischen Staat zu gründen, denn dieser Staat könnte nur auf den Spitzen britischer Bajonette errichtet werden, und jede Aenderung der britischen Machtposition würde unweigerlich die Existenzgrundlage des Judenstaates, erschüttern. Es bleibt den Juden in ihrem Verhältnis zu den Arabern nur die Wahl zwischen Freundschaft oder Kampf. Im letzteren Fall gibt er den Juden, ob mit oder ohne Bundesgenossen, in Anbetracht der zahlenmässigen Verhältnisse und der strategischen Lage auf die Dauer keine Chance. Er warnt davor, die Araber zu unterschätzen, sie mit zum Aussterben verurteilten primitiven Völkern wie den Indianern Nordamerikas oder den Austrainegern zu verwechseln. . Entscheiden sich die Juden gegen den Kampf, für die Freundschaft gegenüber den Arabern, dann ist mit einer völligen Wandlung auch der arabischen Einstellung den Juden gegenüber zu rechnen. Der Verfasser erinnert an~ die Gastfreundschaft, die den Juden zu allen Zeiten der arabischen Unabhängigkeit gewährt wurde und zu einer „der gleichzeitigen europäischen Kultur überlegenen" geistigen "und materiellen Hochblüte geführt hat. Auch unter modernen . Verhältnissen sei eine fruchtbare. Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet möglich und im beiderseitigen Interesse." Ein ..künftiger arabischer Staat", der nicht verbittert den Juden gegenüberzustehen braucht, würde seine Tore einer zur Zusammenarbeit bereiten jüdischen Einwanderung weiter öffnen als jemals das Mandat. Die Sicherheit .von Leben und Eigentum der Juden wäre in Palästina keinen Gefahren mehr ausgesetzt. In seiner Vision geht der Verfasser soweit, zu fragen, weshalb die Juden nicht beginnen könnten, im arabischen Staat arabisch zu sprechen, und zwar nicht nur im Alltag, sondern auch auf ihrer Universität. So utopisch dieser Plan angesichts der gegenwärtigen Situation auch anmutet — und zwar ist er für beide Seiten keineswegs nur eine freundliche Utopie —, so ist er stimmungsmässig doch von höchstem Interesse. Zwar wird zunächst von den Juden nur gleichsam ein Blankoscheck gefordert, ohne dass von der andern Seite irgendwelche Garantien geboten werden, und man muss sich unwillkürlich fragen, ob hier ein ernsthafter Friedensvorschlag vorliegt oder nur ein taktisches Manöver, aus dessen Misslingen man die Legitimation dafür herzuleiten beabsichtigt, die jüdischen Siedlungen „ins Meer zu stampfen". Immerhin, ist der Aufsatz ganz besonders im Zusammenhang mit den vorstehend ausgesprochenen Hoffnungen hinsichtlich einer fortschreitenden Verständigungsbereitschaft zwischen Juden und Arabern doch als ein besonders-bemerkenswerter Beilrag zu einer Klarlesunj? der beiderseitigen Hoffnungen zu werten K. H

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