Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ffr. 50 ♦ 3 Beibloff R EfezemEer J93Z * Seite JJ Weniger Interesse am Sport? Ein Zuschauerproblem, dem abzuhelfen ist Macht man sich einmal über die geringen Zuschauerzahlen der in den letzten Monaten "durchgeführten grösseren jüdischen Sportereignisse Gedanken, so drängt sich einem unwillkürlich die Feststellung auf, dass das passive Interesse am jüdischen Sportgeschehen rapide nachgelassen hat. Das Publikum, 'das mau nach den anfänglichen Erfolgen bereits gewonnen wähnte, ist wieder verlorengegangen. Ünd darüber besteht wohl kaum ein Zweifel, dass eine Sportbewegung ohne passive Anhänger, d.'h. ohne Zuschauer, nicht entwicklungsfähig ist. Der Kampfsporti er braucht sein Publikum, das anspornt, zujubelt und tröstet, braucht jene Atmosphäre des Rückhalts, die ihm die Möglichkeit gibt, über sein sonstiges Können hinauszuwachsen. Und vielleicht ist es sogar!!l!il!!l!!l!i!!!!!lllllii1!llll Am 23. Januar: Sport im Dienst der Jüdischen Winterhilfe Nun ist es doch zustandegekommen, das grosse, überall bereits mit Spannung erwartete, sportliche Ereignis zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. In gemeinsamer Arbeit bereiten Sportverbände und Jüdische Gemeinde für den 23. Januar in Berlin eine Veranstaltung vor, die folgendes grosszügige Programm aufzuweisen vermag: Handball: Schild-Berlin — Makkabi-Südwestdeutschland; Fussball: Makkabi-Berlin — Schild-Südwestdeutschland. Diese vier, aus den jeweils besten Spielern der Landesverbände gebildeten kombinierten Mannschaften garantieren wohl von vornherein den sportlichen Erfolg, der allerdings für diesen speziellen Fall nur Mittel zum Zweck, d. h. besonderer Anreiz zu einem Rekordbesuch dieses Grossereignisses, sein soll. Denn in der Hauptsache wird es darauf ankommen, durch eine grosse Einnahme der Jüdischen Winterhilfe einen namhaften Reingewinn zuzuführen. * Man beabsichtigt, die Rückspiele in gleicher Aufmachung im Laufe des Februar in Frankfurt a. iL, natürlich auch dort zugunsten der Jüdischen Winterhilf«, durchzuführen. besser für ihn. fanatische Zuschauer gegen sich zu haben, als dass er um sich herum die trostlose Leere, Folgen einer Interesselosigkeit, fühlt. Wir fragen uns, woran dieser wesentliche Mangel im jüdischen Sport liegt? Ist er allein in der allgemeinen Situation des jüdischen Menschen begründet, der eine passive Anteilnahme am Sport als überflüssig abtut, weil er die darauf verwandte Zeit besser zu benutzen glaubt? Od-er ist es, sagen wir es ehrlich, die Mittelmässigkeit der Leistungen, die ihn abstösst? Das eine wie das andere ist e i n Grund, aber nicht der einzige und nicht der massgebende. Die grosse Masse, die teilweise zum Sport überhaupt erst jetzt gekommen ist, besser kommen wollte, weil, sie die Notwendigkeit und Bedeutung der Pflege der Leibesübungen für eine gesunde jüdische Generation einsah, mehrere Male jüdische Sportveranstaltungen besuchte, um dann nicht mehr wiederzukommen, dürfte aus anderen Gründen nicht zu halten gewesen sein. Zuschauer, die vom Sport, von seinen technischen und taktischen Feinheiten nicht genügend verstehen, begeistern sich an einem diszipliniert durchgeführten, abwechslungsreichen Programm, sie wollen Kampf sehen und Sportler, die fair, gesund und kräftig um den Sieg streiten, sie wollen im Laufe der »Veranstaltung aber auch jederzeit Bescheid wissen über das, was geleistet wird. Man muss auf sie als Sportlaien Rücksicht nehmen und sie dort fachmännisch aufklären, wo sie sich ohne Verständnis der Sachlage langweilen würden. Mit anderen Worten: einem Publikum, das man werben will, muss man entgegenkommen. Und vergleicht man, was hätte sein müssen, mit dem, was geschehen ist, so kommt man zur Ansicht, dass die Schuld, hier schwerwiegende Fehler begangen xu haben, eben auch bei den Veranstaltern, den Verbänden, Vereinen und einzelnen Sportlern liegt. Darüber ist nicht zu streiten: ein Zuschauer, der anlässlich seiner ersten Sportplatzbesuche Spielabbrüche und unschöne Streitereien der Sportler untereinander sieht, kommt nicht wieder. So ergeht es auch dem Zuschauer, der zu einer leichtathletischen Veranstaltung kommt und annehmen muss, er sei auf einem „Familienfest", das die Sportler in aller Gemütlichkeit für sich veranstalten. Und dem Zuschauer, der zunächst eine Viertelstunde (oder mehr) auf den verspäteten Beginn warten muss, dann feststellt, dass das angekündigte Programm, sowohl was Teilnehmer als auch Wettbewerbe angeht, nicht eingehalten wird, dass er nicht die Ergebnisse zu erfahren bekommt und dazu noch vor seinen Augen unschöne Verhandlungen über Proteste hinnehmen muss. Und schliesslich dem Zuschauer, der hinter die Kulissen zu sehen vermag und bemerkt, dass an der Uneinigkeit, die immer noch kein vollständiges Ende" hat, die interessantesten und wirksamsten Kampfpaarungen auf allen Gebieten an Gründen scheitern, die für jüdische Sportler eigentlich keine sein dürften. Diese Aufzählung kann ruhig als bewusst übertrieben angesehen werden: denn wenn man wiederum beobachtet, dass wirklich zugkräftige und gut vorbereitete Veranstaltungen ihr Publikum haben, wie z. B. die leichtathletischen Reichsmeisterschaften des Schild - Sportbundes, wo trotz schlechtesten Wetters über 2000 Menschen den Sportplatz bevölk«rt«n, die grossen Tennisveranstaltungen der Berliner Vereine, die internationalen Boxkämpfe des IBC „Maccabi", die Sportschauen des Schild Frankfurt a. M. usw., dann glauben wir, dass noch genug sportlich interessierte Zuschauer vorhanden sind. Man muss sie nur zu behandeln und richtig zu werben wissen. Noch auf eins wollen wir in diesem Zusammenhang hinweisen: auf die zeitliche Ueberschneidung. grösserer Sportveranstaltungen. Sie wird zwar nicht immer zu vermeiden sein, man kann sie jedoch durch vorherige Absprache auf ein Mindestmass verringern. Man muss es sogar tun; denn es ist nur allzu klar, dass Zuschauer nicht in einem Monat viermal auf den Sportplatz pilgern werden, wie man es von ihnen in Berlin im August dieses Jahres verlangte. Der ISK hatte damals d-en Schaden. Sein Sportfest war so vorbereitet, dass es gut noch einmal so viel Zuschauer angezogen hätte, wenn nicht schon. vorher leichtathletische Meisterschaften der Verbände und Handballstarts der Palästinenser gewesen wären. Dies nur als Beispiel. Im Augenblick, wro" die Veranstalter ihre Fehler erkennen, willens sind, sie auszumerzen, und dazu eine gesunde Preispolitik treiben, werden sie in gedeihlicher Zusammenarbeit mit der Presse, deren Ankündigungen und kritische Auslassungen einen wesentlichen Faktor in dieser Aufbauarbeit bilden, ihr Publikum wieder zurückgewinnen. Und darauf kommt es an. F. Sport der Woche „Maccabi"-Berlin boxte international Neumann bot die beste Leistung Seit langer Zeit sah man in Berlin wieder einen grösseren Boxkampfabend, dessen Erfolg umso bemerkenswerter schien, als er sich bei guten Leistungen vor einem zahlreichen Publikum abwickelte. Als Gegner der Berliner Makkabimeister hatte man für den 9. Dezember eine Staffel des „Star" Prag verpflichtet, dessen Mitglieder allerdings nur zum Teil die erwartete Kampfstärke an den Tag legten. Das schmälert den trotz aller Handicaps errungenen schönen Erfolg des „Maccabi", der, wäre eine Mannschaftswertung vereinbart gewesen, mit 3 :2-Siegen gewonnen hätte, indes keineswegs. Das interessanteste und zugleich sportlich wertvollste Treffen war zweifellos das im Leichtgewicht zwischen N e u m a n n (Maccabi) und Kral (Star). Kral, der in seinen bisherigen 60 Kämpfen nur drei Niederlagen aufzuweisen hatte, mehrfacher Landesmeister (auch im Weltergewicht) ist, an Europameisterschaften und Olympischen Spielen teilnahm, war der gegebene Partner. Neumann gab seinem grossen Gegner nichts nach und erhielt schliesslich durch eine um weniges bessere dritte Runde sowie seinen härteren und klareren Punch den knappen Punktsieg zugesprochen. Allerdings war Kral in der letzten Runde durch eine Gesichtsverletzung behindert. Neumann dürfte nach diesem neuerlichen Erfolg' der ersten Reihe der repräsentativen jüdischen Sportler zuzuzählen sein. In den übrigen Kämpfen siegten für den Veranstalter im Bantamgewicht der viel zu unruhig und überhastet boxende R übennach Punkten über Kocmann (Star), trotzdem er in der Schlussrunde zwei Verwarnungen hinnehmen musste, und im Mittelgewicht Lewkowitz über Jezck, der nach 'der 1. Runde infolge einer Verletzung vorzeitig aufgab. Vor Ablauf der Runden endete auch das Weltergewichtstreffen zwischen Joel (Maccabi; und dem tschechischen Landesmeister P r o s e k. Beide, überaus harte Schläger, warteten auf ihre k. o.-Chanee und stellten sich so recht nach dem Geschmack des Publikums serienweise zu wilden Schlagwechseln. Da unterlief Joel seinen Gegner in der 2. Runde unbeabsichtigt und traf ihn mit dem Kopf so schwer tief, dass Prosek kampfunfähig war und Jcel disqualifiziert werden musste. Schade drum: denn auch dieser Kampf versprach viel. Im Halbschwergewicht konnte Kronfeld (Maccabi) trotz aller Tapferkeit gegen den in Reichweite und Grösse stark bevorzugten N e k o I n y (Star) nichts bestellen und verlor nach Punkten. — Ein interner Halbschwergewichtskampf zwischen Mielzynski und Friedmann, der mit einem knappen Punktsieg Mielzvnskis endete, beschloss die Veranstaltung, einige Schüler- und Jugendtreffen hatten sie eröffnet. Das Kampfgericht des Gaues III des D. R. L. arbeitete beispielhaft. M. F. ftae Sied jutsd $ie$ Sonntag, 19. Dezember Berlin Handball: Verbandsspiele u. a. Bar Kochba I— Kamiclub I, 9 Uhr, ISG 33 1. Frauen—Bar Kochba 2. Frauen, 9 Uhr, IBC „Berlinu I—Hagibor I, 10 Uhr, Triton I—Bar Kochba 1. Jugend. lü'X Uhr, Undine I—ISG 33 A. H., IVA Uhr, sämtliche Spiele: Sportplatz Grunewald. Fussball: Verbandsspiel u. a. Hakoah I— Hakoah II, 11K Uhr, Sportplatz Grunewald. Siidwestdeutschland Fussball: Bar Kochba Frankfurt a. M. I—Offenbach I, 14 Uhr; Bar Kochba Frankfurt a. M. 1. Schüler—Schild Frankfurt a. M. 1. Schüler, 1014 Uhr; beide Spiele: Frankfurt a. M., Sportplatz, Sondershausener Strasse; ITB Frankfurt a. M. 1. Jugend—Schild Frankfurt a. M. 1. Jugend, 14K Uhr, Frankfurt a. M., Sportplatz Bornheimer Hang. Handball: Schild Wiesbaden Frauen—Hakoa.h Frankfurt a. M. Frauen, IVA Uhr, Schild Wiesbaden Jugend—Hakoah Frankfurt a. M. Jugend, Wiesbaden, Sportplatz an der Lahnstrasse, 10% Uhr. Tischtennis: Klubkarapf Schild Wiesbaden— Hakoah Frankfurt a. M., Wiesbaden, Schild"- Klubheim, 14 Uhr. _ Die Rcichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Um die Frage der Einrichtung eines neuen einjährigen Lehrgangs zur Ausbildung. männliche r Turn- und Sportlehrkräfte in Stuttgart (am Gymnastisch-Orthodopädischen Institut von Alice Bloch) zu klären, werden Bewerber aufgefordert, umgehend eine Meldung in zweifacher Ausfertigung an die Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158. III, einzureichen. Beginn des Lehrgangs: 1.. April 1938. Siidwestdeutschland Nur ein Fussballspiel In Offenbach trafen sich Schild Frankfurt a. M. I und JSV Offenbach I. Der Schild konnie einen verdienten und klaren Sieg erringen. Während bis zur Pause das Spiel noch einigermassen ausgeglichen war, lautete das Endresultat 6 :1. L. B. Philanthropin in Wiesbaden Mit seiner 1. und 2. Jugend- und der Mädchen mannschaft Weilte der Frankfurter Schulsportverein in Wiesbaden zu Freundschaftsspielen gegen den dortigen Schild. Ergehnisse: Philanthropin 1. Jugend — Schild Wiesbaden 1. Jugend 8:6 (3:3); Philanthropin 2. Jugend—Schild Wiesbaden 2. Jugend 3 : 0; Philanthropin Mädchen—Schild Wiesbaden Mädchen 2 : 2 (0 : 0). L. B. * In Wiegbaden trat der Schnlsportverein Philanthropin Frankfurt a. M. zu einem Tisrhtennis-Klubkampf gegen Schild Wiesbaden an. Die Gäste mussten sich mit 13 : 20 geschlagen bekennen. B. Doppelerfolg des Schild Heilbronn Die Heilbronner Fussballer hatten sich in G ö p p i n. g e n besonders viel' vorgenommen; denn es stellt eine grosse Leistung clar, hintereinander zwei Spiele auszutragen und zu gewinnen. Allerdings kam der Gewinn gegen Ulm (5 : 3) erst nach heftigster Gegenwehr zustande. Gegen Göppingen wurde 9 :0 (2 :0) gewonnen. Bckh. Schlesien Fussball-Pause beendet? Nach längerer Spielpause stieg in G I e i.w i t z erstmalig wieder das Treffen der zurzeit, wohl besten ob erschlesi sehen Fussball - Mannschaften: Sportgruppe Neisse gegen Sportgruppe Gleiwitz. Erfreulich war das "Erscheinen einer ansehnlichen Zuschauermenge. Mit grossem Eifer legte Gleiwitz los und erzielte bereits in den ersten Minuten den einzigen Vorpausen-Erfolg. In der 2. Halbzeit hatten die Gleiwitzer ihr Pulver verschossen und Neisse kam zu zwei Gegentreffern. Ergebnis 2:1 für Neisse. W. F. * Nach fast dreimonatlicher Pause ist es den Bemühungen der Beuthener „Schildll-Sportgruppe im Zusammenwirken mit Hakoah Beuthen und der Gemeinde gelungen, einen neuen Turn räum zu schaffen. Xeisse weiter aktiv Am 12. Dezember setzte die F u s s b a 11 mannschaft der Sportgruppe Neisse ihre Spielserie durch einen Freundschaftskampf in Breslau gegen Sportgruppe Breslau II fort und lieferte gegen die Gastgeber ein flottes und eifriges Spiel, das schliesslich mit 1:2 (0:1) für die Breslauer ausging, Dul. M itteldeutschland Torsegen in Dresden Bei strahlender Wintersonne begegneten sich am 12. Dezember die beiden Schildvereine Dresden und Leipzig/Halle zum ersten Fussball - Rundenspiel. Die Dresdener wurden von ihren Gästen vollständig überrannt und erlitten eine zweistellige 11: 0-(6 : 0)-Niederlage. Leipzig zeigte eine zielbewusste und äusserst sichere Kombination, aber auch einige sehr saubere Einzelleistungen. Die Dresd-ener Hintermannschaft wehrte sich tapfer und. eifrig, dagegen war der Sturm wieder recht hilflos. J. Grete! schrieb aus USA Zahlreich sind die Grüsse, die uns aus allen möglichen Ländern, in denen unsere dorthin ausgewanderten Freunde eine zweite Heimat gefunden haben, erreichen. Aus allen diesen Zuschriften spricht die menschliche Verbundenheit mit den jüdischen Sportfreunden hier. Auch Gretel Bergmann, unsere erfolgreichste Sportlerin, 1934 englische Meisterin, 1937 amerikanische Titelhalterin im Hochsprung, hat uns geschrieben. Gretel lebt jetzt in N e w - York und scheint sich, wie sie uns mitzuteilen vermag, bereits den dortigen veränderten Lebensgewo'ünheiten gut angepasst zu haben. Sie berichtete von ihren neuan Sportbekanntschaften, von Jean Shiley, der Weltrekordlerin im Hochsprung, von Glen Cunningham, Glen. Hardin und den vielen ehemaligen „Schilde- Sportlern, die gleich ihr in New-York ihr Domizil aufgeschlagen haben. In lauaiger Weise beschreibt sie uns ihre Ueberraschung, als sie eines Tages, nichtsahnend, ins Kino geht und sich plötzlich in der Wochenschau sieht und hört. Ja. Gretel scheint schon Karriere gemacht zu haben! Trotz der vielen neuen Eindrücke denkt sie, was wir ihr gern glauben, oft an uns, ihre Freunde aus Deutschland, mit denen sie „so viele unvergeßliche Stunden der Kameradschaft verbringen durfte". Ueber ihre sportlichen Erfolge lassen wir sie mit eigenen Worten erzählen: „Unattaehed" bedeutet etwa das gleiche wie vereinslos. Margaret Bergmann (unattached) — so startete ich bei allen bisherigen Sportfesten, da ich für meinen Klub, die Park-Central- Athletik-Association, erst nach vier Monaten meines Aufenthalts in USA. startberechtigt bin. Im übrigen „keilte" man mich schon am 2. Tage meines Hierseins, und ich überlegte nicht lange; die Vorteile eines für mich kostenlos zu benutzenden Schwimmbades und eine wirklich netta Behandlung machten mir die Entscheidung leicht. Am 28. Juni stieg atso mein erstes amerikanisches Sportfest. Nachdem ich. bekanntlich schon bei „SchiW-KI-iibmeisterscliaften aufgeregt war, kann man sich einen Begriff meines Zustandes machen,; zumal ich erst knapp drei Wochen Trainingszeit; hinter mir hatte. Als ich jedoch merkte, dass meine Konkurrentinnen nicht gar zu viel konnten, winde ich wesentlich ruhiger, schaffte ohne An-* strengnng die Metropolitan-Championship und schufi dazu mit 1.5S m einen neuen Metropolitan-Rekord* Ich war fürs erste zufrieden! Bereits am nächste^ Tag beteiligte ich mich an einem kleineren Meetiä^ und siegte im Weitsprung mit 4,90 m und im} Kugelstossen mit 10,45 m. Dann gings in Camp^ wo ich zwei Monate keine andere Trainingsmöglichj keit hatte, als beim Tennisspielen über das Neti zu springen. Aber auch diese Zeit war einmal Äty Ende, und als ich nach Hause kam, hörte ich, dass mein Klub eine Fahrt nach Kanada vorbereitet^,- Ich sollte mitmachen, Hochsprung vcar jedoch nlöhji ausgeschrieben. Man riet mir zum Hürdsft« laufen. So zog ich die Hürden heraus und traf« nierte: am gleichen Tag zum ersten Male in meinem; Leben, am nächsten Tag noch einmal und dann —-; auf nach Kanada. Es war eine herrliche, wenä auch anstrengende Fahrt, während der wir u. a. auch die Niagara-Fälle besichtigten. Morgens um 4 Uhr kamen wir nach ldstündiger Fahrt in Toronto an. Steif und müde mussten wir bereits am Nachmittag starten, und ich wurde trotz sehr starker Konkurrenz Dritte. Desgleichen zwei Tage später. Dann kam, nachdem ich zwischendurch bei den Metropolitan-Championships Zweite im Diskus geworden war, der grosse Tag der USA-Meisterschaften. Sie fanden am 25. September in T r e n - ton, ungefähr zwei Autostunden von New-York entfernt, statt. In einem Sechssitzer fuhren wir zu neun hin! Die einzige Möglichkeit, mich halbwegs auszustrecken, war, meine Beine zum Fenster hinausflattern zu lassen. Als es dann begann, packten mich auch wieder die Nerven; denn erstens war die Absprungstelle besonders weich, und dazu fanden genau wie damals bei meinen englischen Meisterschaften Hoch sprung und Kugelstossen zur gleichen Zeit statt. So musste ich also zwischen den Sprüngen mal schnell zum Kugelstossen, um dort meine drei Qualifikationsstösse zu absolvieren. Die Hochspringerei war nicht aufregend. Die Konkurrenz schied schon bei 1,47 m aus. Ich kam schliesslich noch auf 1,52 m, wobei die Absprungstelle inzwischen so schlecht geworden war, dass ich dauernd rutschte und bei jedem Sprung etwa vier Zentimeter einsank. (Dass diese Entschuldigung in Ordnung ging, zeigt eine Mitteilung, nach der Gretel einen Tag später schon mit drei Schritten Anlauf auf 1,52 m kam und' sich dann sogar auf 1,65 m verbesserte. D. Red.) Das hatte mich nun in die richtige Wut für das Kugelstossen versetzt. Natürlich waren die anderen schon fertig, als ich kam. Ein weisses Papier zeigte mir den bisher besten Stoss an. Ruhig legte ich mir die Kugel zurecht — und als der Kampfrichter mir nach dem zweiten Versuch sagte, ich hätte bereits gesiegt, war ich doch einigermassen erstaunt. Dass ich auch Meisteiin im Kugelstossen werden würde, hatte ich mir nicht träumen lassen. Die genaue Messung ergab 11,65 m. Da ich diese Leistung nach nur dreimaligem Training erreichte, glaube ieff ■ im nächsten Jahr bestimmt über die 12-Meter-Grenze zu kommen. Das sind also meine ersten amerikanischen Erfolge. Ic'i hoffe, 1938 von der doppelten Anzahl ia Qualität und Quantität berichten zu können. Inzwischen verbleibe ich bis zu meinem nächsten Bericht, den ich allgemein über hiesige Sportverhältnisse und Trainingserfahrungen schreiben werde, Altgold, Silber und Brillanten Warden angekauft. Q.V.35 ScHm&Uhm+Gold^ Berlin WS Ruf 16 S35S Sonntags geörfnSt