Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 50 (16.12.1937)
- Date
- 1937-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277516-2277566--12474-2282084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite TO e.-V.-Zeftung . Nr. 5G * 16. Dezember 1937 Ziele jüdischer Gegenwartswanderung Dritter Abend der Vortragsreihe des Gross-Berliner C.V« und hier irgendwo wohnen muss. Haben Sie auch nicht die zahlreichen Verbindungsmöglichkeiten der Subway wie in New-York, so bringt Sie doch die Trolley (Strassenbahn) bald ans Ziel. Herr Maier ist tagsüber „downtown" (im Geschäfstteil der Stadt). Aber Frau Maier ist herzlich erfreut, einen alten Freund aus der Heimatstadt wiederzusehen. Vor allem sollen Sie sich ihr Haus besichtigen. Leicht hatten sie €s nicht, etwas Passendes zu finden. Sie hatten ihre Möbel aus Deutschland mitgebracht, und die amerikanischen Zimmer sind so gar nicht für deutsche Möbel gebaut, besonders nicht in modernen Häusern. Ein modernes Haus sollte es aber sein. Zwar hätten Maiers genug leerstehende ältere Häuser mit vielen grossen Zimmern verhältnismässig billig mieten können. Doch wäre es dann fast TiMet BetQ&m M&tatt MieÜ unmöglich gewesen, ohne tägliche Hilfe auszukommen. Das hätte eine wöchentliche Mindestausgabe von etwa 10 Dollars bedeutet, von Kost und anderen Nebenausgaben ganz abgesehen, wäre also ein Luxus gewesen, den Maiers sich ebensowenig leisten könnten, wie bei weitem die meisten unter ihren Bekannten, auch unter den alteingesessenen und gut verdienenden Amerikanern. So hat man es vorgezogen, ein kleineres und modernes Haus selbst dann zu mieten, wenn die Miete etwas höher ist. Freilich, diese Miete bedeutet eine recht höhe Belastung des Budgets einer sparsamen Familie. Die Preise reichen nicht an die in New-York heran, aber für ein neueres Häuschen bildet immerhin ein Betrag von 25 Dollars im Monat eine untere Grenze. Ein ganz neues Haus zu mieten, ist fast unmöglich. Diese Neubauten sind mit allen modernen Bequemlichkeiten weitestgehend ausgestattet, wie Oeiheizung,.Garage mit nach oben abrollender Tür, zwei bis drei Badezimmer, zum grossen Teil auch mit „Airconditioning" (System, das während des ganzen Jahres gleichmässige Temperatur gibt, also im Sommer kühlt, im Winter wärmt). Die 'Erbauer haben nur Interesse am Verkaufen, nicht am Vermieten, und obgleich diese Neubauten wie Pilze aus der Erde schiessen und zwei Monate nach dem Ausheben des Bodens für die Fundamente fertig zum Einzug sind, sind sie oft schon verkauft, bevor sie fertiggebaut sind. Der Kauf eines solchen Hauses — Durchschnittspreislage in mittlerer Lage 4000 bis 7000 Dollars — hätte sich nicht mit dem Geldbeutel von Maiers vertragen und ausserdem: „Wie hätten wir da unsere Möbel untergebracht. Das ist alles so puppenklein, dass wir die Sachen noch nicht einmal durch die Tür hätten transportieren können", meint Frau Maier. „Wir waren froh, dass wir nur etwas gefunden haben, wo wir unsere Betten nebeneinander stellen konnten, Stellwände scheint es ja hier nicht zu geben." Inzwischen sind Sie eingetreten, haben die .Verandamöbel bewundert („das einzige, was wir neu angeschafft haben. Hätten wir es vorher gewusst, wir hätten unsere Korbmöbel gut hier gebrauchen können.") und haben Hut und Sprachen lernen — überall Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung PRAG, den 12. Dezember. Das ist nichts Neues, was ich euch da sage — euch, die ihr schon in den vielen fremden Ländern seid oder bald sein-werdet: Lernt die Sprache! Das ist sehr oft gesagt worden und mit allem Grund. Es ist kaum möglich, die Richtigkeit dieser Forderung ganz einzusehen, solange man noch nicht oder nur zu Besuch im fremden Land lebt. Ganz egal, welches Land ihr auch nennt — es gilt für jedes. Und es gilt auch für die Länder in Europa — um gleich einem Irrtum vorzubeugen — von denen man im aligemeinen glaubt, ..man kommt mit Deutsch durch". Man kommt vielleicht drüberhin — aber nicht durch! Es genügt lange nicht, dass man sich zur Not im Restaurant sein Essen bestellen kann oder dem Zimmermädchen oder der Hausfrau klarzumachen weiss, dass die Bettdecke zu dick oder zu dünn ist; soviel kann man meist ohne Kenntnis der Landessprache erreichen. Aber viel weiter geht es schon nicht und .es muss weiter gehen, will man sich nicht selbst unglücklich fühlen und andererseits der neuen Umgebung unangenehm auffallen. Man muss einmal an sich selbst erlebt haben, etwa in der Strassenbahn, auf einer Behörde, in einem Geschäft, wie das ist: Man kommt mit irgendeinem Anliegen und bemüht sich, e? in der Landessprache möglichst gut vorzubringen — natürlich wird man als Ausländer erkannt, aber die Freude der Betreffenden, mit denen man zu tun hat, ihre Genugtuung, dass man sich wenigstens Mühe gibt, sind so deutlich, dass die Unterhaltung schon einen besonders freundlichen Ton annimmt; es gibt natürlich auch Ausnahmen — aber meistens ist es so. Und meistens wird man ein wohlwollendes Entgegenkommen in solchem Fall finden und eine Hilfsbereitschaft, die sich weiter als auf das rein Sprachliche erstreckt. Mantel abgegeben. „Vorplatz, wo man seine Sachen aufheben kann, gibt es hier nicht, Sie kommen gleich mitten ins Haus", sagt Ihre Wirtin. Und in der Tat, Sie stehen alsbald in einem Wohnzimmer, sehr gemütlich, aber etwas dunkel, da nur: von der'Veranda her das Lichf kommt, die beiden Seitenwände stossen an die Nachbarhäuser. An das Wohnzimmer schliesst sich ein freundliches Speisezimmer, daran die Küche. Die ist wirklich ehr Sehmuckkästchen, alles vom Gasherd über die Spülmaschine bis zum grossen elektrischen Kühlschrank (Refrigerator) aufs modernste und praktischste eingerichtet. Die Augen der Hausfrau leuchten, als sie Ihnen diesen ihren .Stolz vorführt. Sie selbst können Ihr Verwundern nicht unterdrücken, dass die Familie, die sehr mit dem Pfennig rechnen muss, einen solchen Kühlschrank hat. Das obere Stockwerk enthält drei Schlafzimmer und ein hübsch gekacheltes Bad. U eberall erkennen Sie die Möbel wieder, die Sie schon in Deutschland bei der Familie gesehen haben. Aber die Schränke vermissen Sie. „Wir haben sie nicht stellen können und auch nicht gebraucht", erklärt Ihre Führerin. „Hier in den Häusern sind überall Wandschränke (Closets) eingebaut, und die sind bei uns erfreulicherweise so geräumig, dass wir alles unterbringen konnten." „Im übrigen ist es nicht ganz reibungslos abgegangen. Unsere Teppiche waren zu gross, ebenso unsere Vorhänge für die kleinen Schiebefenster. So haben wir die Vorhänge zerschneiden müssen. Aber das hat den Vorteil, dass wir sie selbst auf- und abmachen können. Und da die Handwerkerlöhne sehr hoch sind, und in der Zeit zwischen Mai und September niemand Vorhänge aufhängt, so haben wir auch da wieder gespart. In dieser Zeit hat auch niemand Teppiche liegen." Der Keller wird Ihnen noch gezeigt, dessen einer Teil die Heizung und Warmwasseranlage enthält, während der andere als Garage ausgebaut ist, und damit ist der Rundgang beendet. Etwas müde von den vielen neuen Eindrücken setzen Sie sich zu einer Unterhaltung nieder, und schon kommt eine Freundin aus einem der Nachbarhäuser, die gesehen hat, dass ein fremder Besucher da ist und ihn auch kennenlernen möchte. Das Gespräch ist bald im Gange mit den immer wiederkehrenden Fragen: „How do you like Philadelphia? How do you like America? How do you like our homes? Und nun, lieber Freund, der Sie mir bis hierhin willig gefolgt sind, noch einen Rat. Amerika ist „Gods own country", und die Amerikaner sind auf alles Amerikanische mächtig stolz. Sie freuen sich, wenn man mit ihnen begeistert is% aber wer ihnen erzählt, dass ihm das Essen nicht schmeckt oder die Bauweise nicht gefällt, wird keine gute Note bekommen. Ein lieber Bekannter von mir hat sich sehr in die Nesseln gesetzt, als er auf die Frage: How are you this morning?, von den Kopfschmerzen erzählte, die er in der letzten Nacht gehabt hätte. Stets die guten Seiten betonen, das ist Grundprinzip und kein schlechtes. Man erwartet nicht nur von andern, das „Keep smiling", sondern trainiert und praktiziert es auch selbst und nimmt das Leben dadurch leichter. Also, wenn Sie daran gehen, aus dem Gelesenen die Folgerungen zu ziehen: „Take it easy". Es wird also mit Recht immer wieder gepredigt: Lernt die Sprache! Aber manchmal hat man nicht die Zeit, nicht das Geld, nicht sonst irgendwelche Möglichkeiten dazu, nicht wahr? Stimmt. Und da rate ich euch: auf jeden Fall — ob mit oder ohne systematische Schulung — seid Autodidakten! Und das ist so einfach! Dazu gehört gar nichts anderes, als die Ohren nur offen, zu halten — und die Augen! Für die Sprache? Jawohl, für'die Sprache! Auch die Augen! Eine kleine Unterhaltung mit einer Frau, die schon über drei Jahre hier im Ausland lebt, hat mich eigentlich erst darauf gebracht, euch in diesem Sinn zu schreiben. Diese Frau ist durchaus klug und gebildet und behauptet, noch jetzt kaum ein Wort der Landessprache zu können. Gut — sie hat es insofern weniger nötig, als sie keinem Beruf nachgehen muss — noch nicht mal einkaufen zu gehen braucht sie. Aber von allem abgesehen, ob sie sich nun dabei wohlfühlt oder nicht oder ob sie es aus einer allerdings kaum fassbar verkehrten Einstellung gar nicht anders haben will — ich fragte sie nur: „Wie bringen Sie das denn fertig? Laufen Sie denn mit geschlossenen Ohren und Augen herum?" „Die Laute der Sprache sind mir zu fremd", sagte die Betreffende, „als dass ich überhaupt etwas aufnehmen könnte — und die Augen — Sie verzeihen — haben doch damit wohl nichts zu tun!" „Einen Augenblick — ich will es Ihnen erklären: Sehen Sie hier diese Auslage zum Beispiel. Da ist ein Tintenfass oder dort das Briefpapier oder die Uhr oder das und das und das — lauter Dinge, die Sie doch wirklich kennen und die hier auch nicht anders aussehen als überall. Darüber stehen auf Zettelchen immer die Preise und — die Bezeichnungen. Denn es ist doch nicht anzunehmen, dass über der Uhr etwa steht: Füllfederhalter — Preis soundsoviel, nicht? So ist es in ungezählten anderen Schaufenstern. So ist es an den Schildern der Geschäfte, an den Reklamen der Häuser, der Bahnen. — wo' Sie auch hinschauen, Darf ich Ihnen sagen, wie ich z. B. darauf gekommen Es sprach für die Aktualität dieser Vortrags- ~ reihe, dass der Saal des Jüdischen Brüdervereines auch am letzten Abend gut besucht war, obwohl draussen ein für Berliner Verhältnisse ungewöhnlicher Schneesturm tobte. Und die vielen, die wiederum gekommen waren, hatten es nicht zu bereuen. Sie hörten ein kenntnisreiches und lebendiges Referat von Dr. Fritz Friedländer über „Die Entwicklung Arabiens seit dem Weltkriege" und sie bekamen von Dipl.-Ing. Fritz Benjamin ein „Bildnis Palästinas" gezeichnet. Die Beurteilung des Schicksals Palästinas würde ins Leere greifen, so begann Fritz Friedländer, wenn nicht der grosse Erneuerungs- und Umschichtungsprozess des gesamten arabischen Volkes mit berücksichtigt werde. Das gewaltige Geschehen des Weltkriegs habe mit seiner Erschütterung der bestehenden Machtverhältnisse den Arabern eine einzigartige Chance geboten. Von den damaligen Versprechungen der Engländer sei die pan-arabische Bewegung der neuesten Zeit ausgegangen. England und Frankreich hätten aber in Wirklichkeit diese Länder nicht freigeben wollen, sie machten aus ihnen Mandatarstaaten, Vasallenstaaten. Diese Neuordnung habe jedoch den Freiheitsdrang der arabischen Völker eher verstärkt und durch die Kraft der Bewegung — nun unter der Führung von König Ibn Saud — sei der Einfluss der Westmächte fortlaufend zurückgedrängt worden. England und Frankreich haben dem Unabhängigkeitswillen überall grosse Zugeständnisse machen müssen. Wegbereiter dieser tiefgreifenden geistigen Wandlung sei die intellektuelle arabische Jugend. Die uralte weltgeschichtliche Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident sei in ein neues Stadium getreten. Die Völker des. Vorderen Orients hätten sich Technik und Wissenschaft der europäisch-amerikanischen Zivilisation angeeignet. Je mehr sich jedoch die Völker des Vorderen Orients in neuester Zeit 'dem geistigen europäisch-amerikanischen Einfluss wieder zu entziehen versuchten, desto erfolgreicher wisse die gelbe Weltmacht des Fernen Ostens ihre Stellung im Nahen Osten zu verstärken. Die gesamte Wirtschaft des islamischen Orients sei mit Hilfe Japans in einer gewaltigen Umwälzung begriffen, allein nach Palästina habe sich die japanische Einfuhr innerhalb von vier Jahren vervierzehnfacht! Unter dem Gesichtspunkt der weltgeschichtlichen Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident müsse man auch die Schicksalsfrage des heutigen Judentums — das jüdischarabische Problem — zu verstehen suchen. Trotz aller Mischung des Judentums in Palästina sei das jüdische Auf bau-und Siedlungswrerk in seinen Arbeitsmethoden ein Exponent der. europäisch-amerikanischen Zivilisation. Wenn einmal die Technisierung, die in der neuen Türkei, im Irak, in Iran und Arabien im Gange sei, auch auf den arabischen Teil Palästinas übergreifen würde, dann werde das jüdisch-arabische Problem wahrscheinlich ein anderes Aussehen erhalten. Es würde sich dann in einen Wettlauf bin, dass Tor auf tschechisch „bräna" heisst? Bitte: Jeden Tag fuhr ich mit der Elektrischen am altbekannten Prager Pulverturin vorbei. Der Schaffner rief aus: „Prasna bräna4'. Das erste hatte was mit Staub zu tun, das wusste ich aus anderem Zusammenhang, also nahm ich an, „bräna'' heisse „Turm". Neulich fuhr ich in Pilsen mit der Elektrischen und dort sah ich die Theateranzeigen., u. a. grossgedruckt „Bräna do nebe". „Nebe" gehört nun zufällig zu den Wörtern, nach denen ich mich erkundigt habe, schon als ich herkam, weil ich ohne sie schwer auskomme — „nebe" heisst „Himmel". „Bräna do nebe" — „Turm zum Himmel" — das konnte nicht gut sein, wenn ich mir die angeführten Autoren- und Komporiistennamen ansah, die ich als verantwortlich zeichnend kenne für „Axel an der Himmelstür", die erfolgreiche Operette aus Wien mit Max Hansen. Also Himmelstür — und „bräna" heisst „Tor" und der Pulverturm heisst eben im Tschechischen Pulvertor. Das wird Ihnen schrecklich kompliziert vorkommen, w-as? Aber es ist nur so verzwickt, wenn man es aufschreiben muss. In Wirklichkeit war dieses Beispiel ein halb unbewusster und ganz zwangloser, selbstverständlicher Gedankengang — kurz, logisch und vor allem mit keiner schweren-Wissenschaft belastet, sondern mitten aus dem Tag heraus, das werden Sie doch zugeben! Dem einen liegt es nun, sich für Theateranzeigen zu interessieren — der andere wird Möbelindustrie oder Pelze oder wer weiss was vorziehen — aber auf Jeden Fall muss es doch für jeden Menschen etwas geben, wo er sich ein wenig auskennt und in dessen Bereich er auf Schritt und Tritt Bekanntes findet. Und vor allem: Ist es nicht viel anregender, in einer fremden Stadt durch die Strassen zu gehen mit dem.Wunsch, von dem, was sich ringsum zeigt, möglichst viel mit den Gedanken aulzunehmen und zum akustischen Sinn weiterzuleben, als mit dem ein-" geredeten Bewusstseiu herumzulaufen: Ich bin ja doch ganz isoliert — ich versteheja doch. kein .Wort? Sehen Sie, so kann man Autoum die schnellere Anwendung der europäischamerikanischen Zivilisation verwandeln. Die heutige ungeklärte Lage Palästinas sei auf jeden Fall die Folge der Unvereinbarkeit der unter dem Druck der Kriegsnot erfolgten Ver« sprechungen der Engländer an Ju* den und. Araber. Seit der Mandatsübernahme durch England sei Palästina deshalb nicht zur Ruhe gekommen. Das Mandatsystem habe sich hier als ebenso unfruchtbar erwiesen, wie im Irak und Syrien. Was übrig geblieben sei, sei der umstrittene Plan der Aufteilung Palästinas auf Grund des Peel-Berichts. So sei die Lage in Palästina dazu angetan, uns mit ernster Sorge zu erfüllen. In interessantem Gegensatz zu den wissenschaftlich-strengen Ausführungen Fritz Friedländers stand das intuitiv-farbige Bild, das Fritz Benjamin von Palästina zeichnete. Hier war kein Historiker oder Volkswirt durch das Land gereist, sondern ein Mensch, der mit Augen eines Malers und hochgespannter seelischer Empfindsamkeit das Land, seine Formen und seine Geschichte in sich aufnahm, der Palästina nicht als Land für solche sieht, die dorthin „verpflanzt" werden sollen, sondern für Menschen, die von vornherein fühlen, dass sie nur tiefes Nachempfinden und Verstehen des einst und heute noch biblischen Landes die Brücke zwischen Orient und Okzident finden lässt. Er sieht in Palästina wohl den Uebergang aus westeuropäisch-amerikanischer Zivilisation, spürt aber ständig darunter hervorbrechend die krasse Gegensätzlichkeit asiatischer Erde, deren Begriffe nicht mit unseren Massstäben gemessen werden können. Benjamin fühlt den starken Unterschied zwischen arabischer und europäischer Haltung bis in die Landschaft hinein, deren wahre Interpretation er auch heute .noch in der Bibel sieht. Die Landschaft, in ihrer harten nebeneinander laufenden Vielfarbigkeit, ist ihm Ausdruck für die besondere Note, die Palästina hat, unvergleichbar mit irgendeiner anderen Landschaft ausserhalb seiner Grenzen. Und diesen eigenen Charakter wünscht er auch für die jüdischen Bewohner des Landes, damit " sie ihrer Aufgabe gewachsen seien, Zwischenglied zwischen arabisch-asiatischer Raum weite und Denkweise und neuzeitgebundener Aktivität zu sein, so dass das alt-neue Land in seiner jüdischen Jugend den wirklichen Anschluss.an die jahrtausendalte Geschichte -finde und den Bruch, den er in vielen Dingen dort spürt, zu einer neuen Synthese vereine. . * Wenn wir abschliessend noch einmal einen Blick auf diese Vortragsreihe werfen, so können wir für sie — deren Berechtigung sich aus der überaus starken Anteilnahme des Publikums erwies — keine bessere Beurteilung finden, als sie Fritz Friedländer in den Schlussworten seines Referates gab: „Ich kann es sehr wohl nachempfinden, wenn jemand unter dem Druck der Sorgen und Nöte des Alltags sich einer Betrachtungsweise, wie ich sie hier versucht habe, -verschrieest. Aber vergessen wir trotz aller Sorgen niemals, dass unsere auswandernde Jugend nur dann in der neuen Heimat Wurzeln schlagen wird, wenn sie nicht nur für den wirtschaftlichen Existenzkampf, sondern auch für das Verständnis der Probleme des neuen Landes ausgerüstet ist."'- H. W—1. didakt sein in jeder Sprache, jeden Tag und jede Stunde und überall — und dazu gehört es nur, die Ohren und-Augen offen zu. halten. Hab ich nicht recht?" Das nachdenkliche Schweigen der Frau sagte mir genug. Und ich glaube, auch Sie alle werden mir zustimmen. Nur Mut! Hilde Marx. Offene Auslandsstellen zur Besetzung genehmigt vom Landesarbeitsamt Brandenburg. Gesucht werden: für R o m gelernter jüdischer Uhrmacher für Installation von elektrischen Uhrenanlagen. Verkaufsfähigkeiten erwünscht; für Australien jüdische Ehepaare, die in der Lage sind, Stellung im Privathaushalt mit Garten anzunehmen. Die Frau hätte als Köchin zu arbeiten, der Ehemann zu chauffieren, die laufende Hausarbeit zu übernehmen und den Garten in Ordnung zu halten. Die Ehepaare werden für Vororte, Sommerhäuser und .aufs Land gesucht. Die übliche Bezahlung beträgt 2—3 Pfund Sterling bei freier Station. Bewerbungen von Personen über 45 Jahre sind iwecklos; für Provinzstadt in Peru tüchtiger, jüdischer Damenfriseur, der auch Dauerwellen zu machen versteht. Der Friseur müsste selbständig arbeiten und über eigene Apparatur verfügen: für Üngarn junges, jüdisches Mädchen im Alter von 18 bis 33 Jahren zur Erzie&ung von zwei Mädchen im Alter von 12 und IS Jahren. Neben der deutschen Sprache wäre Beherrschung der französischen Sprache erwünscht; Ausführliche Bewerbungen nur auf Luftpostdünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf sowie Passphoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW19, Lindenstrasse 48/50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Poetpapier werden nicht mit Luftpost befördert. Beachte auch den Aufsatz „Arbeitsrecht in aller Welt" in der Beilage „Wirtschaft der Woche" in dieser Nummer.