Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1937-12-16 · 50 (16.12.1937) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
50 (16.12.1937)
Date
1937-12-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277516-2277566--12473-2282083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

lefläge' <ler G-V.-Zeihmg Nr. 50 * '21 Beiblatt 16. Dezember 1937 Mitteilungen aus 'dem HHfsvereTn Her Ju'den in Deutsctnahcf fernn Zentralisierung der Wanderungsarbeit Die Reiehsrertretung der Juden in Deutschland teilt mit: In der Sitzung des Wanderungsausschusses 3er Reichsvertretung der Juden in Deutschland vom 13. Dezember 1937 wurde die Notwendigkeit' einer Verstärkung aller Bemühungen zur Förderung der Auswanderung festgestellt und die hierzu möglichen Massnahmen erörtert. Angesichts des starken Auswanderungsbedürfnisses und der nur beschränkt vorhandenen Einwanderungsmöglichkeiten müssen alle Kräfte angespannt werden, um die vorhandenen Auswanderungsmöglichkeiten wahrzunehmen und neue zu erschli essen. Nachdem sich die Zusammenarbeit der im Wanderungsausschuss der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zusammengeschlossenen Wanderungsorganisationen bisher voll bewährt hat, bestand Einmütigkeit darüber, dass künftig noch stärker die gesamte Planung der jüdischen Auswanderung zentral zusammenzufassen ist. Es wurde daher im Wanderungsausschuss der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Zentralstell-e für die jüdische Auswanderung geschaffen, die in engster Zusammenarbeit mit den wie bisher selbständig bleibenden Wanderungsorganisationen die einheitliche Lenkung und planvolle Förderung' der Einzel- und der Gruppenwanderung gewährleistet. Der Wanderungsausschuss wird der jüdischen Oeffentlichkeit über seine Arbeiten Bericht erstatten. In den Wanderungsausschuss wurden zugewählt: die Herren Jakob Levy, Dr. Leo Löwenstein und Josef Schm eidler. Damit sind alle in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland zusammengefaßten jüdischen Organisationen auch im Wanderungsausschuss vertreten. Internationale . Wanderungs-Konferenzen Am 13. und 14. Dezember tagte in Amsterdam die internationale Kommission für das Flüchtlingswesen in Anwesenheit des Völkerbundskommissars Sir Neiil Malcolm. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Vorbereitung der Ende Februar in Genf stattfindenden Konferenz zur Regelung des Flüchtlinsswesens. * Am 28; Februar 1938 beginnt in Genf eine vom Internationalen Arbeitsamt einberufene Konferenz zum Studium des Problems „der technischen und finanziellen internationalen Zusammenarbeit in der Frage der kolonisierenden Wanderungen", auf der eine grosse Zahl von Regierungen durch Sachverständige vertreten sein werden. Es ist dies.bereits die zweite internationale: Konferenz (die erste fand 1934 statt), die sich mit diesen Fragen befasst. Sie wurde vom Verwaitungsrat des Arbeitsamtes einberufen auf Grund eines Berichtes über die Siedlungsmöglichkeiten iii Südamerika, der von einer vom Arbeitsamt dorthin entsandten Experten-Kommission erstattet wurde. In'diesem Bericht werden auch als Beispiele einer zielbewussten und erfolgreichen Tätigkeit privater Organisationen auf diesem schwierigen Gebiet die guten Erfolge der ICA und def HICEM in Südamerika und der Jewish Agency in Palästina hervorgehoben. «. Für den Zentralrai der Organisationen ORT und OSE wurden aus Holland ernannt Professor Dr. D. Cohen, J. E. H i 11 e s u m, Dr. A. van Räa 11e und H. Vas Nunes. Das Büro des HIAS in Washington hat die Zahlen der jüdischen Einwanderer in die Vereinigten Staaten bekanntgegeben. Danach, belief sich die Zahl der jüdischen Einwanderer in den ersten fünf Monaten 1937 auf 7635. Im Juni 1937 wanderten weitere 1433 Juden ein, zu denen noch 728 jüdische Touristen gerechnet werden müssen. So betrug im ersten "Halbjahr 1937 die Zahl der jüdischen Einwanderer 9798. ■9 * Die Monatsschrift .,Deportiva Policial", das Organ des-Polizeisportklubs in Montevideo, das unter der Redaktion eines leitenden Staatsbeamten steht, hat in seiner Ausgabe vom Juli 1937 einen Aufsatz über die Ziele und die Tätigkeit des der HICEM angeschlossenen Hilfskomitees .,Soprotinis<! veröffentlicht. Nach einer sehr ausführlichen Schilderung der vielfältigen Aufgaben fasst das Blatt die Tätigkeit der „Soprotinis" zusammen: „Diese Organisation verleiht ihren Schützlingen in jeder Hinsicht die moralische und materielle Hilfe, die sie benötigen, um ihr Leben wieder beginnen zu können, und sie wracht darüber, dass kein Einwanderer der Oeffentlichkeit zur Last fällt." Nach einem Angabe der HICEM sind trotz der sehr begrenzten Möglichkeiten 50 Juden aus Deutschland nach Japan eingewandert, die als Exporteure und Hochschullehrer ihr Auskommen finden. Die Einwanderungslage in Brasilien Die Nachricht, dass infolge der politischen Veränderungen in Brasilien, mit einer Ausweisung von 2000 grösstenteils aus Deutschland illegal ins Land ' Eingewanderten gerechnet werden müsse, bestätigt sich erfreulicherweise in dieser Form nicht. Wie der Hilfsverein inzwischen durch die HICEM, Paris, erfährt, scheint zwar tatsächlich die Gefahr der Ausweisung für eine Anzahl von Personen zu bestehen, jedoch sind die ursprünglich angegebenen Zahlen erheblich zu hoch. Die Zahl der noch nicht legalisierten Einwanderer — nur diese Kategorie wird wohl von der Gefahr der Ausweisung betroffen — dürfte 500 kaum überschreiten. Die C.-V.-Zeitung hatte die sensationelle Meldung sofort sehr reserviert wiedergegeben. Ar^entiniensEinwanderungspolitik Argentinien hat seinen Einwanderungskommissar Dr. Ricardo Peluffo auf eine Informationsreise nach Europa geschickt, wo er bereits an verschiedenen Orten Erklärungen abgegeben hat, aus denen u. a. hervorgeht, dass Argentinien beabsichtigt, in Europa vier Einwanderunasämter der argentinischen Regierung zu eröffnen; davon soll eines für die skandinavischen'Staaten.in Kopenhagen bestimmt sein, ein zweites für Südeuropa in Wien, ein drittes für Westeuropa in Antwerpen oder in einem holländischen Hafen und ein viertes, das Zentralbüro, für Mitteleuropa in-einer schweizerischen Stadt. Dr. Peluffo glaubt, mit Hilfe dieser vier Büros in Zukunft jährlich mindestens. 20 000 ausgesuchte bäuerliche Siedler nach Argentinien bringen zu können. Die HICEM warnt, auf Grund verschiedener: Schwierigkeiten, die sich bei der Einwanderung nach Argentinien in den letzten Monaten ergaben, alle Einwanderer davor, die Frage der Einreise- und Zollgebühren zu wenig zu beachten. Da die Gebühren in den verschiedenen Schiffsklassen auch verschieden hoch sind, ist eine sorgfältige vorherige Prüfung dier ser Fragen sehr zu empfehlen, wenn Verzögerungen bei der Einwanderung vermieden werden sollen. Amerikanische Städtebilder Wohnen und Wohnbedingungen in Philadelphia Sonderbericht für die C.-V.-Zeitung von Dr. Lucian Loefo Philadelphia im Dezember 1937. Sie kommen aus New York.' Noch vor zwei' Stunden waren Sie am Times Square, umtost von ungeheurem, in seiner Vielfältigkeit berauschendem und bedrückendem Leben. Wenige Blocks von diesem Zentrum des Zentrums. entfernt haben Sie in Pennsylvania Station den Express genommen, sind in luftgekühltem Wagen unter dem Hudson durchgerissen worden, dass Ihnen die Ohren gebraust haben, haben gerade den Eindruck von ein paar grossen, sehr modern und sachlich gebauten Fabriken und von vielen kleinen primitiv anmutenden Holzhäuschen in sich' aufnehmen können, dann hat Ihr Auge sich eine halbe Stunde beim Anblick einer gleichsam mitteldeutschen Hügellandschaft mit Wäldern, Wiesen und Kuhherden ausruhen können, und schon fahren Sie in Philadelphia ein, der City of Brotherly Love, der Stadt der Künste und Wissenschaften. Fragen: Sie einen waschechten New-Yörker nach Philadelphia, so können Sie wohl die Antwort hören: „O, Philadelphia,,that is a sleeper". Nun,' eine Schlafmütze pflegen wir uns etwas anders vorzustellen. Auch hier im Mittelpunkt der Stadl rdiei öeschaftshochhäuser mit zwanzig und dreissig Stockwerken, die Kaufhauspaläste, ' das' Geschrei' der - Zeitungsverkäufer und die nicht abr-eissende, doppelte und dreifache Kette der Autos. -Aber entfernen Sie sich nur ein paar' Blocks, so spüren Sie schon, wie der Pulsschlag ruhiger wird, und biegen Sie dann von der Hauptstrasse in eine der Nebenstrassen ein, so unterscheidet, die sieh kaum-von einer der geruhsamen Kleinstadtstrassen, und Sie. vergessen sofort, dass Sie in einer Grossstadt mit wohl 2V2 Millionen Menschen sind. Wird das Stadtbild von New-York von der Kostspieligkeit des Bodens bestimmt, und entwickelt sich dadurch alles, in die Höhe, so dass man in der Wohngegend stets in einer Strassenschlucht zwischen vielstöckigen Apartmenthäusern geht, so spielt hier in Philadelphia der Bodenpreis keine Rolle, es wird in die Breite gebaut, und das Einfamilienhaus herrscht entscheidend vor. Der Grundplan ist fast immer derselbe. Meist ist dem Strasseneingang des Hauses eine Veranda (Porch) vorgelagert, entweder ganz offen, oder gedeckt, das' heissi im. Sommer mit Fliegenfenstern (Screens),' im Winter mit Glasfenstern geschlossen. In der wärmeren Jahreszeit spielt sich auf dieser Porch ein grosser Teil des häuslichen Lebens ab. Sie ist die Stätte der abendlichen und sonntäglichen Ruhe, des Zeitungslesens und der Nachbarbesuche und Unterhaltungen. Der Grossteil aller Strassen ist in der sogenannten Reihenbauweise entwickelt, das heisst ein Haus ist an das nächste in der Vorderfront unmitetlbar angebaut, «ine Porch ist von der: M. M.WARBURG & CO. GEGRÜNDET 1797 HAMBURG FERDINAND STR. 75 BERLINER BÜRO: TIER GARTEN STR. 2 b nächsten nur durch ein noch nicht meterhohe^ Geländer getrennt, und so ergibt schon die Bau-* aTt,.dass die Bewohner eines Blocks so etwas wifll eine grosse Familie bilden und an allen Freuden und Leiden der Nachbarn selbstverständlich teilnehmen. Kommt morgens der Briefträger, so braucht er nicht die Treppe eines Hauses hinunter und die des. nächsten wieder . hinaufzugehen, wenn er gewandt ist. Er kann vielmehr die ganze Porchreihe entlang eine Art Hürdenlauf machen. Nur muss er dabei acht geben, dass er nicht über die Schaukelstühle stolpert, die ein regelmässiges Requisit darstellen. Bei dem ungewohnten Anblick der Häuschen, die in unabsehbarer Reihe, gleichmässig und ausgerichtet wie Soldaten, dastehen, kommen Sie sich erst etwas verlassen vor, dann fällt Ihnen ein, dass Sie in Ihrem Notizbuch unter den vielen Adressen auch die der Familie Maier haben, die schon vor Jahren eingewandert ist Französisches Verkehrsburo G.m.b.H. BERLIN W8, Unter den Linden 27 Telefon 11 1200/11 1301 Teiegr. Mildnertours ach Südamerika mit den französischen Linien Chargeurs Reunis Transports Maritimes Es berät Sie in allen Visafragen Herr Alfred Lubinski staatlich konzessionierter fi^&»"S?Äfc Auswanderungs-Agent der ^L^£aJi..M^ via Buenos Aires Cie. Chargeurs Reunis, Paris. Argentinien Urasilien Urngay Passage, Bord und Landgangsgelder können in Reichsmark eingezahlt werden! Verlangen Sie die neuesten Abfahrtlisten! Französisches Verkehrsbüro G.m.b.H., Berlin W8, Unter den Linden 27 C-V.-ZEITUNG IHR BERATER MICH IN AMERIKA -verhüft das bekannte Apparaturu. Geschäftssystem CINEFOTO Zu guter Existenz. Die American. Cinefoto 'Corporation Chicago vergibt jetzt Lizenzen. Heber die Bedingungen in ü. S A. WIE IN ALLEN LÄNDERN unterrichtet Sie Cinefoto, Rom, Iamgotevere Flaminio 80. llmttacfjVci^änge lüatfacfiQecketj *••'.■ maiAen JAfJßeitn luphftßfirt^j Jlfaetach t^jeauptpoti " Snänchen, eßg^Lg Gute Existenz in HOLLAND Gut besetzte Pension in Amsterdam 8 Zimmer, Allkomfort, sofort mit Einrichtung günstig zuübernehmen. Eventneil 'auch ohne Kapital. Xäheres Tel 87 77 78 Wirtschaftsberatung Holland Hollandis ch er Fachmahn übernimmt die Erledigung aller Niederlassungs- und Gründungs -. Angelegenheiten u. a. in Holland zu kulanten Bedingungen. I. Jochems Jon. VprhnIststraai 24. Amsterdam. BANKHAUS STRAUS&(5 KARLSRUHE Friedrichsplatz 1 Telefon: Fernverkehr 4901/03 Ortsverkehr 4430/35 Vermögensverwaltung, Durchführung aller bankmäßigen Transaktionen, Bearbeitung von Auswandererangelegenheiten, Transfer- und Devisenberatung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.