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Central-Verein-Zeitung · 1937-12-09 · 49 (9.12.1937) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
16 (1937)
Issue
49 (9.12.1937)
Date
1937-12-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 C-V.-Zeitung Nr. 49 * 9, Dezember 1937 Jüdisches Leben — jüdischer Geist Berlin Der Vortrag von Dr. Max Grünewald (Mannheim) im Lehrhaus über „Die Idee des Judentums und der jüdische S t a~a i " stellte zunächst die Frage, inwieweit es in der jüdischen Ueberlieferung die Vorstellung von einem Staate gibt, und zeigte, dass diese Frage sich nur sehr bedingt bejahen lässt Das Hauptthema war in drei Abschnitte eingeteilt. Im ersten prüfte Grunewald, welche religiöse Bedeutung der Judenstaat für uns haben konnte. Wir verlieren gegenwärtig nicht nur eine soziale, eondern eine geistige Ordnung. Dem Mangel eines geistigen Sich-Aufrichtenkönnens könnte ein jüdischer Staat abhelfen, aber nur, wenn er sich in religiöser Hinsicht nicht als endgültig betrachtet und ferner der Aufgabe eingedenk bleibt, dass er das gesamte Judentum su repräsentieren hat. — Der zweite Teil behandelte die Frage: was bedeutet es, wenn ernst gemacht wird mit einem religiösen Staat in Palästina? Der entstehende Staat müsste von religiösen Motiven grundlegend beeinflusst sein, seine Einwohner auf der Grundlage des jüdischen Religionsgesetzes stehen. Dies anzunehmen wäre Selbstbetrug. Aus dem Schwinden der religiösen Grundlagen sieht Grünewald für 1837 1937 ^^4^ Emst Lochner & Horkheimer Frankfurt a. PS., Liebfrauenberg 39. i. Stock Tel. 292S3 KerrensiOffS in den altbekannt ersten Qualitäten den kommenden Judenstaat wie überhaupt für alle Staaten des vorderen Orients schwere Gefahren erwachsen. — Als drittes Problem untersuchte Grünewald schliesslich, worin Judenstaat und Religion unnachgiebig gegeneinander sein werden Der religiöse Standpunkt stützt sich auf Maimonides, der dem „Könige in der Zeit" den „König Messias" gegenüberstellt.' An Stelle des sonst geltenden Satzes „Der König herrscht, aber er regiert nicht" gilt hier der umgekehrte Satz „Der" König verwaltet, aber er herrscht nicht"'. Diese Stellung des Königs wie überhaupt jeder staatlichen Obrigkeit würde in krassem Widerspruch stehen zu jener Auffassung, die den Staat als absolut betrachtet und seine Befugnisse erweitern will. Grünewald glaubt daher, dass der alte Kampf zwischen Staat und Keligion auch im neuen Judenstaat wieder entbrennen und zu schweren Konflikten, führen wird- Mit diesem Vortrag hat die erste Semesterhälfte des Lehrhauses mit dem Gesamtthema „Judenstaat" ihren Abschluss gefunden. Nicht alle Erwartungen wurden erfüllt; so fehlte es an einem Vortrage, der, vom Judentum ausgehend, dessen religiöse wie nationale Elemente aufzuweisen, unter den verschiedensten Gesichtspunkten zu untersuchen und schliesslich zu zeigen gehabt hätte, wie jedes * dieser beiden Elemente zum Wiederaufbau beigetragen hat und dass die zukünftige Form des jüdischen Staates davon abhängt, in welchem Umfange sich jede dieser Komponenten bei der endgültigen Ausgestaltung des Landes durchsetzen wird. Immerhin brachte die fünf Abende umfassende Vortragsreihe soviel Anregungen, dass der Wunsch ausgesprochen wurde, in einer Arbeitsgemeinschaft sich eingehender mit den vorgebrachten Problemen zu befassen. Der Termin dieser Arbeitsgemeinschaft wird noch bekanntgegeben werden. Gü. Lo. Arbeitsgemeinschaften: Nr. 7, Walter Gross: „Ausgewählte Kapitel des Peel-Berichts", Mittwochs, 20.30 Uhr (Marburger Str. 5); Nr. 8, Benno Cohn: „Analvse der Weizmannschen Realpolitik", nächster Abend* verlegt auf 14. Dezember, 20.30 Uhr (Goltzstrasse 21): Nr. 13, K. W. Goldschmidt: „Geschichte der Weltrelicrionen1', 2. Teil. Mittwochs, 20.30 Uhr (Prinzregentenstrasse 69/70): Nr. 16, Kurt Sternberq;s „Relteionsphilosophie". 2. Teil, Dienstags, 20.30 Uhr (Pasanenstrasse 80'; Nr. 20, Walter L e v y : „Angewandte Psychologie", 2. Teil. Dienstags, 20.30 Uhr (Fasanenstrasse SO':: Nr. 25. Fritz Eisenb e r g : „Uebungen in freier Rede", 2. Teil, Montag?, 20.30 Uhr (Fasanenstrasse 80). In alle diese Arbeitsgemeinschaften können Teilnehmer noch aufgenommen werden. Insbesondere wird darauf hingewiesen. d;iss die zweiten Teile der Arbeitsgemeinschaften unabhängig vom ersten Teil belegt werden können. Auskünfte, Anmeldungen Montag bis Donnerstag von 10—13 und 16—18 Uhr im Sekretariat Marburger Strasse 5 III. Mannheim Dem Winterlehrplan des Lehrhauses entnehmen wir u. a. folgende Vorlesungen: Rabbiner Dr. L a u e.r (JonaX Professor Dr. Billigh e i m e r (Gebet im Zeitalter der Klassik und Romantik). Dr. Kurt B e r s (Heine und die Romantik), Dr. M a r g u 1 i e s (Achad Haara). Dr. Otto .Simon (Recht und Wirtschaft in Palästina und Diaspora). Frau Grünebaum (Jugendpflege und Jugenderziehung), Dr. Eduard Strauss (Könige in Israel). Ausserdem finden Sprachkurse, Kurse in Säuglingspflege und Ernährung, für Erste Hilfe bei Unfällen, in Mathematik, für Handwerker, Physik des Alltags, Stenographie,. Maschinenschreiben, Nähen usw. statt. In der Abteilung B wird ein reichhaltiges Lehrprogramm für die Jugend abgewickelt. Einzelheiten durch das Lehramt E7,28, Montag bis Freitag, 10—13 und 15—17.30 Uhr. Reichenbach Als Auftakt zur Wintersaison sprach in Reichenbach (Eulengebirge) am 25. November vor den zahlreich erschienenen Gemeindemitgliedern Dr. L a n d a u (Berlin) über „Altjüdische Lebensweisheit." Seine Ausführungen wurden von Liedern umrahmt, die Max Mansfeld (Berlin) gehaltvoll zum Vortrag brachte. — Dem rührigen Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Erich W e y 1, ist es zu verdanken, dass ein englischer 'Sprachkursus in drei Stufen abgehalten wird. Eine Gemeindebücherei wurde eröffnet Beide Einrichtungen sind für eine Kleingemeinde besonders begrüssenswert. N. Wiesbaden Den ersten Vortrag im Zyklus: „Führende Geister im zeitgenössischen Judentum" des Lebrhauses hielt Rabbiner Dr. Eschel-- bacher-Düsseldorf über „Abraham Jizscnak Kuk, der Rabbi yon.Erez Jisrael". Der ausserordentlich interessante Vortrag kann hier nur skizzenhaft wiedergegeben werden. Kuk, 1865 in Kurland geboren, hatte unter seinen Vorfahren Menschen von verschiedener Geistesart, Chassidim und Aufklärer. So mag sich die Vielseitigkeit und der Reichtum seiner Persönlichkeit erklären. Er war Rabbi und Dichter, Mystiker und Gelehrter, Forscher und religiöser Führer. In jungen Jahrea schon weithin als Rabbiner verschiedener Gemeinden seiner Heimat anerkannt, bildete er seine charakteristische Weltanschauung aus, die er später immer vertreten hat. Von einer tiefen Liebe für Palästina erfüllt, ging er 1904 nach Jaffa. Dort war er bis 1914 als Rabbiner und galt bald als erste Autorität-in allen Fragen der Siedlung. Während des Krieges weilte er im Ausland, das er als Exil empfand. Im Jahre 1917 wirkte er entscheidend mit an der Ueberwindung religiöser Bedenken, die von jüdischer Seite gegen die Balfour-Deklaration erhoben wurden. Nach Kriegsende kehrte er zurück. und wurde 1921 zum Oberrabbiner der aschkenasischen Juden in Palästina gewählt. Fünfzehn Jahre lang war er der anerkannte religiöse Führer in den besonderen Aufgaben, die dem Judentum in Palästina heute gestellt sind. Bis zuletzt beschäftigte ihn der Plan einer Erneuerung der alte» . rabbinischen Ordination, der Begründung einer talmudischen Hochschule für die besten Talmudschüler alier Länder und einer Wiederherstellung des alten Synahedrions. Vielbetrauert ist er nach langem, Leiden im Sommer 1935 gestorben. Am zweiten Abend sprach Rabbiner Dr. S a 1 z - berger-Frankfurt a. M. über „Claude Monte fiore — der Aufklärer". Der Referent schilderte zunächst die Herkunft Montefiores und seinen Werdegang. Klar wurde seine Stellung zur jüdischen Orthodoxie auf der einen, zum Reformjudentum auf der anderen Seite herausgearbeitet. Er ist der typische Vertreter der religiös-liberalen Weltanschauung, . die in der universalistischen. Mission des Judentums gipfelt und jeden jüdischen Nationalismus scharf ablehnt. Seine tiefe Frömmigkeit, seinen lauteren Charakter, seine Menschenliebe, aber auch den Mann praktischen Wirkens auf religiösem (Hausbibel, Gründung von Synagogen •. und Organisationen) und jüdisch sozialem (Sorge für Ostjuden) und philantropischem (Bekämpfung des Mädchenhandels. Gründung von Fröbel-Kindergarten) Gebiet behandelte der Redner. Montefiore ist aus der englischen Umwelt nicht' zu lösen und doch einer der führenden Geister des religiös-liberalen Judentums von heute. Neben der Vortragsreibe laufen naturgemäss die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften,-von denen die eine „Jüdische Mai er und ihre künstlerische Umwelt'*' unter Leitung Dr. Arthur G a 11 i n e r s- Frankfurt a. M. in fünf Abenden eben beendet worden ist, und eine andere „I sraelitische Koni g s g e s c h i c h t e im Rahmen der allgemeinen Weltpolitik", die der Leiter der jüdischen Schule, M. Rosenbusch, abgehalten hatw Dr.P.L. Fortbildungskurse für jüdische Aerzte in Frankfurt am Main. Die nächsten Kurse im grossen Saal des Schwesternhauses, Bornheimer Landwehr 85 (Telephon 44 020) finden am 18. Dezember. 20 Uhr. 19. Dezember, 9 Uhr 30 Min., 10 Uhr 30 Min. und 11 Uhr 30 Min. statt. Vortragende: Prof. Buschke (Berlin), Dr. Max Meyer, Dr. Max Maier, Dr. Robert Solomon. Einschreibegebühr 1,50 RM, einzuzahlen auf Postscheckkonto des Krankenhauses der Israelitischen Gemeinde, Frankfurt am Main, Nr. 4359, worauf die Eintrittskarte zugesandt wird. Auskunft beim Büro des Krankenhauses, Gagernstrasse 36 (Telephon 48 851). Teilnahme an den Kursen ist nur Aerzten oder besonders eingeladenen Personen gestattet. ^^Äirfsäsii AIT-ENBURG HALLE a. S. MÖNCHEN OFFEN BACH a. M. r Mins ü i s. Min Immer lührend i V J r 1 A.Huth&Co.A.G. Gr. 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